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Männlichkeit und Gewalt unter dem Aspekt der Jungenarbeit

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Definition Männlichkeit
2.1 .Konflikte von Männern und Jungen mit der eigenen 5 Männlichkeitsidentifikation

3. Definition Gewalt
3.1. Männlichkeit und Gewalt

4. Einführung zu Jungenarbeit
4.1. Definition und Ziele
4.2. patriarchatskritische Jungenarbeit nach Zieske

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die Themen Gewalt und Männlichkeit bzw. Identifikation mit dem eigenem Geschlecht sind in unserer heutigen Gesellschaft alltäglich. Vor allem durch die hohe mediale Präsenz und der daraus resultierenden Informationsquantität, sind diese Themen für jeden einzelnen zu Komponenten geworden, die aus dem Leben nicht mehrweg zu denken sind.

Dabei fällt auf, dass vor allem ein hoher empirischer Zusammenhang zwischen Geschlecht und Gewalttaten besteht. Gewalt, die von Männern oder Jungen ausgeht, ist zu einem großen Problem in unserer Gesellschaft geworden.

Daraus resultieren eine Fülle an Erwartungen und Verhaltensregeln, die an Jungen gestellt werden. Dies hat zur Folge, dass die Entwicklung eines guten Selbstwertgefühls und eines gesunden Selbstbildes, nebst des Lebens/Erlebens des eigenen Geschlechts, die Jungen oftmals vor einen schwierigen Konflikt mit sich selbst und der Gesellschaft stellt.

Dabei eine fixe männliche Identität innerhalb der Gesellschaft auszumachen, ist nicht möglich, da die Einflüsse und Erwartungen auf bzw. an das Männerbild einem stetigen Wandel unterliegen.

Das Hauptaugenmerk möchte ich hierbei auf den Zusammenhang von Männlichkeit und die daraus resultierenden Konflikte der Männer zwischen gesellschaftlichen und eigenen Erwartungen an ihre Identität legen. Einen weiteren wichtigen Punkt möchte ich bei der daraus resultierenden Jungenarbeit setzen, die eben aufdiese Konflikte eingeht und thematisiert. Dabei entstehen für mich zwei wichtige Leitfäden:

Gibt es zwischen männlicher Sozialisation, Identitätsfindung und Gewalt einen Zusammenhang?

Wie werden Jungen in ihrer Entwicklung durch die Jungenarbeit unterstützt und wie kann diese der Gewalt vorbeugen?

2. Definition Männlichkeit

Wird von Männlichkeit bzw. Weiblichkeit gesprochen, wird aufder einen Seite in sex, dem biologischen Geschlecht, und auf der anderen in gender, das soziale Geschlecht bzw. die Geschlechtsidentität, unterschieden.

Im Gegensatz zu sex bezieht sich gender auf „die Kultur der Zweigeschlechtlichkeit“ (Lexikon für Psychologie und Pädagogik 2011). Es bezeichnet also das alles, was kulturell gesehen typisch für das jeweilige Geschlecht ist. Diese Art von Merkmalen grenzt sich jedoch von den biologischen Eigenschaften ab, da diese direkt zugewiesen werden. Das hat zur Folge, dass „Verhaltensweisen von Frauen und Männern im Gegensatz zu den biologischen Kriterien ganz anders sei[n] [können].“ (Lexikon für Psychologie und Pädagogik2011).

Geschlechterkonstruktionen sind variabel, da deren Wahrnehmung immer von der vorherrschenden Machtstruktur abhängen. Darüber hinaus sind diese Konstruktionen ständig bedingt durch das alltägliche Handeln bzw. durch die stetige Produktion, Reproduktion und Repräsentation.

Geschlecht wird in der Geschlechterforschung sowohl als ein gesellschaftliches als auch als ein historisches Konstrukt bezeichnet. Das bedeutet, dass jedes Individuum innerhalb einer Gesellschaft nicht von allein sein soziales Geschlecht bestimmt, sondern dieses immer in Abhängigkeit mit der Interaktion zwischen Individuum und Gesellschaft passiert. Dabei muss beachtet werden, dass es sich, wie bereits erwähnt, auch um einen historischen Prozess handelt. Denn die Rahmenbedingungen bzw. Normen und Bilder eines sozialen Geschlechts sind immer dem Wandel der Zeit unterworfen, der diese auch stetig verändern kann.

In der westlichen Welt werden bestimmte Eigenschaften dem Männlichen und dem Weiblichen zugeschrieben, welche immer im Gegensatz zueinanderstehen: z.B.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Soziologe Robert W. Connel jedoch wies in seinen Veröffentlichungen mittlerweile auf die Pluralisierung von Männlichkeit hin. Das bedeutet, dass es in unserer Gesellschaft mehrere Formen von Männlichkeit gibt, die entweder nebeneinander leben oder in Konkurrenz miteinander.

Sobald sich eine bestimmte Ausprägung von Männlichkeit behauptet und diese neben den anderen auch die Ausprägungen von Weiblichkeit bestimmt bzw. fixiert, wird diese Art von Männlichkeit als hegemonial bezeichnet. Darüber hinaus regelt diese Hegemonie die Normalität. Jedoch ist das laut Edgar J. Forster nur eine theoretische Annahme, da „in alltäglichen Praktiken diese Hegemonie immer wieder durchkreuzt wird.“ (Forster 2007, S.19).

2.1. Konflikte von Männern und Jungen mit der eigenen Männlichkeitsidentifikation

Durch diese Pluralisierung und die Hegemonie entstehen an Männer und Jungen die unterschiedlichsten Ansprüche, welche oft zu Identitätskonflikten führen können.

Zunächst einmal ist es wichtig zu betrachten, was die Ursachen dieser Konflikte sind. Auf der einen Seite sind es all die Faktoren, die es einem Mann erschweren, zu seiner eigenen Identität zu finden. Um nicht selbst in ein leeres Selbstbild zu verfallen und um das eigene „Ich“ in der Gesellschaft zu präsentieren, nehmen viele Männer das traditionelle Bild des Mannes an, welches vor allem durch Dominanz, Stärke, Abneigung gegen Schwächen und Durchsetzungskraft repräsentiert wird. Dabei spielt die Dominanz auf vielen Ebenen eine wichtige Rolle. Der Mann will sich sowohl gegenüber den Frauen durchsetzen, als auch gegenüber anderen Männern. Dabei entsteht oft eine Art Rivalität. Diese Dominanz zeigt sich dann in der Entwicklung einer patriarchalen Männlichkeit. Das bedeutet, dass der traditionelle Mann auf der einen Seite über die Frau herrschen will und auf der anderen Seite Männer, die nicht dem traditionellen Bild entsprechen, ausgrenzt und gesellschaftlich isoliert (vgl. Bieringer 2000 S. 32). Diese Herrschaft zeigt sich stark auf familiärer Ebene, aber auch innerhalb der Gesellschaft (z.B. am Arbeitsplatz).

Als erste Ursache kann somit die Isolation gesehen werden. Diese äußert sich häufig in Gewalt und kompletter Ablehnung und Diskriminierung der Männer, die sich dem traditionellem Bild verweigern.

Neben den eigenen Erwartungen eines Mannes an das eigene Männlichkeitsbild, spielen auch die der Gesellschaft eine ausschlaggebende Rolle.

Auf der einen Seite wird erwartet, dass der Mann, wie oben bereits genannt, stark, widerstandsfähig und hart ist. Auf der anderen Seite wird jedoch erwartet, dass er auch Gefühle zeigen soll und nicht nur durch seine Rationalität besticht. Diese Widersprüchlichkeit führt zu einem inneren Konflikt, das richtige Selbstbild zu finden. Sobald sich die Männlichkeit entweder auf das traditionelle Bild oder auf den „Softie“ manifestiert, sind Konflikte vorprogrammiert. Entweder wird Männern wegen ihrer Emotionalität die Männlichkeit „aberkannt“ oder sie werden durch ihre Härte und ihre schiere Unantastbarkeit von der Gesellschaft als Macho bezeichnet. (vgl. Walte 2006 S. 7)

An dieser Stelle wird sichtbar, dass das in der Gesellschaft komplett akzeptierte Bild vom Mann nicht existiert, da es immer einen ausschließenden Gegenpart gibt.

Neben diesen beiden Ursachen spielen auch Faktoren wie die Lage auf dem Arbeitsmarkt und das soziale Umfeld eine Rolle, da z.B. Härte oft als Voraussetzung gesehen wird, um eine gute Chance auf Arbeit zu erhalten. Das soziale Umfeld spielt in dem Sinne eine Rolle, da sich z.B. ein Mann in einem Umfeld, welches nur aus traditionellen Männerbildern besteht, sich in diesem auch als Mann beweisen will bzw. seine Männlichkeit nicht aberkannt bekommen will.

3. Definition Gewalt

„Der Begriff Gewalt bedeutet Etwas mit Zwang vor allem psychisch und physisch durchzusetzen. Dabei gibt es zwei Parteien. Zum einen den Täter, der die Gewalt ausübt und auf der anderen Seite das Opfer. In der Rechtsprechung wird Gewalt definiert als körperlich wirkender Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder durch sonstige physische Einwirkung, die nach ihrer Intensität dazu geeignet ist, die freie Willensentschließung oder Willensbetätigung eines anderen zu beeinträchtigen.“ (Violence Study-Studien gegen Gewalt- 2011). Nach der Definition des Bundesgerichtshofs beschreibt Gewalt lediglich die allgemeine Rahmenbedingungen für unerlaubtes Handeln. Dabei liegt die Betonung darauf, dass es immer zwei Parteien gibt und Gewalt sowohl psychisch als auch physisch ausgeübt werden kann und dabei immer den Willen des Opfers vom Täter eingeschränkt wird. Gewalt ist jedoch nicht nur etwas unter Zwang durchzusetzen, sondern beschreibt auch die Sicherung bzw. Regulierung von Machtverhältnissen. Darüber hinaus ist Gewalt ein Zeichen von Vorherrschaft aber auch Unterdrückung bzw. Überlegenheit (vgl. Forster2007, S. 13)

Anhand dessen muss Gewalt in mehrere Ebenen unterschieden werden. Auf der einen Seite gibt es die Staatsgewalt, welche die legitime Macht ist, die wiederum die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die gesetzeswidrige Gewalt bestimmt.

3.1. Männlichkeit und Gewalt

Laut der bundesdeutschen Kriminalstatistik sind in Deutschland 90 % aller tatverdächtigen Gewalttäter und 80 % der Gefängnisinsassen männlich. Darüber hinaus sind diese Daten in den letzten 40 Jahren nahezu unverändert geblieben. (vgl. Walte 2006, S. 6)

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656120926
ISBN (Buch)
9783656121329
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188422
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Erziehungswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Gewalt Gender Rollenverhältnisse Männlichkeit Geschlecht Jungen Jungenarbeit

Autor

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Titel: Männlichkeit und Gewalt unter dem Aspekt der Jungenarbeit