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Die Auslegung der Bergpredigt im Laufe der Kirchengeschichte

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte der Bergpredigt
2.1. Zwei Versionen der Bergpredigt - Lukas und Matthäus

3. Die Bergpredigt des Matthäus, Mt 5-7
3.1. Inhalte der Bergpredigt

4. Die verschiedenen Auslegungsmodelle
4.1. Die ersten Auslegungsmodelle der alten Kirche
4.2. Das Auslegungsmodell Martin Luthers
4.3. Die Gesinnungsethik Wilhelm Herrmanns
4.4. Das Modell der Interimsethik
4.5. Die Auslegung Karl Barths

5. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bergpredigt ist im Laufe der Kirchengeschichte so häufig neu ausgelegt und zitiert worden wie keine weitere Predigt des Neuen Testaments. Sie wird zudem auch als „Grundgesetz“ des Christentums1 bezeichnet und wurde damit immer wieder aufs Neue zum Streitobjekt verschiedener Positionen. Dabei ging es stets um die entscheidende Frage nach dem Kern und den Adressaten der Bergpredigt. Dank immer neu aufblühender Diskussionen um die Predigt gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt viele verschiedene Auslegungsmodelle. Jedes dieser Modelle ist in seiner Art und Weise individuell auf die historisch gegebenen Umstände angepasst und damit sind sie vielfältig in ihren Ansätzen und Aussagen. Aufgrund dessen sind sie alle in ihrer Art kritisierbar, da keine von ihnen der Bergpredigt wirklich gerecht zu werden vermag.2

In dieser Arbeit möchte der Autor die Auslegungsmodelle unter dem Gesichtspunkt darstellen, welche Aussagen und Inhalte sie wirklich in sich tragen. Jedes Modell bringt ein gewisses Charakteristikum dieser Rede aller Reden ans Tageslicht3 und stellt damit eine Besonderheit dar. In der folgenden Ausführung wird die Bergpredigt in der Überlieferung des Evangelisten Matthäus als Grundlage genommen, da sie das Fundament aller Auslegungsmodelle ist.

2. Entstehungsgeschichte der Bergpredigt

Dank bisheriger Forschungsergebnisse steht fest, dass die Bergpredigt eine eigene Ausarbeitung des Evangelisten Matthäus ist. Ein sehr großer Teil des Stoffes stammt aus Logienquelle Q, der den Ausgangspunkt seiner Konzeption bildet.4

Die Logienquelle Q ist eine Sammlung von Jesus-Worten, die mittels aktueller Kenntnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit aus den beiden Evangelien des Lukas und Matthäus rekonstruierbar ist.5 Sie bestand sowohl aus mündlichen als auch aus schriftlichen Stücken. Für die Schriftlichkeit von Q spricht, dass sich eine Reihe von Logiken, wenn auch mit teilweise unterschiedlichen Themen, sowohl bei Lukas als auch bei Matthäus vorfinden lassen.6 Die Herkunft der Worte scheint auf judenchristliche Wandermissionare zurück zu gehen, die die Worte Jesus sammelten und aufbewahrten, um sie missionarisch unter die Menschen zu bringen.7

Der zweite große Teil der Bergpredigt stammt aus dem matthäischen Sondergut. So werden diejenigen Stoffe bezeichnet, die Matthäus wahrscheinlich bei seiner Gemeinde vorgefunden hat.8 Teile dieses Guts sind sehr alt und sie lassen aus diesem Grund Rückschlüsse auf den historischen Jesus zu.9 Die Bergpredigt von Matthäus wurde aus Einzelstücken der beiden Hauptquellen Q und dem matthäischen Sondergut zusammengesetzt. Zudem fand die Forschung heraus, dass zusätzlich kleine Teile der Markus-Überlieferung in der matthäischen Predigt vorzufinden sind.10 Aus der Hand des Matthäus selbst stammen nur sehr wenige Sätze der Predigt. Lukas hingegen stellte nur einige ausgewählte Segmente aus der Quelle Q in seiner Feldrede zusammen, die anderen verteilte er an verschiedenen Stellen seines Evangeliums. In seiner Feldrede finden sich große Stücke der ursprünglichen Rede in der Logienquelle Q.11

Die Möglichkeit, dass es sich um eine völlig originale Jesuspredigt handelt, ist ausgeschlossen. Begründungen dafür sehen die Forscher darin, dass manche Gedankenschritte nicht einheitlich sind, eine unsichere Anordnung mancher Sprüche vorgefunden wurde, die Mischung verschiedener Stilgattungen heraus stach, und vor allem das sonst übliche Verfahren der Überlieferung schließt eine originale Jesuspredigt aus.12 Sicher ist jedoch, dass es sich um eine frühe Zusammenstellung von Jesusworten handelt, die einen großen Anteil an Aussagen hat, die Jesus öfter zu machen pflegte.

2.1. Zwei Versionen der Bergpredigt - Lukas und Matthäus

Ein synoptischer Vergleich veranschaulicht, dass die Bergpredigt in einer längeren und in einer kürzeren Fassung vorliegt. Die längere Fassung steht bei Matthäus Vers 5-7, die Kürzere bei Lukas 6,20-49.13

Im Lukas Evangelium steigt Jesus mit seinen Jüngern vom Berg herab und bleibt auf einem ebenen Platz stehen, da er bemerkt, dass eine große Schar Jünger an ihn herantritt. Aus diesem Grund wird die lukanische Predigt als „Feldrede“ bezeichnet, obwohl es sich inhaltlich um die gleiche Rede handelt, die bei Matthäus als „Bergpredigt“ bezeichnet wird. Im Kern ist es dieselbe Spruchkomposition, die aus der Logienquelle Q hervorgeht.14

Die Ähnlichkeiten zwischen der Feldrede und der Bergpredigt wird in der folgenden Tabelle deutlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vergleich der Fassungen

(Quelle: Schnackenburg, Die Bergpredigt, S. 16)

Mit Hilfe dieser Tabelle wird noch einmal veranschaulicht, dass sowohl Lukas als auch Matthäus eine ähnliche Quelle Q als Grundlage vorliegen hatten. Die Unterschiede der beiden Reden entstanden daraus, dass Lukas offensichtlich nur Teile der Quelle verwendet hat und Matthäus zusätzlich zur Quelle ein matthäisches Sondergut nützen konnte.15 Jeder Verfasser hat seine Rede unterschiedlich ausgebaut und zusätzliche Quellen verwendet.

Im folgenden Kapitel soll speziell auf den Aufbau der Bergpredigt des Matthäus eingegangen werden, da diese meist stärker im Blickpunkt der Ausleger steht und die Grundlage der noch folgenden Auslegungsmodelle ist.

3. Die Bergpredigt des Matthäus, Mt 5-7

Die Bergpredigt ist der ausführliche, umfassende und konzentrierte Anfang der Jünger-Lehre Jesu, der Unterweisung seiner Nachfolger.16 Matthäus beschreibt die Verkündigung der Bergpredigt als ein Geschehen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort.

Das Hauptaugenmerk der Bergpredigt liegt auf der Auslegung des Willens Gottes und der Mitteilung dessen, was wahre Gerechtigkeit wirklich beinhaltet. Es ist für den Leser wichtig zu verstehen, welche Stellung die Predigt im Rahmen des Matthäus Evangeliums und seiner vorherrschenden Theologie einnimmt. Die Predigt bei Matthäus ist im Gegensatz zu Lukas anders ausgerichtet, was auf die judenchristliche Tradition zurückgeht.17

3.1. Inhalte der Bergpredigt

Die Bergpredigt ist die messianische Regierungserklärung Jesu.18 In der Predigt spricht Jesus erstmals deutlich den ihm von Gott aufgetragenen Willen aus. Durch ihn wird den Menschen von Gott gegeben und befohlen. Seine Adressaten sind die Menschen, die als Jünger in seine Nachfolge treten, an ihn glauben und aus diesem Grund „Christen“ genannt werden. Sie dienen ihm zwischen seinem ersten und seinem zweiten Kommen.

Zu Beginn der Bergpredigt stehen die Seligpreisungen. Angesprochen werden die geistig Armen, die Trauernden, die Sanftmütigen, die Hungernden und Dürstenden nach Gerechtigkeit, die Barmherzigen, die reinen Herzens sind, die Frieden machen, die Verfolgten um ihrer Gerechtigkeit willen und die Geschmähten.19 Im Folgenden werden die Jünger direkt angesprochen, „ Ihr seid das Salz der Erde, ihr das Licht der Welt.“20 Zu beachten ist hierbei, dass es in dieser Einleitung um nichts weniger geht, als um die Grundlagen der Gesetzesauslegung.21 Damit ist klar, dass diese ersten Worte klar und unmissverständlich zum Hauptteil der Bergpredigt gehören.

In Mt 5,17-48 ist das erste Thema, das Jesus anspricht, die der „Erfüllung“ des Gesetzes.

[...]


1 Ginzel, Die Bergpredigt, jüdisches und christliches Glaubensdokument, S. 11

2 Weder, Die „Rede der Reden“, S. 18

3 AaO. 18

4 Weder, Die „Rede der Reden“, S. 34

5 AaO. 34

6 Krause/Müller, Theologische Realenzyklopädie, S. 604

7 Schnackenburg, Die Bergpredigt, S. 17

8 Weder, Die „Rede der Reden“, S. 34

9 AaO. 34

10 AaO. 34

11 Schnackenburg, Die Bergpredigt, S. 18

12 AaO. 16

13 Schnackenburg, Die Bergpredigt, S. 15

14 AaO. 15

15 Weder, Die „Rede der Reden“, S. 34

16 Grünzweig, Die Bergpredigt, S.12

17 Schnackenburg, Die Bergpredigt, S. 17

18 Grünzweig, Die Bergpredigt, S. 13

19 Die Bibel, Mt 5,4-12

20 Die Bibel, Mt 5,13-16

21 Weder, Die „Rede der Reden“, S. 34

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656131205
ISBN (Buch)
9783656131021
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189163
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,0
Schlagworte
Bergpredigt Auslegung evanglische Theologie theologische Ethik Interimsethik Wilhelm Herrmanns Karl Barth Goldene Regel Gesinnungsethik

Autor

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Titel: Die Auslegung der Bergpredigt im Laufe der Kirchengeschichte