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Der Hauptmann von Kafarnaum. Exegese zu Mt 8, 5-13

Quellenexegese 2009 21 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Textkritik .. 3

1.1 Äußere Textkritik .. 3

1.2 Innere Textkritik .. 4

2. Vorbereitende Arbeitsschritte .. 4

2.1 Textabgrenzung .. 4

2.2 Kontextanalyse .. 5

2.3 Textsegmentierung .. 5

2.4 Objektivierung des Vorverständnisses .. 7

3.Synchrone Analyse .. 7

3.1 Textgrammatik .. 7

3.1.1 Wortschatz .. 7

3.1.2 Wortarten und Wortformen .. 8

3.1.3 Textkohärenz .. 9

3.1.4 Stil des Textes .. 9

3.1.5 Textaufbau .. 10

3.2 Textsemantik .. 11

3.2.1 Textsemantik .. 11

3.2.2 Semantik von Wort, Motiv und Wortfeldern .. 12

3.2.3 Narrative Analyse .. 14

3.3 Textpragmatik .. 15

3.3.1 Klärung der geschichtlichen Zusammenhänge der Kommunikation .. 15

3.3.2 Analyse der sprachlichen Mittel .. 16

4. Diachrone Analyse .. 17

4.1 Literarkritik .. 17

4.1.1 Kohärenz/ Inkohärenz .. 17

4.1.2 Auffinden kleinerer Texteinheiten .. 18

4.1.3 Synoptischer Vergleich .. 18

Bibliographie .. 21

1.Textkritik

Matthäus 8,8

V.8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.

Καί άποκριθείς wird in einem Teil der Handschriften laut Nestle Aland in abgewandelter Form, nämlich „άποκρ. δε“ geführt. Dies ist zu finden in der Majuskel א*, dem Codex Sinaiticus, das heißt der ursprünglichen Lesart, der Majuskel B, dem Codex Vaticanus, sowie der Minuskel 33. Des Weiteren findet sich die oben angegebene Lesart in der sahidischen Überlieferung und einigen weiteren Quellen, welche laut Nestle Aland unter „pc“, das heißt wenige weitere Quellen geführt werden und somit eine geringere Relevanz zur Bekundung obiger Lesart erfahren.

Die im Nestle Aland angegebene Lesart, nämlich „kαί άποκριθείς“ wird dahingegen in der Majuskel 01 א in der ersten Korrektur, der Majuskel C, dem Codex Ephraemi Syri rescriptus, der Majuskel L, dem Codex Regius, und der Majuskel W, dem Codex Freerianus, belegt. Weitergehend findet man diese Lesart in der Majuskel Θ, dem Codex Coridethianus, den Minsukeln 0233, der Minuskelfamilie f¹·¹³, das heißt der Lake und Ferrargruppe, dem Mehrheitstext M und altlateinischen, sowie Vulgataquellen, belegt bei Nestle und Aland durch ein „lat.“ im Apparat. Ebenfalls in der durch Thomas Harkel bearbeiteten syrischen Quelle syn, sowie in den bohairischen Überlieferungen.

1.1 Äußere Textkritik:

Obwohl die alternative Lesart, nämlich „άποκρ. δε“, sich in der ursprünglichen Lesart א* wiederfindet, wobei hierbei diese aus dem vierten Jahrhundert stammt [1] und als äußerst umfangreich, den Inhalt betreffend zu beschreiben ist - gehören ihr doch die Evangelien, die Apostelgeschichte, katholische Briefe, paulinische Briefe, sowie die Offenbarung an - tendiere ich dennoch, nicht zuletzt die Quantität der für die gewählte Lesart im Nestle/Aland belegenden Quellen beachtend, dazu, mit den Autoren des genutzten Werkes überein zukommen, dass die von ihnen gewählte Lesart die ursprünglichere ist. Unter anderem resultiert dies auch aus dem Sachverhalt, dass der Mehrheitstext, ein ständiger Zeuge laut Nestle/Aland, sowie beispielhaft angeführt die Minuskelgruppen Lake und Ferrar als Quellen hierfür aufgeführt werden, stellen letztere doch entschieden wichtige Quellen für griechische Überlieferungen dar, beachtet man die zur Verfügung gestellten Arbeitsmaterialien im Reader. Hier hinzu kommt der offensichtliche quantitative, sowie qualitative, dem Alter der Quellen entsprechende Unterschied für die beiden Lesarten, welcher wiederum klar der durch Nestle und Aland gewählten Lesart zu spricht. Die Plausibilität der Wahl der Autoren ergibt sich für mich ebenfalls aus der Menge der Majuskeln, sowie deren Alter.

1.2 Innere Textkritik:

Verfolgt man das Kriterium, dass der kürzere Text der ursprünglichere sein solle, so erhält man im Falle des obigen Beispiels keinerlei Anhaltspunkte, da sich nach Erachten des Autors dieser Arbeit der Unterschied in der Länge der gewählten Lesart als marginal beschreiben lässt. Ebenfalls wird keinesfalls der Sachverhalt einer schwierigeren Lesart erfüllt, welche den Schluss auf eine ursprünglichere Lesart zugelassen hätte. Im Auge des Autors ist eine klare Festlegung im Zuge der inneren Textkritik anhand der geschilderten Lesarten nicht möglich. Da die Sinnhaftigkeit einer Festlegung jedoch gegeben ist, zieht es der Autor dieser Arbeit jedoch vor mit der Wahl des Nestle/Aland konform zu gehen.

2. Vorbereitende Arbeitsschritte

2.1 Textabgrenzung

Am Beginn der zu bearbeitenden Textstelle findet ein Ortswechsel statt, welcher es vereinfacht, die zu betrachtende Textstelle nach vorn abzugrenzen. Während Jesus in Mt 8,1-4 einen Aussätzigen auf einem Berg heilt und diesen hinabsteigt, wird Mt 8,5 mit dem Ortswechsel nach Kapernaum im Bezug auf die vorherige Wundergeschichte abgegrenzt. Des Weiteren findet eine Veränderung in den handelnden Personen statt, spricht Jesus in Mt 8,1-4 noch mit dem Aussätzigen, handelt es sich in Mt 8,5-13 um einen Hauptmann, welcher eine Bitte stellt. Die Abgrenzung nach hinten erfolgt durch die einfache Tatsache, dass die Handlung mit den Worten „Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.“ abgeschlossen wird. Das zu vollbringende Wunder wurde durch Jesus gewirkt. Ebenfalls findet im nachfolgenden Mt 8,14 ein erneuter Ortswechsel statt, da sich Jesus nun im Hause des Petrus befindet und mit dessen Schwiegermutter interagiert.

2.2 Kontextanalyse

Die ersten beiden Kapitel des Matthäusevangeliums handeln ausschließlich um die Herkunft Jesu, dessen Stammbaum, nämlich Mt 1,1-17, und seiner Geburt, dem Aufenthalt in Ägypten, in Mt 2,13-21. In Mt 3 wird Johannes der Täufer eingeführt, welcher nunmehr in Mt 3,13-17 die Taufe an Jesus vornimmt. Die Versuchung Jesu mit der inkludierten ersten Berufung der Jünger in Mt 4,18-22 folgt darauf. Anschließend kann man in Mt 5-7 die Bergpredigt nachlesen, wobei es sich hierbei um Auslegungen Jesu bezüglich gewisser Gesetze handelt, Warnungen Jesu verdeutlicht, wie beispielsweise Mt 7,24-27, aber auch die rechten Handlungsweisen für die Anhänger aufzeigt. Hierbei besteht die sinnvolle Einteilung in „Worte Jesu“ für die Bergpredigt, sowie die nachfolgenden „Taten Jesu“, welche sich in den Wundertaten offenbaren, in welchen sich die an dieser Stelle zu betrachtende Textstelle Mt 8,5-13 befindet. Die Wundergeschichten beginnen, nachdem Jesus seine Bergpredigt in Mt 7,29 beendet hat, indem, im Zuge des Abstiegs vom Berg, ein Aussätziger um Heilung durch Jesu bittet. Eingebettet in den Gesamtkontext der Wundergeschichten fallen Analogien zwischen eben diesen auf. Stets handelt es sich um einen Ortswechsel oder geänderte Interaktionspartner zwischen den einzelnen Wundertaten. Ebenfalls werden diese in einer Art Aneinanderreihung durch die Wörter „Und“, sowie „Als“ zu Beginn der jeweiligen Wundergeschichte verknüpft. Die Besonderheit Jesu wurde bereits in Mt 3,11 proklamiert indem Johannes auf einen würdigeren Täufer als ihn hinweist. Deshalb kann in den Wundergeschichten, insbesondere in der Nachfolge der Auslegung von Gesetzen und Sprüchen durch Jesus in der Bergpredigt darauf indirekt Bezug genommen werden. Dies geschieht, nach Erachten des Autors eben durch die Wundertaten, welche Jesus den Übrigen als besonders erscheinen lassen. Nachfolgend wirkt Jesus weitere Wundertaten in Mt 9, bis sich in Mt 10 die Berufung der zwölf Jünger anschließt.

2.3 Textsegmentierung

1) Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.

Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.

Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er´s.

2) Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;

Aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

3) Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast.

Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Die durch den Autor mit 1), 2) und 3) markierten Textsegmente stellen geschlossene Einheiten dar. Hierbei stellt ersteres die Situation dar, in welcher sich Jesus, der Hauptmann, ebenso der Knecht befinden. Der Hauptmann äußert eine Bitte an Jesus, dieser ist gewillt ihm diese zu erfüllen, dabei gleichfalls über den Glauben an seine Wundertaten seitens des Hauptmannes verwundert. Diese Verwunderung teilt er im zweiten Teil der ihm nachfolgenden Menge mit, ebenfalls findet eine Bewertung dieser statt. Im dritten Teil wird die Handlung abgeschlossen, in dem Jesus dem Hauptmann die Heilung dessen Knechts mitteilt. Die erste Zeile des ersten Teils beschreibt nunmehr die Ankunft Jesu in Kapernaum, sowie das Treffen mit dem Hauptmann, welcher in der zweiten Zeile die Bitte um Heilung für seinen Knecht stellt. In der vierten Zeile des ersten Teils eröffnet der Hauptmann seine Ungläubigkeit, im Zuge seiner bekundeten Unwürdigkeit Jesus in seinem Haus agieren zu lassen; erkennt er dennoch die Fähigkeiten Jesu an. Die Verwunderung Jesu über den Glauben des Hauptmannes, dessen dieser sich offensichtlich nicht bewusst zu sein scheint, verleiht Jesus in der ersten Zeile des zweiten Teils Ausdruck, anschließend verweist er auf den rechten Glauben um dem Hauptmann nachfolgend mitzuteilen, dass sein Knecht geheilt sei.

2.4 Objektivierung des Vorverständnisses

Jesus begegnet nach der Heilung des Aussätzigen dem Hauptmann von Kapernaum, einer im eigentlichen Sinne des Arrangements als Antagonisten zu beschreibende Person. Welcher aber trotz obiger Konstellation Jesus ohne große Umschweife eine Bitte stellt, welche wohl so niemand erwartet hätte. Hierauf reagiert Jesus ebenso klar, wie ihm die Bitte zugetragen wurde. Im Zuge dessen weist der Hauptmann auf seine Ungläubigkeit hin und bittet Jesus lediglich heilende Worte zu sprechen, welchem Jesus nachkommt. Für den Autor dieser Arbeit ein deutliches Zeichen der Güte Jesu. Die Abhandlung über den rechten Glauben versteht der Autor so, dass es nicht darum geht Jesu zu folgen, sondern vielmehr an ihn und seine Fähigkeiten zu glauben, was offensichtlich vom Hauptmann in diesem Sinne geleistet wurde. Eben dies versucht Jesus nachfolgend der anwesenden Menge zu erläutern. Für den Autor zeigen diese Verse die Hilfsbereitschaft und Unvoreingenommenheit Jesu gegenüber jeder Bevölkerungsschicht der damaligen Welt, welche er mit der Heilung des Knechtes auch der nachfolgenden Menge zeigte.

3. Synchrone Textanalyse

3.1 Textgrammatik

3.1.1 Wortschatz

In Griechisch schreibend, drückt sich Matthäus klar differenziert aus, kürzt dabei seine Vorlagetexte sehr stark. Matthäus´ Stil ist rabbinisch geprägt[ 2] und sein

„Sprachgefühl, veranlaßt (sic!) ihn zu starken Veränderungen gegenüber Markus, dessen aramäisierenden Stil er in gutes Griechisch überführt.“ [3] Gleichfalls ist ein größerer Wortschatz bei Matthäus gegenüber dem des Markus festzustellen. Es zeigt sich nämlich, dass bei Markus lediglich 1345 Worte im Wortschatz Verwendung finden, wohingegen Matthäus auf einen Wortschatz von 1691 Worten zurückgreift.[4]

[…]


[1] Vgl. Ebner, Exegese, S.36.

[2] Vgl. Sand, Matthäus, S.21.

[3] Grundmann, Evangelium, S.49.

[4] Vgl. Morgenthaler, Statistik, S.164.

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668201729
ISBN (Buch)
9783668201736
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189790
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Theologische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Kafarnaum Kafernaum Hauptmann Mt 8 5-13 Exegese Matthäus

Autor

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Titel: Der Hauptmann von Kafarnaum. Exegese zu Mt 8, 5-13