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Ethnien und Ethnizität in Indochina

Hausarbeit 2006 32 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Indochina - Einführung
2.1 Historische Einordnung
2.1.1 Der Begriff „Indochina“
2.1.2 Die Vorkolonialzeit
2.1.3 Vom Beginn der franz. Kolonialherrschaft bis zur Unabhängigkeit
2.1.4 Indochina nach der Genfer Indochina-Konferenz
2.2 Geographische Einordnung (aktuelle Länderinformationen)

3 Ethnien und Ethnizität
3.1 Kambodscha
3.1.1 Die Khmer
3.1.2 Die Vietnamesen
3.1.3 Die Chinesen
3.1.4 Die Cham
3.1.5 Indigene Minderheiten
3.1.6 Ethnopolitik
3.2 Laos
3.2.1 „Einteilungsversuche“
3.2.2 Minderheiten
3.2.3 Ethnopolitik
3.3 Vietnam
3.3.1 Die Kinh
3.3.2 Minoritäten des Hochlandes
3.3.3 Ethnopolitik

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Anlagen

Abbildungsverzeichnis

Tab. 1:

Abb. 1: Indochina

Abb. 2: Kambodscha

Abb. 3: Laos

Abb. 4: Vietnam

1 Einleitung

Diese Hausarbeit mit dem Thema „Ethnien und Ethnizität in Indochina“ im Rahmen des Seminars „Ethnizität im pazifischen Raum“ befasst sich - wie der genannte Titel schon suggeriert - mit Be- völkerungen bzw. Ethnien eines bestimmten Raumes in Süd-Ost-Asien: mit Kambodscha, Laos und Vietnam (s. Abb. 1). Nach weitgehender politischer Beruhigung der Region scheinen v. a. Kambodscha und Laos von der Bühne internationaler Politik verschwunden zu sein. Vietnam, das sich im Zuge der Globalisierung mit ihrer „doi moi“ Reformpolitik (v. a. marktwirtschaftlich) ge- öffnet hat, scheint auch mit seinem Versöhnungskurs den USA gegenüber, aus der Isolierung he- raustreten zu wollen. Kambodscha wird zunehmend für den internationalen Tourismus (die Tem- pel von Angkor) interessant und ist als Standort für billige Textilproduktion mehr oder weniger bekannt. Von Laos hört man eigentlich kaum, höchstens in Kultur- bzw. Ländermagazinen als das „verschlafene Land am Mekong“ etwa.

Doch, grade aus ethnologischer Perspektive, sind diese Länder sehr interessant. Die ethnische Vielfalt und „Ursprünglichkeit“ dieser Region ist überragend - birgt daher aber auch viel Potenti- al für Konflikte. Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten der Länder, deren Bevölkerungen und ihre ethnische Zusammensetzung, Ursprünge sowie der Umgang der jeweiligen Regierungen mit ethnischen Minderheiten (Stichwort Ethnopolitik) werden in dieser Arbeit analysiert. Um das Bild abzurunden, aber auch um dem Leser einen besseren bzw. einfacheren Einblick in diese Region zu bieten wird neben dem ethnologischem Blickwinkel in einer Art „Einführung“ (s. Kap. 2) die Region Indochina auch unter historischen und geographischen Gesichtspunkten betrachtet.

2 Indochina - Einführung

Indochina - ein Sammelbegriff für die drei heutigen Länder Kambodscha, Laos und Vietnam lässt die meisten Menschen wohl an allererster Stelle an Kriege (insbesondere Indochina-Krieg und Vietnam-Krieg), evtl. Pol Pot, Kolonialherrschaft, diverse (Anti-) Kriegsfilme, Frankreich und die USA denken.

Dieses stereotype Bild Indochinas soll in dieser Einführung spezifiziert werden; der Begriff und dessen Ursprung soll näher erläutert, sowie Grundlagen historischer Ereignisse und aktuelle (geographische) Informationen über die drei Länder gegeben werden. Die historische Einordnung hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und kann es bei dem begrenzten Rahmen dieser Arbeit und bei dem Thema dieser Arbeit auch nicht sein.

2.1 Historische Einordnung

(Französisch-) Indochina oder teilweise auch „Union von Indochina“ genannt, wurde 1887 von Frankreich als Generalgouvernement bzw. Kolonialgebiet gebildet und umfasste die damals als Annam, Cochinchina und Tongking bezeichneten Regionen des heutigen Vietnam sowie Kambodscha und ab 1893 auch Laos (vgl. Brockhaus (Hg.) 2002: o. S.).

2.1.1 Der Begriff „Indochina“

Der Begriff „Indochina“ bezieht sich auf den indischen sowie chinesischen (kulturellen) Einfluss auf diese Region Süd-Ost-Asiens (vgl. Enzyclopaedia Brittanica (Hg.) 2006: Indochine). Erstma- lig verwendet wurde das Wort von dem dänisch-französischen Geographen Conrad Malte-Brun in seinem Werk „Précis de la Géographie Universelle“, das 1810 in Paris erschien. In der Geogra- phie steht der Begriff im Allgemeinen auch für die „Indochinesische Halbinsel“ (vgl. o. A. (2006): Indochina), die manchmal auch als Teil „Hinterindiens“ bezeichnet wird. Verdeutlicht wird insbesondere der indische Einfluss durch Betrachtung einiger Sprachen dieser Region, die der austroasiatischen Sprachfamilie bzw. der Unterart „Mon-Khmer“ angehören und damit indi- schem Ursprungs sind.

Der chinesische Einfluss begann vor allem im Gebiet des heutigen Vietnam bereits vor Christi Geburt und setzte sich durch mehrere chinesische Herrschaftsdekaden jahrhunderte lang fort. Der Name „Annam“1 bspw. für den mittleren Teil Vietnams ist chinesischen Ursprungs und bedeutet „befriedeter Süden“ (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Annam). Die Ursprünge dieser prägenden Einflüsse Chinas und Indiens werden auch im nächsten Abschnitt über die vorkoloniale Entwicklung Indochinas verdeutlicht.

2.1.2 Die Vorkolonialzeit

Das unter indischem Einfluss gegründete Reich Funan (im heutigen Kambodscha) wurde im 6. Jahrhundert von den Khmer erobert und Jayavarman II. gründete hier das Khmerreich mit der Hauptstadt Angkor. Im 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts erlebte das „Angkorreich“2 den Hö- hepunkt seiner Macht und „eine Zeit höchster kultureller Blüte“ (Meyers Lexikonverlag 2006: Kambodscha). Angkor wurde von den Thais mehrfach erobert und zerstört, so dass die Hauptstadt mehrmals verlegt wurde - zuletzt 1434 in die noch heute als Hauptstadt fungierende Stadt Phnom Penh. Das Khmerreich war auch zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert bis zum Protektoratsver- trag mit Frankreich mehrfaches Streitobjekt zwischen Thai und Vietnamesen (vgl. Meyers Lexi- konverlag 2006: Kambodscha). Dies wirkt sich bis heute auf die Beziehung mit den Nachbarn Thailand und v. a. Vietnam aus und führt zuweilen zu ethnischen Konflikten und Vorurteilen (s. Kap.3.1.2).

Die aus Südchina eingewanderte Ethnie Lao errichtete 1353 im heutigen Laos das Königreich Lan Xang - das „Land der Millionen Elefanten“ (vgl. Eccleston 1998: 134) mit der Hauptstadt Luang Prabang3. 1563 wurde Vientiane zur neuen Hauptstadt, die sie bis heute geblieben ist. Im 17. Jahrhundert unter der Regierung von König Souligna Vongsa erlebte das Land eine friedvolle Blütezeit. Nach seinem Tod zerfiel das Land durch rivalisierende Prinzen in die Reiche Luang Prabang, Vieng Chiang (Vientiane) und Champassak, „die in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Abhängigkeit von Siam (Thailand) gerieten“ (Meyers Lexikonverlag 2006: Laos). Das Reich Vientiane wurde im Krieg gegen die Thai weitgehend zerstört und wurde thailändische Provinz, bis es 1893 an Frankreich abgetreten wurde (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Laos).

Der Norden Vietnams war schon seit dem Paläolithikum (vor mehr als 2 Mio. Jahren) besiedelt, so dass sich hier im 1. Jahrtausend v. Chr. die früheste Bronzekultur Südostasiens entwickelte. 210 v. Chr. wurde im Tonking-Delta „der erste geschichtliche Staat, Au Lac“ (Meyers Lexikon- verlag 2006: Vietnam) gegründet, der vom Reich Nam Viet (im Süden Vietnams 207 v. Chr. ge- gründet) erobert wurde. Nam Viet wurde wiederum um 111 v. Chr. von chinesischen Truppen er- obert und dem Reich der chinesischen Han-Dynastie für ein Jahrtausend einverleibt. Dies „hatte für den weiteren Verlauf der vietnamesischen Geschichte schicksalhafte Folgen“ (Microsoft En- carta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Vietnam), da die neuen chinesischen Herrscher neben ihren politi- schen Institutionen, dem Konfuzianismus als Staatsideologie, ihrer Sprache auch ihre Kultur zum Teil zwangsweise in Vietnam einführten. Chinesische Kunst, Architektur und Musik usw. übte daher einen tief greifenden Einfluss auf die entsprechenden Bereiche der vietnamesischen Kultur aus (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Vietnam).

Nach heftigen wiederkehrenden Aufständen wurden die Chinesen 939 n. Chr. vertrieben und ein neues vietnamesisches Reich Dai Co Viet entstand, welches bald unter dem Namen Dai Viet vietnamesisches Kaiserreich (Ly-Dynastie) wurde (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam). Das Entstehen der Ly-Dynastie ließ ein reges vietnamesisches Nationalbewusstsein aufkommen, obwohl viele politische und auch soziale Einrichtungen der chinesischen Herrschaft beibehalten wurden (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Vietnam).

Unter der Herrschaft drei weiterer großer Dynastien wurden einige Invasionsversuche abgewehrt, das Reich Champa der Ethnie Cham (s. Kap. 3.1.4) unterworfen und somit die territoriale Aus- dehnung Richtung Süden fortgeführt. Hauptsächlich durch die beiden miteinander rivalisierenden Feudalgeschlechter der Trinh (im Norden) und der Nguyen (im Süden) kam es zum Bürgerkrieg (Ende 16. Jh.) - und somit zur ersten Teilung Vietnams. Das damals noch kambodschanische Mekong-Delta wurde Ende des 17. Jahrhunderts eingenommen. Der letzte Überlebende des Herrscherhauses der Nguyen konnte als Kaiser Gia Long 1802 die letzte Dynastie vor der beginnenden französischen Besatzung errichten. Er wiedervereinigte das Land und benannte es in Viet Nam um (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam).

2.1.3 Vom Beginn der franz. Kolonialherrschaft bis zur Unabhängigkeit

1858 begann stückweise die französische Eroberung Indochinas. Nachdem 1859 französische Truppen Saigon besetzt hatten, musste die Nguyen-Dynastie 1862 die reichsten Provinzen in Süd- vietnam (Cochinchina) abtreten. In den 1880er Jahren gingen auch die übrigen Teile Vietnams (Annam und Tongking) als Protektorat an Frankreich über (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam).

Im Südwesten nutzten die Franzosen den „langsamen Zersplitterungsprozess Kambodschas durch die Eroberungen Vietnams und Siams“ (Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Kam- bodscha) und schlossen 1863 einen Protektoratsvertrag mit der kambodschanischen Monarchie, die aber weiter fortbestand. 1887 wurde von Frankreich offiziell die „Union von Indochina“ ge- gründet.

1893 wurde Siam gezwungen die Herrschaft Frankreichs über besetztes laotisches Gebiet östlich des Flusses Mekong anzuerkennen (vgl. Eccleston 1998: 134); 1904 ging dann ganz Laos in Be- sitz der Franzosen über (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie (Hg.) 2004: Laos). Damit stand nun das gesamte Gebiet von Kambodscha, Laos und Vietnam unter französischer Herrschaft. Während des 2. Weltkrieges besetzte Japan von 1940-1945 ganz Indochina, das aber weiterhin unter der französischen Vichy-Regierung4 stand. In Kambodscha wurde mit japanischer Hilfe 1941 König Norodom Sihanouk eingesetzt, der kurz vor dem japanischen Zusammenbruch die Unabhängigkeit ausrief - doch kurz nach Kriegsende stellte Frankreich seine Herrschaft wieder her (vgl. Eccleston 1998: 134). Auch in Laos wurde währenddessen die Unabhängigkeit unter französischem Protektorat ausgerufen. Die Unabhängigkeitsbewegung Lao Issarak („Befreiung Laos“) rief kurz danach die Unabhängigkeit von Frankreich und Japan aus. 1946 stellte Frank- reich seine Herrschaft aber wieder her. Die Kolonialmacht gewährte Laos allerdings Unabhängig- keit als Monarchie mit eigener Verfassung innerhalb der Französischen Union (vgl. Eccleston 1998: 134).

In Vietnam hatte Ho Chi Minh bereits im Jahr 1930 die Kommunistische Partei Indochinas und die kommunistische Bewegung der Vietminh gegründet, mit der er 1945 in Hanoi die unabhängi- ge „Demokratische Republik Vietnam“ ausrief. Entgegen des französisch-vietnamesischen Ab- kommens vom Frühjahr 1946, „betrieb Frankreich eine Rekolonialisierungspolitik, der die Viet- minh militärischen und politischen Widerstand entgegensetzte“ (Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam) - der Indochinakrieg begann. Schon jetzt bahnte sich eine Teilung zwischen dem von den Vietminh geführtem (und von der damaligen UdSSR unterstütztem) Norden und dem anti- kommunistischen und von Frankreich geführtem (und von den USA unterstütztem) Süden des Landes an (vgl. Eccleston 1998: 212).

Auch in Laos hatte sich eine kommunistische Bewegung entwickelt: die Pathet Lao („Lao Staat“). Diese verbündeten sich 1953 mit den vietnamesischen Vietminh, besetzte große Teile von Laos und bekämpften die von den USA unterstützte laotische Regierung. Dies führte zur vollkommenen Unabhängigkeit von Frankreich (vgl. Eccleston 1998: 134).

Mit dem Abkommen von Genf 1954 wurde der Indochina-Krieg beendet. In Laos sollten sich die Pathet Lao in zwei nördliche Provinzen des Landes zurückziehen. In Vietnam führte die Genfer Indochina-Konferenz dann zur Teilung des Landes entlang des 17. Breitengrades in die (kommunistische) „Demokratische Republik Vietnam“ im Norden und die „Republik Vietnam“ im Süden (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam).

2.1.4 Indochina nach der Genfer Indochina-Konferenz

Das Königreich von Kambodscha wurde ab 1960 von Prinz Norodom Sihanouk, der zugunsten seines Vaters als König abdankte, als Staatspräsident geführt. Wegen seiner Neutralitätspolitik gegenüber Vietnam im Konflikt mit den USA wurde er 1970 von General Lon Nol und seinen pro-amerikanischen Truppen gestürzt. Sihanouk ging nach China ins Exil und Lon Nol rief die Khmer Republik aus. Die kommunistisch orientierte Guerilla-Bewegung Khmer Rouge (die Ro- ten Khmer), geführt von Anhängern Sihanouks, begannen einen erbitterten Bürgerkrieg gegen das Lon Nol Regime und konnten 1975 Phnom Pen einnehmen. Das „Demokratische Kampuchea“ wurde gegründet und Pol Pot kam an die Macht - und damit das Terrorregime der Khmer Rouge, die „das Land einem radikalen gesellschaftlichen Umformungsprozess“ (Meyers Lexikonverlag 2006: Kambodscha) unterwarfen. Es kam zu Zwangsumsiedlungen aufs Land; Regimegegner, In- tellektuelle (bspw. Brillenträger), Angehörige der früheren Armee und Polizei, Beamte und füh- rende Buddhisten wurden verfolgt, im Folter- und Verhörgefängnis „Tuol Sleng“ in Phnom Penh eingesperrt und u. a. auf den „Killing Fields“ getötet. Mehr als 1 Mio. Menschen wurden ermor- det, etwa 1,7 Mio. kamen insgesamt auch durch Hunger und Krankheiten um (vgl. Meyers Lexi- konverlag 2006: Kambodscha). Ende 1978 wurde Pol Pot von einmarschierenden vietnamesi- schen Truppen gestürzt und 1979 die „Volksrepublik Kampuchea“ gegründet, die international aber nicht anerkannt wurde. Die Roten Khmer agierten weiterhin aus dem Untergrund und es kam zu einem blutigen Bürgerkrieg. Der ehemalige König Sihanouk bildete 1982 eine dreierkoalitionä- re Regierung an der auch die Roten Khmer beteiligt waren. Die Kämpfe gingen allerdings weiter. 1989 zog Vietnam seine Truppen wieder ab und Kambodscha wurde in den „Staat Kambodscha“ umbenannt. Nach dem Abzug Vietnams gab es erste internationale Kambodschakonferenzen und Vermittlungen die im Oktober 1991 zu einem Friedensabkommen führten. Ab 1992 sollte die UNO-Übergangsverwaltung UNTAC (United Nations Transitional Authority in Cambodia) den Frieden sichern. 1993 endete das Mandat der UNTAC und das „Königreich von Kambodscha“ mit Premierminister Hun Sen und König Sihanouk wurde gegründet. Heute ist dessen Sohn Noro- dom Sihamoni König des Landes, Hun Sen ist weiterhin Premierminister. Erst 1996/97 zerfielen die Rothen Khmer weitgehend, die letzten Rebellengruppen kapitulierten Ende 1998. Der Verar- beitungsprozess kommt recht schleppend in Gang. Erst nach jahrelangen und zeitweise unterbro- chenen Verhandlungen einigten sich die Kambodschanische Regierung und die UN auf gemein- same Schritte zu einem internationalen Gerichtshof zur Verurteilung der Verantwortlichen des Terrorregimes der Roten Khmer. Für 2007 ist die Eröffnung der ersten Verfahren geplant (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Kambodscha).

In Laos führte die Souveränität in bürgerkriegsähnliche Zustände. Es entbrannte ein Machtkampf zwischen prowestlichen Kräften (von den USA unterstützt), der pro-kommunistischen (von Nord- Vietnam unterstützten) Pathet Lao Bewegung und den Neutralisten unter Führung von Souvanna Phouma. Phouma wurde Ministerpräsident, der auch Vertreter der Pathet Lao mit in die Regie- rung aufnahm. Die Regierung wurde nach kurzer Zeit gestürzt und es kam zum Bürgerkrieg, der 1961 mit einem Waffenstillstand endete. Mithilfe der bald folgenden Genfer Laoskonferenz wur- de erneut unter Souvanna Phouma eine Koalitionsregierung gebildet, die von den Pathet Lao 1963 aber verlassen wurde - es kommt zu erneuten Unruhen und Kämpfen zwischen den Pathet Lao und Regierungstruppen (die indirekt durch die USA unterstützt wurden). Ab 1965 wurde Laos mehr und mehr in den Vietnamkrieg hineingezogen, hauptsächlich durch den Ho-Chi-Minh-Pfad (Nachschubspfad der nordvietnamesischen Vietcong), der weite Strecken über laotisches Dschun- gelgebiet nahe der vietnamesischen Grenze führte und daher von den USA stark bombardiert wurde5. Der Pathet Lao nahm bald die Kontrolle über zwei Drittel des Landes ein und übernahm 1975 die Macht. Die „Demokratische Volksrepublik Laos“ (Lao PDR) wird unter der allein re- gierenden Staatspartei LRVP (Laotische Revolutionäre Volkspartei) ausgerufen (vgl. Meyers Le- xikonverlag 2006: Laos).

In Nordvietnam vereinigte die „National Front for the Liberation of South Vietnam“ (NLF) die Kommunisten und die Guerillaaktivisten der Vietcong gegen die Regierung unter Diem in Süd- vietnam (vgl. Eccleston 1998: 212f.) Die Vietcong hatten bis zur zweiten (amerikanischen) Phase des Vietnamkriegs (1964-1973) immer größere ländliche Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht. In Südvietnam führte die Gewaltherrschaft des Regierungschefs Dinh Diem zum Überlaufen vieler Vietnamesen, die begannen, den Guerillakrieg der Vietcong zu unterstützen (vgl. Meyers Lexi- konverlag 2006: Vietnam). Rund 540.000 amerikanische Soldaten waren in Südvietnam statio- niert. Doch trotz massiver Bombardierung wirtschaftlicher und militärischer Ziele in Nordvietnam und Angriffen auf das von nordvietnamesischen Truppen benutzte „Straßennetz“ des Ho-Chi- Minh-Pfades in Laos und Kambodscha mit Napalmbomben und dem Entlaubungsmittel Agent Orange konnten die USA keinen Sieg erzwingen (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam- krieg). Seit 1969 gab es Friedensgespräche, die aber erst 1973 zum Waffenstillstand führten und zum endgültigen Abzug der Amerikaner. Zu einer friedlichen Lösung kam es aber dennoch nicht. Am 30. April 1975 endete der Vietnamkrieg mit der Besetzung der südvietnamesischen Haupt- stadt Saigon, die in den neuen Namen Ho Chi Minh City umbenannt wurde. 1976 wurde die offi- zielle Wiedervereinigung unter kommunistischer Führung vollzogen und die Sozialistische Re- publik Vietnam gegründet (vgl. Meyers Lexikonverlag 2006: Vietnam).

[...]


1 gelegen zwischen den historischen Gebieten Cochinchina (im Süden V.) und Tongking (im Norden V.)

2 die Tempel von Angkor nahe Siam Reap sind seit Dezember 1992 UNESCO-Weltkulturerbe und Haupttouris- tenattraktion Kambodschas

3 UNESCO Weltkulturerbe seit 1995

4 während der Teilung Frankreichs im 2. Weltkrieg wurden Südfrankreich und die Kolonien aus der französi- schen Stadt Vichy regiert

5 Laos gilt als das am stärksten bombardierte Land der Erde - ohne offizielle Kriegserklärung. Noch heute liegen massenhaft Blindgänger in der Erde, die die Landwirtschaft sehr gefährlich machen. Nach und nach werden diese mit internationaler Hilfe geborgen.

Details

Seiten
32
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656124696
ISBN (Buch)
9783656124993
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188659
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Schlagworte
Kambodscha Laos Vietnam Ethnologie Soziologie Ethnopolitik Indigene Minderheit Ethnie Indochina Khmer Cham Asien Süd-Ost-Asien Pol Pot Kolonialzeit Assimilation

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Titel: Ethnien und Ethnizität in Indochina