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Schreibkompetenz bei algerischen Germanistikstudenten

Forschungsarbeit 2006 9 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Abstract

Die Schreibkompetenz spielt eine übergeordnete Rolle im Studium. Vor diesem Hintergrund möchte dieser Artikel die Schreibkompetenz bei algerischen Germanistikstudenten untersuchen. Zu diesem Zweck wird eine schriftliche Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Befragung werden dargestellt und interpretiert.

Zur Schreibkompetenz

Zur Definition der Schreibkompetenz im Rahmen des FU haben viele Forscher versucht, eine Definition von diesem Begriff zu geben. Doch ist es ihnen nicht gelungen, über eine einzige und klare Definition zu kommen.

In diesem Sinne schließe ich mich der Auffassung von Bliesener (1995)[1] an, für den das Schreiben „d.h. das Erstellen von Texten (schriftlich fixierte Sprachäußerungen), ein überaus komplexer Vorgang (ist) (und, M.C.) für den sowohl inhaltliche Kriterien (Stringenz, Schlüssigkeit der gedanklichen Entwicklung) als auch die Beachtung von formal-grammatischen Regeln des Sprachgebrauchs […] und Anforderungen an die äußere Form (graphische Gliederung) bestimmend sind“[2].

Diese Definition zeigt, dass das Schreiben kein einmaliger Vorgang ist, sondern ein komplizierter Prozess. Diese Kompliziertheit betrifft nicht nur den Inhalt, wobei eine logische Schlüssigkeit der Gedanken zustande kommen sollte, sondern auch die Form, wobei die formalen grammatischen Regeln und Regeln des Sprachgebrauchs, sowie die Anforderungen an die äußere Gliederung eines Textes berücksichtigt werden sollten. Darüber hinaus finde ich selber diese Definition aufschlussreich, denn sie zeigt uns die verschiedenen Aspekte, die sich auf die Komplexität dieser Fertigkeit beziehen. Im selben Gedankengang findet sich auch bei Pohl (1986) die Meinung, dass das Schreiben als eine produktive kommunikative Tätigkeit sei.[3] Als Voraussetzung für das Schreiben sei für Pohl „die Befähigung Bewusstseininhalte durch graphische Zeichen zu fixieren“. In dieser Hinsicht stelle ich fest, dass das Schreiben ein Interaktionprozess sei, während dem sich der Produzent ständig mit den eigenen Ideen auseinander setzt und das bereits Geschriebene kritisch begutachtet. Zusätzlich können andere Beteiligte durch Anregungen, Vorschläge etc. zur Erstellung von Texten mitmachen, worauf auch Kochan (2006) hinweist, indem er meint, dass der Schreibende mit Hilfe seiner eigenen Ideen interagiert, indem er sich kritisch mit seinem schriftlichen Produkt auseinander setzt und dies einer Begutachtung unterzieht.[4] Dazu können andere Schreibende angesichts der eigenen schriftlichen Arbeit ihre Vorschläge und Anregungen machen, um den eigenen Text zu überarbeiten. Den Kompetenzbegriff definiert Kolb u.a (2002, S.42). als„die Fähigkeit komplexe Situationen anhand von Kenntnissen, Fertigkeiten und Haltungen zu meistern“[5]. Nach ihm sei die Kompetenz mit bestimmten Situationen verbunden und diese Kenntnisse und Fertigkeiten sind nur Hilfsmittel, um diese Situationen zu bewältigen. Allerdings hat Ortner (2003) an dieser Definition von Kompetenzbegriff folgende Kritik vorgebracht:

„Jeder postuliert die Existenz von Kompetenzen, die er gerade braucht freihändig und ohne jede Angabe darüber, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit man von einer Kompetenz sprechen kann“[6]. Ortner führt aus, dass jeder Mensch die Kompetenz nach seiner Ansicht interpretieren könnte. Zudem werde sie in dieser Hinsicht willkürlich verwendet. Außerdem fehle es auch die Angabe von Bedingungen, die eine Kompetenz voraussetzen. Überdies sollten diese Bedingungen in diesem Zusammenhang erfüllt werden.

Was die Schreibkompetenz anbelangt, ist Sieger (2003, 210) der Auffassung, der die Schreibkompetenz so definiert: „die Fähigkeit, anderen mitzuteilen und seine Gedanken schriftlich zu artikulieren und dabei weiterzuentwickeln.“[7]

Diese Definition weist auf drei Elemente hin, nämlich das Mitteilen mit anderen, die eigenen Gedanken schriftlich auszudrücken und diese Gedanken weiterzuentwickeln.

Stellenwert des Schreibens im DaF-Unterricht

Nach Auffassung von Krumm (1993, 22 f) steht das Schreiben in dem kommunikativ orientierten DaF-Unterricht nicht im Vordergrund und dabei wird der Förderung der Schreibfertigkeit wenig Bedeutung beigemessen, denn der kommunikative Ansatz orientiert sich in erster Linie an der gesprochenen Sprache, d.h. das Schrieben wird im DaF-Unterricht meistens zugunsten der Förderung des Sprechens vernachlässigt.[8] Allerdings weist Kast (1999) darauf hin, dass das Schreiben den Fremdsprachenerwerb fördert. Diese Fertigkeit verhilft dazu, die geistigen Handlungen, schriftlich zu fixieren und zu strukturieren. Darüber hinaus kann das Schreiben zur Problemlösung und Aneignung von neuen Erkenntnissen beitragen. In diesem Zusammenhang führt Kast weiterhin aus, dass ein angemessenes Training dieser Fertigkeit dazu beitragen könnte, die anderen Fertigkeiten zu fördern und die Studierenden in die Lage zu versetzen, ihre kommunikative Kompetenz zu entwickeln.[9]

[...]


[1] Ulrich Bliesener, in Bausch/ Christ/ Krumm (Hrsg.), Handbuch Fremdsprachenunterricht, A. Francke Verlag, Tübingen und Basel, 1995.

[2] Vgl. hierzu auch die Definition vom Schreiben nach Pohl, L.

[3] Pohl, L., Grundlagen der Methodik der Fremdsprachenunterricht, Enzyklopädie Leipzig, Leipzig, 1986

[4] Kochan, Barbara. Aus: www.ddi.upd.de/didaktik/lehre/sose2000/tide/kooperation_schreibprozess.html. Zugriff am 12.10.2006

[5] Kolb, w, u a., kompetenzorientierter Sprachunterricht als Antwort auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft: der neue Rahmenlehrplan (RLP) der schweizerischen Berufsmaturitätsschulen. In Hilmar Grundmann (Hrsg.): Zum Bildungs- -und Erziehungsauftrag des Deutsch –und Fremdsprachenunterricht an berufsbildenden Schulen, Bertelsmann Verlag, Bielefeld, 2002, S. 42.

[6] Ortner, Hanspeter nach Sieger, Peter: Modelle des Schreibprozesses. In: Bredel, Ursula et al. (Hrsg.): Didaktik der deutschen Sprache. Ein Handbuch. Band 1. Schöningh (UTB), Padernborn 2003.

[7] Sieber, P.,: Modelle des Schreibprozess. In; Bredel, Ursula et al . (Hg.): Didaktik der deutschen Sprache. Ein Handbuch Band 1, Schönngh ( UTB ), Padernborn ,2003, S. 210.

[8] Krumm, Hans-Jürgen:” Kulturgeprägte Einflüsse auf das Schreiben und ihre möglichen Einflüssen für den Schreibunterricht Deutsch als Fremdsprache”. In: Tütken, Gisela; Neuf-Münkel, Gabriela (Hrsg.): Schreiben im DaF-Unterricht an Hochschulen und Studienkollegs 1: Forschungsergebnisse- Didaktische Konzeption- Übungsformen. Regensburg: FaDaf, 1993, 22f

[9] Kast, Bernd: Fertigkeit Schreiben, Fernstudienprojekt zur Fort- und Weiterbildung im Bereich Germanistik und Deutsch als Fremdsprache. Berlin: Langenscheidt, 1999.

Details

Seiten
9
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656134657
ISBN (Buch)
9783656135012
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189320
Institution / Hochschule
University of Oran – Fremdsprachen (Universität Oran Algerien)
Note
Schlagworte
schreibkompetenz germanistikstudenten

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Titel: Schreibkompetenz bei algerischen Germanistikstudenten