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Moralentwicklung und Übernahme sozialer Rollen

Notwendige Anpassungsprozesse an die Gesellschaft?

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Moralentwicklung nach Kohlberg
2.1 Die Stufen der moralischen Entwicklung
2.2 Moralisches Urteil und moralisches Handeln
2.3 Moralische Erziehung

3. Rollentheorie
3.1 Der Begriff der sozialen Rolle
3.2 Rollentheorie
3.3 Kommunikatives Handeln und Ich-Identität

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Für uns ist es mittlerweile selbstverständlich, dass wir ein Teil eines großen Ganzen sind. Menschen brauchen soziale Kontakte und kommunikative Interaktionen. Kommunikation ist hierbei besonders entscheidend, da sie das Menschsein ausmacht und Mittel zum Gedanken- und Informationsaustausch zwischen Individuen ist. Aus diesem Grund schätzen wir die Gemeinschaft. Wir unterwerfen uns Regeln und Gesetzen, um in einer Gesellschaft1 zu leben und unsere Anstrengungen gelten einerseits dem Erhalt dieses Systems aber auch der Verbesserung der eigenen Stellung darin. Kaum jemand stellt dieses in uns verankerte Verlangen in Frage. Doch woher kommen unsere Bestrebungen in diesem System zu leben? Und wie werden wir darauf vorbereitet?

Im Laufe unserer Entwicklung unterliegen wir einer Vielzahl von Beeinflussungen. Die wohl prägendsten Erfahrungen machen wir schon im Kindesalter im Kreise der Familie. Laut Parsons2 ist sie der primäre Ort der Sozialisation, einem Prozess, der junge Menschen für das Leben in der Gesellschaft vorbereiten soll. Dabei kommt es besonders darauf an, die kulturellen Werte zu übernehmen und die verschiedenen Rollen, die in der Gesellschaft gelten, zu erlernen. Wobei die Rolle als Schnittpunkt von Persönlichkeit, sozialem und kulturellem System im Sinne Parsons zu verstehen ist.

Schon in der Familie werden Werte und Normen im Rahmen der elterlichen Erziehung3 vermittelt. Wir orientieren uns an den Wertvorstellungen unserer Eltern, ggf. auch an ihrem sozialem Stand und Beruf. Zusammen mit der Institution Schule vermitteln sie das nötige Handwerkszeug um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden, wie Benehmen, Regeln und Sprache. Gerade auf das Verhalten gegenüber anderen wird dabei viel Wert gelegt. Wie verhalte ich mich in bestimmten Situationen? Oder worin liegt der Unterschied des Verhaltens im Freundeskreis oder gegenüber Autoritätspersonen? Oder bei gleich- oder gegengeschlechtlichem Gegenüber? Dieses auf gegenseitiger Achtung und Rücksicht beruhende zwischenmenschliche Verhalten ist ein Garant dafür, dass Menschen miteinander leben können.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Verständnis von Moral4. Jeder muss in der Lage sein zu erkennen, was er darf und was nicht, manchmal auch wann er etwas darf und wann nicht. Dieses selbstgesteuerte Einschränken der Persönlichkeit aber auch die Orientierung an einem für alle geltenden Begriff des „richtigen Handelns“ muss erlernt werden. In der folgenden Arbeit möchte ich zwei Aspekte der Sozialisation besonders betrachten. Zum einen den Prozess der Moralentwicklung und zum anderen das Aneignen und Übernehmen sozialer Rollen. Ich werde zunächst die Moralentwicklung eines Individuums in seinen verschiedenen Stufen erläutern. Danach möchte ich mich dem Begriff der sozialen Rolle widmen und herausstellen, warum es so bedeutend ist, sich die Fähigkeit, diese übernehmen zu können, anzueignen.5

2. Moralentwicklung nach Kohlberg

2.1 Die Stufen der moralischen Entwicklung

Unter Moralentwicklung versteht man jene Aspekte der Sozialisation, die am Prozess der Internalisierung6 beteiligt sind. (vgl. Kohlberg 1974, S. 7) Ein Individuum soll lernen, den Regeln zu entsprechen, auch wenn keine Überwachung stattfindet und es keine Sanktionen gibt. Bereits Piaget7 versuchte im Rahmen seiner Untersuchungen die Stufen moralischen Urteilens bei Kindern empirisch durch Interviews und Beobachtungen zu bestimmen. Er schilderte den Übergang von der Fremdbestimmung zur Selbst- bestimmung. Diese Forschungsergebnisse wurden von Lawrence Kohlberg aufgegriffen, und auf deren Grundlage untersuchte er die Stufen der moralischen Entwicklung. Er benutzte hypothetische Dilemmata8 anhand von Geschichten, in denen sich meist zwei miteinander unvereinbare, moralische Werte gegenüberstanden und auch jeder mögliche Lösungsansatz gegen eine moralische Norm verstieß. (vgl. Busch 2008, S. 4-5) Das wohl Bekannteste hiervon ist das sogenannte Heinz-Dilemma: Die Ehefrau von Heinz liegt im Sterben und kann nur durch ein teures Medikament gerettet werden. Heinz hat aber das Geld nicht, um es in der Apotheke zu kaufen. Soll er es stehlen? (vgl. Baumgart 2008, S. 194-196) Für Kohlberg stand bei der Beantwortung nicht die Entscheidung, sondern die Begründung im Mittelpunkt des Interesses. Moral im Sinne Kohlbergs umfasst Gefühle, Gedanken und Handlungen, doch erst das Urteil verleiht diesen das spezifisch Moralische. Das heißt, dass nicht jede Hilfeleistung auch moralisch sein muss. Wird beispielsweise Freundlichkeit gegenüber anderen durch eigennützige Überlegungen begründet, so ist das Verhalten nicht moralisch. Lawrence Kohlberg entwickelte ein hierarchisches Stufenschema der Entwicklung des moralischen Bewusstseins des Individuums. Innerhalb dieses Schemas geht er von drei Hauptstufen mit je zwei Unterstufen aus (vgl. Kohlberg 1974, S. 100ff.):

I. Vorkonventionelle Stufe
a) Strafe und Gehorsam
b) naiver instrumenteller Hedonismus9
II. Konventionelle Ebene
a) Interpersonale oder Gruppenperspektive
b) Gesellschaftsperspektive
III. Nachkonventionell
a) sozialer Kontrakt
b) universelle ethische Prinzipien

Die sechs Stufen beschreibt Kohlberg folgendermaßen (vgl. Baumgart 2008, S.183-184): In der ersten Entwicklungsstufe richtet sich das Kind nach bisher erfahrener Belohnung oder Strafe. Es versucht angenehme Situationen zu erfahren und Strafen zu vermeiden. In der zweiten Stufe weiß das Kind, dass alle Menschen eigene Bedürfnisse haben und strebt danach, dass alle zusammen gut weg kommen. Wenn man bedenkt, dass dem Kind demnach schon ein Verständnis für Gerechtigkeit und Fairness unterstellt wird, stellt diese Stufe eine enorme Steigerung zur ersten dar. In der dritten Stufe versucht das Kind so zu handeln, dass es anderen gefällt und deren Zustimmung erlangt. In der vierten Stufe orientiert sich das Kind an Recht und Ordnung, und der Erhalt der sozialen Ordnung um ihrer selbst willen hat oberste Priorität. In Stufe fünf wird besonders auf Verfahrensregeln zur Konsensbildung wert gelegt, da man sich der Vielschichtigkeit individueller Meinungen bewusst ist. Das rechte Handeln wird bestimmt im Sinne von Maßstäben, die von der gesamten Gesellschaft überprüft und akzeptiert worden sind.

[...]


1 in der Soziologie: eine größere Gruppe zusammenlebender Menschen, die direkt oder indirekt miteinander interagieren

2 Talcott Parsons: (geb. 1902 in Colorado Springs, gest. 1979 in München), amerik. soziologischer Theoretiker

3 gemäß Duden: jemandes Geist und Charakter zu bilden und seine Entwicklung zu fördern

4 aus dem Lateinischen moris - Sitte, die Achtung vor einem System von Regeln menschlichen Miteinanders

5 Lawrence Kohlberg (geb. 1927 in New York, gest. 1987), amerikanischer Psychologe und Professor der Erziehungswissenschaft

6 In Sozialwissenschaften: die Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte, Sitten, Normen und sozialer Rollen im Rahmen der Sozialisation und der Erziehung

7 Jean Piaget (geb. 1896 in Neuchatel, gest. 1980 in Genf), Schweizer Entwicklungspsychologe

8 eine Situation, die zwei Wahlmöglichkeiten bietet, welche beide zu einem unerwünschten Resultat führen

9 Lust als höchstes Gut

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656127505
ISBN (Buch)
9783656128557
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188914
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Moralentwicklung soziale Rollen Rollentheorie

Autor

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Titel: Moralentwicklung und Übernahme sozialer Rollen