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Alexander der Große im historischen Kontext

Referat (Ausarbeitung) 2003 25 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Ausgangslage
1.1. Griechisch-persischer Gegensatz
1.2. Philipp II. und das Königreich Makedonien

2. Quellenlage

3. Kindheit und Jugend

4. Alexanders Herrschaftszeit
4.1. Alexanders Herrschaftsantritt
4.2. Alexander und die außenpolitischen Bedrohungen
4.3. Alexander in Kleinasien
4.4. Alexander in Ägypten
4.5. Eroberung Mesopotamiens und der Persis
4.6. Unterwerfung des Iran
4.7. Indien-Feldzug
4.8. Rückkehr und Tod

5. Bewertung

Literatur

1. Ausgangslage

1.1. Griechisch-persischer Gegensatz

a) - Er hat seinen Ursprung in dem ionischen Aufstand, den der Tyrann von Milet initiiert hatte und an dem sich auch Athen als griechisches Mutterland beteiligt hatte, nämlich 20 Schiffe schickte. Nach Anfangserfolgen der kleinasiatischen Griechen – sogar Eroberung von Sardes recht weit im Landesinnern – Niederlage, endgültig in der Seeschlacht vor Milet 495. Die Stadt wird zerstört, die Bewohner nach Mesopotamien deportiert.

Was Athen und das griechisch-persische Verhältnis betrifft, ist die Wertung Herodots (484-425 v. Chr.), nach Cicero der „Vater der Geschichtsschreibung“, der drei seiner 9 Bücher den Kriegen zwischen den Griechen und Persern widmet, aufschlußreich: „Diese Schiffe wurden für die Hellenen wie für die Barbaren zum Ursprung mancher Leiden.“

Es gibt die Überlieferung, nach dem ionischen Aufstand habe sich Dareios von seinem Diener mit „Herr, gedenke der Athener“ ansprechen lassen, um stets an die noch auszuübende Rache erinnert zu werden.

- 492 unternimmt der Schwiegersohn des Dareios einen Feldzug, geht über den Hellespont, aber der Feldzug scheitert, v. a. wegen eines Sturmes.
- 490 erneuter Feldzug, nachdem Sparta und Athen die persischen Boten getötet hatten, diesmal gehen die Perser bei Marathon an Land, werden besiegt und kehren nach Kleinasien zurück.
- Nach dem Tod des Dareios setzt Xerxes die Rüstungsanstrengungen seines Vater fort.

Auch Athen rüstet auf, schafft sich eine eigene Flotte an und gründet zusammen mit Sparta die „Eidgenossenschaft gegen Persien“, der sich viele andere Städte anschließen.

480: Erneuter Feldzug der Perser, an dem jetzt Xerxes selbst teilnimmt, mit 60.-100.000 Mann und 600-700 Schiffen (in Daniel 11, 2 so angekündigt).

Nord- und Mittelgriechenland gehen verloren, die Thebaner desertieren zu den Persern, Athen verloren, deren Bevölkerung zuvor evakuiert.

Aber dann die Seeschlacht bei Salamis, für die sich Xerxes extra auf ein Aussichtspodium begeben hatte, um die Vernichtungsschlacht gut beobachten zu können, die aber ein Desaster für die Perser bedeutet. Persische Flotte zieht er nach Samos zurück (später kommen die Griechen dorthin und verbrennen die an Land gezogenen Schiffe).

479: Griechische Landoffensive, Schlacht bei Platää, bringt ebenfalls eine große Niederlage für die Perser.

Später weitere griechische Offensiven, attischer Seebund zwischen Athen und den kleinasiatischen Städten (477).

b) Später entspannt sich die Situation wieder, Kalliasfrieden zwischen Athen und Persien 449/448.

c) Sparta baut mit persischer Hilfe eine Flotte für den Peleponnesischen Krieg (Athen vs. Sparta, 431-404, wobei Athen unterliegt).

(In Athen statt demokratischer Verfassung nun Oligarchie der 30; 399 Prozeß gegen Sokrates, der Lehrer einer der Tyrannen gewesen war.)

d) - Das Verhältnis zu Athen besserte sich, nachdem Sparta den Aufstand gegen den Großkönig Artaxerxes II. durch dessen Bruder unterstützt und in Kleinasien kriegerisch gegen die Perser tätig geworden war. Seeschlacht von Knidos 394.

- Die Spartaner lassen sich vorsorglich 386 auf den sog. Königsfrieden mit den Persern ein (kleinasiatische Westküste persisch). (Sparta verliert aber wieder die Vormachtstellung in der griechischen Welt nach der Niederlage gegen Theben 371.)
- Athen gründet als Reaktion auf den Königsfrieden 378 den zweiten attischen Seebund, der gegenüber dem ersten kaum Verpflichtungen für die Partner beinhaltet, mehr Versicherung für den Kriegsfall/die Piraterie ist und Athen den Zugang zum Schwarzen Meer sichern sollte. Er endet nach dem Bundesgenossenkrieg (ab 357) im Jahr 355 (Isokrates hatte für Frieden plädiert).

1.2. Philipp II. und das Königreich Makedonien

- Daß einige Bündnispartner in den 50er Jahren von Athen abfielen hängt auch mit dem Aufstieg Makedoniens zusammen.

338 ordnet dann König Philipp II. die griechische Welt nach deren Niederlage bei Chaironeia neu und schafft eine neue Bundesorganisation, den Hellenenbund. Isokrates sehr enttäuscht.

- zu Makedonien:

Geographisch zerfällt das Land in Ebene und Bergland, Andrang der Bergvölker auf die fruchtbaren Küstengebiete.

Ethnisch schwer zu bestimmen, sprachliche Verwandtschaft zu dem Griechischen, aber wohl auch von von Illyrern und von Thrakien herkommender Bevölkerung besiedelt; v. a. die Königsdynastie trägt bezeichnenderweise hellenische Namen.

Galten bei den Griechen als Barbaren, aber waren nicht nur arme Bauern und Hirten, auch Bodenschätze und viel Holz.

Religion: Opferten Zeus und Herakles.

Staatsform: König war oberster Feldherr, Richter und Priester, anders als in den Stadtstaaten. König wird durch Heeresversammlung gewählt.

Gesellschaft: Adel und Gemeinfreie, die einen sind die Reiter, die anderen die Fußsoldaten.

Vorgeschichte Philipps: Aechelaos (413-400/399) hatte Pella zur Residenzstadt ausgebaut, rief sportliche Veranstaltungen ins Leben. Holte Euripides an den Hof. Sorgte für den Zugang zur See durch die Eroberung einer griechischen Hafenstadt.

Philipp kommt auf den Thron, nachdem der König Perdikkas III. im Kampf gegen die illyrische Invasion gefallen ist. Philipp, der Bruder des Gefallenen, war der Vormund von dessen Sohn Amyntas und vereinigt die Macht auf sich, indem er sich von der Heeresversammlung den Königstitel verleihen ließ (legaler Staatsstreich).

- Seine Regierungszeit war eine Eroberungszeit: Eroberung der Küstengebiete (Besitz der Thraker bzw. griechische Kolonien, v. a. von Korinth und Athen) und ihrer Silber- und Goldminen. Philippi (aus NT bekannt) von Thrakern erobert (Krenides) und nach ihm benannt.

Eroberung der Halbinsel Chalkidike, Beendigung des Krieges um Delphi zwischen Theben und den Phokern - 339 Hilferuf der Amphiktymie (Schutz Delphis), und Philipp wird Militärführer diese Bundes –, Verhandlungen mit athenischen Gesandten (s. u.), wobei Athen Makedoniens Besitzstand anerkennt. Sein Schwager wird König in Epirus. Nichtangriffspakt mit Persien. Eroberung Thrakiens. Eroberung von Thessalien, was wichtig wegen deren Reiterei. Er darf jetzt Truppen hier haben und nutzt das, gegen Athen und Theben zu ziehen.

Demosthenes (vs. Isokrates, der makedonenfreundlich) fordert zu einer Allianz auf – 330 wird er in der Kranzrede seine Politik rechtfertigen gegen Aischines; er wird in der Geschichte des Freiheitsgedankens immer wieder zitiert werden, Niebuhr übersetzte ihn z. Z. der napoleonischen Kriege –, die sich bildet und sein Vordringen abwenden will. Aber die Stadtstaaten unterlieg 338 bei Chaironeia (Phalanx-Kämpfer mit bis zu 5 Meter langen Speere; Alexander führte den linken Flügel).

Er übt kein Strafgericht, schickt nach Athen seinen Sohn Alexander, nimmt auch keine Besatzung vor außer drei Stützpunkten, tastet die Verfassungen nicht an. Kongreß in Korinth, auf dem ein allgemeiner Friede verabschiedet wird, abgesichert durch den Hellenischen Bund (alle Stadtstaaten außer Sparta, das keine Gesandten zum Kongreß sendete). Autonomie gewährleistet. Es gibt eine Bundesversammlung (Synhedrion), wo die Stimmen gewichtet sind, aber Makedonien nicht Mitglied ist. Philipp II. hat aber die militärische Befehlsgewalt des Bundes, ist Hegemon des Bundes, was für seine Ambitionen bezüglich Persien wichtig war.

Für diese Ambitionen war folgendes entscheidend: Persische Unterstützung griechischer Aufstände verhindern, Zusammenwachsen der makedonischen und hellenischen Welt forcieren, neuen Siedlungsraum gewinnen und – damit argumentierte Philipp gern – Rache üben für die persischen Kriegszüge von vor 140 Jahren (s. o.); die Griechen erinnerten sich an Salamis und Platää und empfanden die jetzige Unterwürfigkeit.

337 wir Krieg beschlossen und ihm vom Synhedrion die Führung übertragen.

336: Erste Truppen unter dem Befehl des Parmenion und Attalos gelangen in persisches Herrschaftsgebiet.

2. Quellenlage

Es gibt 5 erhaltene Darstellungen

1. Diodor von Sizilien (1. Jh. v. Chr.)
2. Curtius Rufus (Lebensdaten umstritten, wohl 1. Jh. n. Chr.)
3. Plutarch (ca. 46-120), der einem berühmten Griechen immer einen Römer gegenüberstellte, Alexander Cäsar.
4. Arrian von Nikomedeia (2. Jh.)
5. Justinus (2. Jh.) (Auszug aus nicht mehr erhaltenem Geschichtswerk eines anderen Verfassers, des Römers Pompeius Trogus)

Das heißt: Auch der Autor, der am nächsten dran ist, hat einen Abstand von 300 Jahren. Reich existierte zu der Zeit der Autoren längst nicht mehr. Extremes Quellenproblem. Wenn der besonders geschätzte Arrian über Alexander berichtet, ist das so, als wenn heute ein Historiker über Luther berichten würde.

Primäre Alexanderquellen:

Kallistehens von Olynth (der dann von Alexander getötet wurde)

Chares von Mitylene (im Dienst des Alexander)

Nearchos (schildert seine Rückfahrt von Indien und die folgende Zeit)

Onesikritos (Steuermann unter Nearch)

Ptolemaios (war dabei, sachkundig in militärischen Fragen)

Kleitarchos (stützte sich auf andere Darstellungen und mündliche Berichte)

3. Kindheit und Jugend

- 356 geboren, und zwar von Olympia in Pella. Legenden, wonach Philipps Rennpferde bei den Olympischen Spielen an diesem Tag gewonnen hätten, Parmenion einen Sieg über die Illyrer errungen habe; zwei Adler hätten über dem Geburtshaus gekreist (Asien und Europa); die Artemis habe bei der Geburt als Hebamme geholfen etc.

Die Mutter kam aus dem Königshaus Epirus im Westen von Makedonien. War die vierte Frau Philipps. Hatte Vorlieben für Geheimkulte. Später gebar sie noch eine Tochter namens Kleopatra.

- 346: Demosthenes ist mit Aischines und noch einem Gesandten bei Philipp am Hof, weil dieser die nördliche Ägäisküste beanspruchte, die Athen „gehörte“. Demosthenes berichtet, Alexander habe sich ungeschickt angestellt beim Zitterspielen und sich als Muttersöhnchen zu erkennen gegeben. Von ihm habe man also einmal nichts zu befürchten.

Alexander, so erzählte man, habe die Gesandten verdächtig viele Details zu Persien gefragt.

- Zunächst von Leonidas erzogen, v. a. zur einfachen Lebensweise, was die Mutter kompensierte, indem sie ihm Süßigkeiten zukommen ließ.

Ab 342 bis 340 wird er von Aristoteles unterrichtet, befaßte sich mit der Literatur (Homer u. a.), der Natur und Geographie und der Philosophie. Aristoteles fertigte ihm eine eigene Illias-Ausgabe an, die er auf seinen Feldzügen neben dem Dolch unter seinem Kopfkissen hatte. Alexander sendete von seinem Feldzug aus Material und die dokumentierten Beobachtungen.

- 340 muß er sich erstmals staatspolitisch bewähren, als sein Vater Krieg gegen Byzanz führt und er das Reichssiegel verwahrt. Währendessen läßt Alexander einen Aufstand der Maider in Thrakien niederwerfen und den angelegten Stützpunkt nach ihm benennen.
- In der wichtigen Schlacht bei Chaironeia im August 338 befehligt er den linken Flügel und hat auch bei den anschließenden Verhandlungen eine wichtige Aufgabe.

=> Das heißt, zu dieser besteht noch ein Vertrauensverhältnis zwischen Vater und Sohn.

- 337 verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Philipp und Olympia, denn Alexander ist neue Ehe mit Kleopatra eingegangen, einer vornehmen Makedonierin.

Auf der Hochzeit sagt Attalos, ein bedeutender Feldherr, nun möge Makedonien einen Thronnachfolger bekommen.

Alexander wirft daraufhin seinen Becher an Attalos Kopf. Philipp zieht sein Schwert gegen seinen Sohn, stolpert. Alexander daraufhin höhnisch über seinen Vater: „Schaut diesen Mann an, der nach Asien gehen wollte und noch nicht einmal von einem zum anderen Tisch gehen kann.“

=> Olympia und Alexander ziehen sich nach Epirus zurück, der Heimat von Olympia. Wenn Alexander auch später nach Pella zurückehrt, kommt das alte Einvernehmen nicht mehr zustande, und Olympia bleibt haßerfüllt in Epirus.

- Sommer 336: Philipp hat eine Hochzeitsfeier anberaumt, auch um Olympia wieder zu versöhnen: Seine und Olympias Tochter Kleopatra soll mit Alexander, dem König von Epirus, verheiratet werden, dem Bruder von Olympia, d. h. mit Kleopatras Onkel.

Bei dieser Gelegenheit wird Philipp ermordet.

Diodor: Das ist die Hofversion, wonach ihn Pausanias aus rein persönlichen Motiven umgebracht habe. Aber schon in Antike glaubte man an Komplott.

Persische Urheberschaft?

Alexander/Olympia? Olympia äußerte Genugtuung über den Mord, brachte Opfer für den auf der Flucht getöteten Mörder dar. Aber wurde lange Zeit verneint, weil man Alexander glorifizierte. Andererseits war Zeitpunkt für Alexander nicht besonders günstig.

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Details

Seiten
25
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638231169
ISBN (Buch)
9783638645935
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18858
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – FB Geschichte
Schlagworte
Alexander Große Kontext

Autor

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