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Ausbildung der Grundfertigkeit Sprechen

Seminararbeit 2010 18 Seiten

Didaktik - Spanisch

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung

1. Theoretische Betrachtung der Grundfertigkeit Sprechen
1.1. Definition Sprechfertigkeit
1.2. Bedeutung der Mündlichkeit im Spanischunterricht
1.3. Schlussfolgerungen für das methodische Vorgehen im Unterricht

2. Unterrichtskonzeption zur Entwicklung der Sprechfertigkeit
2.1. Unterrichtsgegenstand
2.2. Grobe Planung eines möglichen Vorgehens im Unterricht

3. Schlusswort

4. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Im Zentrum eines kommunikativ ausgerichteten Spanischunterrichts steht der Erwerb der sprachlichen Grundfertigkeiten. Man unterscheidet traditionellerweise zwischen rezeptiven Fertigkeiten, wozu das Lese- und Hörverstehen zählen, und produktiven Fertigkeiten, welche das Schreiben und Sprechen sind. Eine andere Betrachtungsweise unterteilt die Fertigkeiten in mündliche (Hörverstehen und Sprechen) und schriftliche (Lesen und Schreiben).

Die Sprachmittlung (Mediation), die sowohl mündlich als auch schriftlich erfolgen kann, wird heute als eine fünfte Fertigkeit gesehen.[1]

Eine Sprechfertigkeit auf hohem Niveau ist gewiss das am schwersten erreichbare Lernziel des Spanischunterrichts. Ein sich in der Fremdsprache Äußernder muss sowohl verstehen als auch auf das Gehörte angemessen reagieren. Er muss in kurzer Zeit sinnvolle Sätze bilden, die ihrerseits eine Reaktion des Gesprächspartners hervorrufen sollen. Auch wenn ihm nonverbale Elemente wie die Gestik des Gegenübers oder der Kontext der Unterhaltung (z.B. Gespräch mit dem Kellner im Restaurant) helfen, muss er dennoch auf der Stelle seine Gedanken organisieren und sich äußern.

Vergleichsweise einfacher fallen das Lesen und Schreiben, selbst ohne Hilfsmittel wie zum Beispiel ein Wörterbuch, denn hier hat der Lernende Zeit zu überlegen. Er kann einen schwierigen Satz mehrmals lesen, sich unbekannte Lexik mit Hilfe verschiedener Strategien erschließen und mit einer gewissen Ruhe nach einer richtig erscheinenden Formulierung für einen Satz suchen, bevor er ihn aufschreibt.

Gerade weil zusammenhängendes, verständliches, situations- und adressatengerechtes Sprechen für Lernende einer Fremdsprache eine sehr hohe Herausforderung darstellt, sollte es eine bedeutende Rolle im Unterricht spielen. Der Lehrer muss die Schüler bei jeder Gelegenheit zum Sprechen stimulieren. Selbst wenn es sich im Anfangsunterricht lediglich um kurze Sätze handelt, werden die Lernenden daran gewöhnt, spanische Äußerungen zu verstehen und adäquat auf diese zu reagieren.

Darüber hinaus ist nicht zu vergessen, dass in der Alltagskommunikation der mündliche Sprachgebrauch eine größere Rolle spielt als der schriftliche.[2] Sollten die Lernenden sich im spanischsprachigen Ausland befinden, werden sie dies mit Sicherheit feststellen. Der Unterricht sollte daher seinen Schwerpunkt, der traditionellerweise auf dem Lesen und Schreiben liegt, auf die Mündlichkeit verlegen, um den Anforderungen des Alltags gerecht zu werden.

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, anhand einer konkreten Unterrichtskonzeption darzustellen, wie die Sprechfertigkeit bei Schülern der Klassenstufe 7 kontinuierlich gefördert werden kann, wobei zunächst eine kurze theoretische Betrachtung der Grundfertigkeit Sprechen und deren Umgang im Spanischunterricht erfolgt.

1. Theoretische Betrachtung der Grundfertigkeit Sprechen

1.1. Definition Sprechfertigkeit

Um die Grundfertigkeit Sprechen im Spanischunterricht herausbilden und schulen zu können, ist es unerlässlich, vorab zu erläutern, wie der Prozess des Sprechens in der Fremdsprache genau abläuft. Der Lernende muss kognitive Fertigkeiten einsetzen, die er benötigt, um seine Äußerung gedanklich zu planen und organisieren. Ferner setzt er sprachliche Fertigkeiten ein, um seine Mitteilung zu formulieren. Außerdem muss er über phonetische Fertigkeiten verfügen, um seine Äußerung korrekt zu artikulieren. Wenn der Lernende also etwas auf Spanisch sagen will, laufen drei mentale Prozesse gleichzeitig ab: er muss ein Konzept erstellen (Was will ich sagen?), nach geeigneten Redemitteln suchen (Wie und womit drücke ich aus, was ich sagen will?) und die Artikulation beginnen, die er gedanklich auf Korrektheit überprüft (Sind meine Aussprache und Intonation richtig?).

Der Spanischunterricht muss diese mentalen Aktivitäten stets im Blick haben und berücksichtigen, dass die Ausbildung von Sprechfertigkeit auf einem hohen Niveau eine zeitintensive Angelegenheit ist, die die Schüler sehr fordert.

Nachdem die Abläufe beim Sprechen dargelegt wurden, soll nun der Begriff Sprechfertigkeit definiert werden, damit deutlich wird, zu was genau die Lernenden befähigt werden sollen.

Die gegenwärtige Forschung versteht darunter das Vermögen eines Lerners, „Äußerungen adressatengerecht im sozialen Interaktionsprozess so zu verwenden, dass eine Verständigung gewährleistet ist.“[3] Es geht somit nicht um die Korrektheit des Gesprochenen, sondern vielmehr um die Verständlichkeit. Außerdem ist dem Gesprächspartner entsprechend zu agieren. Der Lernende soll in seinem Sprachgebrauch also Unterschiede machen können zwischen einer Unterhaltung mit einem Freund oder einem Vorgesetzten.

Unter dem Begriff Sprechfertigkeit werden einzelne Teilkompetenzen zusammengefasst, zu denen der Lernende in der Lage sein muss. Er muss Gesprächskontakte knüpfen und aufrechterhalten können. Er weiß, wie er eine Unterhaltung zu einem beliebigen Thema beginnt, sie angemessen fortführt und schließlich richtig beendet.

Weiterhin muss der Lernende seine Sprechabsichten mit Hilfe eines stimmigen Gebrauchs von Redemitteln realisieren können. Will er zum Beispiel mit einer anderen Person über eine Sache diskutieren, muss er dazu in der Lage sein, Redemittel zum Führen von Diskussionen in seinem Gedächtnis abzurufen und adäquat einzusetzen.

Darüber hinaus umfasst Sprechfertigkeit ein flüssiges, ausdifferenziertes Ausdrucksvermögen. Der Schüler muss die verschiedenen Teilfertigkeiten des Sprechens beherrschen: beispielsweise verlangt das Präsentieren eines Posters (monologisches Sprechen) einen anderen sprachlichen Ausdruck als das Moderieren einer Talkshow oder das Durchführen eines Interviews (interaktive Kommunikation).

1.2. Bedeutung der Mündlichkeit im Spanischunterricht

Obwohl der mündliche Sprachgebrauch in der Alltagskommunikation eine weitaus größere Rolle spielt als der schriftliche, kommt es in einer Spanischstunde nicht selten dazu, dass ein großer Teil der anwesenden Schüler keinen mündlichen Beitrag leistet. Häufig bietet sich gar nicht die Chance für jeden Einzelnen, sich interaktiv in mündlicher Produktion zu versuchen.

Für das Fremdsprachenfach Englisch stellt Frank Haß heraus, dass sich die „durchschnittliche individuelle Sprechzeit der Lernenden pro Unterrichtsstunde […] im Bereich von wenigen Sekunden bewegt.“[4] Im Spanischunterricht ist die Sprechzeit des Einzelnen ebenso kurz, wenn nicht sogar noch geringer, da die Schüler Englisch bereits in der Grundschule lernen, aber Spanisch überwiegend erst ab der 7. Klasse. Somit ist ihr spanischer Wortschatz selbst in der Oberstufe nicht so umfangreich wie der englische und sie halten sich unter Umständen aufgrund von Unsicherheiten stärker zurück.

Die Lernenden, die im Unterricht einen mündlichen Beitrag leisten, kommen oftmals über einzelne Wörter, Satzfragmente oder aus Texten abgelesene Passagen nicht hinaus. Eine Kommunikation über die Satzgrenze hinweg findet kaum statt.

Im Fremdsprachenunterricht spielt das Sprechen eine überwiegend untergeordnete Rolle, trotz der Forderung des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen nach einem Primat des Mündlichen.[5] Die produktive Fertigkeit Schreiben, die wesentlich einfacher zu vermitteln ist, zeigt sich nach wie vor in unserer Schullandschaft als vorrangig. Das wird auch in den auf das Schreiben fixierten Lernzielkontrollen und Prüfungen deutlich. Mündliche Testaufgaben zur Einschätzung der Sprechfertigkeit sind selten anzutreffen und dann meist in der Wertung geringer als beispielsweise eine schriftliche Inhaltsangabe.

Ein weiterer Aspekt, der dazu beiträgt, dass die Fremdsprachenlerner zu wenig sprechen, ist die so genannte „Hyperaktivität der Lehrkräfte.“[6] Der größte Redeanteil im Unterricht liegt meist beim Lehrer. Für die Schulung des Hörverstehens und als Vorbild für eine korrekte spanische Aussprache ist dies selbstverständlich unerlässlich, doch soll die Ausbildung der Sprechfertigkeit stärker in den Vordergrund gerückt werden, ist es notwendig, dass sich die Lehrkraft zurücknimmt. Lehrervorträge und die „ping-pong-förmige Kommunikation“[7] über die Lehrperson im Frontalunterricht sollten zugunsten der Interaktion der Schüler untereinander reduziert werden.

Wird das Sprechen im Spanischunterricht vernachlässigt, führt dies zu Unsicherheiten der Schüler, wenn es darum geht, sich in der Fremdsprache äußern zu müssen, zum Beispiel während eines Aufenthalts im Ausland. Nachfolgend soll dargestellt werden, mit Hilfe welcher Methoden und Strategien die Mündlichkeit im Sinne der lernergelenkten Kommunikation im Spanischunterricht gestärkt werden kann.

1.3. Schlussfolgerungen für das methodische Vorgehen im Unterricht

Anhand der vorangegangenen Ausführungen wird deutlich, dass ein wesentliches Ziel des Spanischunterrichts die Erhöhung der individuellen Sprechzeit der Schüler sein muss. Bestimmte Prinzipien der Unterrichtsführung können dazu beitragen.

Das traditionelle Frage-Antwort-Verfahren zwischen der Lehrkraft und einem von ihm aufgeforderten Schüler richtet sich an alle Schüler, denen ein ausreichender Zeitraum zur Verfügung gestellt wird, um mit ihrem Banknachbarn oder in einer Kleingruppe auf Spanisch über die Frage zu sprechen und sich zu beraten. Selbst wenn anschließend nur einige Schüler laut sprechen, so haben sich im Vorfeld alle anderen ebenfalls in der Fremdsprache geäußert.

[...]


[1] Haß, F.: Fachdidaktik Englisch. S. 73.

[2] Ebd., S. 92.

[3] Bausch, K.-R. u.a.: Handbuch Fremdsprachenunterricht. S. 302.

[4] Haß, F.: Fachdidaktik Englisch. S. 96.

[5] Haß, F.: Fachdidaktik Englisch. S. 96.

[6] Klippert, H.: Kommunikations-Training. Übungsbausteine für den Unterricht II.

[7] Bausch, K.-R. u.a.: Handbuch Fremdsprachenunterricht. S. 305.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656136125
ISBN (Buch)
9783656136613
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189403
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
2,0
Schlagworte
Spanischunterricht Grundfertigkeit Sprechen Sprechfertigkeit Mündlichkeit

Autor

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Titel: Ausbildung der Grundfertigkeit Sprechen