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Die Auswirkungen von Humboldts Bildungsbegriff

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Srukturwandel im 19. Jahrhundert
2.1 Neuhumanismus
2.2 Entwicklung der Wissenschaften
2.3 Reformziele für das Bildungswesen

3. Shulwesen und Lehrerbildung
3.1 hulwesen und hulpflicht
3.2 Gymnasien und Oberschulen
3.3 Lehrerbildung
3.4 Besonderheit Mädchenschulwesen

4. Die Idee der Universität
4.1 Humboldts Bildungsbegriff
4.2 Die Entwicklung der Universitäten
4.3 Die Humboldt-Universität: Einsamkeit und Freiheit

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das 19. Jahrhundert stellte in vielerlei Hinsicht einen Umbruch bzw. einen Neuanfang dar. Dieser begann schon damit, dass Preußen im Jahre 1806 die Schlacht bei Jena und Auerstedt1 verlor und im selben Jahr das Heilige Römische Reich deutscher Nationen2 endete. Im Tilsiter Frieden3 von 1807 musste Preußen seine Gebiete westlich der Elbe abtreten und verlor durch die Herabsetzung der Truppenstärke seine Großmachtstellung. Der Wunsch nach einem Wiedererstarken Preußens wurde unweigerlich mit nötigen Reformen von Staat, Gesellschaft, Militär und Bildung verbunden. Zu den wichtigsten Reformern gehörten Karl Freiherr vom und zum Stein4 und Karl August Fürst von Hardenberg5, die beide hauptsächlich für die Politik, sowie die Neuordnung von Staat und Gesellschaft zuständig waren. Darunter fällt auch die Agrarverfassung, die oftmals als „Bauernbefreiung“ bezeichnet wird. Scharnhorst6 und Hermann von Boyen7 waren dafür verantwortlich das Heer zu reformieren. Im Zuge derer die allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden sollte, um auf die Reserven der Bevölkerung im Hinblick auf die Armee zurückgreifen zu können. Nach anfänglichem Zögern des Königs wurde sie 1813 schlussendlich eingeführt. Wilhelm von Humboldt8 und Süvern9 schließlich waren diejenigen, die das Bildungswesen reformieren sollten. Humboldt verstand Bildung als Bildung für alle, eine Art Nationalerziehung. (vgl. Nipperdey 1994, S. 36ff.) Obwohl jede Reform ihren Beitrag zur Neuordnung Preußens liefern sollte, werde ich mich auf die Reformation des Bildungswesens beschränken.

In dieser Arbeit möchte ich die einzelnen Reformen und Entwicklungen im Bildungswesen Preußens nach 1807 darlegen und besonders auf die Veränderungen im Schul- und Hochschulwesen eingehen. Abschließend werde ich Humboldts Bildungstheorie erläutern und seine Bemühungen am Beispiel der Universität in Berlin aufzeigen, bevor ich die Frage kläre, ob diese Universität zu Recht als die Mutter aller Universitäten bezeichnet wird.

2. Strukturwandel im 19. Jahrhundert

Nicht nur bestehende Gesellschaftsstrukturen wandelten sich im 19. Jahrhundert, sondern auch Denkströmungen. Im Folgenden werde ich besonders den Neuhumanismus als prägende Weltanschauung für diese Epoche deutscher Geschichte darstellen und danach noch herausstellen, wie sich auch das Verhältnis zur Wissenschaft änderte.

2.1 Denkströmungen

Immanuel Kant10 war einer der Wegbereiter für die Philosophie des 19. Jahrhunderts. Mit seinen Abhandlungen über die menschliche Vernunft, sowie zur Erkenntnistheorie beeinflusste er das Denken zeitgenössischer Philosophen. Nach ihm prägte vor allem der Idealismus mit seinen Vertretern Hegel11 und Schelling12 das Denken.

Zugleich entwickelte sich die „Idee einer Bildung des Menschen zur Humanität […] - nicht zuletzt unter dem Eindruck einer weit verbreiteten Griechenbegeisterung - zu einer spezifisch deutschen Bildungsreligion, indem eben jener klassische, am Vorbild der Antike orientierte Bildungsweg zur Bildung schlechthin erklärt wurde“ (Kraus 2008, S. 12). Der Neuhumanismus war eine Wiederbelebung des Renaissance-Humanismus. Vertreter wie Wilhelm von Humboldt und Niethammer13 rückten speziell das Studium des griechischen Altertums in den Fokus der höheren Bildung. Der Neuhumanismus betrachtete das Individuum und dessen Willen zur Bildung. Man distanzierte sich davon, dass Bildung von außen bestimmt werden sollte. Daraus folgte für Humboldt, dass das Produkt der Bildung das Ergebnis individueller Anstrengungen und einer schöpferischen Aneignung von Welt durch das Individuum selbst ist. Die umfassende kognitive, moralische und ästhetische Bildung des Individuums stand im Vordergrund. (vgl. Koller 2009, S. 73ff.) Um diese Selbstbildung gewährleisten zu können, bedurfte es einer Reformation des Bildungswesens. Ich werde auf Humboldts Bildungsbegriff und die Entwicklung der allgemeinbildenden Schulen, sowie der Hochschulen später noch näher eingehen. Zunächst möchte ich mich aber dem allgemeinen Wissenschaftsverständnis der damaligen Zeit zuwenden.

2.2 Entwicklung der Wissenschaften

„Der Aufstieg und der Einfluss des Neuhumanismus auf die deutsche Schul- und Bildungsentwicklung brachte es mit sich, dass die klassischen Altertumswissenschaften während des gesamten 19. Jahrhunderts einen besonders hohen Rang im Bildungsgefüge der Deutschen eingenommen haben.“ (Kraus 2008, S. 74) Daneben entwickelten sich vor allem die Naturwissenschaften und die Medizin aufgrund von neueren Entdeckungen und Forschungen stetig weiter. Es wurden mehrere medizinische Kliniken und Laboratorien eingerichtet. Die Wissenschaft an sich differenzierte sich weiter aus und spezialisierte sich. Der technische Fortschritt und die Weiterentwicklung der Wissenschaften „erforderten enorme Finanzmittel, die nur der Staat aufbringen konnte“ (Kraus 2008, S. 25) Wissenschaft im Sinne Humboldts stand im Dienste der Selbstschöpfung des Menschen. Das sich bildende Individuum muss sich seines Verstandes gebrauchen und in Freiheit durch Selbstreflexion zu sich selbst finden. (vgl. Henningsen, In: Ders. 2007, S. 124f.)

2.3 Reformziele für das Bildungswesen

Wilhelm von Humboldt verfasste 1809 zwei Entwürfe für das Schulwesen, den Königsberger und den Litauischen Schulplan. Er wollte ein dreistufiges Schulsystem bestehend aus Elementarschule, Gymnasium und Universität einführen. Es war ein „Modell einer ausschließlich horizontal gestuften allgemeinbildenden Schulorganisation“ (Drewek, In: Harney/Krüger 1997, S. 189).

Die Elementarschule sollte dabei allgemeine Grundfertigkeiten vermitteln. Eine spezifisch auf Berufe ausgerichtete Bildung würde den Horizont des Kindes eingrenzen. Der Schulunterricht am Gymnasium war Vorbereitung auf das wissenschaftliche Arbeiten an der Universität. Lernen und Wissen sollte an Reiz gewinnen, so dass die Schüler von sich aus die Universität besuchen würden.

Sein frühes Ausscheiden aus dem Amt des Leiters der Sektion für Kultus und Unterricht führte zu vielen Kompromissen in der Umsetzung seines Plans. So blieb zum Beispiel Latein in vielen Schulen fester Bestandteil des Lehrplans, obwohl Humboldt das Griechische favorisiert hatte.

Neben dem Gymnasium als Spitze des Bildungswesens existierte eine Vielzahl an Realschulen, höheren Bürgerschulen und Volksschulen. Dieses breite Feld wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu drei höheren Schultypen zusammengeführt, die neben Volksschulen und Universitäten die Bildungslandschaft Deutschlands prägten.

Im folgenden Kapitel werde ich näher auf das Schulsystem des 19. Jahrhunderts eingehen und dabei zuerst einen allgemeinen Überblick geben, um danach gesondert auf das Gymnasium, die Lehrerbildung und das Mädchenschulwesen einzugehen, bevor ich mich der Universität widme.

3. Schulwesen und Lehrerbildung

3.1 Schulwesen und Schulpflicht

Kennzeichnend für das 19. Jahrhundert waren das rasante Bevölkerungswachstum, zunehmende Verstädterung, aber auch die damit einhergehende Armut und Nahrungsengpässe. (vgl. Jeismann, In: Ders./Lundgreen 1987, S. 15) Der Ruf nach sozialer Veränderung und der Wunsch nach sozialem Aufstieg waren unmittelbar mit dem Zugang zur Bildung verknüpft. Das Schulwesen musste reformiert werden, um eine berufliche und soziale Karriere zu ermöglichen. Die sich langsam durchsetzende Schulpflicht ist nur ein Indiz dafür, dass der allgemeinen Bildung mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. „Während 1816 erst etwa 60% aller Kinder eine Schule besuchten, stieg deren Zahl bis 1870 auf etwa 90% an; erst in den 1880er Jahren lag der Schulbesuch dann bei annähernd 100%.“ (Kraus 2008, S. 46) In den Städten wurde die Schulpflicht deutlich schneller und erfolgreicher umgesetzt, als in den ländlichen Regionen. Das lag zum Einen daran, dass die Erfassung und Aufsicht über die schulpflichtigen Kinder innerhalb der Städte deutlich einfacher und geregelter ablief, andererseits muss man auch festhalten, dass auf dem Land immer noch viele Familien bei der Landwirtschaft auf die Unterstützung durch ihre Kinder angewiesen waren.

Anfang des 19. Jahrhunderts dominierten immer noch die Lateinschulen. Es gab nur wenige Alternativen, wie Real-, Handels oder Klosterschulen. Als Elementarschule entwickelte sich die Volksschule, die neben der reinen Wissensvermittlung, vor allem die umfassende Charakterbildung zum Ziel hatte. Die Schüler sollten einerseits für den Beruf und andererseits auf das Leben im Staat als Teil der Gesellschaft vorbereitet werden. (vgl. Kraus 2008, S. 46)

Die konstant steigenden Schülerzahlen machten es erforderlich geeignete Räumlichkeiten zu errichten, mehr Lehrpersonal einzustellen und Lehr- und Lernmittel zur Verfügung zu stellen. „Zur obligatorischen Bibel und zum Kirchengesangbuch gesellten sich bald Fibel und Lesebuch, Rechenbuch und ein Gesangbuch mit weltlichen Liedern, sodann […] Wandtafeln mit Karten, Tabellen, Schönschreibvorlagen und Abbildungen aus der Natur.“ (Kraus 2008, S. 47) Die Schulen standen zunächst noch unter dem Einfluss der Kirche, was sich meist dadurch äußerte, dass dem Religionsunterricht stets der Vorzug vor allen anderen Fächern gegeben wurde. Erst später wurde mehr Wert auf Rechnen oder auf die Realien, also Naturkunde, gelegt. Weiterhin führten der forcierte Schulausbau und die zunehmend verbesserte Finanzierung dazu, dass die Klassengrößen im späten 19. Jahrhundert zumindest in den Städten stark absanken auf etwa 60 Schüler. Außerhalb der Städte waren es manchmal immer noch 200 Schüler, die ein Dorfschullehrer zu betreuen hatte. In Verbindung mit der ungleichen Verteilung von Finanzmitteln ergab sich so ein gewaltiger Qualitätsunterschied. „Die vergleichsweise beste Elementarschulbildung konnte in größeren und wohlhabenden Städten erworben werden, […] der Besuch einer ländlichen Volksschule hingegen sicherte deren Absolventen lediglich einen Platz am unteren Ende der deutschen Bildungsskala.“ (Kraus 2008, S. 49)

[...]


1 Preußens Niederlage gegen französische Truppen am 14. Oktober 1806

2 Herrschaftsbereich römisch-deutscher Kaiser bis 1806

3 Abkommen zwischen Russland, Frankreich und Preußen nach dem Vierten Koalitionskrieg und der Niederlage Preußens gegen Frankreich

4 Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein (1757-1831): preußischer Beamter und Reformer

5 Karl August von Hardenberg (1750-1822): preußischer Staatsmann

6 Gerhard von Scharnhorst (1755-1813): preußischer General

7 Hermann von Boyen (1771-1848): preußischer Kriegsminister

8 Wilhelm von Humboldt (1767-1835): deutscher Gelehrter und Gründer der Universität Berlin,

9 Johann Wilhelm Süvern (1775-1829): preußischer Lehrer und Politiker

10 Immanuel Kant (1724-1804): deutscher Philosoph der Aufklärung

11 Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831): deutscher Philosoph, wichtigster Vertreter des Idealismus

12 Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854): deutscher Philosoph des Idealismus

13 Friedrich Immanuel Niethammer: deutscher Philosoph und Theologe, gest. 1848 in München

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656127482
ISBN (Buch)
9783656128496
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188920
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
Schlagworte
Humboldt Bildungswesen Reformation Universität Neuhumanismus Schulwesen

Autor

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