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Einfluss von Country Of Origin Effekten auf Anbieter Digitaler Informationsgüter

Hausarbeit 2011 34 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

II Tabellenverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

1 Forschungsfrage und Ziel der Studie

2 Literaturüberblick
2.1 Strategie und Grad der Internationalisierung multinationaler Unternehmen
2.2 Komparative Vorteile von (Heimat-) Marktökonomien
2.3 Internet, Digitale Ökonomie und Digitale Informationsgüter
2.3.1 Digitale Ökonomie
2.3.2 Internet und Strategie
2.3.3 Die Natur Digitaler Informationsgüter

3 Anbieter von Digitalen Informationsgütern

4 Forschungsfrage und Hypothesen

5 Methodik

6 Fallstudie eBay
6.1 Geschäftsmodell
6.2 Organisation und Dienstleistungen
6.3 Internationalisierungsprozess

7 Analyse und Diskussion der Ergebnisse
7.1 Grad der Internationalisierung des Unternehmens eBay
7.2 Internationalisierungsstrategie und Organisationskontrolle
7.3 Weltweite Technologisierung

8 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: How the Internet Influences Industry Structure

Abb. 2: eBay als Schnittstelle zwischen Käufern und Verkäufern

Abb. 3: eBay - Geschäftsbereiche und Services

Abb. 4: eBay - weltweite Nutzer 1996 - 2009

Abb. 5: eBay - Gross Merchandise Volume 1996 - 2009

Abb. 6: eBay - Umsatz 1999 - 2009

Abb. 7: eBay - Mitarbeiter 1996 - 2009

Abb. 8: Sprachen der weltweiten Internetnutzer

II Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: eBay - Internationalisierung

Tabelle 2: eBay - Markteintritt und Organisationskontrolle

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Forschungsfrage und Ziel der Studie

„Der Wirbel an den Finanzm ä rkten um Soziale Online-Netzwerke wie Facebook oder Twitter geht weiter. Nach Goldman Sachs nimmt mit JP Morgan Chase offenbar eine weitere US-Investmentbank die erfolgreichen Internetfirmen ins Visier. [ … ] Goldman Sachs hatte zuletzt einen Anteil an Facebook erworben, dessen Kaufpreis f ü r das Kontaktnetzwerk einen Marktwert von 50 Mrd. Dollar (ca. 37 Mrd. Euro) implizierte. Das ist etwa so viel wie beim Autokonzern BMW.“ (Höfling (2011), S. 1)

Der Mythos Facebook: Das im Jahr 2004 in den USA gegründete Unternehmen ist mit seinen Standorten in 12 Ländern vertreten und zählt weltweit bereits 600 Millionen Nutzer, Tendenz steigend. Die Plattform ermöglicht es dem Studenten in Indien, mit dem Praktikanten in Japan zu kommunizieren. Die im Jahr 2010 eingeführte Applikation Marketplace, eine Synthese aus Online-Kleinanzeigen, Immobilien- und Automobilmarkt macht es erstmals möglich, das von eBay geschaffene Geschäftsmodell des Web- basierten person-to-person Marktplatzes mit „Freunden“ zu teilen. eBay schuf 1995 als Pionier ein neues Geschäftsmodell und kreierte einen neuen Markt, dem der Online- Auktionen. Der Wettbewerb innerhalb dieses wird nach wie vor von eBay bestimmt (vgl. Porter (2001), S. 67).

Die beiden genannten Unternehmen haben folgende Gemeinsamkeiten: sie sind mit einer weltweit anerkannten und starken Marke für den Nutzer präsent und ihre Services sind unabhängig vom Unternehmensstandort rund um die Uhr nutzbar. Sie können der Branche der „ Digital Information Goods Provider“ zugeordnet werden (vgl. Mahnke/Venzin (2002), S. 1). Und sie vertreiben keine physikalischen Güter. Während in der bisherigen Literatur zum Thema Internationalisierung vornehmlich Unternehmen des produzierenden Gewerbes und mit physikalischen Gütern betrachtet wurden, wurden Unternehmen, die ausschließlich digitale Informationsgüter bzw. Dienstleistungen anbieten und bei denen durch die zunehmende Verbreitung des Internets Standortfaktoren auf den ersten Blick eine untergeordnete Rolle spielen, bisher - sit venia verbo - eher stiefmütterlich behandelt. Mit zunehmender Digitalisierung und globaler Vernetzung werden Marktzugangsrisiken abgebaut, die traditionelle Standortgebundenheit aufgehoben und eine unverkennbare Senkung von Transport- und Transaktionskosten festgestellt (vgl. Deutscher Bundestag (2002), S. 261). Diese Tendenz wurde in der Literatur bereits aufgegriffen (vgl. Porter (2001), S. 6). Es stellt sich also die Frage, inwieweit die bisherigen akteurs- und institutionentheoretischen Ansätze der Country Of Origin Theorie auf MNUs, die ausschließlich digitale Dienstleistungen anbieten, zutreffen. Ziel dieser Untersuchung ist neben der Klärung dieser Forschungsfrage die Prüfung, welchen ökonomischen Einfluss das Medium Internet dabei beansprucht. Zunächst werden unter diesem Gesichtspunkt bisherige Erkenntnisse zu Strategie und Grad der Internationalisierung multinationaler Unternehmen (MNUs) und die Bedeutungen des Heimatlandes auf Internationalisierungsstrategie und Unternehmenskontrolle im Gastland diskutiert. Die darauf folgenden Erörterungen von komparativen Vorteilen von (Heimat-) Marktökonomien und der durch das Internet veränderten Industriestrukturen und Strategien von Unternehmen sollen die Entwicklungen in Digitalisierung und globaler Vernetzung als Treiber der Branche verständlich machen. Anhand der Fallstudie wird das Unternehmen eBay auf den tatsächlichen Grad der Internationalisierung und dessen Internationalisierungsprozess auf Einflüsse von Country of Origin Effekten überprüft. Die für die Analyse des Grades der Internationalisierung von Umsatz, Personalwesen und Forschung & Entwicklung sowie des Markteintrittes und der Unternehmenskontrolle im Zusammenhang zum Heimatland, den USA, entwickelten Kriterien wurden auf Basis der nachfolgenden theoretischen Untersuchungen gebildet.

2 Literaturüberblick

2.1 Strategie und Grad der Internationalisierung multinationaler Unternehmen

Zur Klärung der Forschungsfrage soll zunächst definiert werden, was unter einem MNU zu verstehen ist. Eine häufig benutzte Definitionen liefert Dunning (1992): „Ein MNU ist ein multi- oder transnationales Unternehmen, das sich in Auslandsinvestitionen engagiert und in mehr als einem Land wertschöpfende Aktivitäten organisiert und kontrolliert“ (Dunning (1992), S. 3, übersetzt). MNUs sind also Unternehmen, die über Landes- und Gesellschaftsgrenzen hinweg operieren. Nach Dörrenbächer (2000) kann das heute auf fast alle MNUs heute angewendet werden. So „ist die Frage also nicht welche Unternehmen internationalisiert sind, sondern eher wie sich Unternehmen in ihrer Internationalisierung unterscheiden“. (Dörrenbächer (2000), S. 1 übersetzt). Harzing und Sorge (2003) fügen der allgemeinen Definition zur Integration von in MNUs ablaufenden Prozessen zwei Dimensionen hinzu, zum einen die Internationalisierungsstrategie und zum anderen Probleme der Unternehmenskontrolle. Die Autoren definieren zwei Punkte, in denen sich MNUs von anderen Unternehmen bzw. Organisationen unterscheiden. Erstens haben MNUs Internationalisierungsstrategien und bestimmte Muster, nach denen sie ihre Operationen vom Heimatstandort auf andere Länder ausweiten. Nahezu alle MNUs haben sich durch Ausweitung des Geschäfts vom Heimatstandort oder durch Fusionen und Übernahmen in andere Länder entwickelt. Zweitens müssen Praktiken der Unternehmenskontrolle mit dem spezifischen Problem umgehen, dass Niederlassungen in unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte, und im Falle von Übernahmen oder Fusionen in unterschiedliche Unternehmenstraditionen eingebunden sind (vgl. Harzing/Sorge (2003), S. 187-214). Die erwähnte Internationalisierungsstrategie muss nach Porter darauf ausgerichtet sein, Unzulänglichkeiten des Heimatmarktes zu kompensieren (vgl. Porter (1990), S. 1-3).

Es gibt in der Literatur bereits Ansätze, die den Internationalisierungsprozess der New Ventures (vgl. Oviatt/McDougall (1994), S. 45-64) und der Born Globals (vgl. Knight/Cavusgil (1996), zitiert aus Mahnke/Venzin (2002), S. 1), die sich mit kleinen Unternehmen aus vor allem hochtechnologisierten Branchen beschäftigen, die sich trotz eingeschränkter Ressourcen in einem frühen Stadium ihrer Existenz beschleunigt internationalisieren (vgl. Mahnke/Venzin (2002), S. 1). Untersuchungen zeigten, dass diese ‚International New Ventures‘ (INV) während des Internationalisierungsprozesses vermehrt auf Joint Ventures und strategische Allianzen zurückgreifen (vgl. UNCTAD (2001), S. 173) und die beschleunigte Internationalisierung durch technologischen Wandel (bestimmt durch Innovationen wie Telegraph, Telefon und Fax und das Internet) begünstigt wird (vgl. Mahnke/Venzin (2002), S 2).

Es stellt sich die Frage, welchen Einfluss Heimatfaktoren auf Unternehmen haben, die, begünstigt durch den technologischen Wandel und vor allem das Internet, einen frühzeitigen Internationalisierungsprozess durchleben. Dazu sollen im Folgenden institutionenökonomische Ansätze erläutert werden. Auf die Auswirkungen des Internets auf die Ökonomie wird in Kapitel 2.3 eingegangen.

Nach Anhängern der Country Of Origin Theorie sind Internationalisierungsstrategie und Organisation multinationaler Unternehmen von deren Herkunft abhängig. So ist das Verhalten von MNUs von Country Of Origin Effekten geprägt, die auf nationale Geschäftssysteme des Heimatlandes zurückzuführen sind (Almond et. Al (2005), S. 279). Diese Effekte betreffen nationale Institutionen im Heimatland wie industrielle Beziehungen, Aus- und Weiterbildung, den Sozialstaat, die Koordination innerhalb und zwischen Unternehmen, Arbeitsteilung und Managementrolle innerhalb des Unternehmens sowie die Art der Unternehmensfinanzierung (vgl. Almond et al. (2005), S. 279). North (1990) beschreibt Institutionen als einen Weg, um die die menschliche Interaktion bestimmende Unsicherheit einzudämmen. Diese Institutionen können formell in Form von Gesetzen oder Regeln, sowie informell in Form von Werten oder Normen auftreten, und deren Einhaltung wird in der Regel durch den Staat kontrolliert (vgl. North (1990), S. 3-6). Da diese Institutionen von Menschen mit unterschiedlicher Verhandlungsstärke entworfen wurden und sich über lange Zeit entwickelt und etabliert haben, können sie ineffizient sein und in der Folge zu einer stagnierenden Wirtschaft führen. North stellt die These auf, dass Unternehmen diese Institutionen zu ändern versuchen, wenn dies profitabler wäre als unter Einhaltung der Beschränkungen zu wirtschaften, und dass sie die Gesellschaft ermutigen, in Fähigkeiten und Wissen zu Gunsten der Profitabilität zu investieren (vgl. North (1990), S. 15-16).

Wie multinationale Unternehmen außerhalb ihrer Heimatinstitutionen agieren, soll Gegenstand der folgenden Betrachtung sein.

Ruigrok und van Tulder (1995) untersuchten den tatsächlichen Grad der Internationalisierung vermeintlich globaler Unternehmen und ob wirklich eine Tendenz zur geringer werdenden Signifikanz von Landesgrenzen für ebendiese bestehe. Nach Analyse der Kriterien Umsatz (inländischer Umsatz im Verhältnis zum ausländischen Umsatz), Produktion, Finanzwesen, Forschung & Entwicklung, Personalwesen sowie Aktien und Beteiligungen im Ausland der hundert größten MNUs weltweit stellten sie u.a. heraus, dass für einen Großteil der Unternehmen Umsatz im Ausland den größten Fortschritt im Internationalisierungsprozess darstellte, wenngleich hauptsächlich durch Exporte. Von 30 der größten US-amerikanischen MNUs hatten nur zwei Unternehmen ausländische Mitglieder im Executive Board. Forschung & Entwicklung war fest unter heimischer Kontrolle und die Mehrheit der Unternehmen betrachtete eine Globalisierung der Unternehmensfinanzierung als zu unsicher. So schlossen die Autoren, dass keins der Unternehmen als vollkommen „global“ , „footloose“ oder „borderless“ bezeichnet werden kann und die Art der „domestic bargaining arena“ als Wurzel der Internationalisierungsstrategie gilt (vgl. Ruigrok/van Tulder (1995), S. 153 - 169). Diesem Ansatz folgend wird argumentiert, dass in der bisherigen Literatur das „globalisierte Wesen von MNUs übertrieben wurde“ (Almond et al. (2005), S. 279) und besonders F&E überproportional im Heimatland angesiedelt sind (vgl. UNCTAD (2001), S. 20). Außerdem wurde bemerkt, dass führende MNUs in vor allem den USA, Deutschland und Japan ihre durch die Geschichte geprägten nationalen Charakteristika beibehalten und empfohlen, weiterführende komparative Forschung über Unternehmensinternationalisierung und Heimatstrukturen in Bezug auf die Internationalisierungstheorie durchzuführen (vgl. Pauly/Reich (1997), S. 24).

In ihrer an europäischen, US-amerikanischen und japanischen MNUs durchgeführten empirischen Studie zeigten Harzing und Sorge auf, dass das Heimatland einer der wichtigsten Vorhersager von Organisationspraktiken in MNUs auf internationalem Level ist. Sie stellten fest, dass die Internationalisierungsstrategie von MNUs mit industriellen Strukturen und Unternehmensgröße verbunden ist und über diese vom Heimatland abhängt, während Kontrollmechanismen, die zweite untersuchte Größe, direkt vom Heimatland abhängen (vgl. Harzing/Sorge (2003), S. 187-214). Hiermit bestätigen sie Ruikrogs und van Tulders Erkenntnis, dass MNUs nicht „ footloose“ sind und schlagen vor, MNUs besser als „nationale Firmen mit internationalen Operationen“ zu beschreiben (vgl. Ruigrok/van Tulder ( 1995 ), S. 168).

Yip (1997) stellt heraus, dass sich für Unternehmen die Frage nach dem Ja oder Nein zu Globalisierung - wie noch in den 80er und 90er Jahren - nicht mehr stellt, sondern dass sich die Bedeutung zugunsten der Frage nach der richtigen anzuwendenden Strategie verschoben hat. Die Entwicklung des Internets ermöglicht es Firmen, allein durch das Einrichten einer Website globale Präsenz zu erhalten. Yip betont die Wichtigkeit globaler Integrität und stellt fest, dass die wichtigsten Aufgaben für Manager die der Schaffung einer vollkommenen, globalen Strategie sind. Er stellt den multilokalen Ansatz von Firmen mit lokalen Niederlassungen und an lokale Märkte angepasste Produkte und Dienstleistungen in Frage und betont, dass eine effektive globale Strategie erfolgreicher als eine multilokale Strategie sein wird (vgl. Yip (1997, S. 1-5).

Um die Auswirkungen des Heimatlandes auf Internationalisierung, Organisation und Kontrolle von MNUs zu verstehen, folgt eine Erläuterung des Ansatzes von Hall und Soskice zur Einteilung von Marktökonomien.

2.2 Komparative Vorteile von (Heimat-) Marktökonomien

Hall und Soskice (2001) sehen das Unternehmen als ausschlaggebenden Akteur in einer kapitalistischen Wirtschaft. Dieses muss Koordinationsprobleme lösen, die durch vielfältige Beziehungen zu anderen Parteien, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens entstehen. Die Art, wie diese Probleme gelöst werden, ist von den nationalen institutionellen Rahmenbedingungen abhängig. Diese erlauben eine Unterscheidung in liberale Marktökonomien wie den USA, Großbritannien, Kanada, Irland, Australien und Neuseeland und koordinierte Marktökonomien wie Deutschland, Japan und andere kontinentaleuropäische Staaten (vgl. Hall/Soskice (2001), S. 6 - 19).

Koordinierte Marktökonomien, wie im Fall der Bundesrepublik Deutschland, zeichnen sich durch geringere Börsenkapitalisierung und höheren Beschäftigungsschutz als in liberalen Marktökonomien und einer damit einhergehenden stärkeren Orientierung an langfristigen Zielen aus. Das Top-Management hat geringere Autorität zu unilateralen Beschlüssen und muss große Entscheidungen vom Aufsichtsrat (inklusive Arbeitnehmervertretern und Shareholdern) „absegnen lassen“. Unternehmen müssen mit vielen Institutionen, u.a. Gewerkschaften, verhandeln. Aus- und Weiterbildung sind industrie- und unternehmensspezifisch und erfordern erhöhten Koordinationsbedarf (vgl. Hall/Soskice (2001), S. 21 - 27).

Liberale Marktökonomien, wie im Fall der USA, erlauben eine höhere Börsen- kapitalisierung als koordinierte Marktökonomien und damit einhergehend eine stärkere Ausrichtung an kurzfristiger Rentabilität und eine Anpassung der Managementgehälter an den Börsenkurs. Außerdem zeichnen sie sich durch einen geringeren Beschäftigungsschutz und höhere Freiheitsgrade für das Top-Management, sowie einen effizienteren Technologietransfer durch hohe Fluktuation von Wissenschaftlern und Ingenieuren zwischen Unternehmen aus. Die stärker generalisierte Aus- und Weiterbildung orientiert sich am flexiblen Arbeitsmarkt (vgl. Hall/Soskice (2001), S. 21 - 33).

Hall und Soskice sehen den komparativen Vorteil von liberalen Marktökonomien in radikalen Innovationen, die besonders wichtig für sich schnell ändernde TechnologieSektoren wie Software-Entwicklung, Halbleiter- und Biotechnologie, aber auch für Telekommunikation und Dienstleistungen sind, wohingegen koordinierte Marktökonomien besonders die für die Produktion und Qualitätssicherung von Konsumgütern, Maschinen und spezialisierten Transport-Equipment wichtigen inkrementellen Innovationen fördern sollten (vgl. Hall/Soskice (2001), S. 38-39).

Die OECD-Studie „Science, Technology and Industry Outlook 2010“ belegt die Kategorisierung der USA als liberale Marktökonomie. Laut dieser Studie ist die USA in vielen Bereichen an der Spitze des technologischen Fortschrittes und hat ein starkes Wissenschafts- und Innovationsprofil. In elf von dreizehn untersuchten Faktoren, wie z.B. Bruttoausgaben für F&E (2,8% des BIP), Geschäftsausgaben für F&E (2,0% des BIP) und Personalressourcen in F&E (1 Forscher je 100 Arbeitnehmer) liegt die USA über dem OECD-Durchschnitt. Außerdem weist sie eine überdurchschnittliche Risikokapitalisierung (0,12% des BIP) auf. Auf der anderen Seite sind eine unterdurchschnittliche Anzahl an Wissenschafts- und Ingenieurabschlüssen (15% aller Abschlüsse), sowie unterdurchschnittliche Ausgaben der Unternehmen in ausländischen Niederlassungen zu beobachten (15% der Gesamtausgaben) (vgl. OECD (2010), S. 232-233).

Unternehmen der Branche der Digital Information Goods Provider, die auf radikale Innovationen angewiesen sind, werden also in liberalen Marktökonomien gefördert, begünstigt durch effizienten Wissens- und Technologietransfer sowie die Möglichkeiten, risikoreiche Projekte kurzfristig finanzieren zu lassen und Mitarbeiter projektbedingt einzustellen bzw. zu entlassen.

Für die Klärung der Forschungsfrage in Bezug auf die im Mittelpunkt der Untersuchung stehenden Unternehmen müssen weitere Einflussfaktoren berücksichtigt werden - der Übergang von Produktions- zu Wissensgesellschaft und der damit einhergehende Einfluss des technologischen Wandels (besonders des Internets). Diese werden nachstehend erläutert.

2.3 Internet, Digitale Ökonomie und Digitale Informationsgüter

2.3.1 Digitale Ökonomie

Die für Anbieter von digitalen Gütern relevanten ökonomischen Veränderungen werden in der Literatur unter den Begriffen Digitale Ö konomie, Internet- Ö konomie oder Netzwerkökonomie diskutiert (vgl. Latzer/Schmitz (2002), S.175).

Im Rahmen des Übergangs von der Industrie- zur Wissensgesellschaft veränderte sich das Gewicht einzelner Produktionsfaktoren. Hier lassen sich drei große Trends ablesen: Die Tertiärisierung der Ökonomie, die wachsende Wissensbasierung ökonomischer Prozesse und die Digitalisierung und globale Vernetzung der Ökonomie, welche vor allem durch die zunehmende Verbreitung des Internets begünstigt wurde. Umstritten bleibt allerdings, ob es in diesem Zuge zu einem grundlegendenden Strukturwandel westlicher Industriestaaten kommen wird oder ob die Auswirkungen des Wandels zur Wissensgesellschaft als „additive Momente bzw. Bedeutungsverlagerungen innerhalb bekannter Rahmenbedingungen“ aufgefasst werden muss. (vgl. Deutscher Bundestag (2002), S. 259). Besonders die Digitalisierung und globale Vernetzung führt zu einer Entmaterialisierung von Gütern und Dienstleistungen, die über elektronische Netze reproduzier- und handelbar werden. Die damit einhergehenden Effizienzgewinne und der Anstieg des gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstums auf der einen und die Senkung von Kommunikations-, Transport-, und Transaktionskosten auf der anderen Seite sollen an dieser Stelle umrissen werden (vgl. Deutscher Bundestag (2002), S. 260).

Durch die Diffusion von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wird ein Anstieg des gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstums und der gesamtwirtschaftlichen Rate des technischen Fortschritts beobachtet. Allerdings herrscht bisher Uneinigkeit darüber, ob die Beschleunigung des Produktivitätswachstums von lang- oder kurzfristiger Dauer ist und ob die Rate des technischen Fortschritts auch außerhalb der IKT angestiegen ist (vgl. Latzer/Schmitz (2002), S. 176).

Latzer und Schmidt untersuchten in einer Studie die Charakteristika der New Economy (Produktivitätswachstum, IKT-Nachfrage und IKT-Angebot) und fanden heraus, dass das Ausmaß aller drei Größen in den USA weitaus stärker war als in allen anderen untersuchten Ländern (darunter Deutschland, Frankreich, Kanada und Großbritannien). Sie kamen über dem zu dem Schluss, dass die Erklärung der Digitalen Ökonomie „keiner neuen Ökonomik bedarf“ (vgl. Latzer/Schmitz (2002), S. 177-178). Auch Kraemer und Dedrick (2007) sind der Auffassung, dass vor allem die USA führend in der Adoption des Internets und der Erschaffung neuer „e business models“ ist, was durch folgende Faktoren begünstigt wird: einen großen Verbrauchermarkt, eine vorteilhafte Politik, den deregulierten Telekommunikationsmarkt, einen dynamischen Risikokapitalmarkt und die positive Einstellung gegenüber neuen Technologien, von Unternehmen in gleicher Hinsicht wie von den Konsumenten (vgl. Kraemer/Dedrick (2007), S.663).

2.3.2 Internet und Strategie

Die oben genannten Entwicklungen wirken sich unweigerlich auf die Strategie von Unternehmen aus, aber nach Porter (2001) werden bestehende Regeln nicht obsolet, sondern im Gegenteil wichtiger denn je. In seiner Publikation ‚Strategy and the Internet‘ analysiert er mit Hilfe des Fünf-Kräfte-Modells (Eintrittsbarrieren, Wettbewerbsintensität innerhalb der Branche, Bedrohung durch Substitutionsprodukte, Abnehmer- und Lieferantenmacht), die durch das Internet veränderten Industriestrukturen (vgl. Porter (2000), zitiert nach Müller (2010), S. 105). Das Internet ist per se zwar kein Wettbewerbsvorteil, ermöglicht es aber Unternehmen, anders als bisherige Generationen der Informationstechnologie, unterscheidungsfähigere strategische Positionierungen aufzubauen (vgl. Porter (1990), S. 64). Auch wenn das Internet jede Industrie in einem anderen Maße beeinflusst, lassen sich innerhalb der fünf Kräfte, die Aufschluss über die Attraktivität einer Branche geben, folgende Tendenzen feststellen: Eintrittsbarrieren werden verringert; diese Entwicklung wird unter anderem durch die abnehmende Notwendigkeit einer lokalen Sales Force bestimmt. Die Anpassung an kundenspezifische Bedürfnisse erlaubt eine Festigung der strategischen Ausrichtung von Unternehmen, jedoch kann diese auch problemlos von Wettbewerbern kopiert werden, da die Offenheit des technologischen Systems Internet den Anspruch auf Eigentumsrechte verwischen kann. Außerdem können durch die durch das Internet begünstigte Ausweitung des geografischen Marktes mehr Firmen miteinander konkurrieren. So wird die Wettbewerbsintensität zwischen existierenden Wettbewerbern erhöht. Da Unternehmen auf einfachem Wege direkt mit den Abnehmern kommunizieren und handeln können, und durch die dramatische Erhöhung des Zugangs zu Produkt- und Preisinformationen zugunsten der Abnehmer wird deren Macht erhöht. Dadurch lässt sich auch eine Tendenz zur geringer werdenden Macht von Lieferanten und Vertriebskanälen feststellen. Durch die Ermöglichung neuer Wege, Kundenbedürfnisse zu erfüllen und neue Formen der Geschäftstätigkeit zu kreieren, werden auch neue Ersatzprodukte geschaffen. Eine Zusammenfassung dieser Tendenzen ist in Abb. 1 dargestellt. Generell bleibt zu sagen, dass der Einfluss des Internets variable Kosten für Unternehmen verringert und Fixkosten erhöht und so ein signifikanter Anstieg des Preisdrucks zu beobachten ist (vgl. Porter (2001), S. 64-69).

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Details

Seiten
34
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656127413
ISBN (Buch)
9783656128892
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188730
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
Schlagworte
einfluss country origin effekten anbieter digitaler informationsgüter

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Titel: Einfluss von Country Of Origin Effekten auf Anbieter Digitaler Informationsgüter