Lade Inhalt...

Den Piraten auf der Spur: Hamburgs Versuche mit Neuwerk und Ritzebüttel der Lage Herr zu werden

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Die Bedrohung des Hamburger Handels durch Seeräuber
2. Die Inbesitznahme Neuwerks
3. Das Bündnis mit dem Land Wursten
4. Die Verpfändung der Kirchspiele Altenwalde und Groden
5. Der Erwerb Ritzebüttels

III. Ergebnisse

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Noch heute besitzt die Freie und Hansestadt Hamburg mit dem Stadtteil Neuwerk, der aus den drei Inseln Neuwerk, Scharhörn und Nigehörn besteht, einen etwa 100 Kilometer nordwestlich vom Kerngebiet der Stadt liegenden Außenposten in der Nordsee vor der Elbmündung. Diese drei Inseln besitzt Hamburg – fast ohne zeitliche Unterbrechung – seit dem frühen 14. Jahrhundert.

Die Inbesitznahme fremder Gebiete zur Sicherung der Schifffahrtswege zum eigenen, weiter landeinwärts gelegenen Hafen – der Hauptgrund für die Hamburger Gebietserwerbungen im Bereich der Elbmündung und später an der Elbe entlang – stellt im 14. Jahrhundert keinen Einzelfall dar: „Lübeck ist es schon im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts gelungen, über die Trave, soweit sie schiffbar ist, nicht nur die Oberhoheit im vollen Umfange zu erwerben, sondern auch beide Ufer des Stromes bis auf eine kurze Strecke dem Gebiete der Stadt einzuverleiben, so daß hinfort jede Beeinträchtigung der Schiffahrt auf der Trave sich mit Erfolg abwehren ließ.“[1]

Für den Hamburger Rat ist das Vorgehen, das in dieser Hausarbeit dargestellt werden soll, also nicht ohne Beispiel.

Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, die Inbesitznahme der Insel Neuwerk und des Amtes Ritzebüttel durch Hamburg im 14. Jahrhundert in ihrem chronologischen Ablauf darzustellen. Dazu wird der Verfasser zunächst die von Seeräubern[2] ausgehende Gefahr skizzieren, die Hamburg zum Erwerb von Besitzungen an der Elbmündung veranlasst hat. Anschließend wird er die Vorgehensweise des Hamburger Rates bei der Inbesitznahme zunächst Neuwerks und dann Ritzebüttels darlegen. Abschließend wird der Verfasser in einem kurzen Fazit den Unterschied zwischen den beiden Vorgehensweisen zusammenfassend aufzeigen.

Die Quellenlage ist insgesamt als gut zu beurteilen. Die die Inbesitznahme Neuwerks betreffenden Urkunden sind in den zwischen 1842 und 1939 erschienenen ersten beiden Bänden des Hamburgischen Urkundenbuchs veröffentlicht.[3] Die Urkunden, die den Erwerb des Amtes Ritzebüttel dokumentieren, sind in dem „Gedenkblatt zur Feier der 500jährigen Vereinigung des Amtes Ritzebüttel mit der Freien und Hansestadt Hamburg“ des ehemaligen Hamburger Stadtarchivars Anton Hagedorn abgedruckt.[4] Die Urkunden, die das Bündnis Hamburgs mit dem Land Wursten bezeugen, sind 1959 von Erich von Lehe zunächst in einem Aufsatz für das Jahrbuch der Männer von Morgenstein veröffentlicht worden.[5]

Die dieses Thema behandelnde wissenschaftliche Literatur besteht größtenteils aus Aufsätzen, die vor allem gegen Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in zwei unterschiedlichen Zeitschriften des Vereins für Hamburgische Geschichte erschienen sind.[6]

II. Hauptteil

1. Die Bedrohung des Hamburger Handels durch Seeräuber

Am 7. Mai 1189 stellte der damalige Kaiser Friedrich I. der Stadt Hamburg einen Freibrief[7] aus: Er gewährte ihren Schiffen Zollfreiheit auf der Elbe von der Stadt bis zur Nordsee. Und obwohl diese Urkunde heute nicht mehr im Original existiert, sondern nur in einer Abschrift erhalten ist, deren Originaltreue in Frage zu stellen ist, begründete sich auf diesem Hamburger Privileg – wie umfangreich es im Detail auch gewesen sein mag – die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung der Stadt Hamburg als Hafen und Handelsplatz und damit auch die politische Macht des Hamburger Rates.

Doch in dieser herausragenden wirtschaftlichen und politischen Position sah sich der Rat vor allem durch Seeräuberei und Plünderung gestrandeter Schiffe im Bereich der Elbmündung bedroht.

Die Lage der Insel Neuwerk – damals auch in Urkunden und Karten als „Insel O“ oder „Nige O“ bezeichnet[8] – und der Landspitze des Landes Hadeln an der Elbmündung bot Seeräubern in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Möglichkeit, den Handel im Hamburger Hafen empfindlich zu stören: Jedes Schiff, dass aus der Nordsee zum Hamburger Hafen fuhr, musste dieses Gebiet durchqueren.[9] An der Elbeinfahrt stellten Sandbänke für die Seefahrer eine große Gefahr dar, da sie dort jederzeit stranden konnten. Seeräubern bot das Gebiet daher einerseits einen idealen Ausgangspunkt für ihre Raubzüge und im Notfall einen sicheren Rückzugsraum, andererseits konnten sie sich aufgrund des geltenden Strandrechts[10] – bei dessen Geltendmachung sie sicherlich auch nicht vor Mord an überlebenden Seeleuten zurückgeschreckt haben – finanziell und materiell über Wasser halten.[11]

Um dieser Gefahr für den Handel Herr zu werden, schloss der Hamburger Rat mehrere Verträge: Unter anderem verpflichteten sich die beiden Hansestädte Hamburg und Lübeck im Jahr 1241 dazu, gemeinsam alle diejenigen zu bekämpfen, die die Bürger ihrer Städte zwischen der Travemündung, Hamburg und der Elbmündung bedrohten.[12] Damit sollte eine sichere Handelsachse von der Ostsee zur Nordsee über beide Städte ermöglicht werden.

Dieser Verpflichtung nachzukommen war für den Hamburger Rat zu diesem Zeitpunkt weitaus schwerer als für den Lübecker Rat, da letzterer seit dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts den größten Teil des an die Trave zwischen Lübeck und Flussmündung angrenzenden Gebietes selbst besaß und so effektiv gegen jegliche Gefahr für den Handel vorgehen konnte.[13]

Vor allem in dem Bestreben, die Zufahrt zu seinem landeinwärts liegenden Hafen und damit seine wachsende Bedeutung als Handelsplatz zu schützen, ist die Motivation des Hamburger Rates zu suchen, seinen Einflussbereich auf das Gebiet der Elbmündung auszudehnen.

2. Die Inbesitznahme Neuwerks

Ein erster Versuch des Hamburger Rates die Insel Neuwerk unter seine Kontrolle zu bringen, lässt sich auf das Jahr 1286 datieren. In einer Urkunde[14] vom 24. April des Jahres hieß es, dass Hamburg mit den übrigen Kaufleuten ein „beständiges Seezeichen mit beständigem Lichte“[15] errichten würde. Da dieses Seezeichen in späteren Urkunden nicht weiter erwähnt wurde, kann davon ausgegangen werden, dass es niemals errichtet worden ist.[16]

Mit diesem Vertrag gelangte die Insel nämlich nur teilweise in den Besitz des Erzbischofs von Bremen, der zu dieser Zeit das kirchliche Oberhaupt Hamburgs war. Hamburg wurde ausschließlich die Verpflichtung auferlegt, ein Leuchtfeuer auf ihr zu errichten. Daraus, dass Hamburg also für die bloß indirekte Kontrolle der späteren Insel Neuwerk finanzielle und materielle Verpflichtungen eingehen sollte, wird ersichtlich, dass der Hamburger Rat kaum oder nur ein geringes Interesse daran gehabt haben dürfte, dieser Verpflichtung nachzukommen.[17]

Am 1. November 1299 erteilten die Herzöge Johann II. und Albrecht III. von Sachsen-Lauenburg, zu diesem Zeitpunkt die Landesherren des Landes Hadeln, dem Hamburger Rat das Recht, einen Turm aus Holz oder Stein auf der damals unbewohnten Insel „Noua O“[18] zu errichten, um die Elbmündung und damit auch die Einfahrt zum Hamburger Hafen weithin sichtbar zu markieren und zugleich als Wehrgebäude gegen angreifende Feinde zu dienen. Dieses Recht wurde am 2. Februar 1300[19] durch die Landesgemeinde des Landes Hadeln bestätigt.[20] Schiffe, die aus der Nordsee kommend die Elbe ansegelten, wurden vorübergehend gezwungen, sich mit einer Abgabe an den Kosten für den Bau des Turms zu beteiligen.[21]

[...]


[1] Hagedorn, Anton: Gedenkblatt zur Feier der 500jährigen Vereinigung des Amtes Ritzebüttel mit der Freien und Hansestadt Hamburg, Hamburg 1894, S. 4.

[2] Seeräuber seien in dieser Hausarbeit alle Personen, die widerrechtlich Schiffe überfallen um sie auszurauben oder auch geltendes Strandrecht missachten.

[3] Lappenberg, Johann Martin (Hrsg.): Hamburgisches Urkundenbuch. Erster Band, anastatische Reproduktion der Ausgabe vom Jahre 1842, Hamburg 1907; , Anton (Hrsg.): Hamburgisches Urkundenbuch. Zweiter Band, Hamburg 1911-1939.

[4] Hagedorn: Gedenkblatt, S. 11-16.

[5] von Lehe, Erich: Bündnisverträge zwischen dem Land Wursten und der Stadt Hamburg im späten Mittelalter (1316-1525), Bremerhaven 1959, S. 12-17.

[6] Reincke, Heinrich: Hamburgische Territorialpolitik, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 38 (1939), S. 28-116; Feber, Kurt: Der Turm und das Leuchtfeuer auf Neuwerk, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 14 (1909), S. 1-36; Joachim, Hermann: Die Erwerbung des Amtes Ritzebüttel durch Hamburg, in: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte 9 (1906), S. 353-380.

[7] Hamb. UB I, Nr. 286.

[8] Hagedorn: Gedenkblatt, S. 5.

[9] Vgl. Anhang A.

[10] Laut dem damals gültigen Strandrecht hatten die Küstenbewohner das Recht, sich das Gut gestrandeter Schiffe anzueignen, sofern es keine Überlebenden gab.

[11] Hagedorn: Gedenkblatt, S. 5.

[12] Hamb. UB I, Nr. 525.

[13] Hagedorn: Gedenkblatt, S. 4.

[14] Hamb. UB I, Nr. 821

[15] Feber, Kurt: Der Turm und das Leuchtfeuer auf Neuwerk, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 14 (1909), S. 17.

[16] Ebd., S. 18.

[17] Ebd., S. 23.

[18] Hamb. UB I, Nr. 917.

[19] Ebd., Nr. 918.

[20] Reincke, Heinrich: Hamburgische Territorialpolitik, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 38 (1939), S. 61.

[21] Reincke: Territorialpolitik, S. 62.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656144083
ISBN (Buch)
9783656144205
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189982
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Hamburg Mittelalter Neuwerk Ritzebüttel Piraten Lübeck Elbe

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Den Piraten auf der Spur: Hamburgs Versuche mit Neuwerk und Ritzebüttel der Lage Herr zu werden