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Wie hat sich die Berichterstattung in den Medien über Migration nach Erscheinen des Buches „Deutschland schafft sich ab“ verändert?

Eine Analyse am Beispiel von „Spiegel“ und „Focus“

Projektarbeit 2011 14 Seiten

Soziologie - Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ziel dieser Projektarbeit

3. Kurze Vorbemerkungen zur Methodik

4. Formale Aspekte
4.1. Häufigkeiten
4.2. Platzierungen, Art und Länge der Artikel
4.3. Ressort
4.4. Zusammenfassung

5. Inhaltliche Aspekte
5.1. Verwendete Aufgreifkriterien
5.2. Inhaltliche Kriterien
5.3. Bewertung der Migration
5.4. Zusammenfassung

6. Fazit und Schlussbemerkung

Anhang

Tabellen

Syntax

1. Einleitung

„Deutschland schafft sich ab“, so der Titel des wohl umstrittensten Buches im Jahr 2010, erschien am 30.08.2010. Thilo Sarrazin, der Autor, vertritt darin drei zentrale Thesen, wie er sie auch in seiner Lesung am 13.01.2010 in der Messe Dresden verkündete:

1. Jede Generation in Deutschland ist um 35% kleiner als die vorherige, wodurch die Gesellschaft schlicht schrumpft (bedingt durch die zu niedrige Fertilitätsrate)
2. Bildungsferne Schichten haben mehr Kinder als bildungsnahe und Eigenschaften des Hirns sind zum Großteil vererbbar, d.h. die Gesellschaft wird dümmer
3. Einwanderer aus muslimischen Ländern sind, im Gegensatz zu anderen Einwanderergruppen, nicht in der Lage, sich zu integrieren und gefährden damit Deutschland.

Diese Thesen erregten sehr viel Aufmerksamkeit und erfuhren sowohl viel Zustimmung als auch eindeutige Ablehnung. Und wer kann die Meinung der Bevölkerung und die zwiespältige Debatte besser widerspiegeln als die Medien?

Gerade deshalb wurde das Thema „Migration“ zentral für die durchgeführte Inhaltsanalyse. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Berichterstattung über Migration sowohl formal als auch inhaltlich verändert hat bzw. ob dies überhaupt der Fall ist. Aufgrund der zeitlichen Beschränkung wurde dabei die Migrationsdebatte im Allgemeinen betrachtet, unabhängig von Herkunftsländern und Religion. Untersucht wurden sieben Zeitungen: Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Tageszeitung, die BILD, der Spiegel, Focus und die ZEIT und zwar im Zeitraum vom 01.05.2010 bis 30.11.2010. Von den wöchentlich erscheinenden Zeitungen wurde dabei jede codiert, während die Tageszeitungen nach dem Prinzip der rollenden Woche analysiert wurden. Insgesamt umfasste die Stichprobe 404 Zeitungen und es wurden 504 Artikel codiert.

2. Ziel dieser Projektarbeit

Aufgrund des Zeit- und Platzmangels ist es in dieser Projektarbeit nicht möglich, eine Auswertung aller Ergebnisse vorzunehmen. Es soll sich deswegen auf zwei Zeitungen beschränkt werden, die miteinander verglichen werden. Dabei handelt es sich um den „Focus“ und den „Spiegel“. Beides auf den ersten Blick recht ähnliche Formate, wöchentlich erscheinend und auch vom Umfang in etwa gleich.

Dennoch ist ein Unterschied zentral und dieser liegt in der politischen Ausrichtung.

Während der „Spiegel“ im Allgemeinen als links-liberal eingeschätzt wird, bewegt sich der „Focus“ eher im Bereich konservativ-rechts. Demnach wird es interessant sein, inwiefern diese beiden doch recht ähnlichen Formate sich aufgrund ihrer unterschiedlichen politischen Ausrichtung in der Berichterstattung über Migration unterscheiden. Im Folgenden sollen deshalb zunächst die formalen Aspekte und danach die inhaltlichen genauer untersucht werden.

3. Kurze Vorbemerkungen zur Methodik

Die in dieser Projektarbeit verwendeten Daten entstammen alle dem aktuellsten, im Seminar entstandenen SPSS-Datensatz. Einige Ergebnisse wurden in tabellarischer Form in die Arbeit eingefügt, allerdings nicht direkt aus der SPSS-Ausgabe übernommen, sondern, des Gesamtbildes wegen, in eine Word-Tabelle übertragen. Daten, die erwähnt, aber nicht tabellarisch dargestellt werden, lassen sich im Anhang wiederfinden. Desweiteren wurden im Verlauf der Analyse zwei weitere SPSS-Dateien erstellt, welche es ermöglichen, beide Zeitungen separat voneinander und von allen anderen Untersuchungseinheiten zu betrachten. Die möglichen Ausprägungen der Variablen werden in der Projektarbeit nicht detailliert wiederholt, können aber im dazugehörigen Codebuch nachgelesen werden. Da von beiden Zeitschriften gleichviele Ausgaben codiert wurden, muss in dieser Hinsicht keine Gewichtung erfolgen. Zur Vereinfachung wird die dichotome Ausprägung „vor Sarrazin“ und „nach Sarrazin“ synonym für den Zeitraum vor bzw. nach Erscheinen des Buches verwendet.

4. Formale Aspekte

4.1.Häufigkeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unabhängig ob vor oder nach Erscheinen des Buches wurden im „Spiegel“ also 13 Artikel mehr gefunden, welche den Aufgreifkriterien entsprachen.

Im Vergleich zu den anderen analysierten Zeitungen hat der „Spiegel“ aber nur einen Anteil von 8,9% und der „Focus“ sogar nur 6,3% an allen codierten Artikeln.

Die Berichterstattung scheint also in beiden Zeitschriften nicht allzu ausgedehnt zu sein. Interessanter jedoch ist, wie sich die Anzahl der Artikel nach Erscheinen des Buches („nach Sarrazin“) entwickelt hat:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei beiden Zeitschriften lässt sich ein deutlicher Anstieg erkennen. Beim „Spiegel“ hat sich die Anzahl der Artikel über Migration sogar mehr als verdreifacht. Offensichtlich hat die Sarrazin-Debatte also, unabhängig von der politischen Ausrichtung der Zeitschrift, das Interesse am Thema erhöht.

4.2.Platzierungen, Art und Länge der Artikel

Ein zentrales Merkmal der Wichtigkeit und Aktualität von Themen in den Medien ist natürlich auch die Art des Artikels und dessen Platzierung. Deutlich zugenommen hat im „Spiegel“ die Zahl der Interviews und die von Artikeln im Allgemeinen. Auch Leitartikel gab es mehr, im direkten Vergleich mit den anderen Medien blieb es aber bei einer geringen Zahl von zwei Leitartikeln (nach Sarrazin). Auch im „Focus“ stieg die Zahl der Leitartikel von zwei auf vier und Kommentare wurden häufiger abgedruckt. Besonders im „Spiegel“ fällt auf, dass die Vielfalt der Berichterstattung größer geworden ist. Fand man vor Erscheinen des Buches nur Artikel und ein Interview, so erschienen danach auch Leitartikel, Kommentare und Meldungen. Beim „Focus“ lässt sich diese Veränderung dagegen nicht erkennen.

Sowohl vor als auch nach Erscheinen des Buches überwiegen im „Spiegel“ mehrspaltige Artikel im Innenteil, aber nach Erscheinen wird häufiger bereits auf der Titelseite darauf hingewiesen. Anders verhält es sich beim „Focus“: die Zahl der Aufmacher ist deutlich angestiegen, während Artikel im Innenteil ohne Hinweis auf der Titelseite weniger geworden sind. So sind 80% der im „Focus“ nach Veröffentlichung des Buches gedruckten Artikel entweder Aufmacher oder Mehrspalter im Innenteil, auf welche bereits auf der Titelseite hingewiesen wurde davor waren es nur 33%).

Im „Spiegel“ sind es dagegen nur 24% (davor sogar nur 9%).

Soll heißen: Im „Focus“ wird deutlich mehr auf das Thema Migration aufmerksam gemacht als im „Spiegel“, und das obwohl insgesamt weniger Artikel zum Thema veröffentlicht wurden.

Auch die Artikel im „Focus“ sind, zumindest nach Erscheinen des Buches, länger. So steigt die Anzahl von Artikeln, welche länger als eine Seite sind, von 33% auf 80% an, während kürzere Artikel seltener vorkommen, als vor Erscheinen des Buches. Im „Spiegel“ verhält es sich etwas anders. Absolut gab es zwar auch hier nach Erscheinen des Buches mehr Artikel, welche länger als eine Seite waren, aber prozentual gesehen hatten sie nur einen Anteil von 42% zu 80% vor Veröffentlichung des Buches, denn weiterhin erschienen im „Spiegel“ auch viele Artikel (39%), die nur bis zu einer halben Seite lang waren.

4.3. Ressort

Anders als mit der Art des Artikels verhält es sich im „Spiegel“ das Ressort betreffend, in dem die Artikel erschienen: eindeutig sticht hier das politische Ressort hervor, in welchem knapp 71% der nach Sarrazin erschienenen Artikel veröffentlicht wurden (davor waren es 36%). Ähnlich verhält es sich im „Focus“, allerdings war das politische Ressort vor Erscheinen des Buches hier bereits dominant. Alle anderen Ressorts enthielten im „Spiegel“ gleich viele oder sogar weniger Artikel über Migration nach Veröffentlichung von „Deutschland schafft sich ab“, während die Varianz im „Focus“ etwas anstieg, besonders das Kulturressort betreffend.

4.4. Zusammenfassung

Zunächst einmal kann festgehalten werden, dass nach Erscheinen des Buches in beiden Medien mehr über das Thema Migration berichtet wurde als zuvor. Besonders im „Focus“ wurden die betreffenden Artikel mehr hervorgehoben und gewannen an Länge im Vergleich zu vorher. Beim „Spiegel“ hat sich die Länge der Artikel nicht wesentlich verändert, aber die Art der Artikel und ihre Platzierung sind vielfältiger geworden. Die Debatte scheint, zumindest wenn man die Ressorts betrachtet, in welchen die analysierten Artikel erschienen, eine klar politische zu sein. Die kulturelle Seite wurde dabei deutlich seltener betrachtet.

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Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656127253
ISBN (Buch)
9783656128380
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188940
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Soziologie
Note
2,3
Schlagworte
Migration Sarrazin Medien

Autor

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Titel: Wie hat sich die Berichterstattung in den Medien über Migration nach Erscheinen des Buches „Deutschland schafft sich ab“ verändert?