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Cäsar und der Bürgerkrieg

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Ciceros Verhalten vor Ausbruch des Bürgerkrieges
2.2 Ciceros Verhalten bei Ausbruch des Bürgerkriegs
2.3 Ciceros Verhalten nach des Bürgerkriegs

3. Die Schuldfrage

4. Fazit

5. Literatur – und Quellennachweis

1. Einleitung

Der von Caesar geführte Bürgerkrieg gegen Pompeius und den römischen Senat bedeutete das Ende der schon seit langem kriselnden römischen Republik. Cicero galt als einer der bedeutendsten Vertreter der republikanischen Staatsform und war ein entschiedener Gegner des Bürgerkrieges zwischen Caesar und Pompeius. Lange versuchte Cicero eine neutrale Haltung zwischen den beiden Kriegsparteien zu bewahren, um als neutraler Vermittler fungieren zu können und so den Ausbruch des Bürgerkrieges verhindern zu können. Ciceros Friedensbemühungen blieben jedoch auch nach Ausbruch des Bürgerkrieges nicht aus und er versuchte alles, um die Republik zu retten, denn in der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Pompeius und Caesar sah Cicero das Ende der Republik und den Beginn einer Tyrannei durch den Sieger des Krieges.[1]

Ciceros Verhalten vor und nach Ausbruch des Bürgerkriegs war undurchsichtig. Es scheint, als stand Cicero zwischen Pompeius und Caesar, obwohl Cicero offiziell als Anhänger des Pompeius galt, der als Führer des Senats auftrat. Was waren die Maxime und Ideale eines Ciceros während eines Krieges, von dem zu erwarten war, dass er das Ende der Republik bedeuten würde? Welches Verhältnis hatte Cicero zu dieser zusammenbrechenden Republik? Wie sah Ciceros Lösung des Konfliktes zwischen Caesar und Pompeius aus und welche Opfer war er bereit dafür zu bringen?

Diese Fragen sollen in dieser Hausarbeit durch die Analyse von Briefen Ciceros an Atticus und andere Freunde geklärt werden. In diesen Briefen dokumentierte Cicero sein Verhalten von der Rückkehr aus seiner Provinz Kilikien bis zu seiner Flucht nach Griechenland. Seine Beurteilung der Ereignisse vor und nach Ausbruch des Bürgerkrieges ist sehr ergiebig in Bezug auf seine Stellung zur Republik und gibt detaillierte Aufschlüsse über seine Beziehung zu Caesar und Pompeius. Manfred Fuhrmann beschreibt diesen Briefwechsel als eine Art Selbstgespräch, in denen Cicero über die aktuelle der Republik reflektiert.[2]

2.1 Ciceros Verhalten vor Ausbruch des Bürgerkrieges

Ciceros Verhältnis zu Caesar, sowie zu Pompeius vor Ausbruch des Bürgerkrieges war unschlüssig und zwiespältig. Beide hatten Cicero in der Vergangenheit einen großen Dienst erwiesen – Caesar hatte ihm ein großes Darlehen geliehen und Pompeius half ihm 57[3] aus der Verbannung[4] – und er bezeichnete beide als seine Freunde.[5] Im Oktober des Jahres 50 schrieb Cicero, dass er sich beiden tief verbunden fühlte und auch dachte, dass beide großen Wert auf ihn legen würden.[6] Deshalb war der sich anbahnende Konflikt zwischen Pompeius und Caesar eine Qual für Cicero, da er sich immer mehr dazu gezwungen sah, sich für eine der beiden Seiten entscheiden zu müssen.[7]

Cicero vertrat zwar die Auffassung, dass Cesar von dem Sonderrecht, sich in Abwesenheit zum Konsul wählen zu lassen, abrücken sollte, aber sein Ton war weder zwingend noch feindlich.[8] Auch zu Pompeius hatte Cicero eine starke Bindung und nannte ihn seinen persönlichen Freund. Dass Pompeius Cicero in der Auseinandersetzung mit Caesar auf seiner Seite sah, war Cicero bewusst, da er als Optimat schwer den Führer der Popularen unterstützen konnte. Mit seinem engen Freund Atticus beriet Cicero ständig, was er im Falle eines Krieges machen sollte und vor allem auf welche der beiden Seiten er sich im Falle eines Bürgerkrieges zwischen Caesar und Pompeius stellen sollte. Dabei war Cicero fest entschlossen, dass es besser sei, mit Pompeius zu verlieren, denn ihn sah Cicero als den militärisch schwächeren der beiden Feldherren an,[9] als mit Caesar zu siegen und die Republik für immer zu zerstören.[10] Cicero fürchtete allerdings nicht nur Caesar, sondern auch Pompeius, welcher seiner Meinung nach ebenfalls negative Auswirkungen auf die res publica gehabt hätte.[11]

Kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges, im Dezember 50, entschloss sich Cicero trotz seiner amicitia zu Caesar, sich von dessen Bindung zu befreien, um unbefangen öffentlich seine Meinung äußern zu können.[12] Cicero schrieb daraufhin, dass er, wenn es wirklich darauf ankommen sollte, sich auf jeden Fall auf die Seite des Pompeius stellen würde.[13] Für ihn stand fest, dass in Bezug auf Caesar eine Reihe von äußerst unglücklichen Entscheidungen getroffen wurde, wie z.B. die ungesetzmäßige Verlängerung Caesars Kommandos in Gallien oder das Zugeständnis sich in Abwesenheit zum Konsul wählen zu lassen.[14] Ohne diese Entscheidungen hätte Caesar niemals seine damalige Stärke erlangt, welche nach Cicero auch durch eine falsche Politik des Pompeius verschuldet gewesen sei: „Hätte er (Pompeius) ihn (Caesar) doch nur nicht so groß werden lassen, dann würde er jetzt auch nicht einen so starken Gegner zu bekämpfen haben“.[15]

Ciceros Abkehr von Caesars Seite kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs war nicht nur mit Caesars militärischer Stärke begründet, sondern auch mit Caesars Anhängerschaft, welche nach Ciceros Auffassung aus Verurteilten, durch Schande Gebrandmarkten, Verschuldeten und Jugendlichen bestanden hätte.[16] Auch wenn Cicero auf die Seite des Pompeius überzugehen begann, war ihm doch am meisten daran gelegen, den Frieden zu bewahren. Öffentlich musste Cicero allerdings auf die Seite des Pompeius übergehen und sprach sich für dessen politischen Ziele aus, anstatt, wie er es ja selbst für besser hielt, für den Frieden zwischen Caesar und Pompeius einzutreten.[17]

Cicero warnte Pompeius allerdings davor, zu diesem Zeitpunkt gegen Caesar in den Krieg zu ziehen, weil er Caesar für stärker gerüstet hielt und deshalb sehr an den Siegeschancen des Pompeius zweifelte.[18] Deshalb trieb Cicero Pompeius auch an, den Forderungen Caesars nachzugeben, was aus seiner Sicht Schlimmeres verhindert hätte bzw. das kleinste aller Übel gewesen wäre. Am 27. Dezember ging Cicero verschiedene Denkmodelle durch, wie sich der Konflikt weiterentwickeln könnte und stellte dabei fest, dass es das Beste sei, wenn Caesar seine Armee entließe und der Senat ihm das Recht gewähren würde, sich in Abwesenheit zum Konsul wählen zu lassen. Obwohl Cicero mehrere Szenarien durchspielt, sei das Zugeständnis an Caesar, ein weiteres Konsulat bekleiden zu dürfen, die einzige Möglichkeit, ohne einen Waffengang aus der Affäre zu kommen.[19]

Cicero war dabei nicht der einzige, der es für das Beste hielt, Caesars Forderungen nachzugeben. Auch im optimatischen Lager war man sich uneins darüber geworden, wie der sich anbahnende Konflikt anzugehen sei. Viele Ritter, aber auch viele Senatoren verurteilten den Weg, den Pompeius einzuschlagen begann, und mahnten ihn dazu an, sich mehr für eine friedliche Lösung einzusetzen.[20] Außerdem fürchteten viele Römer schon seit dem Jahre 53, als Rom mehrere Monate ohne Konsuln regiert wurde und anarchische Zustände in Rom herrschten, die Errichtung einer Diktatur, durch welche Ruhe und Ordnung wiederhergestellt werden sollte.[21] Je näher der Konflikt rückte, desto eher konnte man sich auch mit der Idee arrangieren, Caesars Forderungen ob des Friedens anzunehmen, denn die Angst vor dem, was nach einem Sieg Caesars geschehen würde, musste jeden erschrecken lassen.[22]

Ciceros Verhalten zu Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Caesar und Pompeius spiegelte seine hohe Opferbereitschaft für die Republik wieder. Ihm war nichts wichtiger als die Bewahrung des Friedens und die damit zusammenhängende Erhaltung der Republik. Selbst ein weiteres Konsulat Caesars schien Cicero in Kauf nehmen zu wollen, um die Republik vor dem Bürgerkrieg zu bewahren.

[...]


[1] Att. 7, 5.

[2] Fuhrmann, Manfred: Cicero und die römische Republik. Eine Biographie, 2. Auflage, München 1990, S. 188.

[3] Alle historischen Daten sind vor Christi Geburt anzusetzen.

[4] Meier, Christian: Die Ohnmacht des allmächtigen Dictators Caesar. Drei biographische Skizzen, Frankfurt 1980, S. 206.

[5] Att. 10, 7.

[6] Att. 7, 1.

[7] Att. 7, 9.

[8] Vgl. Spielvogel, Jörg: Amicitia und Res Publica. Ciceros Maxime während der innenpolitischen Auseinandersetzungen der Jahre 59 – 50 v. Chr., Stuttgart 1993, S. 170.

[9] Vgl. Meier, Christian: Die Ohnmacht des allmächtigen Dictators Caesar. Drei biographische Skizzen, Frankfurt 1980, S. 206.

[10] Att. 7, 5.

[11] Att. 7, 1.

[12] Vgl. Spielvogel, Jörg: Amicitia und Res Publica. Ciceros Maxime während der innenpolitischen Auseinandersetzungen der Jahre 59 – 50 v. Chr., Stuttgart 1993, S. 171.

[13] Att. 7, 3.

[14] Att. 7, 3.

[15] Att. 7, 3.

[16] Att. 7, 3.

[17] Att. 7, 6.

[18] Att. 7, 3; 7, 5; 7, 6.

[19] Att. 7, 9.

[20] Att. 7, 5.

[21] Meier, Christian: Die Ohnmacht des allmächtigen Dictators Caesar. Drei biographische Skizzen, Frankfurt 1980, S. 203.

[22] Att. 7, 6.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656142041
ISBN (Buch)
9783656141488
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189743
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Historisches Seminar
Note
2
Schlagworte
cäsar bürgerkrieg

Autor

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Titel: Cäsar und der Bürgerkrieg