Lade Inhalt...

Marcus Antonius, Herrscher im Osten des Römischen Reichs

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Kurzbiographie
2. Antonius als Herrscher
a) Der militärische Aspekt
b) Der politische Aspekt
c) Der repräsentative Aspekt
d) Zusammenfassung

III. Ergebnisse

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Antony was amazed at her [Cleopatras] wit as well as her good looks, and became captive as though he were a young man, although he was forty years of age. It is said that he was always very susceptible in this way, and that he had fallen in love with her at first sight long time ago when she was still a girl and he was serving as master of horse under Gabinius in Alexandria.”[1] Diese Beschreibung über das Verhältnis zwischen Marcus Antonius und der ägyptischen Königin Cleopatra, verfasst etwa 180 Jahre nach dem Tod der beiden von Appian, ist typisch für den größten Teil der römischen Geschichtsschreibung. In vielen Werken wird Antonius Liebe zu Cleopatra und seine Abhängigkeit von ihr als wichtigste Ursache für seine schlechten Leistungen als Herrscher des Ostens des Römischen Reichs und für sein Scheitern im Bürgerkrieg gegen Octavian verantwortlich gemacht.

„Ein bekannter Historiker, Ronald Syme, hat einmal gesagt: ‚Das Andenken des Antonius liegt unter den Reden Ciceros, unter Schwindel und Erdichtungen und unter der Katastrophe von Actium begraben.‘“[2] Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, dieses Andenken teilweise wieder an die Oberfläche zu bringen. Dies soll unter der Fragestellung geschehen, wie die militärischen, politischen und repräsentativen Vorstellungen des Antonius als Herrscher des Ostens des Römischen Reichs zwischen dem Sieg des zweiten Triumvirats in der Schlacht bei Philippi im Jahr 42 v. Chr. und dem Beginn des Bürgerkriegs zwischen Antonius und Octavian im Jahr 32 v. Chr. ausgesehen haben. Dazu wird der Verfasser dieser Hausarbeit zunächst kurz das Leben des Antonius darstellen. Anschließend wird er das Vorgehen des Antonius als Herrscher in drei zentralen Bereichen untersuchen: Zuerst im militärischen Bereich, am Beispiel des Kriegs gegen die Parther und die Armenier, danach im politischen Bereich, am Beispiel der Neugliederung des Herrschaftssystems durch Klientelfürstentümer im Osten des Römischen Reichs und zum Schluss im Bereich des von ihm betriebenen Herrscherkults. Am Ende dieser Hausarbeit wird der Verfasser die Ergebnisse zusammenfassen und ein Urteil über die Herrschaft des Antonius abgeben.

Die Quellenlage zu diesem Thema ist insgesamt als schwierig und schlecht zu beurteilen: Da es nach dem heutigen Stand der Wissenschaft außer „einigen Papyri, Inskriptionen und Münzen“[3] keine direkten Quellen Antonius betreffend gibt, ist man bei der Darstellung dieses Themas auf die antike römische Geschichtsschreibung beschränkt, die in einem großen zeitlichem Abstand angefertigt wurde und auf heute unbekannten Quellen basiert.[4] Die antike Literatur ist zudem davon geprägt, dass sie größtenteils von Anhängern der römischen Monarchie und damit von der Seite, die im Bürgerkrieg siegte, verfasst wurde.[5] „Diese Tatsache hat in der antiken Überlieferung ganz unauslöschliche Spuren hinterlassen, und es findet sich in den antiken Quellen keine einzige Stimme, die den Versuch unternimmt, dem Unterlegenen gerecht zu werden.“[6] Trotzdem ist der Verfasser auf diese Quellen angewiesen.

Als antike Quellen nutzt er die Römische Geschichte von Cassius Dio[7], die Geschichte des Bürgerkriegs von Appian[8] und die Antonius-Biographie von Plutarch.[9] Aus der nicht antiken Literatur nutzt er vor allem das Werk Simon Bennes zur Herrschaft des Antonius und der Cleopatra[10], die Antonius-Biographie von Hermann Bengtson[11], und Ronald Symes Buch über die „Römische Revolution“.[12]

II. Hauptteil

1. Kurzbiographie

Marcus Antonius wurde 14. Januar 83 v. Chr. als Sohn des Marcus Antonius Creticus und der Julia, einer Cousine des Gaius Iulius Caesar, geboren.[13] Seine Familie gehörte zum plebejischen Adel, nahm unter ihm aber keine herausgehobene Stellung ein. Antonius Großvater, Marcus Antonius Orator, der zu seiner Zeit ein berühmter Prozessredner war, bekleidete im Jahr 99 v. Chr. das Amt eines Konsuls. 74 v. Chr. erlitt Creticus als Praetor beim Kampf gegen Piraten, die zu diesem Zeitpunkt die römischen Küsten bedrohten, eine vernichtende Niederlage. Er starb als politisch gescheiterter Mann im Jahr 72 oder 71 v. Chr. auf Kreta.[14] Der spätere Triumvir Marcus Antonius erbte von seinem Vater nichts außer dessen Namen und Schulden.[15]

Seine ersten militärischen Erfahrungen sammelte Antonius als Anführer der Reiterei des Prokonsuls von Syrien in den Jahren 58 bis 55 v. Chr., wo er sich schnell auszeichnete. Im Jahr 54 v. Chr. begleitete er Caesar nach Gallien, wovon er sich Aufstiegschancen versprach, während der spätere Diktator in ihm ein taugliches Werkzeug sah. 53 v. Chr. bekleidete er in Rom – mit den Empfehlungen Caesars ausgestattet – das Amt des Quaestors. Im darauf folgenden Jahr kehrte er nach Gallien zurück, wo er bis die nächsten zwei Jahre an den Feldzügen Caesars teilnahm. Im Jahr 50 v. Chr. wurde er Augur und im folgenden Jahr Volkstribun. „Seine Stellung benützte er im Interesse Caesars und setzte sich in Gemeinschaft mit seinem Kollegen Q. Cassius den Pompejanern hartnäckig entgegen.“[16] Sein Verweis aus dem Senat durch den Konsul C. Lentulus im Januar 49 v. Chr. lieferte Caesar den Vorwand für den Bürgerkrieg mit Pompeius. In diesem diente er Caesar als Propraetor in Italien. Nachdem er 48 v. Chr. Caesar nach Griechenland gefolgt war, trug er als Befehlshaber des linken Flügels zum Erfolg der Schlacht bei Pharsalus[17] bei. Während Caesars Feldzügen in Africa und Spanien blieb Antonius in Rom, wo er sich mit seiner zweiten Frau, Fulvia, vermählte. Im Jahr 44 v. Chr. wurde er Caesars Kollege im Amt des Konsuls. Nach der Ermordung des Dictators am 15. März 44 v. Chr. in der Curie in Rom, bei der er nicht persönlich anwesend war, übernahm er zunächst die Führung der Partei des Caesars, doch mit dem Erscheinen Octavians auf der politischen Bühne gegen Ende April desselben Jahres erwuchs ihm schnell ein ernst zu nehmender Konkurrent.[18]

Gegen Ende des Jahres musste Antonius Italien verlassen, nachdem er endgültig mit dem Senat gebrochen hatte und sich seine militärische Lage in Italien aufgrund des Überlaufens mehrerer seiner Truppenteile zu Octavian, der zu dieser Zeit noch auf Seiten des Senats und seiner Führer, Cicero und Brutus, stand, stark verschlechtert hatte. Doch Octavian wechselte nach seiner Ernennung zum Konsul am 19. August 43 v. Chr. das politische Lager und wurde Mitglied der caesarischen Partei. Er ließ durch seinen Kollegen Pedius die Ächtung des Antonius aufheben und bildete zusammen mit ihm und Lepidus das Zweite Triumvirat, welches am 27. November 43 v. Chr. in Kraft trat und für einen Zeitraum von fünf Jahren geschlossen wurde.[19]

Die Triumvirn beschlossen umfangreiche Proskriptionen[20], die erbarmungslos durchgeführt wurden. Durch die Proskriptionen und eine Kriegssteuer erhielten die Triumvirn genügend Geld, um damit ihren Kampf gegen die Caesarmörder Brutus und Crassus zu finanzieren. Die Triumvirn besiegten ihre Gegner in den beiden Schlachten bei Philippi im Oktober und November des Jahres 42 v. Chr., woraufhin diese Selbstmord begingen. An dem Sieg hatte Antonius den entscheidenden Anteil. Nach dem Sieg wurden die römischen Provinzen unter den drei Triumvirn aufgeteilt, wobei Antonius der Osten des Reichs zugeschlagen wurde. Dort sollte er vor allem gegen die Bedrohung der römischen Ostgrenze durch die Parther[21] militärisch vorgehen.[22]

Nach dem Tod seiner Frau Fulvia näherten sich Octavian und Antonius noch einmal an und schlossen den Vertrag von Brundisium, in dem sie sich zum einen ihre gegenseitige Unterstützung durch Truppen zusicherten und sich zum anderen darauf einigten, dass Octavian die westlichen und Antonius weiterhin die östlichen Provinzen kontrollieren sollte. Lepidus war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als eine Randfigur innerhalb des Triumvirats. Zur Festigung des Bündnisses heiratete Antonius 38 v. Chr. Octavia, die Schwester Octavians. Im Jahr 37 v. Chr. wurde das Triumvirat um weitere fünf Jahre verlängert, Antonius scheiterte jedoch 36 v. Chr. in seinem Kampf gegen die Parther, 34 v. Chr. triumphierte er über die Armenier. Schon 41 v. Chr. hatte er sich der ägyptischen Königin Cleopatra VII. angenähert. In Folge dessen unterstützte sie ihn mit ihren Truppen und Material.

Im Januar des Jahres 32 v. Chr. wurden durch die starke Kritik der aus dem Lager des Antonius stammenden Konsuln bei der konstituierenden Sitzung des römischen Senats aus den beiden Verbündeten Octavian und Antonius Feinde, und nachdem Letzterer im selben Jahr Octavia zugunsten Cleopatras verließ und sich unter anderem durch die Anerkennung des Caesarion[23] als rechtmäßigem Erbe Caesars propagandistisch angreifbar gemacht hatte, fand Octavian im Testament des Antonius, das er widerrechtlich aus dem Kloster der Vestalinnen entfernte und vor dem Senat verlas, einen Anlass, Cleopatra und damit auch Antonius den Krieg zu erklären.[24]

Nachdem ihnen in der Seeschlacht bei Actium am 2. September 31 v. Chr. eine entscheidende Niederlage durch Octavian und seinen Befehlshaber Agrippa beigebracht wurde, flohen Antonius und Cleopatra nach Ägypten, wo sie in der Schlacht bei Alexandria am 1. August 30 v. Chr. endgültig von Octavian geschlagen wurden. Beide nahmen sich daraufhin das Leben.[25]

2. Antonius als Herrscher

Im Folgenden soll auf das repräsentative Verhalten und die politischen Vorstellungen des Antonius eingegangen werden. Dazu bietet sich die Zeit zwischen 42 v. Chr. und 32 v. Chr. an, da der Triumvir zu dieser Zeit relativ autark und kontinuierlich über die östlichen Gebiete des Römischen Reichs herrschte. Um herauszufinden, wie Antonius herrschte und was er während seiner Herrschaft erreicht hat, wird sein Wirken unter drei verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, dem militärischen, dem politischen und dem repräsentativen. Dabei soll vor allem die Frage beantwortet werden, ob er dort im gegebenen Zeitrahmen „typisch römisch“ handelte.

[...]


[1] App. b.c. V, 8.

[2] Bengtson, Hermann: Marcus Antonius. Triumvir und Herrscher des Orients, München 1977, S. 7.

[3] Benne, Simon: Marcus Antonius und Kleopatra VII. Machtausbau, herrschaftliche Repräsentation und politische Konzeption, Göttingen 2001 (Göttinger Forum für Altertumswissenschaft – Beihefte, Band 6), S. 7.

[4] Benne: Antonius, S. 8.

[5] Ebd., S. 9.

[6] Bengtson: Antonius, S. 7.

[7] Cass. Dio XLVIII-XLIX.

[8] App. b.c. V.

[9] Plut. Ant. XXXII-LXIII.

[10] Benne: Antonius.

[11] Bengtson: Antonius.

[12] Syme, Ronald: Die Römische Revolution. Machtkämpfe im antiken Rom, Grundlegend revidierte und erst-mals vollständige Neuausgabe, 3. Aufl., Stuttgart 2006.

[13] Bengtson: Antonius, S. 13.

[14] Ebd., S. 14-15.

[15] Groebe, Paul: M. Antonius M. f. M. n., der Triumvir, in: RE I 2, Stuttgart 1894, col. 2595.

[16] Ebd., col. 2597.

[17] In der Schlacht bei Pharsalus (auch Pharsalos) besiegte Caesars Heer am 9. August 48 v. Chr. das des Pompeius endgültig. Dieser gab die Schlacht verloren und wurde kurze Zeit später in Ägypten auf Befehl des Pharaos Ptolemaios XII. ermordet.

[18] Groebe: Antonius, coll. 2596-2601.

[19] Ebd., coll. 2601-2604.

[20] Proskriptionen bezeichneten die Ächtung von Personen, die damit quasi für vogelfrei erklärt wurden und von jedermann getötet werden durften. Aufgrund dieser Proskriptionen verloren etwa 2.300 Menschen ihr Leben, unter ihnen auch der Anführer der Senatspartei, Marcus Tullius Cicero.

[21] Die Parther hatten am 6. Mai 53 v. Chr. in der Schlacht bei Carrhae römische Feldzeichen erbeutet. Vor allem diese sollte Antonius wiederbeschaffen, aber erst Octavian gelang es 20 v. Chr. – zu diesem Zeitpunkt schon Augustus genannt – mit den Parthern Frieden zu schließen und die Feldzeichen zurückzuerhalten.

[22] Groebe: Antonius, coll. 2604-2605.

[23] Caesarion war der Sohn von Cleopatra und Caesar.

[24] Will, Wolfgang: M., der Triumvir, in: DNP I, Stuttgart 1996, col. 812.

[25] Will: Triumvir, coll. 812-813.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656144069
ISBN (Buch)
9783656144182
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189984
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Marcus Antoinus Mark Anton Oktavian Augustus Cleopatra Rom Ägypten Triumvirat Actium Seeschlacht Caesarion Kaisarion Repräsentation Carrhae Parther Artavasdes Caesar

Autor

Zurück

Titel: Marcus Antonius, Herrscher im Osten des Römischen Reichs