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Die Politik der athenischen Strategen Perikles, Kleon, Nikias und Alkibiades für den peloponnesischen Krieg bei Thukydides

von Keno Peterson (Autor)

Seminararbeit 2010 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Verlauf der Pentekontaetie und des peloponnesischen Krieges im thukydideischen Werk
2.1. Die Pentekontaetie (479-431 v. Chr.)
2.2. Der Archidamische Krieg (431-421 v. Chr.)
2.3. Der Nikiasfrieden und die sizilische Expedition (421-413 v. Chr.)
2.4. Der Dekeleisch-Ionische Krieg (413-404 v. Chr.)

3. Perikles und Kleon
3.1. Perikles und das megarische Psephisma
3.2. Kleon und seine Einflussnahme auf die athenische Kriegsführung nach Sphakteria

4. Nikias und Alkibiades
4.1. Das athenische Bündnis mit Argos, Mantineia und Elis 420 v. Chr.
4.2. Die Eroberung der Insel Melos 416 v. Chr.
4.3. Die zweite sizilische Expedition - Athens Griff nach der Weltmacht

5. Schlussbetrachtung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1. Quellen
6.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung:

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der vier großen athenischen Heerführer und Politiker Perikles, Kleon, Nikias und Alkibiades für den Verlauf und die Intensität des peloponnesischen Krieges. Als Primärquelle dienen die acht Bücher des Thukydides über den peloponnesischen Krieg.1 Besonderes Augenmerk gilt hier dem Einfluss dieser Führungs- persönlichkeiten und ihrem jeweiligen Führungsstil auf die verschiedenen Phasen des peloponnesischen Krieges, die durch eben diese Führungspersönlichkeiten geprägt wurden. Es soll hervorgehoben werden, wie bedeutsam das Handeln einzelner Männer, bedingt durch ihre jeweiligen charakteristischen politischen Handlungen, für den Verlauf dieses 'antiken Weltkrieges' war.

Zum besseren Verständnis ist es unerlässlich vorab eine kurze Gliederung des peloponnesischen Krieges anhand des thukydideischen Werkes vorzunehmen, sowie in deren Verlauf eine Auflistung der von Thukydides angeführten Kriegsgründe. Hier wird zwischen den äußeren Anlässen (ai(/tiai bzw. diafo/rai) und den wahren Ursachen (ale/qestate/ profa/sij) unterschieden.2 Auf Basis dieser Gliederung der Ereignisse soll in chronologischem Ablauf die jeweilige Einflussnahme der athenischen Führungspersönlichkeiten auf die genannten Ereignisse hervorgehoben und unter politischen Gesichtspunkten interpretiert werden. Die gegensätzlichen machtpolitischen und persönlichen Grundsätze der vier Politiker sollen in direkter Abgrenzung zueinander interpretiert werden. Zum einen die besonnene und von klugen Überlegungen geprägte Politik des Perikles in Abgrenzung zur kriegstreiberischen und demagogischen Politik seines Nachfolgers Kleon3, zum anderen die friedensorientierte Politik des bedächtigen und hochangesehenen Nikias in Abgrenzung zur impulsiven und an Machtzuwachs orientierten Politik des jungen und ehrgeizigen Alkibiades.4

In der Schlussbetrachtung der Hausarbeit werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und ausgewertet um so zur Erkenntnis zu gelangen wie hoch die Bedeutung einzelner Entscheidungsträger auf politische und militärische Auseinandersetzungen zu verorten ist. Es soll des weiteren versucht werden die konkrete Bedeutung der Führungspersönlichkeiten im peloponnesischen Krieg mit derer moderner Entscheidungsträger in modernen politischen und militärischen Auseinandersetzungen zu vergleichen um so neben der Bedeutung der wissen schaftlich/politischen Methode Thukydides' einen weiteren Bereich hervorzuheben, der die Tatsache rechtfertigt, dass dieses Werk auch heute noch zu den wichtigsten Werken der politischen Ideengeschichte zählt.

2. Verlauf der Pentekontaetie und des peloponnesischen Krieges im thukydideischen Werk:

Das Geschichtswerk des Thukydides ist eine historische Monographie über den peloponnesischen Krieg. „[...] Thukydides [ist] bei der Schilderung des Krieges chronologisch vorgegangen, kennzeichnend ist ein strenges annalistisches Schema, d.h. die Geschehnisse werden Jahr für Jahr beschrieben.“5 Das erste Buch besteht aus der so genannten 'Archäologie des Krieges' (I,2-19), dem Methodenkapitel (I,20-22), in dem Thukydides die methodischen Prinzipien seines Werkes (Wahrheit und Genauigkeit, Nutzen für die nachfolgenden Generationen und die Unterscheidung von äußerem Anlass und tieferer Ursache) darlegt und dem Zeitraum der Pentekontaetie von 479- 431 v. Chr. (I,89-116).

Das zweite, dritte und vierte Buch behandelt den Archidamischen Krieg (431-421 v. Chr.), Buch 5 die Zeit des Nikiasfriedens (421-415 v. Chr.), Buch 6 und 7 behandelt die Sizilienexpedition (415- 413 v. Chr.) und Buch 8 die letzte Phase des peloponnesischen Krieges, den Dekeleisch-Ionischen Krieg (414-404 v. Chr.). Das Werk endet mit dem oligarchischen Umsturz in Athen im Jahre 411 v. Chr. Sicher ist, dass Thukydides nicht die Absicht hatte sein Geschichtswerk zu diesem Zeitpunkt zu beenden. Neben der Möglichkeit, dass das restliche Werk verloren gegangen ist, scheint die Ansicht, dass er durch seinen Tod an der Beendigung des Werkes gehindert wurde die realistischere Variante zu sein.6

2.1. Die Pentekontaetie (479-431 v. Chr.):

Die Pentekontaetie, also der Zeitraum der 'friedlichen Jahre' zwischen dem Ende des Perserkrieges mit der Schlacht von Plataiai 479 v. Chr. und dem Beginn des peloponnesischen Krieges 431 v. Chr. ist geprägt durch den aufkeimenden Dualismus der Mächte Athen und Sparta und ihren jeweiligen Bündnispartnern (delisch-attischer Seebund und dem peloponnesischen Bund). Obwohl es kaum zu direkten militärischen Auseinandersetzungen kam, schien sich das Verhältnis der beiden poleis zunehmend von der ergänzenden militärischen Zusammenarbeit hin zur Konkurrenz zweier Hegemonialmächte zu verlagern.7 451 v. Chr. schlossen Athen und Sparta einen Friedensvertrag auf dreißig Jahre, der die gleichmäßige Machtverteilung zwischen dem delisch-attischen Seebund und dem peloponnesischen Bund festlegte. Am Vorabend des peloponnesischen Krieges manifestierte sich der Machtzuwachs Athens auf Kosten der noch im hellenischen Bund bestehenden faktischen alleinigen Hegemonialität Spartas.8 Dieser Machtzuwachs und die daraus entstehende Furcht Spartas vor einer Überlegenheit Athens führt Thukydides als eine der wichtigsten 'wahren Ursachen' an. Kurz vor dem tatsächlichen Ausbruch des Krieges kam es zu den drei von Thukydides genannten äußeren Kriegsgründen:

1. Die Auseinandersetzung um Kerkyra. Die polis Kerkyra suchte sich von der Vorherrschaft Korinths zu lösen und erbat bei Athen militärische Unterstützung. Athen und Kerkyra bildeten ein Defensivbündnis, doch es kam zu keiner direkten militärischen Auseinandersetzung zwischen Korinth (und ihrem Bündnispartner Sparta) und Athen. Dieser Konflikt zeigte, dass die hellenistische Welt kurz vor dem Ausbruch des Krieges zwischen den zwei mächtigsten poleis der damaligen Zeit stand.9

2. Das megarische Psephisma. Im Jahre 434/433 v. Chr. wurde in Athen ein Handelsembargo gegen die polis Megara beschlossen. Megara besaß in Bereich der nördlichen Ägäis und des schwarzen Meeres, also im Einflussgebiet des delisch-attischen Seebundes, einige Kolonien, die den Athenern ein Dorn im Auge waren. Da Megara zum peloponnesischen Bund gehörte, begannen direkte Verhandlungen um die Rücknahme des Embargos zwischen Sparta und Athen, die zu keiner Einigung führten.10 „[...] Im hellenischen Machtbereich [tobte] ein 'Kalter Krieg um materielle Ressourcen' [...], die Beziehungen Spartas mit Athen [...] verschlechterten sich zusehends.“11

3. Der Streit um Poteideia. Die polis Poteideia, Mitglied des delisch-attischen Seebundes und Kolonie Korinths stellte die Bühne für den „Zusammenstoß athenischer und korinthischer Interessen.“12 Athen befürchtete einen Abfall der strategisch wichtig gelegenen polis und antwortete mit der Forderung der üblichen Unterwerfungsbedingungen (Schleifung der Mauern, Stellung von Geiseln). Poteideia antwortete mit einem Austritt aus dem delisch-attischen Seebund und einem Bündnis mit Sparta. Eine beginnende militärische Intervention Athens führte zu einer Versammlung des peloponnesischen Bundes in deren Verlauf der Bündnisfall ausgerufen wurde.13

2.2. Der Archidamische Krieg (431-421 v. Chr.):

Der nach dem spartanischen König Archidamos II. benannte Krieg war geprägt durch ein sehr aggresives Auftreten Spartas und einem defensiven Verhalten Athens. Versuchte Sparta durch Einfälle in Attika die Athener zu zermürben, zogen sich diese hinter die langen Mauern zwischen Piräus und Athen zurück, sodass die fortwährende Verwüstung des Landes durch die Spartaner kaum Wirkung zeigte. In den Zeitraum des Archidamischen Krieges fällt die große Pestepidemie, der nach Schätzungen ein Viertel der gesamten attischen Bevölkerung zum Opfer fiel.14

Das Blatt wendete sich mit der Gefangennahme von 400 spartanischen Hopliten auf Sphakteria.15 „[...] Mit den auf Sphakteria abgeschnittenen spartanischen Hopliten [glaubten die Athener] ein Faustpfand für einen für sie sehr vorteilhaften Vertrag zu besitzen.“16

Dieser Faustpfand wurde in dem Jahr danach für weitgreifende militärische Offensiven genutzt, die eine Erweiterung der athenischen Machtsphäre zur Folge hatten.17

Mit einer Expedition auf die Chalkidike, die Achillesferse Athens, gelang es den Spartanern die Athener von wichtigen Ressourcen (Holz zum Schiffsbau) abzutrennen.

Auf Basis dieser verfahrenen Situation begannen Sparta und Athen mit direkten Friedensverhandlungen, die 421 v. Chr. zum Nikiasfrieden führten.18

2.3. Der Nikiasfrieden und die sizilische Expedition (421-413 v. Chr.):

Der Nikiasfrieden beinhaltete im Grundsatz die Wahrung eines 50 jährigen Waffenstillstands, die Rückgabe der eroberten Gebiete, sowie die Wiederherstellung des status quo ante. Bereits kurze Zeit nach dem Friedensschluss kam es zu erneuten meist indirekten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kontrahenten. Als steter Unruheherd waren die Auseinandersetzungen um die polis Argos von großer Bedeutung.19

Der delisch-attische Seebund versuchte während den Jahren nach dem Friedensschluss seine Einflusssphäre zu erweitern. Diese Versuche gipfelten in der militärischen Aktion auf Melos, in deren Verlauf die Bevölkerung der Insel von den athenischen Truppen getötet oder versklavt wurde, dargestellt in einer der bedeutendsten Textstellen des thukydideischen Werkes, dem Melierdialog20 und der Sizilienexpedition, die in einem Fiasko für Athen endete. Bei dem Versuch Sizilien dem Herrschaftsbereich des delisch-attischen Seebundes einzugliedern, verloren nach Thukydides 40000 Athener und Bundesgenossen ihr Leben.

[...]


1 Thukydides: Der peloponnesische Krieg (übers. v. Helmut Vretska), Stuttgart, 2005 und Thukydides: Geschichte des peloponnesischen Krieges (übers. v. Georg Landmann) (Reihe Geschichtsschreibung der Antike), München 1991 [im Folgenden: Thuk.].

2 Vgl.: Stockhammer, Nicolas: Das Prinzip Macht. Die Rationalität politischer Macht bei Thukydides, Machiavelli und Michel Foucalt, Baden-Baden 2009, S. 34 [im Folgenden: Stockhammer: Macht]. Vgl. auch: Volkmann-Schluck, Karl-Heinz: Politische Philosophie. Thukydides-Kant-Tocqueville, Frankfurt a. M. 1974, S. 18f. [im Folgenden: Volkmann-Schluck: Politische Philosophie].

3 Vgl.: Sonnabend, Holger: Thukydides, Hildesheim 2004, S. 76f. [im Folgenden: Sonnabend: Thukydides].

4 Vgl.: Bleckmann, Bruno: Der peloponnesische Krieg, München 2007, S. 70f. [im Folgenden: Bleckmann: peloponnesischer Krieg].

5 Sonnabend: Thukydides, S. 30.

6 Vgl.: Ebd., S. 34ff. und Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens. Die Griechen. Von Homer bis Sokrates (Band 1,1), Stuttgart 2001, S. 136ff. [im Folgenden: Ottmann: Politisches Denken].

7 Vgl.: Stockhammer: Macht, S. 28f.

8 Vgl.: Ebd., S. 29. und Bengtson, Hermann: Griechische Geschichte, München 1965, S. 185f. [im Folgenden: Bengtson: Griechische Geschichte].

9 Vgl.: Stockhammer: Macht, S. 29ff.

10 Vgl.: Ebd., S. 31f.

11 Ebd., S. 32.

12 Bengtson: Griechische Geschichte, S. 196.

13 Vgl.: Stockhammer: Macht, S. 32ff. und Schubert, Charlotte: Athen und Sparta in klassischer Zeit, Stuttgart 2003, S. 139f. [im Folgenden: Schubert: Athen und Sparta in klassischer Zeit].

14 Thuk. II, 48-54 und Welwei, Karl-Wilhelm: Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999, S. 160 [im Folgenden: Welwei: Das klassische Athen].

15 Thuk. IV, 13-14.

16 Welwei: Das klassische Athen, S. 178.

17 Vgl.: Ebd., S. 184.

18 Vgl.: Bengtson: Griechische Geschichte, S. 206ff. und Schubert: Athen und Sparta in klassischer Zeit, S. 144.

19 Vgl.: Bleckmann: peloponnesischer Krieg, S. 78f.

20 Thuk. V, 116.

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656137580
ISBN (Buch)
9783656138785
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189548
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Schlagworte
Peloponnesischer Krieg Theben Athen Sparta Thukydides Strategen Heerführer Nikias Perikles Alkibiades Kleon

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    Keno Peterson (Autor)

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