Lade Inhalt...

Gibt es einen direkten Kausalzusammenhang zwischen Demokratie und wirtschaftlichem Wohlstand?

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodische Vorbemerkungen

3. Der Einfluss von Demokratie auf Wohlstand

4. Der Einfluss von Wohlstand auf Demokratie

5. Kritische Bemerkung zu den ausgewählten Studien

6. Fazit und Schlussbemerkungen

Anhang

Bibliografie

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema, welchen Zusammenhang es zwischen dem Wohlstand und der Implementierung demokratischer Strukturen in einem Land gibt. Oder wie Uwe Sunde seinen Sammeltext treffend betitelt: „Ist Demokratie ein Wohlstandsmotor oder ein Wohlstandsprodukt?“ (Sunde:2006). Die Frage nach dem kausalen Zusammenhang zwischen Demokratie und wirtschaftlicher Entwicklung ist offensichtlich auch für die Weltpolitik von Interesse. Beides, sowohl Demokratisierung als auch wirtschaftliche Entwicklung, sind Ziele, die es in der Entwicklungspolitik umzusetzen gilt. Doch welches der beiden hat Priorität?

Eine empirische Untersuchung des kausalen Zusammenhangs scheint unvermeidbar und viele Wissenschaftler haben sich bereits damit beschäftigt. Sunde fasst in seinem bereits o.g. Aufsatz die neueren empirischen Ergebnisse zusammen und liefert so einen guten Überblick. Der Zusammenhang zwischen Demokratie und Wohlstand scheint demnach ein sehr komplexer zu sein und hauptsächlich von indirekten Effekten bestimmt zu werden.

Ziel meiner Arbeit soll es dennoch nicht sein, Sundes Arbeit zu reproduzieren, sondern einige der von ihm genannten Studien näher zu beleuchten und den direkten kausalen Zusammenhang, in welche Richtung auch immer, in den Mittelpunkt der Analyse zu stellen.

Doch hierfür sollen zunächst die zentralen Begriffe näher definiert werden.

Demokratie soll definiert werden über die Existenz von Möglichkeiten zur politischen Mitwirkung und dem freien Wettbewerb um politische Positionen (vgl. Dahl, 1971:3). Dies ist eine Definition im engeren Sinne und kann mit Sicherheit in vielerlei Hinsicht erweitert werden, doch soll sie für den Zweck dieser Arbeit genügen.

Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung werden in dieser Arbeit synonym verwendet, wobei die Definition in zwei Weisen unterschieden werden kann (vgl. Sunde, 2006: 4).

Erstens kann es sich um einen Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt handeln, widergespiegelt beispielweise im pro-Kopf-Einkommen. Zweitens kann es sich aber auch um einen dynamischen Prozess handeln, gemessen z.B. an der Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums.

Verbreitet sind drei verschiedene Theorien über den Zusammenhang zwischen Demokratie und wirtschaftlicher Entwicklung. Der erste mögliche Zusammenhang wäre, dass die Demokratie einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hat. Ein früher Vertreter ist beispielsweise James Harrington, der die Meinung vertritt, „dass eine Diktatur die Rechtsstaatlichkeit, die für wirtschaftliche Aktivität essenziell ist, untergraben würde“ (Sunde, 2006:6). Desweiteren gibt es auch Überlegungen, ob eine Demokratie dem Wirtschaftswachstum schaden könnte. Der dritte Ansatz argumentiert, dass zunächst die wirtschaftliche Entwicklung gesichert sein muss, bevor ein Land eine Demokratie implementieren kann. Dieser sogenannte Entwicklungsansatz besagt also, dass es einen positiven kausalen Effekt von der wirtschaftlichen Entwicklung auf die Wahrscheinlichkeit demokratischer Strukturen gibt (vgl. Sunde, 2006: 14).

Im Folgenden sollen, nach ein paar kurzen Bemerkungen zur allgemeinen empirischen Vorgehensweise, alle drei Thesen näher beleuchtet werden.

2. Methodische Vorbemerkungen

Frühe Studien verwendeten hauptsächlich Querschnittdaten, um die positive Korrelation zwischen Wirtschaft und Demokratie nachzuweisen.

Eine Querschnitterhebung bezieht sich auf einen Zeitpunkt oder eine kurze Zeitspanne, worin eine einmalige Erhebung der Eigenschaften bei den interessierenden Untersuchungseinheiten vorgenommen wird (vgl. Diekmann, 2009: 304f). Offensichtlich ergeben sich aus diesem Design mehrere Nachteile. In Hinblick auf die relevante Forschungsfrage lässt sich zum einen die umgekehrte Kausalität nicht ausschließen, da es nicht möglich ist zu klären, was die abhängige und was die unabhängige Variable ist. Desweiteren kann nur ein Vergleich zwischen den Ländern angestellt werden, nicht aber innerhalb von Ländern, was möglicherweise relevante Hintergrundvariablen, wie z.B. historische Faktoren, vernachlässigt (vgl. Sunde,2006: 15).

Aufgrund dessen vertraut man in neueren Studien lieber auf Paneldaten, welche für jede Untersuchungseinheit die Werte einer Variablen zu mindestens zwei Zeitpunkten erheben (vgl. Diekmann, 2009: 315). Mithilfe von Paneldaten kann somit also auch ein Vergleich innerhalb eines Landes angestellt und die Frage geklärt werden, in welche Richtung die Kausalität besteht.

Die Messung von Demokratie erfolgt dabei zumeist über eine Skala. Als Beispiel soll an dieser Stelle kurz der Freedom House Political Rights Index erläutert werden. Die Skala reicht hierbei von 1 bis 7, während ein Wert von 1 dem Ideal eines demokratischen Staates am meisten entspricht und 7 dementsprechend am wenigsten. Die Einstufung erfolgt dabei mithilfe eines Fragenkatalogs, der sich in zwei Teile teilt, zum einen politische Rechte und zum anderen Freiheitsrechte. Am Ende wird demnach ein Mittel gebildet, wobei ein Staat mit einem Wert von 1-2.5 als Frei gilt und von 5.5-7 als unfrei (vgl. Freedom House, 2010: http://freedomhouse.org/template.cfm?page=351&ana_page=364&year=2010). Zur Messung der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes werden häufig entweder das Bruttoinlandsprodukt Kaufkraftparität (GDP ppp) oder das Pro- Kopf- Einkommen herangezogen.

3.Der Einfluss von Demokratie auf Wohlstand

Wie bereits in der Einleitung erläutert, sind sich die Wissenschaftler keineswegs darüber einig, ob Demokratie einen positiven oder negativen Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung hat. In ihrer Studie „Do Democratic Transitions Produce Bad Economic Outcomes? “ aus dem Jahr 2004 versuchen Dani Rodrick und Romain Wacziarg genau dies zu klären. Dabei bestreiten sie nicht, dass es tatsächlich Länder gibt, wo es auf den ersten Blick so scheint, als würde dieser negative Zusammenhang tatsächlich existieren. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass es sich bei diesen Fällen um Einzelfälle handelt. Desweiteren ist ebenso unklar, ob es den Ländern nicht ohne Demokratie sogar noch schlechter gehen würde (vgl. Rodrik/Wacziarg, 2004:1). Auch in dieser Studie werden nicht Querschnitt- sondern Paneldaten zur Untersuchung herangezogen, um die Entwicklung innerhalb eines Landes besser nachvollziehen zu können. Dabei werden auch historische Faktoren und länderspezifische Effekte berücksichtigt. Für die Messung der Demokratie verwenden sie Polity IV, welches Informationen über Regimearten und -wechsel von 1800 bis aktuell 2009 enthält. Desweiteren unterscheiden sie zwischen einer neuen Demokratie (seit fünf oder weniger Jahren demokratisiert) und einer etablierten Demokratie (seit sechs oder mehr Jahren demokratisiert). Die Messung des Wirtschaftswachstums erfolgt über das Bruttoinlandsprodukt Kaufparität (GDP ppp). Wenn nur zwischen neuer und etablierter Demokratie entschieden wird, ist die Korrelation nicht signifikant.

Werden allerdings noch andere Formen des Regimewechsels mit einbezogen und somit der reine Effekt von Demokratie betrachtet, ergibt sich, dass dieser positiv und signifikant ist (vgl. Rodrick/ Wacziarg, 2004: Tabelle 1). Somit scheint ein negativer Effekt von Demokratie auf das Wirtschaftswachstum nicht bestätigt und es scheinen, im Gegenteil, gerade die kurzfristigen Effekte der Demokratisierung positiv zu sein, verglichen mit denen ohne einen Regimewechsel. Dies gilt auch für arme und kulturell heterogene Länder. Auch sie scheinen von der Demokratisierung, zumindest kurzfristig, zu profitieren (vgl. ebd., 2004: 5). In einer Unterstichprobe wurden desweiteren 24 verschiedene Länder untersucht, in denen es nach der Demokratisierung keine wahrnehmbare Veränderung in der Wirtschaft gab. Dabei untersuchten sie das durchschnittliche Wachstum 10 Jahre vor der Demokratisierung verglichen mit dem durchschnittlichen Wachstum 10 Jahre danach. Daraus ergibt sich, dass der Anteil von Ländern mit höherem Wachstum genauso hoch ist wie der mit niedrigerem Wachstum. Länder mit einer negativen Differenz waren allerdings auch vorher bereits Länder mit gehobenem Mittelklasse-Einkommen, während diese mit vorher sehr niedrigem Einkommen eher von der Demokratisierung zu profitieren schienen (vgl.ebd. ,2004: 6f). Auch wenn diese Unterstichprobe nicht als repräsentativ anzusehen ist, relativiert sie dennoch die vorher scheinbar so deutlichen Ergebnisse der Studie. Alles in Allem scheint allein die Demokratisierung keinen wesentlichen Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung zu haben, weder negativ, noch positiv. Allerdings bleibt festzuhalten, dass zumindest die kurzfristigen Effekte in neuen Demokratien durchaus positiv zu sein scheinen und besonders arme Länder von der Demokratisierung profitieren können.

Doch welche negativen Effekte kann eine Demokratie auf die wirtschaftliche Entwicklung haben?

In einer Demokratie darf jeder Bürger das Recht in Anspruch nehmen, seine Interessen zu verkünden und zu versuchen diese durchzusetzen, solange diese nicht verfassungswidrig sind. In der Folge entstehen verschiedenste Interessengruppen, welche um die Gunst der Regierung buhlen und hauptsächlich darauf aus sind, ihre Forderungen durchzusetzen. Gerade vor anstehenden Wahlen ist es ein besonderes Anliegen von Parteien, möglichst die Interessen durchzusetzen, welche von einflussreichen Gruppen vertreten werden. In einem Land wie Deutschland hat offensichtlich nicht jeder Bürger Überblick über alle durchgesetzten Entscheidungen. Der Begriff der „rationalen Ignoranz“ trifft dies sehr gut, so nimmt jeder Bürger nur das wahr, was ihn auch wirklich interessiert bzw. persönlich betrifft.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656127246
ISBN (Buch)
9783656128373
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188941
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Demokratie Wohlstand Wirtschaft

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Gibt es einen direkten Kausalzusammenhang zwischen Demokratie und wirtschaftlichem Wohlstand?