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Mittelalterliche Fachliteratur am Beispiel Konrad von Megenbergs ‚Buch der Natur’ unter besonderer Berücksichtigung der Darstellung des Schlafes und der Träume

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 23 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung
1.1 Aufbau und Vorgehensweise

2. Konrad von Megenberg

3. Das Buch der Natur
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Aufbau und Inhalt
3.3 Rezeption

4. Der Schlaf im Mittelalter als Alltagserfahrung
4.1 Begriffsdefinition
4.2 Äußere Umstände für den Schlaf
4.3 Die Bedeutung des Schlafes für den mittelalterlichen Menschen

5. Die Darstellung von Schlaf und Träumen im Buch der Natur
5.1 ‚Von dem slâf’
5.2 ‚Von den träumen’

6. Fazit

1. Einleitung und Fragestellung

Die Literatur im Mittelalter beschränkte sich nicht etwa nur auf fiktionale Texte wie Lyrik oder Epik oder aber nicht Fiktionales wie religiöse Texte, sondern es ist auch sehr viel Fachliteratur entstanden. Dazu gehört auch das ‚Buch der Natur’ von Konrad von Megenberg, mit welchem sich diese Arbeit genauer beschäftigt. Dabei soll es vor allem um die Darstellung und Bedeutung des Schlafes sowie der menschlichen Träume gehen, wozu das ‚Buch der Natur’ einige Hinweise gibt. Die Fragestellung bezieht sich darauf, herauszufinden, welche Bedeutung der Schlaf für den Menschen des Mittelalters hatte und welche Hinweise darauf das ‚Buch der Natur’ gibt und welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen. Diese Fragestellung ist deswegen interessant, weil der Schlaf ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist und auch schon im Mittelalter war, verbringt der Mensch doch etwa ein Drittel seiner Zeit mit schlafen. In der mittelalterlichen Fachliteratur finden sich Hinweise darauf, wie der Mensch sich den Schlaf sowohl als körperlichen als auch als seelischen Zustand vorgestellt hat.

1.1 Aufbau und Vorgehensweise

Im ersten Teil dieser Arbeit soll das Leben des Konrad von Megenberg, dem „bedeutendsten deutschen Wissenschaftsautor des 14. Jahrhunderts“[1], kurz dargestellt werden, um einen Eindruck davon zu bekommen, um was für einen Menschen es sich bei Konrad handelt und welcher Art seine zahlreichen Bücher sind.

Als nächstes geht es um Konrads wichtigstes Werk: ‚Das Buch der Natur’, welches im 14. Jahrhundert entstand und das erste deutschsprachige Naturkundebuch ist. Dabei soll sowohl die Entstehungsgeschichte als auch der Aufbau und Inhalt dieses Werkes sowie die Rezeption dargestellt werden, um zu zeigen, welche Bedeutung es sowohl für Mittelalter als auch frühe Neuzeit hatte.

Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Schlaf und dessen Darstellung im ‚Buch der Natur’. Zunächst einmal ist es jedoch wichtig, darzustellen, welchen Stellenwert der Schlaf als Alltagserfahrung im Mittelalter hatte, wobei nicht nur der Begriff ‚Schlaf’ an sich definiert wird, sondern auch die äußeren Umstände sowie die Bedeutung des Schlafes zur Zeit des Mittelalters dargestellt werden.

Im ‚Buch der Natur’ geht es um den Schlaf als körperlichen und seelischen Zustand, wobei nicht nur untersucht werden soll, welche Gründe Konrad dafür angibt, warum der Mensch schläft, sondern auch, was im Schlaf mit ihm passiert. In diesem Zusammenhang ist es interessant, zu prüfen, welche Bedeutung der Autor den verschiedenen Träumen zuordnet und was Träume über den physischen Zustand eines Menschen aussagen können.

Am Ende sollen die wichtigsten Ergebnisse noch einmal kurz zusammengefasst werden.

2. Konrad von Megenberg

Der Universalgelehrte Konrad von Megenberg, von dem es heißt, er sei „Theologe, Kirchenrechtler, Staatstheoretiker, Moralphilosoph, politischer Schriftsteller, Hagiograph, Naturwissenschaftler und Dichter“[2] gewesen, wurde 1309 in Mäbenberg geboren. Man vermutet, dass er dem niederen Adel entstammt, ob er aber aus einer Ministerialenfamilie kommt, ist nicht genau belegt.[3] Im Alter von sieben Jahren ging Konrad als Schüler nach Erfurt, anschließend studierte er in Paris, wo er auch gleichzeitig als Lektor tätig war, um sich sein Studium zu finanzieren. In den Jahren von 1334 bis 1342 war er als Dozent tätig, danach siedelte er nach Wien über, wo er als Rektor der Stephansschule, aus der 1365 die Wiener Universität wurde, sein Geld verdiente.[4] Krüger spricht davon, dass Konrad in Wien ein angesehener und bedeutender Mann war, der sich durch ein modernes Denken auszeichnete.[5] In den Jahren zwischen 1345 und 1350 wurden die Menschen von vielen Katastrophen, wie zum Beispiel Erdbeben, Heuschreckenplagen, Judenpogromen und vor allem der Pest, der viele Menschen zum Opfer fielen, heimgesucht. Konrad suchte die Ursachen dafür im Gegensatz zu den meisten seiner Zeitgenossen weder in Gottes Strafgericht noch in einer bestimmten Konstellation der Gestirne, sondern schrieb sie ganz natürlichen irdischen Vorgängen zu. Um sein Wissen zu verbreiten, wollte er den Laien, die der lateinischen Sprache nicht mächtig waren, astronomische und naturkundliche Grundkenntnisse vermitteln. Aus diesem Grund übersetzte er ein astronomisches Schulbuch sowie den ‚Liber de natura rerum’ des Thomas von Cantimpré ins Deutsche.[6] Dieses Buch war im 14. Jahrhundert das Grundbuch der Naturlehre. Ziel des ‚Buch[es] von den natürlichen Dingen’ (Buch der Natur) war, „den Laien das Wissen über die von Gott geschaffene Natur in ihren Seins (res) – und Sinn (significatio) – Dimensionen [zu] vermitteln“[7].

Konrad verließ Wien 1348, um nach Regensburg zu gehen, wo er ein Kanonikat und somit auch eine Pfründe, auf die er schon seit langer Zeit gehofft hatte, bekam.[8] Im Jahre 1359 wurde er Pfarrer der Dompfarrei von St. Ulrich, vier Jahre später allerdings legte er dieses Amt nieder und wurde stattdessen Domherr. Er blieb bis zu seinem Tod am 14. April 1374 in Regensberg.[9]

Obwohl Konrad von Megenberg schriftstellerisch sehr aktiv war, gehörte er trotzdem nicht zu den Mächtigen seiner Zeit. Auch heute noch ist er eher unbekannt, denn ein Großteil seiner Werke ist verschollen oder nur noch in wenigen Exemplaren erhalten und nur teilweise tradiert.[10] Insgesamt verfasste er 22 lateinische Schriften zu theologischen, hagiographischen, moralphilosophischen und naturwissenschaftlichen

Themen. Seine drei Schriften in deutscher Sprache beschäftigen sich mit der Naturwissenschaft.[11]

3. Das Buch der Natur

3.1 Entstehungsgeschichte

Das ‚Buch der Natur’ (BdN) ist in den Jahren 1349 und 1350 entstanden und gilt als das erste in deutscher Sprache verfasste Naturkundebuch, weswegen es auch vom Laien, der der lateinischen Sprache nicht mächtig war, gelesen werden konnte. Versuche, solche naturkundlichen Schriften auf Deutsch zu verfassen, gab es zwar schon seit dem 12. Jahrhundert, aber diese Bücher fanden keine große Verbreitung.[12] Anders dagegen sah es mit Konrads Buch aus: er befriedigte damit ein Bedürfnis seiner Zeit und sein ‚Buch der Natur’ fand nicht nur im Spätmittelalter, sondern auch noch in der frühen Neuzeit großen Anklang. Man kann sogar sagen, dass alle in Deutschland entstandenen naturkundlichen Schriften bis ins 16. Jahrhundert mehr oder weniger an Konrads Werk angelehnt sind.[13]

Wie bereits in Kapitel 2 dieser Arbeit erwähnt, ist das ‚Buch der Natur’ kein Originalwerk, sondern eine Übersetzung der ‚Liber de natura rerum’ des Thomas von Cantimpré. Allerdings hielt Konrad sich nicht linear an seine Vorlage, sondern arbeitete selbständig, indem er eigene Schwerpunkte setzte und so das Original veränderte.[14] Als Vorlage diente ihm zwar vor allem der ‚Liber de natura rerum’, aber es gab auch noch andere Quellen, derer er sich bediente. Dazu gehören etwa die ‚Etymologien’ des Isidor von Sevilla, der ‚Canon’ des Avicenna sowie der ‚Physiologus’ und das Buch ‚De vegetabilibus’ des Albertus Magnus.[15]

Konrad bringt sich immer wieder selber in sein Werk ein, indem er Wertungen vornimmt und seine eigene Meinung sagt, wie etwa „des gelaub ich niht“ oder „ des hân ich niht gesehen“[16]. Daran wird deutlich, dass er Dinge nicht einfach hinnimmt und sie als Tatsachen betrachtet, sondern dass er alles kritisch hinterfragt und, wenn ihm Zweifel kommen, er diese auch äußert.[17] Für ihn ist es wichtig, möglichst genaue Kenntnisse über die Natur zu haben und er hält es für eine Notwendigkeit, dass auch Laien darüber Bescheid wissen und nicht so leicht dem Aberglauben verfallen.[18]

Adressiert war das ‚Buch der Natur’ an Laien, vor allem zählten dazu die guten Freunde Konrads, die aus Angehörigen der Stephansschule in Wien bestanden, aber das Buch dürfte sich auch an Geistliche gewendet haben.[19]

Dass Konrad von Megenberg nicht nur kritisch im Umgang mit den Quellen, die ihm als Vorlage dienten, sondern auch sich selber gegenüber war, zeigt sich darin, dass er sein Werk zwischen 1358 und 1362 noch einmal überarbeitete. Er arbeitete andere Quellen ein und so verfasste er nicht nur eine neue Einleitung, sondern entschied sich auch für eine andere Ordnung: die einzelnen Seinsbereiche ordnete er hierarchisch nach ihrer Seinsfülle an, wobei er sich an dem theologischen und philosophischen ordo - Gedanken orientierte. Diese Neufassung widmete er dem österreichischen Herzog Rudolf IV.[20]

3.2 Aufbau und Inhalt

Im Folgenden soll dargestellt werden, wie das Buch der Natur aufgebaut ist und welche Seinsbereiche in ihm behandelt werden. Das Buch beginnt mit einer kurzen Einleitung des Autors, die in Prosa verfasst ist und aus sechs Strophen besteht. Es folgt der Hauptteil, der sich in die acht folgenden Kapitel gliedert: 1. von dem menschen in seiner gemainen natur, 2. von den himeln und von den siben planêten, 3. von den tiern in ainer gemain, 4. von den paumen, 5. von den kräutern, 6. von den edeln stainen, 7. von dem gesmaid, 8. von den wunderleichen prunnen. Konrads Vorlage dagegen – das Werk von Thomas von Cantimpré – besteht aus 19 Büchern. Konrad muss also Veränderungen am Original vorgenommen haben, die in dieser Arbeit aber nicht näher erläutert werden können. Wichtig zu wissen ist nur, dass Konrad das Original im Aufbau verändert, aber auch innere Veränderungen vorgenommen hat, indem er viele – zum Teil beträchtliche - Kürzungen vornahm und sogar ganze Artikel ausließ. Auf der anderen Seite ergänzte er aber auch einige der Kapitel durch sein eigens Wissen. Beispielsweise in Kapitel zwei, wo er eigene Beobachtungen über Naturerscheinungen einfügt[21] oder aber auch das fünfte und sechste Kapitel, die er mit eigenem Wissen über Kräuter und Edelsteine ergänzt.[22]

3.3 Rezeption

Konrads Naturbuch erfreute sich nicht nur im Mittelalter, sondern auch noch in der frühen Neuzeit großer Beliebtheit. Auffällig ist, dass es in Laienkreisen sehr schnell eine weite Verbreitung fand, im monastischen Bereich jedoch kaum rezipiert wurde.

Im 16. Jahrhundert wurde das Buch zu einem reinen Naturbuch umgestaltet: in den Frankfurter Drucken von 1536 und 1540 fehlen sämtliche allegorischen Passagen.[23]

Weil das ‚Buch der Natur’ vor allem im 14. und 15. Jahrhundert zu den beliebtesten Schriften gehörte, wurden zahlreiche Handschriften angefertigt, von denen heute noch in jeder größeren deutschen Bibliothek mindestens eine vorhanden ist. In den Jahren zwischen 1475 und 1499 wurde dieses bedeutende Werk sechs- oder siebenmal aufgelegt, aber mit Beginn der Neuzeit nahm seine Beliebtheit allmählich ab. Nach dem Frankfurter Druck von 1540 verschwand das Werk und wurde lange Zeit nicht mehr beachtet.[24] Erst im 19. Jahrhundert nahm seine Bedeutung wieder zu, als der Germanist und Sprachforscher Johann Andreas Schmeller den Wert dieses Buches erkannte und der bayerischen Akademie der Wissenschaften davon berichtete.[25] Für ihn stellte es „ein ergötzliches Gemisch von gesundem Verstande und frommer Gläubigkeit, wie sie noch damals in den ausgezeichnetsten Köpfen vereint waren“[26], dar. Auch der Herausgeber des Buches der Natur, Franz Pfeiffer, betrachtet den Inhalt des Buches als „manigfaltig und belangreich genug, um nach verschiedenen Seiten hin die Aufmerksamkeit zu erregen.“[27] Außerdem meint er zu Konrads Werk: „Gewiss verdient es, vor vielen andern Denkmälern des Mittelalters, der Gegenwart näher gerückt zu werden, und schon als erste deutsche populäre Naturgeschichte darf es auf Beachtung Anspruch machen in einer Zeit, die den Naturwissenschaften die ausgedehnteste, nachhaltigste Pflege zu Theil werden lässt.“[28]

[...]


[1] Cramer, Thomas: Geschichte der deutschen Literatur im späten Mittelalter. 3., aktualisierte Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2000. S. 123 (im Folgenden zitiert als: Cramer, Deutsche Literatur).

[2] Steer, Georg: Art. Konrad von Megenberg. In: Kurt Ruh (Hg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon 5. Berlin und New York: Walter de Gruyter 1985. Sp. 221-236. Sp. 222 (im Folgenden zitiert als: Steer, Art. Megenberg).

[3] Krüger, Sabine: Konrad von Megenberg,. In: Gerhard Pfeiffer: Fränkische Lebensbilder. Würzburg: Ferdinand Schöningh 1968, S. 83-103. S. 84 (im Folgenden zitiert als: Krüger, Megenberg).

[4] Cramer, Deutsche Literatur, S. 123.

[5] Krüger, Megenberg, S. 90.

[6] Krüger, Megenberg, S. 91.

[7] Steer, Art. Megenberg, Sp. 232.

[8] Krüger, Megenberg, S. 92.

[9] Krüger, Megenberg, S. 96.

[10] Krüger, Megenberg, S. 101.

[11] Cramer, Deutsche Literatur, S. 123.

[12] von Megenberg, Konrad: Das Buch der Natur. Die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache. Hg. von Franz Pfeiffer. Hildesheim/ New York: Georg Olms 1971, S. XXVII (im Folgenden zitiert als: Megenberg, BdN).

[13] Megenberg, BdN, S. XXVIII.

[14] Megenberg, BdN, S. XXVIII.

[15] Steer, Art. Megenberg, Sp. 232.

[16] Megenberg, BdN, S. XXXVIII.

[17] Megenberg, BdN, S. XXXVIII.

[18] Megenberg, BdN, S. XL.

[19] Steer, Art. Megenberg, Sp. 233.

[20] Steer, Art. Megenberg, Sp. 233.

[21] Megenberg, BdN, S. XXXV.

[22] Megenberg , BdN, S. XXXVI.

[23] Steer, Art. Megenberg, Sp. 234.

[24] Megenberg, BdN, S. V.

[25] Megenberg , BdN, S. VI.

[26] Megenberg , BdN, S. VII.

[27] Megenberg , BdN, S. VII.

[28] Megenberg , BdN, S. VII.

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656140931
ISBN (Buch)
9783656141020
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189804
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Schlagworte
Mittelalterliche Fachliteratur

Autor

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