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Faszination Marathon

Und warum sich immer mehr Menschen dieser Strapaze aussetzen

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
ÜBER DEN MARATHONBOOM IN UNSERER GESELLSCHAFT

2. HAUPTTEIL
SOZIOLOGIE DES KÖRPERS
DIE VORBEREITUNG AUF DEN LANGEN LAUF
AUSWIRKUNGEN AUF DEN KÖRPER

3. SCHLUSSTEIL
FAZIT

4. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Über den Marathonboom in unserer Gesellschaft

Am 29.04.2007, um 12:12 Uhr war es soweit: Ich durfte mich als einen Marathonläufer betiteln. Mit 21 Jahren hatte ich meinen ersten Marathon, der eine Streckenlänge von 42,195 Kilometer (Km) aufweist, nach einer Zeit von drei Stunden und zwölf Minuten hinter mich gebracht und fühlte mich einfach großartig. Das erlösende Gefühl, die Strapazen der letzten Monate im Training überstanden, und die angestrebte Zielzeit geschafft zu haben, waren einfach überwältigend. Es war ein Kampf gegen den eigenen Körper, die Uhr und etliche Kilometer. Während des zehnwöchigen Trainings legte ich, überwiegend nach der Arbeit alleine laufend, eine Strecke von 746 Km zurück. Der Hamburg-Marathon 2007 verlangte mir eine Menge Disziplin, Ausdauer, Zeit und Kraft ab. Es war für mich zum einen eine mentale und zum anderen eine physische Grenzerfahrung, die mit dem Zieleinlauf beendet war und unheimliche Glücksgefühle auslöste.

Bis zum Trainingsstart habe ich in der Kreisliga Schleswig Holsteins Fußball gespielt und bin ab und an mal Joggen gegangen - mehr nicht. Die Ausübung dieser Sportarten setzt selbst bei Elitesportlern lediglich eine Ausdauerleistung von ca. zehn Kilometern voraus. (Hoff J, Kähler N, Helgerud J. 19.02.2009) 42,195 Km muss man dafür nicht laufen können. Der Gedanke, einen Marathon zu laufen, kam mir, weil ich eine persönliche Grenzerfahrung machen wollte. „Wie weit kann ich gehen und was muss ich dafür tun?“: waren Gedanken, die mich nicht mehr losließen.

Ich war offensichtlich nicht der einzige, der den Wunsch hatte, eine interessante Selbsterfahrung zu machen. Neben mir sind beim HamburgMarathon 2007 noch 16483 weitere Teilnehmer ins Ziel gelaufen. 800000 Zuschauer verfolgten dabei das Event, „so viele Zuschauer wie noch nie“ (Rudelt. 30.04.2007).

„Noch in den 1970er Jahren schien diese Laufdistanz allenfalls eine Sache für Eliteathleten, asketische Typen oder Freaks zu sein. Seit den 1980er Jahren ist Marathon eine Art privater Mount Everest für solche Läufer geworden, die sich selbst immer mehr zutrauen. Er ist der reizvolle Lohn einer ungeheuren Anstrengung.“ (Steffny/Pramann 2006, S. 7)

Die Marathonbewegung erfuhr in den letzten Jahren weltweit immer mehr Zulauf. 2005 gingen in den USA 500000 Läufer an den Start. Das sind doppelt so viele wie 1995. Der Frauenanteil ist auf 40 Prozent gestiegen. (ebd.) In Deutschland ist der Marathonboom ebenfalls ausgebrochen. Betrachtet man die Teilnehmerzahlen des Berlinmarathons von 1983 bis 2006 erkennt man schnell, dass sie sich versechsfacht haben. Somit ist ein deutlicher Trend nach oben erkennbar. (Abb. 1, Steffny. 2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Berlinmarathon

Das Faszinierende an der Idee, einen Marathon laufen zu wollen, ist in meinen Augen die Motivation der Läufer. Denn 99,9% der Teilnehmer laufen nicht um eine Medaille, wie in vielen anderen Wettkämpfen. Sie laufen für und gegen sich selbst.

Diese Arbeit setzt sich mit der zentralen Forschungsfrage auseinander, warum heutzutage immer mehr Menschen die physische Herausforderung suchen, einen Marathon zu laufen. Was macht das Abenteuer Marathon für die Teilnehmer so aufregend und verlockend? Bietet unsere Gesellschaft keine Herausforderungen mehr? Warum unterzieht man sich dieser Prüfung und welche Strapazen muss man dafür auf sich nehmen? Dies sind die Leitfragen, die es zu beantworten gilt, wenn man den heutigen Marathonboom verstehen will.

Im Hauptteil wird dazu zunächst auf die Soziologie des Körpers der Spätmoderne eingegangen, um verständlich zu machen, welcher Rolle der Körper in der heutigen Mediengesellschaft gerecht werden muss. Darauf aufbauend wird das Thema „Faszination Marathon“ aus gesellschaftlicher Sichtweise thematisiert.

Anschließend werden die trainingswissenschaftlichen Aspekte im Groben betrachtet, die es einzuhalten gilt, um so ein großes Vorhaben zu realisieren. Anschließend soll zudem geklärt werden, warum das Training so anspruchsvoll ist und so viel Zeit in Anspruch nimmt.

In dieser Arbeit kann nicht auf die Trainingswissenschaft im Speziellen eingegangen werden, da das den Rahmen sprengen würde. Die Bewegungswissenschaft ist eine eigene Teildisziplin, die sehr umfangreich und speziell ist. Vielmehr soll aus soziologischer Sichtweise verdeutlicht werden, wodurch die Motivation entsteht, einen Marathon zu laufen. Im Schlussteil werden die Forschungsergebnisse zusammengetragen und bewertet.

Diese Arbeit soll auch demjenigen Leser eine umfassende Einsicht in die Marathonwelt geben, der weder Ambitionen hat sich sportlich zu betätigen, noch Vorkenntnisse im sportlichen Bereich hat.

Der Begriff „Gesellschaft“ zielt in dieser Arbeit hauptsächlich auf Menschen ab, die im deutschsprachigen Raum leben.

2. Hauptteil

Soziologie des Körpers

Die Soziologie des Körpers ist für das Thema „Faszination Marathon“ relevant, da sie klar aufzeigt, welchen Stellenwert dem Körper in der heutigen Gesellschaft zugeschrieben wird und warum innerhalb der Gesellschaft der Wunsch nach einer physischen Grenzerfahrung gehegt wird. „Körper stehen im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und individuellen Aufmerksamkeit.“ (Klein 2009, S.3) Menschen tragen Körperschmuck, lassen sich tätowieren, benutzen Anti-Aging-Kosmetik oder lassen sich sogar für ein besseres Aussehen operieren. Diese Maßnahmen liefern hinreichend Beweise, dass der Körper nicht als natürliche und selbstverständliche Gabe gesehen werden kann. Körper werden in der heutigen Gesellschaft vielmehr konstruiert und manipuliert. Die Menschen erreichen durch individuelle körperformende Maßnahmen eine soziale Positionierung, was eine Soziologie des Körpers herausfordert. (vgl. Klein, 2009, S. 4) Der Körper fungiert als „Mittler zwischen Ich und Welt, Individuum und Gesellschaft. […] Am Körper materialisiert sich der soziale Status der Person wie umgekehrt die Subjektposition immer verkörpert werden muss. Soziale Position, Geschlecht, Alter und ethnische Zugehörigkeit meinen wir am Körper inszenieren und ablesen zu können.“ (ebd.) Der Körper ist nach technologischen und ökonomischen Veränderungen in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses gerückt. Diese Phänomene sind vor allem seit den 1970er Jahren zu beobachten, wo sich die Soziologie des Körpers als eine Teildisziplin der Soziologie herausgebildet hat. Zu dieser Zeit änderten sich nicht nur im deutschsprachigen Raum die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Viele Produktionsstandorte wurden in Schwellenländer verlagert, die Entwicklung trat in den Vordergrund und der tertiäre Sektor spielte eine immer größere Rolle. Die Gesellschaft musste sich anpassen. Der Arbeitskörper der Industriegesellschaft, der an Maschinen gekoppelt und somit mit seiner physischen Kraft für die gesellschaftliche Produktivität sorgte, erfuhr eine Veränderung. So beschrieben Norbert Elias (1997) und Michel Foucault (2007) wie der humane Körper zivilisiert und diszipliniert wurde.

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Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656129127
ISBN (Buch)
9783656734147
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v189003
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Medien Kultur Gesellschaft Extremsport Marathon Trend Erlebnissport Marathonboom Mediengesellschaft

Autor

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Titel: Faszination Marathon