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John Locke und die Begründung der Menschenrechte

Hausarbeit 2011 29 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abkürzungsverzeichnis

2. Einleitung

3. John Locke und die Begründung der Menschenrechte
3.1 John Locke
3.1.1 Historische Einordnung von John Locke
3.1.2 Hauptwerk „Two Treatises of Government“
3.1.3 Zusammenfassung
3.2 Das Staatsverständnis des John Locke
3.2.1 Der Naturzustand
3.2.2 Das Eigentum
3.2.2.1 Natürliches Eigentum
3.2.2.2 Eigentum nach Einführung der Geldtheorie
3.2.3 Der Gesellschaftsvertrag
3.2.3.1 Allgemeines
3.2.3.2 Die Gewaltenteilung
3.2.3.3 Die Revolution
3.2.4 Zusammenfassung
3.3 Die Menschenrechte bei John Locke
3.3.1 Vom Natur- zum Menschenrecht
3.3.2 Recht auf Leben
3.3.3 Recht auf Freiheit und Gleichheit
3.3.4 Recht auf Eigentum
3.3.5 Recht auf Widerstand (Revolution)
3.3.6 Zusammenfassung
3.4 Kritik am Menschenrechtsverständnis von John Locke
3.4.1 Die theologische Begründung
3.4.2 Der Vorzug der wohlhabenden Gesellschaft
3.4.3 Zusammenfassung
3.5 Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung

„Deshalb scheint es mir gerechtfertigt, Locke als den eigentlichen ,Vater der Menschenrechteʻ zu bezeichnen.“ (König 1994: 118) Dieser Satz ist ein Fazit in Königs Buch „Zur Begründung der Menschenrechte“. Der Satz spiegelt zugleich das Interesse dieser Arbeit wieder.

Locke stellte mit seinem Werk „Two Treatises of Government“ eine politische Theorie in den Raum, welche die Politikwissenschaft bis heute beschäftigt. Das Schriftstück zeugt von Lockes hoher Allgemeinbildung und seinen umfassenden Interessen. Er hat mit diesem Werk entscheidend das liberale Staatsverständnis, die politische Ökonomie – so wie sie später von Adam Smith formuliert wurde – und eben auch die Menschenrechtserklärungen in den USA mitgeprägt. Wie König bereits erwähnt, gilt er durch dieses Werk als „Vater der Menschenrechte“.

Diese vorliegende Arbeite möchte insbesondere Antworten auf die folgenden Fragen geben: Kann John Locke als „Vater der Menschenrechte“ bezeichnet werden? Wenn ja, was sind die Menschenrechte, welche er begründet? Wie leitet er die Menschenrechte her und was sind eventuelle Kritikpunkte in seiner Theorie?

Auf den folgenden Seiten kann kein Vergleich zum Staatsdenker Thomas Hobbes erfolgen. Zwar wäre dies ein durchaus spannender Vergleich, jedoch würde dies den Umfang dieser Arbeit enorm steigern. Dennoch wird es den einen oder anderen Verweis zu Hobbes geben, ohne dass ich näher darauf eingehen werde. Ferner wurde sich in dieser Hausarbeit ausschließlich mit dem Werk „Two Treatises of Government“ beschäftigt, wenngleich frühere und ältere Schriften Lockes ebenfalls den einen oder anderen Hinweis auf das zu behandelnde Thema enthalten. Des Weiteren ist eine erschöpfende Auslegung der „Two Treatises of Government“ in dieser Arbeit nicht gegeben.

Die Literaturlage und der damit einhergehende Forschungsstand ist befriedigend. Literatur zu Locke im Allgemeinen und zu dem Werk „Two Treatises of Government“ existiert zur Genüge. An dieser Stelle sei auf die Werke von Walter Euchner verwiesen. Was das Thema Menschenrechte und John Locke angeht, so bedarf es oftmals ein „zwischen den Zeilen lesen“ in den verschiedensten Monographien. Ein Werk, welches sich umfassend, aber nach meiner Ansicht nicht erschöpfend, mit dem Thema auseinandersetzt, ist das Buch: „Zur Begründung der Menschenrechte: Hobbes – Locke – Kant“ von Siegfried König.

Die Arbeit beginnt mit dem historischen Blick auf John Locke. Es folgt eine Einordnung des Werkes bevor anschließend eine ausführliche Auseinandersetzung mit Lockes Naturzustand steht, aus welchem er die Menschenrechte ableitet. Im Anschluss daran findet sich die Vertiefung zu den Menschrechten. Daran schließt sich ein Teil an, welcher einige Kritikpunkte an Lockes Theorie offenlegt, bevor sich schlussendlich das Fazit dieser Arbeit findet.

3. John Locke und die Begründung der Menschenrechte

3.1 John Locke

3.1.1 Historische Einordnung von John Locke

Um die Aussagen von John Locke richtig zuordnen zu können, bedarf es zunächst der historischen Einordnung des Lebens von Locke. Im Jahr 1632 kam Locke in Südengland zur Welt. Er wurde in eine bürgerliche Familie hineingeboren und war ein wissbegieriger Bürger. Zunächst besuchte er die damals sehr angesehene aristokratische Westminster School, „[…] wo er streng royalistisch erzogen wurde.“ (Schwan 1993: 190) Später studierte er am Christ Church College in Oxford die verschiedensten Geistes- und Naturwissenschaften. (vgl. Euchner 2001: 16) Jedoch konnte er am College „das überkommene aristotelische-scholastische Weltbild, das in Oxford immer noch gelehrt wurde, […] mit seinen Einsichten auf naturwissenschaftlichen und moralphilosophisch-politischem Gebiet nicht vereinbaren.“ (Ebd.: 16) Locke wurde zunächst einmal Arzt „ […] und als solchem [ging] es ihm um konkreten Befund und empirisches Experiment, ein Interesse, das ihm dann auch bei seinen späteren philosophischen und politiktheoretischen Bemühungen [leitete].“ (Schwan 1993: 190) Ferner kam Locke frühzeitig mit der Politik in Berührung. In diesem Zusammenhang ist vor allem das Aufeinandertreffen mit Lord Ashley[1] erwähnenswert. Dieser war als Whig[2] -Politiker bekannt und zudem ein starker Opponent der damaligen Königsfamilie Stuart. (vgl. Euchner 2001: 16) „Dieser Kontakt weitete [.] [John Lockes] Horizont, vor allem in praktischen Fragen, denn Ashley war ein Liberaler, in Wirtschafts-, vor allem Außenhandelsfragen versiert und an philosophischen Problemen interessiert.“ (Ebd.: 16 f.)

In Lockes politischer Theorie ging er vor allem der Frage auf den Grund, inwieweit und wodurch die Herrschaft der Obrigkeit legitimiert würde. Zur damaligen Zeit waren vor allem zwei Theorien zum o.g. Thema vorherrschend. (vgl. Euchner 2001: 17) „Die erste lautete, die Staatsgewalt, vor allem das Recht der Könige, ließen sich aus der göttlichen Ordnung ableiten, während die zweite einen Zwischenschritt annahm: Herrschaft sei nur legitim, wenn sie den Herrschern auf Grund eines Vertrages zwischen den späteren Bürgern übertragen worden sei.“[3] (Ebd.: 17) In den Ausführungen von Locke wurden die Erfahrungen des englischen Bürgerkrieges mit verarbeitet. Ferner ist zu bemerken, dass Locke insbesondere in seinen jungen Jahren unter dem Einfluss der Theorien des Thomas Hobbes stand.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass Locke mit seiner Idee vom Staat „[…] das liberale Weltbild [begründete] und [.] damit das Entstehen der revolutionären Verfassungen Frankreichs und der USA beeinflusst [hat].“ (Euchner 2001: 28)

Im Jahr 1704 starb John Locke. Euchner schreibt zusammenfassend über die Person Lo>

3.1.2 Hauptwerk „Two Treatises of Government“

Wie bereits dem Namen des Werkes zu entnehmen ist, handelt es sich bei „Two Treatises of Government“ – welches 1689 erschien – um zwei Abhandlungen über die Regierung. Jedoch sind die beiden Abhandlungen nicht geschrieben wurden, um etwa die Glorious Revolution[4] zu rechtfertigen. Heute ist bekannt, dass die Arbeiten zu den Abhandlungen bereits im Jahr 1679 begannen.

Die erste Abhandlung[5] beschäftigt sich ausschließlich mit den Argumenten des damaligen Royalisten Sir Robert Filmer, welcher die uneingeschränkte Macht des Königs zur damaligen Zeit postulierte[6]. So vertrat Filmer bspw. die Auffassung: „[…] Die [Könige] könnten über ihre Untertanen unumschränkt herrschen, weil Gott Adam die absolute Gewalt über die Schöpfung verliehen habe und die heute lebenden Monarchen als Erben Adams anzusehen seien.“ (Euchner 2001: 19) Locke argumentiert in dieser ersten Abhandlung ebenfalls theologisch und vertritt zu dem o.g. Argument Filmers die Ansicht: „Gott habe die Schöpfung nicht Adam allein, sondern der gesamten Nachkommenschaft von Adam und Eva übergeben.“ (Ebd.: 19) Letztlich ist die erste Abhandlung weniger interessant für diese Hausarbeit, wenngleich sie eindrucksvoll zeigt, wie zur damaligen Zeit „[…] politische Kontroversen literarisch ausgetragen wurden.“ (Euchner 1992: 26) Allerdings ist es nicht so, dass die beiden Abhandlungen in keiner Beziehung zueinander stehen. Demnach ist bei Held zu lesen: „Indem die erste Abhandlung den Ausgangspunkt der zweiten Abhandlung begründet, gewinnt Lockes Werk wesentliche analytische Tiefe.“ (Held 2006: 41)

Wie bereits o.g., kommt im zweiten Teil die politische Theorie Lockes in Gänze zum Tragen, welche Gedanken zu den Grundrechten, der Gewaltenteilung und zum Widerstandsrecht einschließt. (vgl. Siep 2007: 202) In seiner zweiten Abhandlung beschäftigte Locke sich damit, „[…] wie Entstehung, Zweck und Institutionen eines Regierungssystems zu denken seien, die von freien Menschen als legitim anerkannt werden können.“ (Euchner 2001: 19) D.h., er unternimmt den Versuch eine Theorie zu entwickeln, welche die Legitimation politischer Herrschaft rechtfertigt. Hierzu versucht er Antworten auf die Fragen zu geben: Was ist der Ursprung staatlicher Herrschaft? Wie groß darf die Reichweite staatlicher Herrschaft sein? Und was ist der Zweck staatlicher Herrschaft? (vgl. Kersting 1994: 109) Diese Fragen finden sich dementsprechend auch im Titel der zweiten Abhandlung wieder, der da lautet: Über den wahren Ursprung, die Reichweite und den Zweck der staatlichen Regierung.

3.1.3 Zusammenfassung

Die angeführten Fakten verdeutlichen, dass John Locke ein sehr gebildeter Staatsdenker war, welcher zeitlich zwischen Hobbes und Montesquieu in der politischen Theorie- und Ideengeschichte einzuordnen ist. In der einschlägigen Literatur wird Locke oftmals als einer der wichtigsten Klassiker beschrieben. (vgl. bspw. Euchner 2001: 16) Lockes Ideen und die Bedeutung für die Nachwelt fasst Siep zusammen: „Lockes politische Philosophie war von großer Bedeutung für die Entwicklung der konstitutionellen Monarchie in England, für die Amerikanische Revolution und ihr bis heute im wesentlichen konstantes Rechts- und Verfassungsverständnis, aber auch für die Entwicklung der parlamentarischen und rechtsstaatlichen Demokratien in aller Welt.“ (Siep 2007: 202)

3.2 Das Staatsverständnis des John Locke

3.2.1 Der Naturzustand

Der Naturzustand beschreibt bei den Klassikern der politischen Theorie die soziale Ausgangssituation, bevor überhaupt irgendeine Regel oder Institution existiert. D. h., es wird der Zustand dargestellt und erläutert, welcher besteht bevor ein politisches System das Leben der Menschen regelte. Bei Locke finden sich diese Ausführungen in der zweiten Abhandlung im zweiten Kapitel.

Zunächst muss unterschieden werden, ob Locke von einem historisch-empirischen oder fiktiven Naturzustand spricht. Diesbezüglich sind sich die Locke behandelten Autoren nicht vollkommen einig und demnach stehen nach Held drei Thesen im Raum. Die erste ist die sogenannte Empirismusthese[7]. Bei dieser These wird davon ausgegangen, dass Locke bei seinen Betrachtungen zum Naturzustand teilweise die Entwicklungsgeschichte der Menschheit im Blick hatte. Die Vertreter dieser These „[…] sehen im Naturzustand Lockes einen der bürgerlichen Gesellschaft vorausgegangenen historischen Status, der als Negativ des Staates bezeichnet werden könnte.“ (Held 2006: 51) Eine zweite These ist die juristisch-moralische[8]. Die Befürworter dieser These gehen davon aus, dass Locke bei den Überlegungen des Naturzustandes alle empirisch-historischen Hintergründe ausgeblendet hatte und nur mit einem Gedankenmodell arbeitete. Denn nur so besteht – nach Meinung der Vertreter dieser These – die Möglichkeit, den Ursprung des Zusammenlebens zu ergründen. Die dritte Möglichkeit der Betrachtung sieht eine Synthese[9] aus den ersten beiden Thesen vor. Hier geht man davon aus, dass der Ursprung bei Locke theoretisch hergeleitet ist, allerdings empirische Aspekte sein Theorem untermauern. (vgl. Ebd.: 50 ff.) Ich persönlich teile in dieser Arbeit die folgende Auffassung von Held, welche in Lockes Naturzustand eine fiktive Herkunft sieht: „Der Naturzustand ist [.] nichts weiter als eine analytische Methode, die dazu dient, durch die konstruierte Abwesenheit sämtlicher Ordnungsinstanzen den Grad der Vergesellschaftungsfähigkeit der Individuen aufzuzeigen.“ (Ebd.: 53 f.)

Konkret beschreibt Locke im Naturzustand drei Eigenschaften, welche dort zum Tragen kommen und unter Kapitel 3.3 auch die Menschenrechte bilden. Diese sind: Freiheit, Gleichheit und Gemeinbesitz (Eigentum). Unter Freiheit versteht Locke folgendes und beschreibt dies in seiner zweiten Abhandlung im zweiten Kapitel § 4: „Es ist ein Zustand vollkommener Freiheit, innerhalb der Grenzen des Gesetzes der Natur ihre Handlungen zu regeln und über ihren Besitz und ihre Persönlichkeit so zu verfügen, wie es ihnen am besten scheint, ohne dabei jemanden um Erlaubnis zu bitten oder vom Willen eines anderen abhängig zu sein.“ (Siep 2007: 13) Dies impliziert, dass keiner das Recht hat, in irgendeiner Weise über einen anderen zu herrschen. Des Weiteren ist nach Lockes Ansicht Freiheit nur denkbar, wenn sie an das Naturrecht gebunden ist. Nur so ermöglicht es dem Einzelnen persönlichen Vorteil und Glück. (vgl. Held 2006: 54) Einen weiteren zentralen Punkt im Naturzustand bildet die bereits oben erwähnte Gleichheit. Die Erklärung bei Locke findet sich ebenfalls im § 4 des zweiten Kapitels der zweiten Abhandlung: „Es ist darüber hinaus ein Zustand der Gleichheit, in dem alle Macht und Rechtsprechung wechselseitig sind, da niemand mehr besitzt als ein anderer.“ (Siep 2007: 13) Nach der genannten Aussage Lockes, kann der Gleichheitsbegriff in zwei Punkten nochmals aufgespalten werden. Demnach ist unter Gleichheit zum einen Gleichheit in der Rechtsprechung zu verstehen und zum anderen Gleichheit des Besitzes. Locke ist dabei bewusst, dass alle Menschen mit unterschiedlichen Begabungen ausgestattet sind, jedoch geht er davon aus, dass allen die gleichen Rechte im Naturzustand zukommen. Diese Bestimmungen haben allerdings auch zur Folge, dass jedem Menschen im Naturzustand die Exekutivgewalt zukommt. Hierfür hält Locke in seiner Abhandlung bereits die Höhen der Strafmaße bereit, welche im Übrigen im späteren Staat die gleichen sind. Diese Aussagen Lockes suggerieren, dass sein Naturzustand quasi auch ein Rechtszustand ist.

[...]


[1] Später Graf Shaftesbury

[2] Liberale Partei der damaligen Zeit

[3] Sog. Sozialvertragslehre

[4] Fand statt 1688/1689

[5] Der ersten Abhandlung wird in der Wissenschaft nur eine geringe Bedeutung zugemessen.
Des Weiteren erfordert sie Bibelfestigkeit, da hauptsächlich theologisch argumentiert wird.

[6] Die Argumente finden sich in der 1680 erschienen Schrift: Patriarcha or the Natural Power of
Kings

[7] Anhänger dieser These: Leo Strauss, Richard H. Cox

[8] Anhänger dieser These: Ch. Monson, Sir Francis Pollock, Martin Seliger, John Dunn

[9] Anhänger dieser These: Richard Ashcraft, Hans Aarsleff

Details

Seiten
29
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656127666
ISBN (Buch)
9783656128861
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188738
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
Schlagworte
John Locke Klassiker Politscher Denker Menschenrechte Natürliche Rechte Volkssouveränität Begründung Naturrecht Liberalismus USA Unabhängigkeitserklärung

Autor

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