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Die Inhaltsangabe im Deutschunterricht der gymnasialen Mittelstufe in Theorie und Unterrichtspraxis

Formen modernen Aufsatzunterrichts (Sprachdidaktik)

Hausarbeit 2006 29 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Gliederung:

0. Einleitung

1. Theoretische Anmerkungen zur Aufsatzform ‚Inhaltsangabe’
1.1. Die Inhaltsangabe in Schule und Alltag
1.2. Die Inhaltsangabe als Form der Textwiedergabe

2. Möglicher Aufbau einer Unterrichtssequenz zur Inhaltsangabe (Jahrgangsstufe 8)
2.1. Vorbemerkung
2.2. Übersicht
2.3. Ausformulierte Unterrichtsentwürfe
2.3.1. Erste Stunde
2.3.2. Zweite Stunde
2.3.3. Dritte Stunde
2.3.4. Vierte Stunde
2.3.5. Fünfte Stunde
2.3.6. Sechste Stunde

3. Literatur- und Quellenangaben

4. Anhang

0. Einleitung

Diese Hauptseminararbeit befasst sich mit der Schreib- beziehungsweise Aufsatzform ‚Inhaltsangabe’, die in der 8. Klasse ein Thema des Deutschunterrichts ist.

Zunächst wende ich mich einigen theoretischen Überlegungen bezüglich der Inhaltsangabe zu. Ich betrachte diese Schreibform bezüglich ihrer Funktion in der Schule und im Alltag und ordne sie außerdem in die unterschiedlichen Formen der Textwiedergabe ein.

In einem zweiten großen Gliederungspunkt stelle ich meine Unterrichtssequenz vor, die sich aus sechs Stunden zusammensetzt. Dazu habe ich zunächst eine Tabelle mit kurzen Stichworten bezüglich der Stundenplanung angefertigt, die einen guten Überblick über die Sequenz bietet. Anschließend folgen dann die ausführlichen Erläuterungen der Inhalte der einzelnen Stunden, die sich jeweils in die drei Phasen Motivation, Erarbeitung und Festigung gliedern.

1. Theoretische Anmerkungen zur Aufsatzform ‚Inhaltsangabe’

1.1. Die Inhaltsangabe in Schule und Alltag

Die schriftliche Inhaltsangabe gehört zu den grundlegenden schulischen Schreibformen, die in allen Schularten der Sekundarstufe I vermittelt werden. Die informative Funktion, der besondere Aufbau und die sprachlich-stilistische Form bestimmen die Merkmale der Inhaltsangabe. Als schulische Schreibform beziehungsweise Aufsatzform wird sie entweder allein oder in Kombination mit anderen Schreibformen (zum Beispiel Textinterpretation) immer wieder gefordert. In vielen anderen Situationen, wie beispielsweise innerbetrieblichen Schulungen und Weiterbildungen, gehört sie ebenfalls zu den Grundfertigkeiten, die im Umgang mit Texten erwartet werden. Wer die Merkmale der Inhaltsangabe kennt und anzuwenden weiß, kann in einem Text das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden.

Beim Verfassen einer Inhaltsangabe sollte eine allzu subjektive Sichtweise auf den Text vermieden werden, auch wenn sie natürlich nicht auszuschließen ist, denn jeder Leser geht mit unterschiedlichem Vorwissen, verschiedenen Leseerfahrungen und Weltwissen an den Text heran, den er bei der Inhaltsangabe verstehen und wiedergeben soll.

Voraussetzung für die Bewältigung der Schreibform ist die Anwendung und Beherrschung von fünf Arbeitsschritten. Der erste Schritt ist das intensive Lesen des Textes, bei dem der Rezipient den Inhalt und das Thema des Textes kennen lernt und zu ersten Leseeindrücken gelangt. Der zweite Schritt ist das inhaltliche Erfassen des Textes. Bei diesem zweiten Lektüredurchgang wird volles Textverständnis hergestellt, was zum Beispiel durch Markieren und Hervorheben von Textstellen geschehen kann. Unter dem dritten Arbeitsschritt versteht man, dass die Sinnabschnitte und die inhaltliche Gliederung des Textes erkannt werden. Im folgenden Schritt sollen diese Abschnitte dann in eigenständiger Formulierung zusammengefasst werden, wobei auf die inhaltliche Korrektheit und sprachliche Angemessenheit geachtet werden sollte. Und in einem fünften und letzten Arbeitsschritt wird die gesamte Inhaltsangabe schließlich sprachlich-stilistisch verfasst.

Diese fünf Schritte sollten beachtet werden, wenn man die Aufsatzform ‚Inhaltsangabe’ mit den Schülern behandelt.

1.2. Die Inhaltsangabe als Form der Textwiedergabe

Eine Liste von Kommunikationssituationen, in denen das Wiedergeben von Inhalten notwendig ist, kann leicht erstellt werden. In der mündlichen Kommunikation wären zwei Beispiele das Beratungsgespräch in der Buchhandlung und die Unterhaltung über Lesestoffe. Beispiele aus der schriftlichen Kommunikation lassen sich ebenso finden. Die Rezension, der Klappentext eines Buches oder der Lexikonbeitrag zählen zweifellos dazu.

Stellt man die Inhaltsangabe diesen Textsorten gegenüber, wird deutlich, dass sie an sich keine eigenständige Textsorte ist, sondern lediglich ein Teil anderer Textsorten. In der Schule wird sie jedoch als selbstständige Schreibform angesehen. Dies ist der normativen Aufsatzlehre zu verdanken, die jede Adressatenorientierung ausgeblendet hat. Die oben aufgezählten Kommunikationssituationen ermöglichen dagegen konkrete Angaben über Adressatenbezug und Schreibzweck.

Ulf Abraham unterscheidet in seinem Buch „Lesarten – Schreibarten. Formen der Wiedergabe und Besprechung literarischer Texte“ (1994) zwischen verschiedenen Arten der einfachen Textwiedergabe:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Inhaltsangabe wird als eine um informierende Einleitung mit Kernaussage ergänzte Textzusammenfassung definiert. Das heißt, sie ist verkürzend und besprechend. Sie besteht aus allgemein als obligatorisch eingeschätzten Stilnormen. Folgende Punkte gehören dazu:

- Gebrauch des Tempus Präsens
- Verzicht auf schillernde Elemente
- Wechsel in die 3. Person
- Umwandlung der direkten Rede

Durch diese Normen bildet sie einen scharfen Kontrast zum Stil, den die Textvorlage aufweist, weshalb sie sich sehr gut von anderen Formen der Textwiedergabe wie Nacherzählung und Prècis abgrenzen lässt. Das charakteristische Merkmal der Inhaltsangabe ist also nicht ihre Funktion der ‚Verknappung’, sondern ihre auffällige Gegensätzlichkeit zur Vorlage hinsichtlich des Stils.

An diesen Stilnormen wird oft kritisiert, dass sie der Grund dafür sind, dass die Gestaltungs- und Ausdrucksversuche der schreibenden Schüler nicht gewürdigt und ernst genommen werden, sondern als nicht stilneutral betrachtet und normativ korrigiert werden. Das Ergebnis ist meist ein ausdrucksärmerer Text.

(vgl. Abraham 1994, S. 26-55)

2. Möglicher Aufbau einer Unterrichtssequenz zur Inhaltsangabe (Jahrgangsstufe 8)

2.1. Vorbemerkung

Die von mir entwickelte Unterrichtssequenz zur Inhaltsangabe erstreckt sich über sechs Stunden, wovon jedoch die letzte Stunde nur dazu dient, eine Klassenarbeit zu schreiben. In den verbleibenden fünf Stunden, in denen ich mit den Schülern die Aufsatzform behandele, nähere ich mich Schritt für Schritt dem Grobziel, sie dazu zu befähigen werden, den Inhalt eines Textes nach den bekannten Merkmalen und Stilnormen wiederzugeben. Dabei betrachte ich mit ihnen gleichermaßen literarische als auch Sachtexte. Ich beachte natürlich in meinen Stunden die Arbeitsschritte, deren Beherrschung zum Schreiben einer Inhaltsangabe die Voraussetzung bilden (vgl. Gliederungspunkt 1.1.).

Ich befinde mich in der Jahrgangsstufe 8 eines Gymnasiums beziehungsweise einer Gesamtschule, denn in dieser Klassenstufe wird die Schreibform ‚Inhaltsangabe’ behandelt. In Klasse 7 haben sie bereits die Textzusammenfassung kennen gelernt, die der Inhaltsangabe ähnlich ist, aber keine informierende Einleitung und keine Kernaussage beinhaltet. Nichtsdestotrotz kann ich davon ausgehen, dass das Komprimieren von Texten nichts Neues für die Schüler ist.

2.2. Übersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Ausformulierte Unterrichtsentwürfe

2.3.1. Erste Stunde

Thema: Einführung der neuen Schreibform Inhaltsangabe (Schwerpunkt: Erstleseeindrücke zu einem neuen Text festhalten)

Motivationsphase (10 Minuten)

In der Motivationsphase sollen die Schüler zum Thema hingeführt und ihr Interesse dafür soll geweckt werden. Dies erreicht man natürlich am besten, indem man versucht, die Schüler auf einfallsreiche Art und Weise für das neue Thema zu begeistern.

Ich steige in die Stunde ein, indem ich den Schülern von einem aktuellen Film erzähle. Dafür habe ich die Verfilmung des zweiten Teils der „Herr der Ringe“-Romane gewählt, da ich davon ausgehen kann, dass viele Schüler ihn über Ostern gesehen haben, als er im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Außerdem haben möglicherweise auch einige Schüler die Bücher von J.R.R. Tolkien gelesen. Allerdings fasse ich den Filminhalt völlig falsch zusammen. Ich konzentriere mich zum Beispiel auf unwesentliche Nebenhandlungen und lasse das Hauptgeschehen größtenteils außer Acht. Darüber hinaus verwechsele ich Situationen und Personen und bringe den chronologischen Ablauf durcheinander, so dass der Film entfremdet wirkt.

Die Reaktion, die ich mir von den Schülern erwarte ist, dass sie protestieren und mich verbessern. Nun kann ich fragen: Was habe ich bei meiner Inhaltszusammenfassung des Films falsch gemacht? Die Klasse wird daraufhin sicherlich Aspekte nennen wie:

- der wesentliche Inhalt wurde aus den Augen verloren,
- unwichtige Ereignisse wurden zu sehr ausgebreitet,
- die Reihenfolge der Ereignisse wurde nicht beachtet,
- einige Vorkommnisse wurden verwechselt.

Anschließend leite ich über auf das Thema der Stunde und erkläre den Schülern, dass sie heute und in den folgenden Stunden lernen, wie eine Inhaltsangabe korrekt gemacht wird.

Anhand dieser Motivationsphase mache ich den Schülern klar, wozu man eine Inhaltsangabe braucht. Ihnen wird bewusst, dass sie in ihrer alltäglichen Lebenswelt von Nutzen ist.

Erarbeitungsphase (25 Minuten)

Ich erkläre den Schülern, dass sie als nächstes lernen, den Inhalt eines Textes wiederzugeben. Dazu teile ich ihnen den Text „Die Kündigung“ von Theo Schmich (siehe Blatt A) aus. Ich lasse sie ihn still lesen. Anschließend kläre ich mit ihnen eventuelle Fragen, die sie zum Text haben. Ich denke aber nicht, dass es große Verständnisschwierigkeiten geben würde, da der Text relativ einfach und ohne komplizierte Wörter geschrieben ist.

Als nächstes stelle ich die Aufgabe, dass jeder Schüler ein leeres Blatt vor sich legt und darauf seine Erstleseeindrücke festhält, während er den Text neben sich liegen hat und hineinschaut. Sie sollen die Gedanken und Assoziationen, die ihnen beim Lesen des Textes gekommen sind, in sprachlicher und bildlicher Form realisieren. Diese Aufgabe lösen die Schüler in Einzelarbeit.

Festigungsphase (10 Minuten)

In einem nächsten Schritt werte ich die Leseeindrücke im Unterrichtsgespräch aus. Dabei halte ich die Schülerantworten an der Tafel fest und versuche, sie danach zu kategorisieren, was häufig vorkommt oder was eher ungewöhnlich ist. Das heißt, falls viele Schüler mit dem Text beispielsweise die Assoziation ‚Armut’ (oder ähnliche Begriffe wie ‚Ruin’, ‚mittellos’, ‚erwerbslos’) verbinden, aber nur einer ‚Selbstmord’, versuche ich das an der Tafel zu ordnen. Die Schüler, die etwas zum Text gezeichnet haben, geben ihre Bilder bei mir ab. Die Stunde ist vorüber und das Ziel, dass die Schüler verstehen, wie wichtig das richtige Schreiben beziehungsweise Erzählen einer Inhaltsangabe für das alltägliche Leben ist, habe ich erreicht. Darüber hinaus haben sie sich durch das Aufschreiben ihrer Erstleseeindrücke intensiv mit einem neuen Text beschäftigt und somit vertieftes Textverständnis erlangt. Die Stunde dient also insbesondere der Vermittlung von Lesekompetenz.

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Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656136064
ISBN (Buch)
9783656136446
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189410
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
1,7
Schlagworte
inhaltsangabe deutschunterricht mittelstufe theorie unterrichtspraxis formen aufsatzunterrichts sprachdidaktik

Autor

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Titel: Die Inhaltsangabe im Deutschunterricht der gymnasialen Mittelstufe in Theorie und Unterrichtspraxis