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Interpretation der Kurzgeschichte "Allmorgendlich" von Michaela Seul und Einbezug eines produktionsorientierten Ansatzes

Unterrichtsentwurf 2011 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Analyse des Lehr- und Lernfeldes
1.1 Lehrkraft und Klasse
1.2 Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe
1.3 Das Thema
1.4 Lernvoraussetzungen

2. Sachanalyse
2.1 Michaela Seul „Allmorgendlich”
2.1.1 Textbeschreibung
2.1.2 Textanalyse
2.1.3 Textinterpretation
2.2 Produktionsorientierter Ansatz

3. Didaktische und methodische Entscheidungen
3.1 Didaktische Reduktion
3.2 Lernziele
3.3 Begründung des methodischen Vorgehens
3.4 Lernerfolgskontrollen
3.5 Hausaufgaben
3.6 Tafelanschrift

4. Stundenverlauf
4.1 Gliederung der Stunde
4.2 Zu erwartende Schwierigkeiten und Lösungsmöglichkeiten

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang
6.1 Tafelanschrift
6.2 Vorbereitende Hausaufgabe
Erwartungshorizont
6.3 Nachbereitende Hausaufgabe
Erwartungshorizont

1. Analyse des Lehr- und Lernfeldes

1.1 Lehrkraft und Klasse

Seit dem 29.11.2011 unterrichte ich die Klasse 8 des XX-Gymnasiums, die ich von ihrem Fachlehrer zur Durchführung der Lehrprobenreihe übernommen habe. Die Lerngruppe setzt sich aus 24 Schülern1, 6 männlichen und 18 weiblichen, im Alter von 13-14 Jahren zusammen. Von Beginn an begegnete mir die Klasse offen und freundlich. Die Schüler zeigen sich interes- siert an den Inhalten des Deutschunterrichts, was insgesamt zu einer konstruktiven Arbeitsat- mosphäre führt. Disziplinprobleme treten in der Regel nicht auf und auch die Hausaufgabenmoral der Schüler ist als gut einzustufen. Das mündliche Leistungsbild der Klas- se soll im Folgenden, differenziert nach drei Leistungsgruppen, dargestellt werden:2

XXX erfassen neue Unterrichtsinhalte schnell und können komplexe Sachverhalte erläutern und abstrahierend darstellen. (AfB3 II-III). Insbesondere bei der Interpretation von zentralen Textstellen sowie in gestalterisch-produktionsorientierten Unterrichtsphasen beweisen die Schüler Kreativität und Einfallsreichtum.

XXX beteiligen sich regelmäßig. Die Qualität ihrer Beiträge ist bei der Reorganisation bekann- ter Sachverhalte gut, bei Transferleistungen befriedigend (AfB II). Sie tragen kreative Ideen und Diskussionsargumente zum Unterricht bei Dieser Schülergruppe mangelt es dabei, im Ver- gleich zu den drei erstgenannten Schülern, noch an höherer Abstraktionsfähigkeit. Zurückhaltender zeigen sich XXX. Sie beteiligen sich bei Reorganisations- und Reprodukti- onsfragen. Die Qualität ihrer Beiträge ist in der Regel zufriedenstellend. Diese Schülergruppe ist in der Lage erlernte Sachverhalte im Zusammenhang wiederzugeben und zum Teil auf neue Kontexte zu übertragen (AfB I-II). XXX muss ich direkt ansprechen, da sich diese Schüler aus eigenem Antrieb in der Regel nicht melden. Um ihnen die Gelegenheit zur gelungenen Beteili- gung zu geben, nehme ich sie gezielt bei Fragestellungen mit reproduktivem oder reorganisatorischem Charakter an die Reihe. Die Schüler können diese Fragen (AfB I-II) in der Regel zufriedenstellend beantworten, sodass davon auszugehen ist, dass sie dem Unterricht folgen.

1.2 Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsreihe „(Kurz-)Geschichten“ steht unter der thematischen Überschrift „Ich?! - Auf der Suche nach Identität“. Die Lehrprobenstunde stellt die siebte Stunde der Unterrichts- reihe dar, die insgesamt auf zehn Unterrichtstunden ausgelegt ist. Die Auswahl der Texte für diese Reihe beschränkt sich bewusst auf modernere Autoren wie Einzmann, Steenfatt und Seul, um den scheinbaren Bedeutungsverlust der Kurzgeschichte zu relativieren. Thematisches Bin- deglied bei der Auswahl war - wie die Überschrift deutlich macht - die Suche der Protagonis- ten nach Identität und der Stabilisierung ihres ICH und greift damit eine zentrale Frage des Jugendalters auf.

Der thematische Einstieg in die Unterrichtsreihe erfolgte über den Song „I am what I am“ von Gloria Gaynor. Im Anschluss wurden verschiedene (Kurz-)Geschichten auf die Merkmale der Textart und auf ihre sprachliche Gestaltung hin analysiert. Darüber hinaus ist es Ziel der Ein- heit die Schüler zu kreativem Schreiben anzuregen, indem sie beispielsweise Dialoge, innere Monologe oder Fortsetzungen zu den Textvorlagen schreiben und auf diese Weise zu einem tieferen Textverständnis gelangen. Die Produktionsorientierung in Kombination mit analyti- schen Zugängen bildet somit ein zentrales Moment der Unterrichtsreihe, das im Thema ÄInter- pretation der Kurzgeschichte ‚Allmorgendlich„ von Michaela Seul unter Einbeziehung eines produktionsorientierten Ansatzes“ unmittelbar aufgegriffen wird. Auch die auf die Lehrpro- benstunde folgende Klassenarbeit wird im Sinne eines produktionsorientierten Interpretie- rens/einer gestaltenden Interpretation konzipiert sein.

1.3 Das Thema

Das Thema ÄInterpretation der Kurzgeschichte ‚Allmorgendlich„ von Michaela Seul unter Einbeziehung eines produktionsorientierten Ansatzes“ verweist vorrangig auf zwei Dimensionen. Kerngegenstand der Lehrprobenstunde bildet die genannte Kurzgeschichte und ihre Interpretation. Des Weiteren postuliert die Themenstellung einen Unterrichtsgang, der ein tieferes Textverständnis durch Produktionsorientierung anstrebt.

Der Lehrplan für die Klassenstufe 8 des achtjährigen Gymnasiums im Saarland sieht Kurzge- schichten unter dem Oberpunkt „Umgang mit Texten und Medien“ vor. Hierbei stehen die Merkmale der Textgattung (bevorzugte Stoffe und bevorzugte Figuren, erzählerische Kompri- mierung und Reduktion des Personals, offene Form, lakonische, andeutend-symbolische Spra- che) im Fokus.4 Zur „Texterschließung“ schlägt der Lehrplan die Anwendung produktiver Verfahren vor.5

Für die Klassenstufe 8 ist kein Lehrwerk eingeführt, sodass generell auf eigene Unterrichtsmaterialien zurückgegriffen wird.

Die unterrichtliche Auseinandersetzung mit Kurzgeschichten gehört zum Standardrepertoire des Deutschunterrichts. Durch ihre Alltäglichkeit, Überschaubarkeit und Fokussierung sind sie besonders für die Behandlung in der Mittelstufe interessant, da das Textganze mit all seinen gestalterischen und inhaltlichen Finessen relativ schnell erfasst werden kann. Kurzgeschichten beleuchten knapp, geradlinig und kommentarlos alltägliche Situationen und sind so in der Lage Leseinteresse zu wecken, weil sie schnell „zur Sache kommen“. Die Lesemotivation der Schü- ler kann so gesteigert und mit der Einübung textanalytischer Verfahren kombiniert werden. Die Schüler lernen eine Textgattung kennen, an der sie analytische Verfahren auf „kleinerer“ Ebe- ne trainieren können und sich an eigenen Interpretationen, für die Kurzgeschichten eine Fülle an Leerstellen bieten, versuchen können. Das Thema bietet neben seiner innerfachlichen auch eine lebensweltliche Relevanz für die Schüler: Thematisch betrachtet greift die Kurzgeschichte - wie auch die übrigen Texte der Unterrichtsreihe - mit der Frage nach dem ICH, also der ei- genen Identität, eine zentrale Angelegenheit des Jugendalters, damit dem Alter der Schüler, auf. Die Kurzgeschichte ÄAllmorgendlich“ thematisiert mit einer gewissen Ironie den allzu- menschlichen Fingerzeig auf die vermeintlichen Fehler der Anderen. Deutlich wird am Ende der Geschichte auch die Differenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Der Einbezug der Schüler in eine aktive und gestalterisch-kreative Begegnung mit dem Text im Zuge eines produktionsorientierten Deutschunterrichts bindet sie unmittelbar in den Leseprozess ein und macht so eine intensivere wechselseitige Erschließung möglich. Ein derart angelegter Litera- turunterricht hat zum Ziel neben den kognitiven Fähigkeiten der Schüler auch ihre emotiven, ästhetischen und kritischen Kompetenzen zu fördern und wird somit der Forderung nach einem ganzheitlichen, emanzipatorischen Deutschunterricht gerecht. Die affektive Komponente des Themas, also die Fähigkeit eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen und zu hinterfragen, trägt ergänzend zur Mündigkeitsbildung der Schüler bei.

Das besondere Potenzial des Themas sehe ich darin, dass die Schüler sich in der literarischen Begegnung sowie in eigener Textproduktion bewusst werden, dass Selbst- und Fremdwahr- nehmung der eigenen Persönlichkeit nicht immer deckungsgleich sind und dass die Verurtei- lung Anderer aufgrund ihres Äußeren oder ihres Verhaltens häufig auch etwas mit einem selbst zu tun haben kann. Hierbei handelt es sich um Themen, die gerade im Identitätsfindungspro- zess der Pubertät, die sich gerade in der Abgrenzung zu Anderen formiert, von besonderer Be- deutung sind.

1.4 Lernvoraussetzungen

Die Schüler kennen die charakteristischen Merkmale der Kurzgeschichte wie die offene Form mit der Tendenz zur Aussparung, die erzählerische Komprimierung, die Reduktion des Perso- nals, des Handlungsortes und der Handlungszeit sowie die lakonische, andeutende Sprache. Arbeitstechniken zur Texterschließung sind den Schülern bereits bekannt und wurden gefestigt. Innerhalb der Unterrichtsreihe wurden produktionsorientierte Verfahren zur Erschließung der tieferen Textebene sukzessive eingebaut, sodass den Schülern diese Form der Erarbeitung ver- traut ist.

[...]


1 Hier und im Folgenden impliziert der Begriff „Schüler“ immer auch die weibliche Form.

2 Da ich die Klasse erst seit kurzem kenne, handelt es sich bei der Einschätzung um einen punktuellen Eindruck.

3 Die Abkürzung „AfB“ steht hier und im Folgenden für „Anforderungsbereich“.

4 vgl. Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft (2007): Achtjähriges Gymnasium. Lehrplan Deutsch für die Klassenstufe 8. Überarbeitete Fassung. Saarbrücken, S. 7.

5 ebd. S. 6.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656140375
ISBN (Buch)
9783656140672
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189631
Institution / Hochschule
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen Saarlouis
Note
1,3
Schlagworte
interpretation kurzgeschichte allmorgendlich michaela seul einbezug ansatz

Autor

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Titel: Interpretation der Kurzgeschichte "Allmorgendlich" von Michaela Seul und Einbezug eines produktionsorientierten Ansatzes