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Der Übergang zur Elternschaft - Wenn aus Paaren Eltern werden

Hausarbeit 2011 25 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Übergang zur Elternschaft
2.1 Der Familien-Transitions-Ansatz
2.2 Phasenablauf beim Übergang zur Elternschaft
2.3 Von der Zweier- zur Dreierbeziehung
2.4 Zentrale Forschungsergebnisse

3 Belastungen und Triangulierungskonflikte im Übergang zur Elternschaft
3.1 Beruf
3.2 Zeit
3.3 Finanzen
3.4 Rollentraditionalisierung und enttäuschte Erwartungen
3.5 Kommunikation
3.6 Rollenmuster
3.7 Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit
3.8 Veränderungen in der Sexualität
3.9 Neuinterpretation der Paarbeziehung und des Lebensstils

4 Beratung von Paaren im Übergang zur Elternschaft
4.1 Der Präventionsgedanke
4.2 Implikationen für die Praxis

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Kaum ein Ereignis verändert die Lebenssituation so grundlegend und nachhaltig wie die Geburt des ersten Kindes“ (Fthenakis et al. 2002, S. 355).

Die Geburt eines Kindes wird in der Gesellschaft meist als ein „freudiges Ereignis“ bezeichnet. Jedoch haben Eltern beim Übergang zur Elternschaft auch häufig sehr ambivalente Gefühle, denn rauschendes Glück und Gefühle von Unsicherheit und Überforderung liegen hier nah beieinander. Zwar sind sich viele Paare darüber im Klaren, dass Kinder auch Belastungen mit sich bringen, doch verbinden die meisten Menschen mit einem Kind eindeutig positive Aspekte. Viele Paare erwarten sich von der Geburt des ersten Kindes einen persönlichen Gewinn, das Erleben von Selbstverwirklichung, Freude und persönliche Weiterentwicklung (Erler et al. zit. n. El-Giamal 1999, S. 1). Empirische Befunde sprechen hingegen dafür, dass das Hinzukommen eines Kindes eine starke Umstellung im Alltag bedeutet und mit Belastungen einhergeht. Das heißt, die erste Elternschaft erfordert eine enorme Annpassungsleistung von Seiten der Eltern, da unter anderem ein neuer Gleichgewichtszustand erreicht werden muss. Aufgrund der vielen und starken Veränderungen, die der Übergang zur Elternschaft mit sich bringt, kann aus dem „freudigen Ereignis“ auch eine Krise entstehen. Wenn sich Paare aber bereits vor der Geburt ihres Kindes im Klaren darüber sind, dass und vor allem welche vielfältigen Belastungen auftreten werden, die gemeinsam gemeistert werden müssen, dann sind sie oft auch in der Lage, den Übergang zur Elternschaft gut zu bewältigen.

Der Übergang zur Elternschaft ist zentrales Thema der vorliegenden Arbeit. Sie ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen erörtert, wie zum Beispiel der Familien-Transitions-Ansatz und die Entwicklung von der Dyade zur Triade. Des Weiteren werden zentrale Forschungsergebnisse herangezogen. Der zweite Teil der Arbeit widmet sich den Belastungen und Triangulierungskonflikten, die beim Übergang zur Elternschaft entstehen können. Betrachtet wird die Zeit ab Geburt des Kindes. Während vielfältige Belastungserscheinungen beschrieben werden, wird gleichzeitig versucht, entsprechende Lösungsmöglichkeiten für Paare aufzuzeigen um den Belastungen gewachsen zu sein. Dieser Teil bildet den Mittelpunkt der Arbeit, denn es erscheint sehr wichtig, dass Berater sich zunächst intensiv mit dem Übergang zur Elternschaft als Thema beschäftigen und dabei um mögliche Belastungen und Triangulierungskonflikte wissen. Im letzten Teil der Arbeit wird der Präventionsgedanke erläutert, welcher in der Beratung von Paaren, die Eltern werden bzw. sind, maßgeblich ist.

2 Der Übergang zur Elternschaft

2.1 Der Familien-Transitions-Ansatz

In der älteren Literatur wird in Bezug auf die Beschreibung von Elternschaft immer wieder das Wort „Krise“ verwendet. S.-H. Fillip versteht den Übergang zur Elternschaft als ein kritisches Lebensereignis. Doch in der neuen Literatur wird dieser Begriff nur noch selten im Kontext der Elternschaft gebraucht. Im Folgenden soll nun ein Ansatz vorgestellt werden, der den Übergang zur Elternschaft nicht als eine „Krise“ ansieht.

Der Übergang zur Elternschaft stellt ein normatives Lebensereignis dar. (Ein Ereignis nicht-normativer Art ist z. B. die Ehescheidung.) Ein Konzept der normativen wie nicht normativen Lebensereignisse stützt sich auf die Grundannahme, dass diese Ereignisse als Stressoren aufgefasst werden, die eine Familie in krisenhafte Situationen bringen und im System Familie einen Prozess einleiten, der sich als Transition beschreiben lässt (Fthenakis 1998, S. 20). Dem Familien-Transitions-Ansatz zufolge stellen Transitionen sowohl auf der individuellen als auch auf der familialen Ebene Veränderungsphasen nach spezifischen Ereignissen dar. Sie sind durch verdichtete und beschleunigte Lernprozesse charakterisiert. Daraus ergibt sich, dass psychologische Veränderungen sowie Veränderungen auf der interaktionalen Ebene des familialen Systems stattfinden, deren Richtung aber vorerst noch offen bleibt (Fthenakis 1998, S. 20). Das heißt, die Geburt eines Kindes und die damit einhergehenden Veränderungsprozesse können eine Transition stimulieren. Zu deren Bewältigung müssen sowohl individuelle als auch familiale Veränderungsprozesse eingeleitet werden. Demnach impliziert die Bewältigung der Transition z. B. beim werdenden Vater bzw. bei der werdenden Mutter eine Veränderung seiner/ ihrer Identität. Veränderungen finden ebenso auf der familialen Ebene statt: Es kommt zur Reorganisation der Rollen. Dabei werden sowohl neue Rollen erlernt, als auch alte gelöscht. Der neue Vater hat sein Rollenverhalten um die Vaterrolle zu erweitern (Fthenakis 1998, S. 23 f.).

Die Bewältigung von Transitionen impliziert die Entwicklung neuen Verhaltens und darin liegt auch die Chance für persönlichen Gewinn sowie für individuelle und familiale Weiterentwicklung. „Zu lernen, mit solchen komplexen Veränderungs-prozessen umzugehen, ist eine Herausforderung, der nur mit neuem Verhalten begegnet werden kann“ (Fthenakis 1998, S. 24).

Transitionen können auf der interaktionalen Ebene im Familiensystem aber auch Belastungen bedingen, die zu Konflikten in der Familie führen und aus denen sich schließlich eine Krise entwickelt.

Wie der Übergang zur Elternschaft erlebt und bewältigt wird, hängt von einigen Faktoren ab. Elternschaft ist oft nicht die erste Bewährungsprobe für die Partnerschaft. So kann das Erleben und Lösen von früheren Belastungen (z.B. Arbeitsplatzwechsel, Arbeitslosigkeit, Umzug) dem Paar die Sicherheit geben, dass sie in der Lage sind, Herausforderungen zu bewältigen. Kennen Paare keine oder nur ungünstig gelöste Krisen, so ist auch die Angst größer, den Übergang zur Elternschaft nicht bewältigen zu können. Auch die persönlichen Voraussetzungen und Umweltbedingungen entscheiden mit, wie das Ereignis Elternschaft erlebt und bewältigt wird. Es macht einen Unterschied, ob sich das Paar in einer guten finanziellen Situation befindet, ob es durch ein soziales Netz unterstützt wird, ob beide Partner eher selbstbewusst und optimistisch in die Zukunft blicken, oder aber ob körperliche oder psychische Erkrankungen, finanzielle Schwierigkeiten oder eine sozial isolierte Situation den Prozess der Erstelternschaft erschweren (Dannhäuser 2010, S. 2).

2.2 Phasenablauf beim Übergang zur Elternschaft

Wenn aus Paaren Eltern werden, handelt es sich dabei um ein Übergangs-geschehen, welches sich nach Gloger-Tippelt in acht einzelne Phasen einteilen lässt. Bei der Unterteilung wird die Zeit der Schwangerschaft bis nach dem achten Lebensmonat des Kindes berücksichtigt. Die Phasen reichen von der ersten Verunsicherung („Verunsicherungsphase“) bis zur Antizipation der veränderten Aufgaben und Rollen („Phase der Antizipation“). Danach folgt eine „Erschöpfungsphase“ in der ersten Zeit mit dem Kind, außerdem die Meisterung der neuen Aufgaben („Phase der Herausforderung“) und schließlich die Gewöhnung an die neue Lebenssituation („Gewöhnungsphase“) (El-Giamal 1999, S. 8).

Nach Gloger-Tippelt wird von den Paaren ab dem 2.-3. Lebensmonat des Kindes die massivste Änderung in der Paarbeziehung beschrieben. Im 2.-6. Lebensmonat des Kindes ist die erlebte Herausforderung bei den Eltern besonders hoch. Etwas ruhiger verläuft die Phase um den 3.-9. Lebensmonat des Kindes (El-Giamal 1999, S. 8).

2.3 Von der Zweier- zur Dreierbeziehung

Mit der Geburt eines Kindes wird aus der Dyade, die das Paar gebildet hat, eine Triade. Die personelle Zusammensetzung der Familie verändert sich, was verschiedene Konsequenzen mit sich bringt.

Ein Paar hat im Laufe seines Zusammenlebens eine gemeinsame Beziehungsstruktur aufgebaut. In diese dyadische Struktur der Paarbeziehung tritt nun ein Kind als „Dritter im Bunde“ und wirft sie über den Haufen. Seitz formuliert den gleichen Gedanken in ihrer Arbeit „Vom Paar zur Familie“: „Für alle Paare bedeutet der Einbezug des Dritten, die Geburt des ersten Kindes, jedoch eine völlige Umstrukturierung des in der Zweierphase erreichten Zustandes“ (Seitz, zit. n. Schon 1995, S. 107).

Eine häufig zu beobachtende Konstellation der „neuen Dreisamkeit“ ist folgende: Während das Paar in der Zeit vor der Existenz des Kindes die gemeinsame Liebesbeziehung sehr stark besetzte, verwendet es nun die gesamte Energie darauf, zwei neue Zweierbeziehungen zu etablieren – die der Mutter zum Kind und die des Vaters zum Kind (Schon 1995, S. 107).

„Mit der Anwesenheit des ersten Kindes ist eine völlig neue Konstellation entstanden: Das Kind ist ein neuer Bezugspunkt, durch den aus der polaren Achse des Paares ein Dreieck wird. Aus bisher einer sind jetzt drei Beziehungsachsen geworden, die komplex ineinanderwirken. Manches Paar kann hiervon überrascht und überfordert sein […]“ (Kiepenheuer 1986, S. 69).

Aufgrund der äußeren Situation, die viel Organisation und einen hohen Zeitaufwand für die Versorgung des Kindes erfordert, tritt die Liebesbeziehung der Eltern in der Regel zunächst in den Hintergrund. Es besteht die Gefahr, dass sich Frau und Mann, die sich zunächst als Paar kennen und lieben gelernt haben, nur noch in ihrer Rolle als Mutter und Vater sehen und nicht mehr als Frau und Mann. Nicht selten ist zu beobachten, wie hoch die Identifikation mit der Rolle als Eltern bei manchen Paaren ist, wenn sie sich selbst nur noch als Vater und Mutter ansprechen. Viele junge Paare trauen sich in der Anfangsphase nicht, Bedürfnisse zuzulassen, die nicht auf das Kind konzentriert sind. Dahinter steht häufig die Angst, dem Kind nicht zu genügen und es zu vernachlässigen (BZgA 2002, S. 33). Daher wird oft alle Energie für die Umsorgung des Kindes verwendet, anstatt auch der Paarbeziehung Raum zu geben. Es kann die Empfindung auftreten, dass aus der Liebesbeziehung eine elterliche Versorgungsgemeinschaft geworden ist (Schon 1995, S. 107). Das Beziehungsdreieck ist demnach noch kein vollständiges, gleichseitiges – die Beziehung zwischen Mutter und Vater als Frau und Mann ist sozusagen „unterbesetzt“. Im Verlauf der Zeit sollte das Paar jedoch darauf bedacht sein, in die Paarbeziehung zu investieren und sie auf eine neue Ebene zu stellen, indem gemeinsame Freiräume geschaffen werden.

Das durch die Gruppierung um das Kind herum entstandene Ungleichgewicht im bisherigen Beziehungsmuster erfordert also eine neue Ausbalancierung. Die Familiensystemtheorie geht davon aus, dass im System Familie der Aspekt der Homöostase von Bedeutung ist, das heißt, die Aufrechterhaltung und Ausbalancierung des Kräftegleichgewichts. Durch die Geburt eines Kindes gerät dieses Kräftegleichgewicht ins Wanken, was ja bereits erläutert wurde. Regeln, Ziele und Handlungsabläufe müssen neu organisiert werden. Je starrer aber ein Familiensystem ist, desto schwerer wird es sein, sich an einen neuen Zustand anzupassen (Dannhäuser 2010, S. 3).

Das Beziehungsdreieck Mutter-Vater-Kind besteht aus verschiedenen Subsystemen, die nun noch kurz beleuchtet werden sollen.

Die entstandene Mutter-Kind-Dyade, die Vater-Kind-Dyade und die Eltern-Dyade wirken aufeinander ein. Jede Beziehung beeinflusst die andere. Wenn sich zum Beispiel ein Vater, aus welchen Gründen auch immer, aus dem Alltag mit seinem kleinen Kind zurückzieht, wird die Beziehung zwischen Mutter und Kind möglicherweise umso enger werden. Wenn eine Mutter meint, dass nur sie allein wisse, was für das Kind gut ist, und der Vater seine Wünsche nicht deutlich macht, wird sich die Vater-Kind-Beziehung wahrscheinlich nur sehr zaghaft entwickeln. Der Vater fühlt sich außerdem ausgeschlossen von der Mutter-Kind-Allianz. Schaltet sich der Vater aber zuverlässig und in seinem eigenen Stil in die Versorgung des Babys ein, werden sich die Beziehungen beider Eltern zum Kind wahrscheinlich eher gleichwertig entwickeln (BZgA 2002, S. 28 f.). Fehlt einem Paar die Energie, sich auch als Liebespaar, als Mann und Frau umeinander zu kümmern, kann es in der Beziehung und damit auch in der gemeinsam gestalteten Elternschaft zu erheblichen Spannungen kommen. Wenn im Extremfall die Mutter vom Familienalltag und der Vater vom Beruf komplett vereinnahmt werden, dann bleibt von der Liebe auf Dauer jedenfalls nicht viel übrig.

2.4 Zentrale Forschungsergebnisse

Zum Thema „Übergang zur Elternschaft“ und speziell zu Veränderungen in der Partnerschaftszufriedenheit und den dafür wichtigen Einflussfaktoren sowie zu auftretenden Belastungen und deren Bewältigung wurden zahlreiche Studien durchgeführt. Interessante deutschsprachige Studien sind in einem Herausgeberband von Reichle und Werneck (1999) zusammengetragen worden. Im folgenden Abschnitt sollen die zentralen Befunde formuliert werden.

1) Im Vergleich zu kinderlosen Kontrollgruppen ist bei Ersteltern eine höhere Abnahme der Beziehungsqualität zu verzeichnen. Lässt sich keine Verschlechterung in der Partnerschaftszufriedenheit feststellen, so zeigen sich aber meist erhöhte Werte in der Belastung der Partnerschaft. Die Beziehung verliert ihre zentrale Bedeutung und wandelt ihre Qualität zu einer eher instrumentell geprägten Bindung (El-Giamal 1999, S. 29).
2) Mit dem Übergang zur Elternschaft ist eine neue Verteilung der Rollenanteile verknüpft, verbunden mit einer Traditionalisierung dieser Rollenteilung, mit einer Reduktion der für das Paar verfügbaren Zeit und einer damit einhergehenden Reduktion von Zärtlichkeit und Sexualität (Cowan und Cowan, zit. n. Fthenakis 1998, S. 29).
3) In 13 von 15 prospektiven Längsschnittstudien über den Übergang zur Elternschaft konnte eine Verringerung der Ehezufriedenheit nach der Geburt des ersten Kindes festgestellt werden (Cowan und Cowan, zit. n. Fthenakis 1998, S. 29).
4) Die Geburt des ersten Kindes geht durch die Vielzahl an neuartigen Situationen mit erhöhtem Belastungserleben einher. Ein hohes Ausmaß an ökonomischen, sozialen und personalen Ressourcen erleichtert jedoch die Anpassung an das Lebensereignis (El-Giamal 1999, S. 29).
5) Nach Schneewind sind verschiedene Moderatorvariablen für das Eintreten oder Ausbleiben eines negativen emotionalen Zustandes bei Ersteltern verantwortlich, z. B. sozioökonomische Variablen, die persönliche Karriere- und Lebensplanung, gesammelte Vorerfahrungen mit Kindern, Art und Ausmaß der Vorbereitung auf

die Elternrolle sowie Ausmaß und Inanspruchnahme inner- und außerfamilialer Unterstützung. Ein „Baby-Schock“ tritt nach Schneewind besonders bei wenig familiengerechten Umweltbedingungen auf, oder dann wenn Frauen durch die Aufgabe ihres eigenen Berufs einen starken Autonomieverlust erleben, Isolation eintritt und die Partnerschaft Einschränkungen in Kommunikation, Freizeitverhalten und Sexualität unterliegt. Als weitere Gründe für das Absinken der Partnerschaftszufriedenheit werden starke Belastungen und ein niedriges Niveau der pränatalen Partnerschaftszufriedenheit in Betracht gezogen (El-Giamal 1999, S. 17 f.).

6) Es gibt auch wichtige Einflussfaktoren für die Entwicklung der Beziehung. Als solche erweisen sich Rollentraditionalisierung und enttäuschte Erwartungen sowie Ungerechtigkeitserleben. Wenn sich das Leben nach der Geburt des ersten Kindes anders gestaltet als erwartet, außerdem eine nichttraditionelle Orientierung des Paares vorliegt und die entstehende traditionelle Aufgabenverteilung als unausgewogen und ungerecht erlebt wird, dann können sich Verschlechterungen in der Beziehungsqualität leichter ergeben (El-Giamal 1999, S. 19 ff.).

7) Ein wichtiges Ergebnis zeigt aber auch, dass nicht alle Paare unter den auftretenden Veränderungen der neuen Lebenssituation „leiden“. Es sind differentielle Verläufe feststellbar. Ein beträchtlicher Teil der Paare nutzt diese Entwicklungsaufgabe positiv für ihre Beziehung (El-Giamal 1999, S. 29).

8) Bezogen auf die Belastungsbewältigung scheint sich problembezogenes Bewältigungsverhalten bei Eltern positiv auf das Wohlbefinden auszuwirken. Hingegen sind emotionszentriertes Bewältigungsverhalten sowie diverse Abwehrstrategien für den Umgang mit der neuen Situation wenig adaptiv. Die Flexibilität in der Auswahl der Bewältigungsstrategien, das heißt die Anwendung neuer Strategien in Belastungssituationen nach der Geburt des ersten Kindes, scheint eine zentrale Variable für die Güte der Anpassung zu sein (El-Giamal 1999, S. 29).

3 Belastungen und Triangulierungskonflikte im Übergang zur Elternschaft

In diesem Kapitel sollen Belastungen und Triangulierungskonflikte, aus denen sich Konflikte und Krisen ergeben können, im Zusammenhang mit Elternschaft beschrieben werden.

Schon vertritt die Grundannahme, dass Triangulierungskonflikte im Übergang zur Elternschaft ubiquitär sind. Das heißt, dass es keinen (werdenden) Vater und keine (werdende) Mutter gibt, die nicht von Triangulierungskonflikten erfasst werden. Allerdings gibt es große Unterschiede in Art, Ausmaß und Bewältigungsmöglichkeiten der Konflikte (Schon 1995, S. 106).

Im Folgenden werden die unterschiedlichen Belastungen im Zusammenhang mit dem Übergang zur Elternschaft erläutert.

3.1 Beruf

Nach der Geburt eines Kindes herrscht in Deutschland meist immer noch die klassische Rollenverteilung: Der Mann geht arbeiten, die Frau bleibt zu Hause und kümmert sich um das Baby. Diese Arbeitsteilung wählen 72 Prozent der Mütter mit Kindern unter drei Jahren, so das Statistische Bundesamt. Das muss für eine Beziehung nicht schlecht sein, wenn alle mit diesem Arrangement einverstanden sind. Studien zur Paarzufriedenheit zeigen, dass die Beziehungen am glücklichsten sind, in denen die Frau ganz in ihrer neuen Hausfrauen- und Mutterrolle aufgeht (Töpfer 2009, S. 9). Jedoch gehen viele Paare diese Arbeitsteilung nicht freiwillig ein. Vielmehr zwingen fehlende Betreuungsangebote und ein familienfeindliches Arbeitsumfeld dieses Rollenmodell den Paaren regelrecht auf. Da Frauen im Schnitt 30 Prozent weniger verdienen als Männer und Betreuungsplätze für Kleinkinder sehr teuer sind, macht es für die Mehrheit der Frauen finanziell keinen Sinn, weiter in ihrem Beruf zu arbeiten. Reichle spricht hier von einer Traditionalisierungsfalle, in die junge Paare tappen. (Reichle, zit. n. Töpfer 2009, S. 9). „Den meisten Paaren ist nicht ausreichend bewusst, inwiefern sie in mancher Hinsicht Opfer von unvereinbaren gesellschaftlichen Bedingungen sind“, schreibt Willi dazu (Willi1993, S. 79). Für Frauen, die diese Situation als ungerecht empfänden, läge es nahe, ihre Wut beim Partner abzulassen, der ja scheinbar der Hauptprofiteur ihrer Familienarbeit sei, so Willi weiter (Willi1993, S. 79).

Berufliche Arbeit kann bei Männern und Frauen nach der Geburt ihres Kindes demnach unterschiedliche Empfindungen auslösen.

Die berufliche Arbeit wird in vielen jungen Familien z. B. auch als der beneidenswerte Weg nach draußen empfunden, weg vom anstrengenden Alltag mit einem kleinen Kind. Einige Paare streiten dann über die Frage, wer von beiden es besser oder schlechter getroffen hat (BZgA 2002, S. 16).

Treten Frauen nach der Schwangerschaft beruflich kürzer, stehen die Väter in der Rolle des Alleinverdieners und Versorgers stark unter Druck. Sie können Angst haben, dieser neuen Aufgabe womöglich nicht gewachsen zu sein. Das Bild des Ernährers, der für seine Familie sorgt, gehört für viele der beiden Geschlechter zum festen Bestand der männlichen Geschlechtsrolle. Wenn ein Mann dieser Aufforderung gerecht wird, erfährt seine Berufstätigkeit einen zusätzlichen, häufig sehr positiv erlebten Sinn (BZgA 2002, S. 16).

Viele erleben zwiespältige Gefühle dabei, sich im Beruf zu engagieren, um die Rolle des Ernährers auszufüllen, und gleichzeitig noch genügend Zeit mit der Familie zu verbringen.

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Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656134220
ISBN (Buch)
9783656134510
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189263
Institution / Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau
Note
Schlagworte
Elternschaft Paarbeziehung Beratung

Autor

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