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Die Familie Thurn und Taxis - Aufstieg eines Adelsgeschlechts

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Von Bergamo nach Innsbruck
2. Das habsburgische Spanien und der Ausbau der Taxis-Post
3. Die europäische Postkrise und das Reichspostregal
4. Das Erblehen und die Reichsgrafenwürde
5. Die Landesposten und die Reichsfürstenwürde
6. Das Prinzipalkommissariat

III. Ergebnisse

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Bei der Betrachtung der Postgeschichte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation der frühen Neuzeit kann vor allem eine Familie nicht außer Acht gelassen werden: Die Familie Thurn und Taxis. Ihre Familienmitglieder bauten seit 1490[1] das erste Postnetz auf und unterhielten es – wenn auch zuletzt nur noch teilweise – bis 1867[2]. Darüber hinaus gelang ihnen ein enormer gesellschaftlicher Aufstieg: Die ursprünglich italienische Unternehmerfamilie arbeitete zunächst für den Vatikan, bevor sie in die Dienste der Habsburger trat. Spätestens mit der Erhebung in den erblichen Reichsfürstenstand durch Kaiser Leopold I. im Jahr 1695[3] wurde sie eine der nicht nur formal bedeutendsten Adelsfamilien im Reich.

Dieser Aufstieg war unmittelbar mit der erfolgreichen Entwicklung der Reichspost verknüpft.[4] Doch bedingte der Auf- und Ausbau der Reichspost auch direkt den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie Thurn und Taxis? Dieser Frage soll in dieser Hausarbeit nachgegangen werden.

Dazu wird der Verfasser dieser Hausarbeit sowohl die unternehmerische Entwicklung der Reichspost als auch den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie Thurn und Taxis chronologisch nachvollziehen und miteinander in Verbindung bringen. Danach wird er die Ergebnisse kurz zusammenfassen und die oben formulierte Fragestellung abschließend beantworten.

Die Geschichte der Familie Thurn und Taxis und ihrer Reichspost ist sowohl im Hinblick auf die Quellen als auch im Hinblick auf die Literatur gut erschlossen: Die wichtigsten Quellen wurden von Martin Dallmeier in den Urkunden-Regesten zur Geschichte des europäischen Postwesens[5] zusammengefasst. Zur Literatur über dieses Thema hat vor allem Wolfgang Behringer mit zwei Werken beigetragen: Das eine behandelt die Reichspost der frühen Neuzeit[6] und das andere die Geschichte der Familie Thurn und Taxis[7].

II. Hauptteil

1. Von Bergamo nach Innsbruck

Ihre Wurzeln hat die Familie Thurn und Taxis in der Gegend um das norditalienische Bergamo, die für seine Kuriere und Boten bekannt war. Von einem nahen Berg, dem Monte Tasso, erhielt sie ihren Namen: de Tassis[8]. Seit dem 12. Jahrhundert gehörte die Familie von Taxis zu den Bergamasker Kurieren. Sie zählte neben anderen Familien aus dem Raum Bergamo zu den führenden Auftragnehmern der im Jahr 1305 gegründeten venezianischen Botenanstalt, der „c ompagnia del corrieri della Signoria“[9] und war auch für das Herzogtum Mailand tätig.[10] Im Jahr 1474 wurde Gabriel de Tassis päpstlicher Postmeister in Rom. Diese Stellung wurde über mehrere Generationen hinweg bis ins Jahr 1539 von Mitgliedern seiner Familie ausgeübt.[11]

Im Jahr 1490[12] trat Janetto de Tassis als „obristen postmaister“[13] als Angestellter in die Dienste des Habsburger Königs und späteren Kaisers Maximilian I. Neben ihm werden in den Rechnungsbüchern der Tiroler Hofkammer auch sein Bruder Francesco und sein Neffe Johann Baptista als Honorarempfänger geführt. Sie waren die drei Hauptfiguren bei der Einrichtung der ersten habsburgischen Post: „In diesem Jahr [1490] fiengen die Posten an bestellt zu werden / auß Befelch Maximiliani I. deß römischen Königs / von Österreich biß in die Niderland / in Franckreich / und biß nachher Rom.“[14]

Doch wieso benötigte Maximilian I. zu diesem Zeitpunkt eine eigene Post? Die Antwort lässt sich in der weiten Streuung der habsburgischen Besitztümer finden. Neben dem österreichischen Erblanden gehörten dazu seit dem späten 15. Jahrhundert auch die Niederlande. Um diese finanziell bedeutenden aber auch selbstbewusst handelnden Provinzen effektiv verwalten zu können, war Maximilian I. auf eine ständige und schnelle Verbindung zwischen seinem Hof in Innsbruck und den Niederlanden angewiesen. Dies zeigt sich deutlich in den unter ihm eingerichteten Postkursen.

Eine europäische Hauptpostlinie verband Brüssel, die bedeutendste Stadt der Niederlande, mit Innsbruck und verlief von dort aus weiter nach Verona. Von dieser Hauptlinie gingen noch einige Nebenlinien unter anderem nach Köln, Augsburg, Salzburg und Lienz ab. Die Linien bestanden aus einem Stafettensystem, welches etwa alle 20 Kilometer einen Posten zum Botenwechsel aufwies.[15]

Bei der Bezahlung für die von der Familie von Taxis geleisteten Dienste war Maximilian I. ein säumiger Zahler. Allein seine Schulden bei Janetto de Tassis beliefen sich im Jahr 1506 auf 9.020 Gulden. Um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, verpfändete der Kaiser an ihn eigene Besitztümer, wie zum Beispiel die Alaunbergwerke in Kärnten oder das Schloss Räckl in Istrien.[16] Des Weiteren erhob er die Familie von Taxis am 31. Mai 1512 in den erblichen Adelsstand.[17]

Da die Belehnung und Nobilitierung durch den Kaiser allein nicht ausreichte, um die Schulden zu begleichen und die Post zu finanzieren, öffnete sich die Taxis-Post auch Privatpersonen, wie zum Beispiel den Fuggern aus Augsburg, oder anderen politischen Organisationseinheiten, wie zum Beispiel der Stadt Köln.[18]

2. Das habsburgische Spanien und der Ausbau der Taxis-Post

Im Jahr 1501 siedelte Francesco de Tassis nach Brüssel über, wo ihn der Regent der Niederlande, Erzherzog Philipp, der Sohn Maximilian I., am 1. März desselben Jahres zum „capitaine et maître de nos postes“[19], also zu seinem Hofpostmeister, machte.

Nachdem Phillip im November 1504 den spanischen Thron geerbt hatte, verbesserte sich die rechtliche und finanzielle Situation der Taxis-Post entscheidend. Durch den ersten Postvertrag, den König Phillip I. am 18. Januar 1505 mit Franz von Taxis schloss, wurde der abhängig beschäftigte Hofpostmeister zu einem selbstständigen Unternehmer, der mit der spanischen Krone einen Vertrag schließen konnte. Für die Briefzustellung haftete der Generalpostmeister von nun an persönlich. Franz von Taxis verpflichtete sich außerdem dazu, auf eigene Kosten neue Postlinien von Brüssel aus zum Kaiser, zum französischen König und zum spanischen Hoflager einzurichten. Des Weiteren wurden feste Beförderungszeiten für bestimmte Strecken vereinbart. Dafür erhielt er eine jährliche Zahlung von 12.000 Livres und das alleinige Monopol auf die Post. Die Briefbeförderung auf der europäischen Hauptpostlinie zwischen den Niederlanden und den österreichischen Erblanden wurde nun von der spanischen Hofkasse bezahlt.[20]

Ab dem 15. November 1516 wurden die Zustellzeiten in einem weiteren Vertrag zwischen der Familie von Taxis und der spanischen Krone, der auch als „Magna Charta des modernen Postwesens“[21] bezeichnet wird, verkürzt und die Post auf Italien ausgedehnt. Des Weiteren wurde Johann Baptista von Taxis, der Neffe von Franz von Taxis, als dessen Nachfolger einbezogen. Das Honorar für die Dienste des Generalpostmeisters wurde noch einmal deutlich erhöht.

Durch beide Verträge erhielt der Generalpostmeister auch erhebliche hoheitliche Rechte in der Exekutive, der Legislative und der Judikative: Er konnte Postbeamte wegen Verfehlungen gegenüber den Weisungen des Oberpostmeisters bestrafen und jeden, der die Postbeförderung behinderte, zur Zusammenarbeit zwingen.[22]

Ein weiterer Beleg für den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie von Taxis findet sich in dem 1534 von Karl V. genehmigten Familienwappen, das von nun an im Herzschild über dem Dachs anstelle des einköpfigen Adlers den doppelköpfigen Adler des Hauses Habsburg zeigte.[23]

Der Erfolg der Taxis-Post, die sich bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts als äußerst rentabel erwiesen hatte, inspirierte Nachahmer, Konkurrenzposten einzurichten. Der damalige Kaiser Karl V. sah jedoch nicht nur die Amtspost, sondern auch die Privat- und Geschäftspost als Teil des Postprivilegs der Taxis an. Im Jahr 1545 erließ er eine Verordnung zu Gunsten Johann Baptista de Tassis, die alle Kaufleute verpflichtete, künftig ausschließlich die Taxis-Post zu benutzen.[24]

3. Die europäische Postkrise und das Reichspostregal

Die auf neuer finanzieller und rechtlicher Grundlage stehende Taxis-Post agierte erfolgreich bis zum Beginn der europäischen Postkrise in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Zumindest gibt es keine Berichte über eine Störung des europäischen Postwesens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.[25]

Der Ausgangspunkt der europäischen Postkrise war die Spaltung der Habsburger in eine spanische und eine österreichische Linie im Jahr 1521. Damit wurde der österreichische und spanische Thron nicht mehr durch einen Habsburger in Personalunion besetzt. Die österreichischen Niederlande wurden dabei dem spanischen Erbe zugeschlagen. Die habsburgisch-österreichische Taxis-Post wurde aber weiter von der habsburgisch-spanischen Krone bezahlt.[26]

Dieser Umstand führte auf zwei Wegen direkt in eine europäische Postkrise, die eine Neuordnung des Reichspostwesens unausweichlich scheinen ließ:

Zum Einen verursachte der 1568 begonnene Konfessionskrieg zwischen dem katholischen Spanien und seinen protestantischen Niederlanden eine Entfremdung der protestantischen Reichsstände von der Taxis-Post. Die Reichsstände forderten daher 1570 Kaiser Maximilian II. auf, die Post dem Reich zu unterstellen und sie nicht von ausländischen Mächten finanzieren zu lassen.[27]

Zum Anderen war die finanzielle Grundlage der Taxis-Post durch die 1557 beginnenden spanischen Staatsbankrotte stark gefährdet. Seit dem zweiten Staatsbankrott von 1565 blieben die niederländischen Zahlungen an den Reichspostmeister Leonhard von Taxis aus. Dies führte dazu, dass dieser seine Posthalter nicht mehr voll bezahlen konnte und ihnen ihren Lohn schuldig blieb. Da diese aber auf die Zahlungen angewiesen waren, um den Postbetrieb aufrecht zu erhalten, kam es immer wieder zu Unterbrechungen und Verzögerungen im Postverkehr.[28]

[...]


[1] Behringer, Wolfgang: Im Zeichen des Merkur. Reichspost und Kommunikationsrevolution in der Frühen Neuzeit, Göttingen 2003, S. 59.

[2] Ebd., S. 616.

[3] Behringer, Wolfgang: Thurn und Taxis. Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen, München 1990, S. 211.

[4] Ebd., S. 11.

[5] Dallmeier, Martin: Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens 1501 – 1806, Teil II: Urkunden-Regesten, Kallmünz 1977 (Thurn und Taxis-Studien 9. Band, Teil II).

[6] Behringer: Merkur.

[7] Behringer: Thurn und Taxis.

[8] Tasso oder Tassis ist das italienische Wort für einen Dachs. Ins deutsche wurde der Familienname zunächst als Dachsen oder Daxen wiedergegeben. Später entwickelte sich daraus der eingedeutschte Familienname Taxis. In dieser Hausarbeit wird – außer bei Personennamen, deren Schreibweise beibehalten wird – der Name von Taxis benutzt.

[9] Dallmeier, Martin (Hrsg.): 500 Jahre Post. Ausstellung anläßlich der 500jährigen Wiederkehr der Anfänge der Post in Mitteleuropa 1490-1990, Regensburg 1990, S. 23.

[10] Dallmeier, Martin / Schad, Martha: Das Fürstliche Haus Thurn und Taxis. 300 Jahre Geschichte in Bildern, Regensburg 1996, S. 7.

[11] Dallmeier: Post, S. 23.

[12] Behringer: Merkur, S. 59; In früheren Werken wird – auch von Behringer – das Jahr 1489 als Gründungsjahr der Taxis-Post angegeben.

[13] Behringer: Thurn und Taxis, S. 25.

[14] Schorer, Christoph: Memminger Chronick, Memmingen 1660, S. 51, zitiert nach: Behringer, Thurn und Taxis, S. 26.

[15] Behringer: Thurn und Taxis, S. 37.

[16] Ebd., S. 30-31.

[17] Ebd., S. 200.

[18] Ebd., S. 32.

[19] Dallmeier: Quellen II, Nr. 1, S. 3.

[20] Ebd., Nr. 2, S. 3-4.

[21] Ebd., Nr. 3, S. 4-5.

[22] Dallmeier: Post, S. 35.

[23] Ebd., S. 200.

[24] Dallmeier: Quellen II, Nr. 21, S.14.

[25] Dallmeier: Post, S. 40.

[26] Behringer: Thurn und Taxis, S. 54.

[27] Dallmeier, Martin: Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens 1501 – 1806, Teil I: Quellen – Literatur - Einleitung, Kallmünz 1977 (Thurn und Taxis-Studien 9. Band, Teil I), S. 57.

[28] Ebd., S. 61.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656149378
ISBN (Buch)
9783656149385
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189985
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Thurn und Taxis Post Maximilian I. Janetto de Tassis Hofpostmeister Generalpostmeisters Johann Baptista von Taxis Karl V. Leonhard von Taxis Postwesen Rudolf II. Lamoral von Taxis Reichspostwesen Erblehen Ferdinand II. Nobilitierung Leopold I. Regensburg Prinzipalkommissar Postgeneralat

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