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Fremdsprachlicher Einfluss der Anglizismen im Deutschen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 28 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition von Anglizismen

3. Wie gelangen Anglizismen in unseren Wortschatz?

4. Formen von Anglizismen (+ Beispiele)
a. evidentes Lehngut
b. latentes Lehngut

5. Grammatische Eindeutschung

6. Rollenspiel

7. Pro und Contra zu den Anglizismen

8. Versuche die deutsche Sprache zu erhalten

9. Anhang

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Anglizismen sind uns in der heutigen Welt und der heutigen Sprache allgegenwärtig, wir benutzen sie teils unbewusst, teils bewusst. Oft fällt es uns erst dann auf, wenn wir mit unseren Großeltern sprechen und diese bei dem Wort „megacool“ skeptisch die Augenbrauen hochziehen. Von den Medien werden wir mit falschen und richtigen Anglizismen überflutet: „Douglas- come in and find out“ oder auch „Kik, der Textildiskont“. Wirklich bewusst wird uns die Präsenz der Anglizismen in einem nachfolgend übertrieben dargestellten Text.

„Anglizismus ist something von den blödesten things, die es in der german language gibt. Ein Anglizismus comes from dem Englischen. Anglizismen killen unsere coole Sprache. Auf jedem Looser-Event trifft man sie an, und jeder Lamer und jeder Noob benutzt sie, again and again. Es gab bereits Attempts, das Spreaden der Anglizismen mit coolen Lasern zu canceln. Man vermutet, dass das Hyper-Laggen beim Computer von zu vielen Anglizismen im Internet und in der Software kommt, die selbst ein megarockendes, freshes Mainboard nicht erkennt. Anglizismen sind extrem fuckin´damn shit und uncool. Allein schon, weil sie so einen strangen Sound haben.“

2. Definition

Als Anglizismus bezeichnet man den Einfluss der englischen Sprache auf oder in andere Sprache. Dieser Einfluss kann sich auf allen Ebenen der Sprache äußern, also in der Lautung, der Formenlehre, der Syntax sowie im Wortschatz. Zu den Anglizismen gehören Einflüsse, die vom britischen Englisch ausgegangen sind, und Amerikanismen. Um Anglizismen zu übersetzen unterscheidet man zwischen Bedeutungsvarianten und Eindeutschungs-vorschlägen.

3. Wie gelangen Anglizismen in unseren Wortschatz?

„Wörter kommen über die Sprachgrenzen herein, und zwar nicht als Flüchtlinge, sondern als geladene Gäste, einige werden abgewiesen, die meisten werden aufgenommen und mit der Zeit assimiliert, und so sehr sich auch manche über den Zustrom echauffieren, die Sprache ist daran offensichtlich nicht zugrunde gegangen, hat davon sogar profitiert.“[1]

„In der Vergangenheit war ein Einstrom fremder Wörter und Wendungen jeweils zeitlich begrenzt.“[2] Sie entsprangen einer Mode und verschwanden, wenn eine neue an der Reihe war. Ob aber der heutige Zustrom fremder Wörter wieder vergehen wird ist auf Grund der ständig wachsenden weltweiten Verflechtung verschiedener Lebensbereiche miteinander zu bezweifeln. Der Zustrom wird wohl eher zunehmen.

Was auch noch interessant ist, ist das der frühere Gebrauch der fremden Wörter nur auf bestimmte und relativ isolierte Sprecherkreise beschränkt war, beispielsweise auf den Adel und das Militär. Heute dagegen betreffen jeden Menschen Fremdwörter, sie sind längst zu unserem Alltag geworden, auch weil man heute ständig auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten ist. Desweiteren kommen immer neue Produkte auf den Markt, um diese dann international attraktiv zu machen, brauchen sie auch einen „internationalen“ Namen und so bezieht man sich immer wieder gerne auf das Englische.

Anglizismen begegnen uns fast überall, man findet sie in der Jugend- und Wirtschaftssprache, in der Werbung sowie in vielen anderen Medien heutzutage.

In der Jugendsprache sind sie meist von schnelllebiger Dauer. So sind zum Beispiel Begriffe wie „groovy“ und „funky“ nicht mehr in dem Wortschatz der heutigen Jugend enthalten. Dagegen gibt es „Dauerbrenner“, wie „Hi!“ und „cool“.

In die Wirtschaftssprache fließen die internationalen Beziehungen mit ein. So kommt es, dass ein Vorstellungsgespräch nun „Assessmentcenter“ heißt oder dass Studiengänge mittlerweile „Bachelor“ und „Master“ genannt werden. Dies sind Folgen, die mit einer immer rascheren Globalisierung zusammenhängen.

Ein weiterer sehr prägender Weg, der Anglizismen in die deutsche Sprache bringt, sind die modernen Medien. Handys, Internet und Werbung tragen dazu bei, dass diese immer weiter verbreitet werden. Die Medien suchen z.B. für ihre Werbespots ständig nach etwas Neuem, damit es interessant bleibt und nicht immer mit den gleichen Worten gesagt wird.

Auch im Bereich Computer und Internet sind sehr viele Anglizismen zu finden, beispielsweise: browser, chat, cyberspace, home page, link, modem, on line, server, url, web, mouse etc.

Das Medium, von dem heute jedem mindestens eins zur Verfügung steht, ist das Handy. Gerade von den Jugendlichen wird dabei oft die Möglichkeit der Kurzmitteilung genutzt, wobei es sich auf 160 Zeichen zu beschränken gilt. Um dies gut möglich zu machen, gibt es Symbole wie die Emoticons und die Akronyme. Wie unten zu erkennen ist, treten auch hier (bei den Akronymen) Anglizismen auf.

Symbole:

- Emoticons = aus Schriftzeichen gefügte Signale für Gemütszustände

: -) gute Laune

: -( schlechte Laune

- Akronyme

-LOL (laughed out loud)
- BTW (by the way)
- CU (see you)

4. Formen von Anglizismen

a) Evidentes Lehngut

Unter evidentes Lehngut fasst man alle sprachlichen Erscheinungen, die sichtbar vom fremden Wortgut beeinflusst sind. Man unterscheitet dabei die direkte Entlehnung, die sich in Fremdwörter und Lehnwörter aufteilt und die indirekte Entlehnung, die sich in Schein-entlehnungen und Mischkompositionen aufteilt.[3]

Direkte Entlehnung (Fremdwort, Lehnwort)

Das Fremdwort ist ein Wort, „das sich in Lautung oder/ und Intonation oder/und Schreibung nicht in die Nehmersprache eingepasst hat und somit eindeutig als Wort fremder Herkunft zu erkennen ist“[4]. Ein Beispiel hierfür ist z.B. das Wort „Freestyle“.

Das Lehnwort hingegen ist ein Wort, „das nicht mehr ohne weiteres als Worte fremder Herkunft identifiziert werden kann“[5]. Ein Beispiel hierfür ist z.B. das Wort „Sport“.

Indirekte Entlehnung (Scheinentlehnung, Mischkomposition)

Unter Scheinentlehnungen oder auch Pseudoanglizismen versteht man Wortschöpfungen „mit englischem Klang, die aber kein englisches Wort mit entsprechender Bedeutung als Quelle haben“[6]. Dabei unterscheidet man zwischen drei Varianten: die lexikalische und die semantische Scheinentlehnung und die Lehnveränderung. Bei der lexikalischen Scheinentlehnung erscheint das Wort englisch, ist im Englischen selbst jedoch gar nicht belegt, wie z.B. das Wort „Talkmaster“, gebildet aus talk und master, nennt man im Englischen „game-show-host“. Die semantische Scheinentlehnung beinhaltet Wörter, die zwar aus der Gebersprache genommen wurden, aber einen anderen semantischen Gehalt besitzen als in der Fremdsprache. Hierfür ist das Wort „Handy“ ein Beispiel. Es bedeutet im englischen handlich/geschickt, während man ein mobiles Telefon dort mobile phone nennt. Bei der Lehnveränderung werden Wörter der Gebersprache beim Transfer in eine andere Sprache morphologisch verändert durch Kürzung, Auslassung oder Umgestaltung des übernommenen Morpheminventars. Beispiele hierfür sind: professional wird zu Profi, discount store wird zu Discounter, dog zu Dogge.[7]

Mischkompositionen sind Wörter, „die zu einem Teil aus fremdem Wortgut bestehen“[8]. Man unterscheidet zwischen zusammengesetzten Adjektiven (sexsüchtig), zusammengesetzten Verben (nachordern) und zusammengesetzten Substantiven (Sportwagen). Bei den Substantiven unterscheidet man zwei Arten von Mischkomposita danach, ob sie ein Vorbild in der Gebersprache besitzen wie z.B. Haarspray (hair spray) oder nicht wie z.B. Managerkrankheit (stress disease).[9]

b. Latentes Lehngut

Unter latentem Lehngut versteht man alle Entlehnungsarten, in denen kein Wortgut aus der Gebersprache zu finden ist. Man unterscheidet dabei zwischen Lehnbedeutungen und Lehnbildung, welche sich noch einmal aufteilt in Lehnschöpfung und Lehnformung(Lehnübersetzung, Lehnübertragung)

Lehnbedeutung

Bei der Lehnbedeutung handelt es sich um eine Bedeutungserweiterung. Der semantische Gehalt eines Wortes der Gebersprache geht teilweise oder vollständig auf ein in der Nehmer-sprache bereits vorhandenes gleiches Wort über und dessen semantischer Gehalt wird dadurch vergrößert ( Beispiel: deutsch „realisieren“ wurde vor der Bedeutungserweiterung nur im Sinne von „etwas umsetzen“ verstanden, nach der englischen Bedeutungserweiterung wurde das Wort um „etwas verwirklichen, etwas bemerken“ oder „sich einer Tatsache bewusst sein“ erweitert).

[...]


[1] Dieter E. Zimmer, Neuanglodeutsch, in: Ders., Deutsch und anders. Die Sprache in Modernisierungsfieber. S.18

[2] Dieter E. Zimmer, Neuanglodeutsch, in: Ders., Deutsch und anders. Die Sprache in Modernisierungsfieber. S.18

[3] Vgl. Richard Glahn: Der Einfluss des Englischen auf gesprochene deutsche Gegenwartssprache, S. 35.

[4] ebd., S. 36.

[5] Richard Glahn: Der Einfluss des Englischen auf gesprochene deutsche Gegenwartssprache, S. 36.

[6] Entnommen aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Anglizismus. (11.01.2008)

[7] vgl. Richard Glahn: Der Einfluss des Englischen auf gesprochene deutsche Gegenwartssprache, S. 36-37.

[8] ebd., S.38.

[9] vgl. ebd., S.38.

Details

Seiten
28
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656141242
ISBN (Buch)
9783656141563
Dateigröße
958 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189866
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
fremdsprachlicher einfluss anglizismen deutschen

Autor

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