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Die Wolkenkratzer kommen

Eine kleine Geschichte zur Entstehung, Funktion und Nutzung unter Berücksichtigung eines Deutsch-Amerikanischen Vergleichs

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Begriff und Geschichte

III. Wirtschaftlichkeit von Hochhäusern

IV. Hochhäuser in Deutschland? Entwicklung und Einstellung

V. Fazit

VI. Literatur

I. Einleitung

In der nachfolgenden Ausarbeitung mit dem Titel „Die Wolkenkratzer kommen - Eine kleine Geschichte zur Entstehung, Funktion und Nut- zung unter Berücksichtigung eines Deutsch-Amerikanischen Ver- gleichs“ soll ein kompakter Überblick über die Anfänge der Hochhaus- begeisterung und die geschichtliche Entwicklung des Hochhausbaus geschaffen werden. Da sich die Anfänge und die ersten konkreten Um- setzungen des modernen Hochhauses oder Wolkenkratzers in Amerika, genauer in Manhattan im Bundesstaat New York vollzogen haben, be- schränken sich meine Ausführungen auf die amerikanische Geschichte des Hochhausbaus. Besonderes Augenmerk soll diesbezüglich auf die notwendigen Innovationen, wie zum Beispiel die Erfindung des Fahr- stuhls durch Elisha Grave Otis oder die Entwicklung des Stahlskelett- baus, gelegt werden, ohne die das mittlerweile schier unendlich fortlau- fende „Übereinanderstapeln“ von Stockwerken nicht möglich geworden wäre.

Im weiteren Verlauf der Arbeit sollen die wirtschaftlichen Aspekte des Hochhausbaus beleuchtet werden. Hierzu werden Vor- und Nachteile von Hochhäusern unter Beachtung von Bau und Nutzung, vor allem aber auch unter dem Gesichtspunkt des Stadtbildes, herausgearbeitet werden, die letztendlich zu einer gerechtfertigten Antwort auf die Frage „warum Wolkenkratzer?“ führen soll.

Im letzten Teil meiner Ausführungen soll die Frage im Mittelpunkt stehen, warum sich die Entwicklung in deutschen Städten nicht nach der „modernen Skyline Ausbildung“ richtete und warum nur Frankfurt „amerikanisch“ wurde. In diesem Zusammenhang spielen architektonische und politische Faktoren eine übergeordnete Rolle.

II. Begriff und Geschichte

Zunächst stellt man sich doch die Frage nach einer genormten Definiti- on für ein Hochhaus. Als Hochhaus bezeichnet man ein Gebäude, „in dem der Fußboden eines zum dauernden Aufenthalt von Menschen dienenden Raumes mehr als 22 m über dem Gelände liegt.“1 Das Interessante an dieser Definition ist die Tatsache, dass rein rechtlich gesehen lediglich die Höhe eines Gebäudes festlegt, ob es sich bei diesem um ein Hochhaus handelt oder nicht. Andere Faktoren wie Baumaterialien, Baukosten und bautechnsiche Gestaltung werden für die rechtliche Definition nicht berücksichtigt. Allerdings lassen sich auf der sozialen Ebene mehrere Kriterien festschreiben, durch die sich ein Hochhaus kennzeichnet und somit von anderen Wohnformen unterscheidet. Die 3 wichtigsten Merkmale seien hier kurz erläutert:

1. Die in keiner anderen Wohnform erreichte Wohnparteienzahl an einem Aufgang,
2. die vornehmlich vertikale Anordnung der Wohneinheiten und
3. die innerhäusliche Verkehrserschließung durch einen oder meh- rere Aufzüge.2

Grundsätzlich lassen sich 2 Arten von Hochhäusern unterscheiden. Auf der einen Seite steht das zentral-erschlossene Hochhaus, meist ein Vierspänner auf einem quadratischen Grundriss errichtet, welches sich durch seine Kompaktheit und turmartige Gestalt definiert. Auf der ande- ren Seite steht das längsseitig-erschlossene Hochhaus, welches sich zumeist als langgestreckter Baukörper darstellt. Der zentrale Unter- schied beruht hauptsächlich auf dem soziologischen Aspekt der auf einer Etage wohnenden Parteien.3

Die Idee bzw. der Drang in die Höhe zu bauen ist keineswegs eine Idee der Moderne. Bereits im alten Ägypten sind Bauwerke in Form von Py- ramiden, wie den Cheops Pyramiden, mit beachtlichen Höhen bis 140m zu verzeichnen. Ebenso ist im Alten Testament die Rede vom Turm zu Babel, „ […]dessen Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen.“4 Der glorifizierenden Herrscherverewigung und dem ehrgeizigen Repräsentations- und Prestigestreben wurde also in Form von nicht zu übersehenden Monumenten baulicher Ausdruck verliehen. Bei den heutigen Hochhäusern, um die es vorwiegend in dieser Arbeit gehen soll, handelt es sich jedoch um eher „langweilige“ Profanbauten, die mit der Geschichte des Hochhinauswollens mit architektonischen Besonderheiten eher weniger zu tun haben und vor allem zweckdienlichere Ziele und Absichten verfolgen.

Die eigentliche Geschichte des klassischen Hochhauses und somit der „Boom“ aus unterschiedlichen Beweggründen in die Höhe zu bauen, begann mit der Erfindung des Fahrstuhls 1852. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Architekten und Bauherren der nachvollziehbaren Ansicht, dass es nicht rentabel sei, Büro- und Wohnkomplexe mit mehr als 6 Stockwerken zu errichten. Viel zu groß war die Mühe, die entsprechen- den Stockwerke über Treppenhäuser zurückzulegen, was zu einer we- nig profitablen Ausgangslage führte. Elisha Grave Otis jedoch erfand 1852 den Fahrstuhl und legte so den Grundstein für Bauten mit mehr als 6 Stockwerken. Zwar hat es schon vorher Bestrebungen gegeben, Lasten- und Personenaufzüge zu konzipieren, allerdings gelang Otis ein entscheidender Sicherheitsdurchbruch. 1852 stellte er seine Innova- tion im Crystal Palace in New York vor. Er selbst stand auf einer Auf- zugsplattform und durchtrennte das einzige Seil, welches den Fahrstuhl in seiner Position hielt. Die Plattform sank lediglich ein paar Zentimeter ab und kam letztendlich durch die von ihm entworfene Sicherheits- bremsmechanik zum Stehen. Mit dieser Sicherheitsbremse begründete Elisha Grave Otis die Aufzugsindustrie und somit den Grundstein für die moderne Hochhaustechnik.5 Otis gründete indes die „Otis elevator Company“, die auch heute noch besteht, rund 62Tsd. Mitarbeiter be- schäftigt und weltweit mehr als 1,9Mio. Aufzüge und mehr als 130Tsd.

Fahrtreppen betreibt. Im Geschäftsjahr 2006 erzielte die Firma 10,3 Mrd. US-Dollar Umsatz.6

Der Stahlskelettbau stellte die nächste bedeutende Etappe auf dem Weg zum höchsten Gebäude der Welt dar. Architekten entdeckten schnell, dass ein bloßer Bau in die Höhe nicht ausreichte, um den mög- lichen Risiken durch beispielweise Erdbeben oder starke Winde entge- gen zu wirken. So wurde der Stahlskelettbau eingeführt und zum ersten Mal beim „Home Insurence Building“ angewandt, welches zwischen 1884 und 1885 gebaut wurde. Die neue Bautechnik zeichnete sich vor allem durch das mit Stahlträgern errichtete Tragwerk des Gebäudes aus. Erst auf diese Stahlkonstruktion wurden die Wände und Decken aus Beton gegossen, wodurch eine höhere Stabilität auch bei großer Höhe gewährleistet werden konnte.

Die Grundlage für die Wolkenkratzer-Ära war also gelegt. Die Faszina- tion Hochhaus spiegelte sich vor allem im Zuge der Industrialisierung und des hochkapitalistischen Wirtschaftssystems der USA wider. Der Bau in die Höhe sollte eine möglichst hohe Kapitalverzinsung des knappen und unvermehrbaren Faktors Boden zu Folge haben und für eine räumliche Marktkonzentration sorgen. „Um den Marktwillen zu rea- lisieren, baute man also im südlichen New York auf das einstöckige Büro einen zweiten Stock, auf den zweiten einen dritten und im Laufe des 19. Jahrhunderts (bis 1880) so viele Stockwerke übereinander, wie es bautechnisch überhaupt möglich war.“7 Auf die wirtschaftlichen Fak- toren wird im nächsten Teil der Ausarbeitung noch detaillierter einge- gangen.

[...]


1 Herly, Ulfert, Wohnen im Hochhaus. Eine empirisch-sozialogische Untersuchung in ausgewählten Hochhäusern der Städte München, Stuttgart, Hamburg und Wolfsburg, Stuttgart 1970, S. 82.

2 Ebd., S. 84.

3 Ebd., S. 85.

4 Herly, Ulfert, Wohnen im Hochhaus. Eine empirisch-sozialogische Untersuchung in ausgewählten Hochhäusern der Städte München, Stuttgart, Hamburg und Wolfsburg, Stuttgart 1970, S. 86.

5 OTIS Deutschland, URL: http://www.otis.com/site/de/Pages/OtisHistory.aspx?menuID=6 (zuletzt aufgerufen 16.02.2012).

6 OTIS Deutschland, URL: http://www.otis.com/site/de/Pages/%C3%9CberOTIS.aspx?menuId=6 (zuletzt aufge- rufen 16.02.2012).

7 Herlyn, Ulfert, Wohnen im Hochhaus. Eine empirisch-soziologische Untersuchung in ausgewählten Hochhäusern der Städte München, Stuttgart, Hamburg und Wolfsburg, Stuttgart 1970, S. 87.

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656140320
ISBN (Buch)
9783656140511
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189702
Note
Schlagworte
Wolkenkratzer Skyline Hochhaus Turm

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