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Zeit- und Planungskonzepte verschiedener Kulturen

Gegenüberstellung der Zeitkonzepte nach Hall, Trompenaars und Levine

von Franziska Buuck (Autor) Johannes Löhrmann (Autor)

Hausarbeit 2010 12 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. KulturenundihrZeitverständnis
2.1 Definitionen von „Zeit"
2.2 Faktoren fürZeitverständnis

3. Zeitkonzepte
3.1 Nach RobertLevine
3.1.1 Uhrzeit
3.1.2 Ereigniszeit
3.1.3 Individuelle Zeit
3.2 Nach Edward T.Hall
3.2.1 Monochrone Zeit
3.2.2 Polychrone Zeit
3.3 Nach FonsTrompenaars
3.3.1 Serialität
3.3.2 Parallelität

4. Lebenstempo - Länder im Zeitvergleich
4.1 Indikatoren
4.2 Ergebnisse

5. Fazit

1. Einleitung

„Jede Kultur hat ihre eigenen, einmaligen zeitlichen Fingerabdrücke. Ein Volk kennen heißt die Zeitwerte kennen, mit denen es lebt."1 Denkt man an Albert Einstein, der einst sagte, „Zeit ist das, was die Uhr anzeigt"2, so mag es uns vielleicht nicht schwerfallen andere Kulturen zu verstehen. Doch jedem, der sich schon einmal für längere Zeit außerhalb seiner Heimat aufgehalten hat, sollte klar sein, dass das Zeitverständnis einer Kultur keinesfalls nur über die Stellung der Zeiger einer Uhr definiert werden kann.

Mit dieser Arbeit möchten wir einen Überblick darüber geben, welche Bedeutung Zeit in den verschiedenen Kulturen einnimmt. Wir stützen uns hierbei vorwiegend auf Robert Levine's Buch: „Eine Landkarte der Zeit - Wie Kulturen mit Zeit umgehen".

2. Kulturen und ihr Zeitverständnis

2.1 Definitionen von "Zeit”

Eine Antwort darauf zu geben, was Zeit in den einzelnen Kulturen genau bedeutet, ist schwierig, schließlich gibt es keine allgemeingültige Definition dieses Begriffes. Im Lexikon ist etwa zu lesen, dass Zeit „die Abfolge des Geschehens darstellt, die als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erfahren wird."3 Doch diese Zeitdefinition scheint eher klassisch, kulturelle Hintergründe werden nicht berücksichtigt.

Um herauszufinden, welchem Wert der Zeit in einer Kultur zugeschrieben wird, sollte man die Menschen fragen, die eben in dieser Kultur leben.

Benjamin Franklin meinte, dass Zeit Geld sei4, eine typische Ansicht der westlichen Länder über den Zeitbegriff. Betrachtet man im Gegensatz dazu das mexikanische Sprichwort „Darle tiempo al tiempo"5, wird deutlich, dass es sehr auseinanderweichende Vorstellungen davon gibt, was Zeit bedeutet. Doch womit hängt das zusammen?

2.2 Faktoren für Zeitverständnis

Es gibt fünf Faktoren, die erklären weshalb Kulturen Zeit und das damit zusammenhängende Lebenstempo auf unterschiedliche Weise erleben. Der Wohlstand eines Landes spielt eine große Rolle, denn „je gesünder die Wirtschaft eines Ortes, desto höher sein Tempo."6 Ein möglicher Ansatz dieses Zusammenspiel zu erklären ist der, dass Menschen, die in wirtschaftsschwachen Ländern leben, weniger gut bezahlt werden. Somit fehlen Anreize für das effektivere, schnellere und pünktli­chere Arbeiten.7

Ein weiterer wichtiger Faktor, der Einfluss auf den Umgang mit der Zeit nimmt, ist der Grad der Industrialisierung eines Landes. „Je entwickelter ein Land ist, desto weniger freie Zeit bleibt pro Tag."8 Ein Grund dafür ist, dass fastjeder technische Fortschritt mit einer Steigerung der Erwartun­gen einhergeht.9 Mit der Erfindung des Staubsaugers entstanden zum Beispiel neue Sauberkeits­standards in den Haushalten. Es wird mehr Zeit dafür investiert so staubfrei wie möglich zu leben, darunter leidet die Freizeit.

Durch die Industrialisierung in einem Land wird außerdem die Effizienz in der Produktion und damit der Konsum gesteigert. „Steigende Effizienz in der Produktion bedeutet, dass jedes Indivi­duum mehr Waren pro Stunde herstellen muss", daraus ergibt sich, dass „mehr Güter konsumiert werden müssen, um die Produktion am Laufen zu halten."10 Durch diesen Kreislauf nimmt die Konsumzeit einen großen Teil unserer Freizeit ein, die dadurch immer knapper und wertvoller wird.

Der Psychologe Marc Bornstein und sein Team erforschten ein weiteres Element, welches das Zeitverständnis bzw. die Geschwindigkeit der Menschen beeinflusst - die Einwohnerzahl.

Sie untersuchten die „Gehgeschwindigkeit in großen Geschäftsvierteln in 25 Städten der Tschecho­slowakei, Frankreichs, Deutschlands, Griechenlands, Israels und derVereinigten Staaten"11 und kamen zu der Schlussfolgerung, dass „größere Städte ein schnelleres Tempo haben".12 Auch das Klima eines Ortes steht im Zusammenhang mit dem Lebenstempo. Durch Robert Levines Studie lässt sich das Vorurteil bestätigen, dass Menschen, die in „wärmeren Gegenden leben, ein langsameres Leben führen."13 Zum einen lässt sich das auf den „allgemeinen Energiemangel zurück­führen"14, schließlich machen heiße Temperaturen den Menschen müde. Zum anderen kann man dieses Zusammenspiel von Klima und Lebenstempo sicherlich auch mit dem ökonomischen Hinter­grund des Landes begründen, wenn man davon ausgeht, dass „Menschen in wärmeren Regionen nicht so hart arbeiten müssen, da sie weniger und preiswerteren Besitz brauchen."15 Für sie besteht somit kein Grund zur Eile.

Auch die Ausrichtung der kulturellen Werte eines Landes wirkt sich auf die Geschwindigkeit der Menschen aus. Es stellt sich die Frage, ob sich eine „Kultur grundsätzlich am Individuum und der Kernfamilie oder an einem größeren Kollektiv orientiert."16 H. Triandis, ein Sozialpsychologe an der University of Illinois, kam zu dem Schluss, „dass sich in individualistischen Kulturen schneller
bewegt wird als in den vom Kollektivismus geprägten."17 Andere Untersuchungen bestätigen Tri- andis' Forschungsergebnisse und zeigen, dass in kollektivistischen Kulturen der Zeitdruck nicht nur als unbedeutend sondern sogar als abscheulich gilt.18 Die Kabyle, ein kollektivistisch geprägtes Volk in Algerien, betrachten Eile als „Mangel an Anstand, gepaart mit teuflischem Streben" und Uhren als „Mühlen des Teufels".19

3. Zeitkonzepte

3.1 Nach Robert Levine

Ein Mann, der sich mit den unter 2.2 beschriebenen Faktoren auseinandersetzt, ist Robert Levine, ein amerikanischer Sozialpsychologe. Levine wurde 1945 in Brooklyn geboren, studierte Psycholo­gie und ist Professor für Psychologie an der California State University in Fresno.20 Er nahm es sich zum Ziel herauszufinden wie Kulturen mit Zeit umgehen und berechnete mit Hilfe von außerge­wöhnlichen Experimenten das Lebenstempo in31 verschiedenen Ländern. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen führt er in seinem 1997 veröffentlichten Buch „Eine Landkarte der Zeit" aus. Durch seine Arbeit als Gastprofessor in Brasilien, Japan und Schweden konnte Levine Erfahrungen in den verschiedenen Kulturen sammeln. Diese ermöglichen es ihm eine Unterscheidung verschie­dener Zeitarten vorzunehmen: Der Uhrzeit, der Ereigniszeit und der individuellen Zeit.

3.1.1 Uhrzeit

„Zeit ist Geld"21, so scheint der Leitsatz derer Menschen zu lauten, die sich nach der Uhrzeit richten, denn „wenn die Uhr herrscht, wird die Zeit zum wertvollen Gut."22

In diesen Kulturen wird Zeit wird als „feste, lineare und messbare Realität"23 wahrgenommen. Die Stellung der Zeiger bestimmt über den Anfang und das Ende einer Aktivität - nicht die Signale des Körpers. Die Ausrichtung nach der Uhrzeit scheint in diesen Kulturen keine Grenzen zu kennen, so sehr beeinflusst die angegebene Zeit das Verhalten. Sie diktiert dem Menschen, wann es Zeit ist zu arbeiten, zu ruhen und zu essen.24 Diese Verhaltensweise verdeutlicht, welch große Bedeutung Uhrzeitkulturen Werten wie Pünktlichkeit und Ordnung zuschreiben. Eine Aufgabe pünktlich fertig zustellen hat oftmals eine höhere Priorität als menschliche Beziehungen zu pflegen. Uhrzeitkultu­ren findet man hauptsächlich im angloeuropäischen und nordamerikanischen Raum.25

[...]


1 Robert Levine, Eine Landkarte der Zeit, München 1998, S. 15

2 Hendrik Werner, Graue Herren auf dem Vormarsch, die Welt (04.06.2005) URL: http://www.welt.de/print-welt/article674127/Graue_Herren_auf_dem_Vormarsch.html, Stand 19.12.09

3 Brockhaus

4 URL: http://www.wirtschaftszitate.de/autor/franklin_benjamin.php, Stand 19.12.09

5 Robert Levine, Eine Landkarte der Zeit, München 1998, S. 127

6 ebd, S. 38

7 Vgl. ebd. 134

8 ebd. 41

9 Vgl. ebd. 42

10 ebd. 43

11 ebd. 47

12 ebd. 11

13 ebd. 47

14 ebd. 48

15 ebd. 48

16 ebd. 48

17 ebd. 48

18 Vgl. ebd. 49

19 ebd. 50

20 ebd. 2

21 URL: http://www.wirtschaftszitate.de/autor/franklm_benjamm.php, Stand 19.12.09

22 Robert Levine, Eine Landkarte der Zeit, München 1998, S. 132

23 ebd. 132

24 Vgl. ebd 131

25 Vgl. ebd. 130

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656136330
ISBN (Buch)
9783656136699
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189336
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1.0
Schlagworte
Zeit Zeitwahrnehmung Zeit und Kultur Hall Trompenaars Levine Uhrzeit Zeitverständnis Monochrone Zeit Polychrone Zeit Ereigniszeit

Autoren

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