Lade Inhalt...

Identität, Individualität und Lebensstil am Beispiel des Hardcore-Punk

Jugendkulturen im 21. Jahrhundert

Studienarbeit 2011 20 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Individuum und Identität
2.1 Individuum
2.2 Die Geburtsstunde des (HC) Individuums
2.3 Identifizierung
2.4 Identität
2.5 Kollektive Identität /der Hardcoregedanke
2.6 Gemeinschaft

3. Was ist Hardcore?
3.1 Der Begriff Hardcore
3.2 Szenebegriff
3.2.1 Hardcoreszene
3.3 Geschichte der Hardcoremusik
3.3.1 Hardcore und Metal (Zusammenhänge)
3.4 Das Aussehen (der Look)
3.5 Fakten und Daten

4.Individualität
4.1 Individualität im HC- DIY (Do it yourself)

5. Lebensstil
5.1 Definition von Lebensstil
5.2 Hardcore Lebensstil
5.2.1 Konzerte
5.2.2 Grundsätze

6.Fazit

1.Einleitung

Wer bin ich? Was will ich sein? Wo ist mein Platz in der Gesellschaft?

Oft gestellte Fragen, die viele mit der Suche nach der wahren Identität zu beantworten versuchen. Häufig legen sich dabei Menschen, vor allem Jugendliche, gewisse Synonyme zu, in dem sie sich zu Jugendkulturen mit ihren Musikstilen zugehörig fühlen und ihr Leben dementsprechend anpassen, sei es als eine Art Protest, der Gedanke von Freiheit oder eine Form von Individualität des Einzelnen. Im Grunde genommen wollen sie alle nur etwas sein oder darstellen. So versucht jeder auf eine gewisse Art zu leben und sich auszudrücken. Musik als Medium stellt dabei eine wichtige Rolle dar, zumindest bei Jugendlichen. Deshalb sind viele dazu geneigt durch eine Übernahme unverwechselbarer Merkmale, wie z.B. des Kleidungsstils, einer Szenezugehörigkeit und auch des Glaubens an unabhängige Strukturen, sich eine spezifische Identität zuzulegen.

Die Hardcore-Punk Bewegung, die sich 1980 ins Leben rief und aus der ursprünglichen Punkbewegung entstand, stellt für viele Jugendliche bis heute noch eine entscheidende Form der Unabhängigkeit dar. Grundsatzgedanken der Szene werden übernommen und personifiziert und als ein Symbol von Freiheit verinnerlicht. Hardcore ist mehr als nur die Musikrichtung, sie ist Ausdruck und Lebensstil zugleich. Für viele ist sie ein Zufluchtsort in die Gemeinschaft Gleichgesinnter, die man auf Konzerten mittels von eigenen Tanzstilen und kollektiven Gesängen fast schon militant zelebriert. Das Hardcore-Punk Konstrukt, das sich über die Jahre hinweg zunehmend von der einstigen Punkszene herauskristallisiert und selbst montiert hat, ist nach und nach zu einer eigenen Subkultur gewachsen. Aus dem Begriff Hardcore-Punk entstand der Überbegriff Hardcore (HC), der sich weiter spezifizieren lässt und sich bis heute hin mehrfach neu erfunden hat.

Eine Identität zu haben, ist sich eine Form und eine Farbe zu geben, sei es durch das Anschließen an ein System oder einen Inhalt. Die non- kommerziellen Wurzeln des Hardcore kanalisieren und kompensieren Unzufriedenheit mit den Normen und bringen dies in Form von schneller, brachialer Musik zum Ausdruck. Moral, Loyalität, Einheitsgedanken, teilweise politische und soziale Texte, aber auch dem gegenüberstehend Hass, Aggression und Gewalt, zeichnen ein Bild des bipolaren Selbstverständnisses der Anhänger dieser Lebensweise.

Für die Soziale Arbeit ist es wichtig sich mit unterschiedlichen Kulturen, auch mit Subkulturen zu befassen, wie auch der HC- Kultur. Diese Kulturen gilt es zu kennen und zu verstehen.

In der folgenden Studienarbeit wird der Prozess der Identitätsfindung, der Individualitätsfaktor und der daraus resultierende Lebensstil am Beispiel Hardcore verdeutlicht und die Hardcorebewegung von damals bis heute beleuchtet.

2.Individuum und Identität

Um sich dem Phänomen des Hardcore Punk bzw. Hardcore zu nähern und den Prozess der Identitätsfindung zu erklären, müssen vorab die einzelnen Einheiten des Gesamtkonstrukts beschrieben werden.

2.1 Individuum

Der Begriff Individuum leitet sich aus dem lateinischen Wortstamm ab und bedeutet soviel wie „Unteilbares“ (vgl. Keupp, 2005, S.804). „Eine einzelne Person in ihrer von anderen Personen unterscheidbaren Verknüpfung spezifischer Merkmale.“ (Keupp, 2005, S.804) Individuell sein bedeutet, individuelle Besonderheiten zu haben und sich durch seine eigene „naturale Ausstattung“ (Keupp, 2005, S.804) und durch das Verknüpfen von kulturellen Einflüssen seine eigene Persönlichkeit zu definieren.

„Die Unteilbarkeit wird vor allem dann wichtig, wenn soziale Differenzierungsprozesse dazu führen, dass ein Mensch in verschiedenen Rollen auftritt.“ (Junge, 2002, S.29)

2.2 Die Geburtsstunde des (HC) Individuums

Nach Platon oder Aristoteles „ist das Verhältnis von Gesellschaft und Individuum höchst unterschiedlich gedacht worden.“ (Keupp, 2005, S 805) Platon geht davon aus, dass der einzelne Mensch gesellschaftlich zu einem sozialen Wesen erzogen wird. Nach Aristoteles ist der Mensch von seiner Natur aus gesellschaftlich und bringt die Fähigkeit mit Beziehungen mit anderen Menschen einzugehen. So können sich beispielweise Familie, Gruppen, Cliquen, Sippen, Stämme und auch wie in diesem Fall Jugendbewegungen wie die Hardcorebewegung entwickeln (Vgl. Keupp, 2005, 806). Wenn man den Einzelnen als Subjekt bezeichnet, kann man verweisend auf den Wortstamm von Subjekt, auch von Unterworfenen sprechen. Allgemein kann man sagen, dass das Individuum sich einen Mantel anzieht, der spezifische und kulturelle Motive bündelt und bei Bedarf jederzeit wieder ausziehen kann (Vgl. Keupp, 2005, S.807). Im Grunde genommen ist diese Fähigkeit in fast allen Gruppierungen, wie auch in der Hardcoreszene zu finden. Um vom menschlichen Grundbedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit ausgehend, sowie dem Streben nach individueller Sinnbestimmung zu folgen, ist die Zuordnung zu einer Gruppe bzw. eines Identitätskonstrukts, welches für viele Jugendliche eine Art Selbstfindungsprozess darstellt, die Folge (vgl. Keupp, 2005, S.807f.).

2.3 Identifizierung

Um nach und nach seine Identität aufzubauen und den Selbstfindungsprozess zu beschleunigen, bedarf es einer Identifikation mit zentralen Merkmalen sowie einer Anpassung an die eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen mit sich deckenden Eigenschaften (vgl. Roth, S.1668). So sind im HC beispielweise Begriffe wie Einheit (unity) und Gemeinschaftlichkeit, Non-Konformismus, Non-Kommerzialismus , AntiStatus quo oder auch Protest und Rebellion mitunter verankert. Viele Jugendliche fühlen sich von diesen Begrifflichkeiten angesprochen und entdecken sich selbst in diesem Konstrukt wieder. Der Freundeskreis innerhalb der Szene stellt einen bedeutenden Faktor des Dazugehörigkeitsgefühls dar.

Die innere und äußere Welt des Einzelnen wird zusammengeführt und mit Handlungsenergie geladen. Dadurch entsteht ein Eindruck von einer gelungenen Lebensweise. Dieser Zustand sollte allerdings auch kritisch begutachtet werden. Sozialwissenschaftler wie Adorno oder Foucault sehen den Begriff Identität als eine ideologische Versöhnung zwischen Subjekt und Gesellschaft der, „…als gäbe es gelingendes Leben in einer Gesellschaft, die subjektive Lebenswünsche systematisch zerstört, entfremdet und beschädigt.“(Keupp, 2005, S. 810) Deswegen müssen bei der alltäglichen Identitätsarbeit, der Identifizierung, auch die „Identitätszwänge“ (Keupp, 2005, S.810) die daraus resultierenden Verbiegungen sowie Beschädigungen und nicht nur die gewonnene Handlungsfähigkeit gesehen werden (vgl. Keupp, 2005, S.810).

2.4 Identität

„Das Konstrukt Identität verweist auf das menschliche Grundbedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit,...“ (Keupp, 2005, S.807). Folglich bedeutet dies, dass sich der Einzelne (das Individuum) im sozial- gesellschaftlichen Kontext einen akzeptablen Ort der Daseinsentwicklung sucht, um anerkannt zu werden und sich dazugehörig zu fühlen. Die Identität, als persönliche Sinngebung, soll das Eigene und sozial Akzeptable sichtbar machen. Auf der Grundlage der Selbstreflexion zwischen innerer und äußerer Welt wird ein Kompromiss zwischen Eigensinn und Anpassung getroffen. Der Identifizierungsprozess z.B. bei Jugendlichen kann somit auch als Selbstfindungsprozess verstanden werden. Jeder neue Tag bedeutet konzeptionell die Suche nach neuen Erfahrungen, also im eigenen Leben und seiner Umwelt. Beide Funktionen, also das von sich selbst gew ü nschte und notwendige Gefühl müssen miteinander harmonieren, um eine Art Befriedigung zu erlangen. Des weiteren geht es dem Einzelnen dabei um Akzeptanz und die Sicherung der gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit. Sich mit etwas zu identifizieren kann dabei aus unterschiedlichen persönlichen und gesellschaftlichen Aspekten begründet sein (vgl. Keupp, 2005, S.807).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656127628
ISBN (Buch)
9783656128823
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188758
Institution / Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,8
Schlagworte
Hardcore Punk Lebensstil Identitätsfindung DIY Definition Hardcore Hardcoreszene Was ist hardcore? Jugendkulturen im 21. Jahrhundert Individuum und Identität Metal und HC Punk und Hardcore Bewegung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Identität, Individualität und Lebensstil am Beispiel des Hardcore-Punk