Lade Inhalt...

Der Eiffelturm - Zeitgenössische Kritik

Hausarbeit 2009 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Vorgeschichte des Turmbaus
2. Zeitgenössische Kritik
a) Der Protest der Künstler
b) Die Reaktion Eiffels
c) Auswirkungen des Protests
d) Zusammenfassung

III. Ergebnisse

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Am 31. März diesen Jahres jährte sich der Tag der Einweihung des Pariser Eiffelturms zum 120. Mal. Obwohl der Turm eigentlich nur bis zum 31. Dezember 1910 stehen bleiben und danach abgerissen werden sollte[1], ist er heute eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Paris. Von seiner Eröffnung im Jahr 1889 anlässlich der im selben Jahr stattfindenden Pariser Weltausstellung bis zum Jahr 2007 haben mehr als 230 Millionen Menschen den Turm besucht.[2] Heute ist er aus dem Stadtbild der französischen Hauptstadt nicht mehr wegzudenken.

Doch diese heute unbestrittene Bedeutung hatte der Turm nicht immer: Nach Beginn des Eiffelturmbaus am 28. Januar 1887[3] gab es vor allem von Seiten der französischen Kulturschaffenden lautstarke Kritik am Bau „de l’inutile et monstrueuse tour Eiffel“.[4] Dieser Kritik soll in dieser Hausarbeit nachgespürt werden. Dabei sollen folgende zwei Fragen beantwortet werden: Was war die Hauptkonfliktlinie zwischen Befürwortern und Gegnern des Eiffelturmbaus? Und wie hat sich dieser Konflikt auf den Bau des Eiffelturm ausgewirkt?

Dazu wird der Verfasser dieser Hausarbeit zunächst einen kurzen Überblick über die Vorgeschichte des Bauprojekts geben und sich anschließend mit den Baukritikern befassen. Den Betrachtungsschwerpunkt bildet hierbei der „Protest der Künstler gegen den Turm des Monsieur Eiffel“[5], der am 14. Februar 1887 in der Zeitschrift Le Temps veröffentlicht wurde. Abschließend wird der Verfasser die Ergebnisse zusammenfassen und ein Fazit ziehen.

Die Quellenlage für diese Fragestellung ist insgesamt als gut zu beurteilen. Das wichtigste Protestschreiben ist in der von Daniel Bermond verfassten Biografie[6] Gustave Eiffels veröffentlicht. Auf die weitere Kritik und deren Auswirkungen gehen unter anderem Wolfgang Piersig[7], Winfried Kretschmer[8] und Daniel Bermond[9] ein.

II. Hauptteil

1. Vorgeschichte des Turmbaus

Am 8. November des Jahres 1884 erließ die französische Regierung ein Dekret zur Ausrichtung einer Weltausstellung in Paris im Jahr 1889, die anlässlich des hundertsten Jubiläums der französischen Revolution stattfinden sollte. Bereits im Juni desselben Jahres entwickelten zwei Ingenieure des Metallbauunternehmens G. Eiffel & Cie., Maurice Koechlin und Emile Nouguier, im Hinblick auf die sich verdichtenden Gerüchte über die bevorstehende Ausstellung den Bauplan eines 300 Meter hohen Turms, der die Grundlage des späteren Eiffelturms bilden sollte.[10]

Die Idee zum Bau eines 1.000 Fuß oder umgerechnet etwas mehr als 300 Meter hohen Turms stammte allerdings nicht von den beiden Ingenieuren. Bereits im Jahr 1832 formulierte sie der Architekt Richard Trevithick. Sie wurde in den nächsten 50 Jahren immer wieder einmal aufgegriffen, aber auch wieder fallen gelassen, wie zum Beispiel anlässlich der Weltausstellung in Philadelphia im Jahr 1876 als Denkmal der amerikanischen Unabhängigkeit. Der französische Architekt Jules Bourdais veröffentlichte Anfang der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts die Idee des Baus eines 360 Meter hohen Sonnenturms auf dem Pariser Marsfeld.[11]

Die Idee des Turmbaus zeichnete sich dabei nicht durch ihren praktischen Nutzen, sondern vielmehr durch die Demonstration der rapide gewachsenen ingenieurtechnischen Leistungsfähigkeit aus. Das bis zur Fertigstellung des Eiffelturms höchste Bauwerk der Welt, das im Jahr 1885 fertiggestellte Washington Monument in Washington D.C., war nur etwa halb so hoch wie dieser: 169 Meter.[12] Der Turm sollte ein Monument des technischen Fortschritts sein und ist von der erbrachten ingenieurtechnischen Leistung her mit anderen Bauprojekten seiner Zeit wie dem Suez-Kanal, der Brooklyn-Bridge oder dem Gotthard-Tunnel vergleichbar.[13]

Doch bevor sie mit der Konstruktion beginnen konnten, mussten Koechlin und Nouguier ihren Arbeitgeber, Gustave Eiffel, von ihrem Vorhaben überzeugen. Dies gelang erst nachdem der Architekt Stephen Sauvestre den Plan der beiden architektonisch überarbeitet und dem Eiffelturm so sein heutiges Aussehen gegeben hatte. Daraufhin setzte sich Eiffel an die Spitze des Projekts, beantragte ein Patent für den Turmbau und veröffentlichte im Jahr 1885 eine Denkschrift, in der er das Vorhaben der Öffentlichkeit bekannt machte.[14]

Damit trat er in Konkurrenz zu den Plänen Bourdais, der seinen Turm ebenfalls anlässlich der bevorstehenden Weltausstellung auf dem Pariser Marsfeld realisieren wollte. Eiffel entfachte daraufhin hinter den Kulissen eine Kampagne, um die Pläne seines Konkurrenten als „architektonische Phantasterei“[15] darzustellen. Seiner Meinung nach war es nicht möglich, einen 300 Meter hohen Turm aus Stein zu bauen.[16]

Diese Bemühungen waren so erfolgreich, dass bereits in der Ausschreibung für den Wettbewerb um die Bauarbeiten auf dem Ausstellungsgelände, die am 1. Mai 1886 durch den Handelsminister erlassen wurde, explizit von einem 300 Meter hohen Turm aus Eisen die Rede war. Dieser Bedingung entsprach nur Eiffels Vorschlag, da Bourdais seinen Turm unter Verwendung von Granit errichten wollte. So endete der Wettbewerb im Sommer des Jahres 1886 mit einem Sieg Eiffels.[17]

Am 8. Januar 1887 wurde der Bauvertrag offiziell unterzeichnet, die Bauarbeiten begannen am 28. Januar. Nach zwei Jahren, zwei Monaten und zwei Tagen Bauzeit wurde am 31. März 1889 die Einweihung des inzwischen inoffiziell nach Eiffel benannten Turms begangen.[18]

Eiffel hatte in der Zwischenzeit die Patentrechte seiner drei Mitarbeiter aufgekauft und war so der einzige Besitzer des Turms. Damit flossen die Einnahmen aus den Eintritts-geldern direkt an ihn. Noch im Jahr 1889 hatte er die von ihm investierte Summe von sechs Millionen Francs wieder eingenommen. Sein Versprechen, die Namen der drei Konstrukteure des Eiffelturms gleichberechtigt mit dem seinigen zu nennen, hielt er nicht.[19]

2. Zeitgenössische Kritik

Bereits vor der Grundsteinlegung regte sich in Frankreich erste Kritik an den Plänen Eiffels:

So forderte zum Beispiel der Abgeordnete und spätere Premierminister Georges Clemenceau während einer Rede vor dem Parlament „quelque chose de plus magique, de plus attirant que la tour Eiffel.“[20] Desweiteren stellte er die Frage, „s’il est nécessaire de donner 1.500.000 Francs pour faire monter toute l’Angleterre à 300 mètres au-dessus du niveau de la Seine.“[21] Pierre Tirard, Mitglied der Kommission, die über den Turmbau entscheiden sollte und ebenfalls späterer Premierminister sagte zum Vorschlag Eiffels: „Ces excentricités ne sont pas dans le goût français.“[22]

Politische Befürworter des Turmbaus wie der spätere Staatspräsident Félix Faure sprachen im Gegensatz dazu vom Vorschlag Eiffels als „une grande manifestation du génie national.“[23]

Neben dem politischen Protest gegen den Bau des Eiffelturms sind noch weitere Äußerungen von zumeist unbekannten Kritikern gegenüber dem Vorhaben Eiffels überliefert, die sich – ähnlich wie die Kritik der Künstler – vor allem gegen das Erscheinungsbild des Turms richteten: So wurde er von Zeitgenossen unter anderem als „,schwarzer Fabrikschornstein‘ ,widerwärtige Säule aus verschraubtem Blech‘ oder ,bestürzendes Hirngespinst’ bezeichnet.“[24]

Erst nach Baubeginn wurde die öffentliche Kritik lauter. Vor allem Vertreter des kulturellen Lebens in Frankreich – wie die Schriftsteller Alexandre Dumas der Jüngere und Guy de Maupassant oder der Komponist Charles Gounod – äußerten sich kritisch gegenüber dem „Tour de Babel“.[25]

a) Der Protest der Künstler

Die Kritiker der Pläne Gustave Eiffels um Dumas, de Maupassant und Gounod veröffentlichten am 14. Februar 1887 in der Zeitung Le Temps das wohl wichtigste und einflussreichste Protestschreiben, das sich gegen den gerade begonnenen Bau des Eiffelturms richtete:

„Nous venons, écrivains, peintres, sculpteurs, architectes, amateurs passionnés de la beauté jusqu’ici intacte de Paris, protester de toutes non forces, de toute notre indignation, au nom du goût français méconnu, au nom de l’art et de l’histoire français menacés, contre l’érection, en plein cœur des la capitale, de l’inutile et monstrueuse tour Eiffel, que la malignité publique, souvent empreinte de bon sens et d’esprit de justice, a déjà baptisée du nom de « Tour de Babel ».“[26]

[...]


[1] Köhler, Michael: Der Eiffelturm. Geschichten, Kuriositäten und Fakten um den berühmtesten Turm der Welt, München 1990, S. 35.

[2] Piersig, Wolfgang: Reminiszenzen an den Baubeginn des Eiffelturms vor 120 Jahren, in: Stahl und Eisen 127 (2007) 11, S. 170.

[3] Köhler: Eiffelturm, S. 37.

[4] Bermond, Daniel: Gustave Eiffel, Paris 2002, S. 275.

[5] Eiffel, Gustave: La Tour de Trois Cents Mètres, Hongkong u. a. 2006, S. 10.

[6] Bermond: Eiffel, S. 274-276.

[7] Piersig: Reminiszenzen.

[8] Kretschmer, Winfried: Geschichte der Weltausstellungen, Frankfurt / Main u. a. 1999.

[9] Bermond: Eiffel.

[10] Kretschmer: Weltausstellungen, S. 124.

[11] Ebd., S. 123-124.

[12] Kowitz: Vera: La Tour Eiffel. Ein Bauwerk als Symbol und als Motiv in Literatur und Kunst, Essen 1989 (Frankreich-Studien. Arbeiten zur Literatur und Kultur, Band 5), S. 32.

[13] Kretschmer: Weltausstellungen, S. 123;

[14] Ebd., S. 124.

[15] Köhler: Eiffelturm, S. 33.

[16] Lemoine, Bertrand: Gustave Eiffel, Basel u. a. 1988, S. 90.

[17] Köhler: Eiffelturm, S. 33.

[18] Ebd., S. 35-49.

[19] Kretschmer: Weltausstellungen, S. 124.

[20] Bermond: Eiffel, S. 265.

[21] Ebd.

[22] Ebd., S. 266.

[23] Ebd.

[24] Schädlich, Christian: 100 Jahre Eiffelturm, in: Architektur in der DDR 38 (1989) 7, S. 43.

[25] Bermond: Eiffel, S. 275.

[26] Ebd.

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656144052
ISBN (Buch)
9783656143833
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189986
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Eiffelturm Paris Gustave Eiffel Weltausstellung Maurice Koechlin Emile Nouguier Richard Trevithick Stephen Sauvestre Georges Clemenceau Félix Faure Dumas de Maupassant Alexandre Dumas Guy de Mauspassant Architektur

Autor

Zurück

Titel: Der Eiffelturm - Zeitgenössische Kritik