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Das Wirtschaftssystem der BRD

Die Auswirkungen von Wiedervereinigung und Globalisierung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 32 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die begriffliche Bestimmung
2.1. Das Wirtschaftssystem
2.2. Die Deutsche Wiedervereinigung
2.3. Die Globalisierung

III. Der Einfluss der jeweiligen Faktoren
3.1. Die Einflussfaktoren
3.2. Die strukturellen Mängel
3.3. Der Einfluss der Wiedervereinigung
3.4. Der Einfluss der Globalisierung

IV. Schlusswort

Literatur

Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Institutionen der sozialen Marktwirtschaft

Abbildung 2: Die Einflussfaktoren

Abbildung 3: Löhne und Produktivität im West - Ost Vergleich

Abbildung 4: Entwicklung der Direktinvestitionen (jährliche Abflüsse)

Abbildung 5: Industrielle Beziehungen: Wer macht was?

Tabelle 1: Ausgaben für Forschung und Entwicklung nach Sektoren in Euro

Tabelle 2: Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt in Prozent

I. Einleitung

Im Jahre 1945 wurde im »Potsdamer Abkommen« festgelegt, dass Deutschland zukünftig eine wirtschaftliche Einheit darstellen sollte1. Doch dies konnte nicht realisiert werden, da die notwendige Währungsreform 1948 von den Entscheidungsträgern des Gebietes unter der Verwaltung der Sowjetunion nicht mitgestaltet wurde2. Mit der ersten Bundestagswahl vom 14. August 1949 und dem Wahlerfolg der CDU3 kristallisierte sich schließlich heraus, dass durch den neuen Bundeskanzler, Konrad Adenauer (1876-1967), der eine Planwirtschaft strikt ablehnte, die Basis für eine soziale Marktwirtschaft geschaffen werden sollte4. Es sollte aber kein endgültiges Konzept für Wirtschaftspolitik sein, sondern nur “ein [in, die Verfasser] der Ausgestaltung harrender, progressiver Stilgedanke5 ”, der wirtschaftliche Freiheit mit sozialer Gerechtigkeit sowie Sozialbindung und Profit verbindet6. Dieses Wirtschaftssystem war in den kommenden Jahren überwiegend von einer positiven ökonomischen Entwicklung begleitet7.

Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Ordnungen der Deutschen Demokratischen Republik und Osteuropas in den Jahren 1989 und 1990 kamen die Institutionen der sozialen Marktwirtschaft8 sowie der Standort Deutschland intensiver zum Vorschein9, da man in der Wiedervereinigung und in der stetig voranschreitenden Globalisierung die Hauptbegründungen für die Abschwächung der deutschen Volkswirtschaft gesehen hat10.

Die Volkswirtschaft wird bekanntlich von verschiedenen Modalitäten bestimmt und es ist fraglich, in welchem Umfang ein Wirtschaftssystem zu verändern ist, damit es weiterhin entsprechend funktioniert. Ein »Stilgedanke« kann in seiner Überlegung sicherlich nicht scheitern, aber die praktische Ausarbeitung dieses Gedankens könnte mißlingen. Dazu sollte bewusst sein, dass in einer schnelllebigen Welt neue Impulse verlangen, dass bestimmte Anpassungen in mehreren Bereichen vollzogen werden muss. Hiermit soll erläutert werden in welchem Maße die Ausstattung des Wirtschaftssystems, Globalisierung und Wiedervereinigung das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland wirklich beeinflussen und es soll Einsicht verschafft werden, ob diese als ein Hauptgrund für die neuerdings stagnierende deutsche Volkswirtschaft11 oder gar für die starke Erosion12 der sozialen Marktwirtschaft gelten kann.

II. Die begriffliche Bestimmung

2.1. Das Wirtschaftssystem

Das Wirtschaftssystem beschreibt allgemein ein soziales Subsystem des Gesellschaftssystems, in dem sich die Produktion und die Bereitstellung von Gütern vollzieht. Es ist “ [...] the sum of general practices and value orientations which characterise both the internal organization of business units and their relations with their environment. They are Abelshauser, Werner: Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland (1945 - 1980), Frankfurt am Main, 1997; sowie vgl. Henning, Friedrich-Wilhelm: a.a.O., S. 185-243. regarded as constituted by the social-institutional environment in which they are embedded13.”

Um diesen Terminus zu analysieren gibt es eine Vielzahl von Ansätzen14, jedoch beziehen sich die meisten auf die Darstellung der Institutionen der sozialen Marktwirtschaft15. Diese sind die industriellen Beziehungen, das System der Corporate Governance, das Innovationssystem sowie die Unternehmenskooperation.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Institutionen der sozialen Marktwirtschaft

Quelle: Lane, Christel: Globalization and the German Model of capitalism - erosion or survival?; in: British Journal of Economics and Political Science, No. 2, London, 2000, S. 207-234; eigene Darstellung.

Der Begriff der industriellen Beziehungen beschreibt die Regulierung von Arbeitsverhältnissen und Arbeitsbedingungen auf betrieblicher sowie überbetrieblicher Ebene, ausgeübt von verschiedenen Akteuren und Regulierungsinstrumenten, wobei in der Bundesrepublik Deutschland die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände eine besondere Position einnehmen16. Ebenso bedeutend sind die Interessenaushandlungen zwischen Unternehmen und Betriebsräten17. Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, Gesetze und Arbeitsverträge sind wesentliche rechtsförmige Instrumente der Regulierung von Arbeitsbeziehungen; um jedoch ein Unternehmen erfolgreich zu leiten, muss die rechtliche und tatsächliche Verteilung der Aufgaben zwischen dem Aufsichtsrat, dem Vorstand und den Unternehmenseigentümern zugewiesen sein. Solch eine Unternehmensleitung mit optimaler Aufgabenverteilung unter diesen Beteiligten bezeichnet man als Corporate Governance18. Neben den Unternehmen sind auch Universitäten und andere Forschungseinrichtungen sowie die öffentliche Hand als regulierende und gleichzeitig mitfinanzierende Einrichtung an dem nationalen Innovationssystem beteiligt19. Nicht nur die einzelnen Elemente entscheiden über diese Leistungsfähigkeit, sondern vor allem auch die Qualität der Beziehungen zwischen diesen Elementen. Schließlich beschreibt die Unternehmenskooperation das Management zwischenbetrieblicher Beziehungen in all seinen Variationen; diese nehmen in der Praxis häufig eine Form an, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, sowie auch hierarchisch koordiniert werden, wie beispielsweise in Konzernen20. Die oben beschriebene Konstellation fehlte vollständig in der Planwirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik21, was nach der Wiedervereinigung in der wirtschaftlichen Entwicklung zu ernsten Problemen führte.

2.2. Die Deutsche Wiedervereinigung

“Während in anderen westeuropäischen Ländern längst strategische Überlegungen zur Modernisierung des Staates oder zu neuen Formen gesellschaftlicher Selbststeuerung zum Alltag gehörten, war die offizielle Regierungspolitik in der „neuen“ Bundesrepublik blockiert. Dies lag auch daran, dass der Transformationsprozess im Osten und die Folgewirkungen der deutschen Einheit sich als erheblicher Stressfaktor für das politische System erwiesen22.”

Die deutsche Wiedervereinigung kennzeichnet die Zusammenführung der beiden deutschen (Teil-) Staaten Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik zu einer gemeinsamen Nation, die durch innenpolitische und außenpolitische Überlegungen Ende der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Erwägung gezogen und die Anfang der Neunziger Jahre verwirklicht worden ist23. Der Wechsel in das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland stellte in ökonomischer Perspektive ein welthistorisches Experiment der Integration zweier gegensätzlicher Systeme in kurzer Zeit dar. Diese innerdeutsche Eingliederung erwies sich jedoch im wirtschaftlichen Bereich besonders schwierig, da in Politik und Wissenschaft die Zerrüttung der Ostwirtschaft erheblich unterschätzt worden und der Zeitbedarf der Anpassung sowie der notwendige Mitteltransfer in die neuen Bundesländern problematisch war24, was eine finanzielle Krise für den Staat nach sich zog. Die Zuversicht, die Herausforderung der deutschen Wirtschaftsintegration könnte auch zu einer Revitalisierung der westdeutschen Wirtschaftsordnung genutzt werden, wurde enttäuscht25. Durch die Wiedervereinigung konnten sich verstärkt neue wirtschaftliche Entwicklungen entfalten, da globale Handlungsmärkte durch den Fall des Sozialismus größere Bedeutung gewinnen konnten.

2.3. Die Globalisierung

Eine zufriedenstellende, gar allgemein gültige Definition von Globalisierung ist eigentlich nicht gefunden, da die Quellen angeben, dass je nach Ansatzpunkten, mit jedem der zahlreichen Autoren und Theoretikern eine eigene Begriffserklärung formuliert wurde26. Globalisierung hat seine Wurzeln in den Welthandel27 und es ist entweder als eine sehr alte, seit dem 16. Jahrhundert existierende Erscheinung28, oder aus traditionell marxistischer Sicht seit der industriellen Revolution vorhandenes Vorkommnis definiert29, das weite Verbreitung fand. Erst durch die Entwicklung der Technisierung30 und mit dem Fall des eiserneren Vorhangs nahm man Globalisierung verstärkt wahr31 und bezeichnet es seitdem als einen historischen Prozess32 der räumlichen Ausdehnung, Intensivierung und Vernetzung menschlichen Handelns im Weltmaßstab33.

“Globalisation as a concept refers both to the compression of the world and the intensification of consciousness of the world as a whole34.”

Globalisierung ist vor allem in Deutschland ein Phänomen, dass ökonomisches agieren nicht vorrangig an einen geographischen Staat bindet, sondern es handelt sich um die Entgrenzung wirtschaftlicher Aktivitäten sowie der Beschränkung der Politik in ihrer Interessenverfolgung. Die Auswirkungen des politischen Handelns sind dementsprechend nicht mehr grundlegend kontrollierbar, was soziale Unsicherheit erzeugt und das Wirtschaftssystem belasten kann35.

III. Der Einfluss der jeweiligen Faktoren

3.1. Die Einflussfaktoren

Das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland wird von verschiedenen Faktoren ungleich stark beeinflusst, aber Wiedervereinigung und Globalisierung wird größere Gewichtung zugemessen36. Außerdem ist denkbar, dass Mängel in der Ausstattung des Wirtschaftssystems einen bestimmten Druck ausüben und dass diese strukturellen Mängel einen wesentlichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Stabilität des Systems haben37.

Abb. 2: Die Einflussfaktoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

3.2. Die strukturellen Mängel

In der Überlegung, ob das deutsche Wirtschaftssystem durch die strukturellen Mängel nicht überlastet ist, zählt Streeck die drei folgenden wichtigen Positionen auf: das Arbeitsangebot, die Produktinnovation und die Marktgröße38.

Das Arbeitsangebot einer Wirtschaft muss sich im hohen Maße der Arbeitsnachfrage anpassen, um den Markt mit hochqualifizierten und hochbezahlten Arbeitsplätzen zu versorgen, damit ein zufriedenstellendes Niveau an Beschäftigung erreicht werden kann. Damit die Wirtschaft auf den Märkten konkurrenzfähig bleibt, muss die Entwicklung der Produktinnovation schnell genug sein, was gleichbleibend hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung erfordert. Die weltweite Marktgröße für qualitätsorientierte Produkte muss groß genug sein, um Vollbeschäftigung an Märkten zu garantieren, die nicht Produkte über den Preiswettbewerb absetzen können. Gründe für die Existenz dieser Märkte sind:

(a) die historische Entwicklung der weltweiten Nachfrage,
(b) die wettbewerblichen Fähigkeiten anderer Volkswirtschaften und
(c) den zu starken Anstieg inländischer Produktionskosten, so dass auch kein qualitätsorientierter Wettbewerb mehr möglich ist39.

Solange diese Anforderungen erfüllt werden können, bleibt das Beschäftigungsniveau auf einem ausgeglichenem Stand; kommt es jedoch zu einer Verschiebung auf den Märkten, steigt die Arbeitslosigkeit in diesem bestimmten Sektor. Nimmt die Unterbeschäftigung derartig stark zu, dass ein Zustand erreicht wird, bei dem die sozialen Kosten, die durch die Arbeitslosigkeit entstehen, nicht mehr gedeckt werden können, wird die Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigt. Zusätzlich erhöht sich die Diskrepanz und die sozial gerechte Gewährleistung ähnlicher Bedingungen für die Beschäftigten zwischen den Beschäftigten und den Langzeitarbeitslosen, was eine zufriedenstellende Umverteilung unmöglich macht40. Falls Niedriglohnbeschäftigung die Oberhand gewinnt, könnten sich die Unterschiede einer Hoch- und einer Niedriglohnvolkswirtschaft auflösen. Streeck behauptet, und mit dieser Aussage steht er allein da, dass diese Entwicklung schon vor der Wiedervereinigung stattgefunden habe41.

3.3. Der Einfluß der Wiedervereinigung

Mit der Wiedervereinigung wurde die Sozial-, Wirtschafts- und Währungsunion des Westens für den Osten Deutschlands beschlossen42. Streeck meint, dass neben den Auswirkungen der strukturellen Mängel auch dies die Zerrüttung des deutschen Wirtschaftssystems verschärft habe43. Die Tatsache, dass die Ostlöhne das Westniveau innerhalb von fünf Jahren erreichen sollten, war mit den Sorgen verbunden, dass entweder der Osten den Westen mit Niedriglohnproduktionen untergraben könnte oder dass ein fairer Preiswettbewerb landesweit nicht möglich sei, da der Westen kostenintensiver produzierte. Diese Aussage wird ergänzt durch die Überlegungen von Schroeder, der erklärt, dass die wirtschaftlichen Erwartungen überschätzt worden seien, da sich die Betriebe in einem desolaterem Zustand befunden hätten als erwartet und die Binnennachfrage in den Neuen Bundesländern zusammengebrochen sei, weil sich die Konsumenten an Westprodukten orientiert hätten44.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Löhne und Produktivität im West-Ost Vergleich *

Quelle: Statistisches Bundesamt, ifo-Institut; in: Schroeder, Klaus: Der Preis der Einheit, München, 2000, S. 132. * Anhand des Bruttoinlandsproduktes je Erwerbstätigen und der Bruttolohn- und Gehaltsumme je Arbeitneh- mer. Angaben in jeweiligen Preisen.

Priewe erklärt, dass die Ostlöhne auf Grund von Tarifverhandlungen im Durchschnitt bei 80% des Westniveaus lagen45, zeigt jedoch auch auf, dass die Produktivität bei weitem nicht diese Qualität erreicht habe. Die Abbildung 3, nach Schroeder, bestätigt diesen Lohnunterschied zwischen Ost und West; zusätzlich wird auch bekräftigt, dass die Produktivität in den neuen Bundesländern 40% hinter der westlichen Produktivität zurückblieb. Diese Entwicklung hat die industriellen Beziehungen beeinträchtigt, da seine wichtigste Komponente, der Flächentarifvertrag, wegen der Wiedervereinigung zum ersten Mal nach der Gründung der Bundesrepublik außer Kraft gesetzt wurde46 und auch so geblieben ist. Schroeder spricht von der “Verbandsflucht der Arbeitgeber47 ” bemerkt jedoch als einziger, dass dies nicht bedeutet, dass keine tariflichen Entlohnungen zustande kamen; laut Umfragen gäbe es noch im Osten des Landes Unternehmen, die zwar nicht an Tarifverträge gebunden seien, aber trotzdem tariflich und sogar übertariflich ihre Beschäftigten bezahlten. Der Flächentarifvertrag kennzeichnet in der Bundesrepublik Deutschland eine Voraussetzung für den sozialen Frieden in der Volkswirtschaft.

Das deutsche System der Corporate Governance hat erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre verstärkt an Bedeutung gewonnen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, so Jürgens/Rupp/Vitols, die eine marktbasierende Systematik bevorzugen und auch den Shareholder Value Grundsatz verfolgen48, wird in der Bundesrepublik dieses Instrumentarium auf Kreditvergabe durch Banken geäußert und zielt damit mit Investitionen auf langfristige Ereignisse49. Hier fordert Nunnenkamp, dass das System der Corporate Governance dem amerikanischen angepasst werden soll, da solch marktorientierte Ansichtsweisen eine höhere Aufmerksamkeit der leitenden Angestellten hervorruft, aber auch deswegen, weil es die Börsennotierungen befriedigen muss50. Nunnenkamp beklagt des Weiteren, dass ein bankenorientiertes System nicht von den Unternehmern, sondern von den Bankvertretern und Versicherungen abhängig gemacht werde, und da stehe meistens die Loyalität zum eigenen Haus als zum Unternehmerprojekt im Vordergrund, was sich wirtschaftlich nicht immer rentieren müsse51.

Dies gibt der Unternehmenskooperation einen anderen Charakter, als es auf den internationalen freien Markt üblich ist, da in diesem Segment die Zusammenarbeit der Unternehmer von den Geldgebern abhängig ist. Dies beeinflusst neben der Standortfrage auch den Arbeitsmarkt, da mit den Entscheidungen der Banken nicht immer die Unternehmerideen unterstützt werden und mit Daten, die eine niedrige Produktivitätsqualität dem Osten zurechnen könnten, auch einige Unternehmen schwache oder keine Förderung erfahren könnten. Die Ursprungsform der Kooperation sind in Deutschland beispielsweise die Industriefachverbände oder Industrie- und Handelskammer, welche durch eine Mitgliedschaft, die Gewerbesteuer, wie Lane aufzeigt, in der Lage ist, die Interessen der in der Region ansässigen Betrieben zu vertreten und zu fördern, indem die kleineren und mittelständigen von bestimmten Leistungen genauso Nutzen ziehen wie die größeren Betriebe. Diese Zusammenschüsse seien mit der deutschen Einheit auf die Probe gestellt worden, da es im Osten eine Mehrzahl von Betriebe gab, die diese Standards nicht kannten. In diesem Bezug kann die Äußerung Schroeders hinzugezogen werden, der sagt, dass die deutsche Einheit einen herben Schnitt in die Industrieproduktion verursachte, da mit den Neuen Bundesländern die ostdeutschen Betriebe innerhalb kürzerster Zeit den niedrigsten Stand erlebt hätten, weil nur 30 % der Unternehmen überlebt haben52. Die Folge war hohe Arbeitslosigkeit.

Der unbewegliche wirtschaftliche Faktor Arbeit hat einen neuen Stellenwert zu dieser Zeit bekommen.

[...]


1 Vgl. Chronik des 20. Jahrhunderts, Braunschweig, 1982, S. 666.

2 Die politisch-geschichtlichen Rahmenbedingungen sollen an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden, zu näheren Informationen vgl. Henning, Friedrich-Wilhelm: Das industrialisierte Deutschland 1914 bis 1992, Stuttgart, 1997, S. 198 ff.

3 Die Christlich Demokratische Union gewann diese Wahl mit 34,6% bei einer Wahlbeteiligung von 78,5%; vgl. Chronik des 20. Jahrhunderts, a.a.O., S. 726.

4 Vgl. Henning, Friedrich-Wilhelm: a.a.O., S. 185 f.

5 Vgl. Müller-Armack, Alfred: Wirtschaftsordnung und Gesellschaftskonzept. Zur Integrationskraft der sozialen Marktwirtschaft, Frankfurt am Main, 1966, S. 12.

6 Der »Stilgedanke« kommt aus der wirtschaftlichen und politischen Situationsanalyse der Nachkriegszeit und den Reaktionen auf spätere nationale und internationale Herausforderungen für die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Für weitere Einsicht vgl.

7 Vgl. Henning, Friedrich-Wilhelm: a.a.O., S. 193 ff.

8 Hiermit gemeint sind die nach Lane ausgearbeiteten Unterteilungen des deutschen Wirtschaftssystems, auf die im Kapitel II. dieser Arbeit, sowie im Anhang S. 27-30 ausführlicher eingegangen wird. Vgl. Lane, Christel: Globalization and the German Model of capitalism - erosion or survival?; in: British Journal of Economics and Political Science, No. 2, London, 2000, S. 207-234.

9 Vgl. Müller, Stefan/Kornmeier, Martin: Globalisierung als Herausforderung für den Standort Deutschland; in: Politik und Zeitgeschichte, B 9/2001, Berlin, 2001, S. 6 ff.

10 Vgl. Czada, Roland: Zwischen Stagnation und Umbruch. Die politisch-ökonomische Entwicklung nach 1989; in: Süß, Werner (Hrsg.): Deutschland in den neunziger Jahren. Politik und Gesellschaft zwischen Wiedervereinigung und Globalisierung, Opladen, 2002, S. 203 ff; oder vgl. Cattero, Bruno: Vorwort; in: Cattero, Bruno (Hrsg.): Modell Deutschland - Modell Europa. Probleme, Perspektiven, Opladen, 1998, S. 6.

11 Vgl. Süß, Werner: Politik und Gesellschaft zwischen Wiedervereinigung und Globalisierung. Zur Einführung; in: Süß, Werner (Hrsg.): a.a.O., S. 7 f.

12 Vgl. Cattero, Bruno: Vorwort; in: Cattero, Bruno (Hrsg.): a.a.O., S. 6 ff.

13 Lane, Christel: European Business Systems: Britain an Germany compared; in: Whitley, Richard (Hrsg.): European Business Systems, London, 1992, S. 64.

14 Vgl. Hall, Peter A. (Hrsg.)/Soskice, David W. (Hrsg.): Varieties of Capitalism: The Institutional Foundations of Comparative Advantage, Oxford, 2001; vgl. Hollingsworth, J. Rogers (Hrsg.)/Boyer, Robert (Hrsg.): Contemporary Capitalism: The Embeddedness of Institutions, Cambridge, 1997; vgl. Herrigel, Gary: Industrial Constructions: The Sources of German Industrial Power, Cambridge, 1996.

15 Vgl. Lane, Christel: Globalization and the German Model of capitalism - erosion or survival?; in: British Journal of Economics and Political Science, No. 2, London, 2000, S. 207 ff.

16 Vgl. Armingeon, Klaus: Gewerkschaften; in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik, München, 2001, S. 173 ff.

17 Vgl. Dufour, Christian: Industrielle Beziehungen - wie modellhaft ist das deutsche Modell?; in: Cattero, Bruno (Hrsg.): a.a.O., S. 251-254.

18 Vgl. D´Alessio, Nestor/Oberbeck, Herbert: Ist das deutsche Modell der "Corporate Governance" am Ende?; in: Cattero, Bruno (Hrsg.): a.a.O., S. 100 ff.

19 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung: Wirtschaft heute, Bonn, 2002, S. 144.

20 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung: a.a.O., S. 78.

21 Vgl. Henning, Friedrich-Wilhelm: a.a.O., S. 185 ff.

22 Heinze, Rolf G.: Politik und Zivilgesellschaft. Regierungspolitik der rot-grünen Koalition; in: Süß, Werner (Hrsg.): a.a.O., S. 175.

23 Vgl. Korte, Karl-Rudolf/Weidenfeld, Werner: Die Deutsche Einheit; in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): a.a.O., S. 62-64.

24 Vgl. Süß, Werner: Der deutsche Vereinigungsprozeß 1989/1990. Politische Strategie zwischen Euphorie und Bürokratie; in: Süß, Werner (Hrsg.): a.a.O., S. 29 ff.

25 Vgl. Neumann, Lothar F./Schaper, Klaus: Die Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt am Main, 1998, S. 41 ff.

26 Vgl. Dürrschmidt, Jörg: Globalisierung, Bielefeld, 2002, S. 5 ff; oder vgl. Cohen, Daniel, Fehldiagnose Globalisierung: Die Neuverteilung des Wohlstands nach der dritten Revolution, Frankfurt am Main, 1998, S. 13 ff.

27 Vgl. Schmidt, Helmut: Globalisierung. Politische, ökonomische und kulturelle Herausforderungen, Stutgart, 1998, S. 15.

28 Vgl. Wallerstein, Immanuel: Klassenanalyse und Weltsystemanalyse; in: Kreckel, Reinhard (Hrsg.), Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt, Sonderband 2, Göttingen, 1983, S. 33.

29 Vgl. Brenner, Robert: Turbulence in the World Economy, London, 1999, S. 9.

30 Vgl. Müller, Stefan/Kornmeier, Martin: a.a.O., S. 6.

31 Vgl. Süß, Werner: Politik und Gesellschaft zwischen Wiedervereinigung und Globalisierung. Zur Einführung; in: Süß, Werner (Hrsg.): a.a.O., S. 7 ff.

32 Vgl. Habermas, Jürgen: Jenseits des Nationalstaats? Bemerkungen zu Folgeproblem der wirtschaftlichen Globalisierung; in: Beck, Ulrich (Hrsg.): Politik der Globalisierung, Frankfurt am Main, 1998, S. 70 ff.

33 Vgl. Dürrschmidt, Jörg: a.a.O., S. 12.

34 Robertson, Roland: Globalisation: Social Theory and Global Culture, London, 1992, S. 8.

35 Vgl. Rieger, Elmar/Leibfeld, Stephan: Grundlagen der Globalisierung. Perspektiven des Wohlfahrtstaates, Frankfurt am Main, 2001, S. 24 ff.

36 Vgl. Süß, Werner: a.a.O., S. 8 ff.

37 Vgl. Streeck, Wolfgang: German Capitalism: Does It Exist? Can It Survive?; in: Max-Planck-Institute für Gesellschaftsforschung, MPIFG Discussion Paper1995/5, Köln, 1995, S. 15 f.

38 Vgl. Streeck, Wolfgang: a.a.O., S. 15 f.

39 Vgl. Streeck, Wolfgang: a.a.O., S. 15.

40 Vgl. Streeck, Wolfgang: a.a.O., S. 16.

41 Vgl. Streeck, Wolfgang: a.a.O., S. 20.

42 Vgl. Schroeder, Klaus: Der Preis der Einheit, München, 2000, S. 129.

43 Vgl. Streeck, Wolfgang: a.a.O., S. 20.

44 Vgl. Schroeder, Klaus: a.a.O., S. 130.

45 Vgl. Priewe, Jan: Die ökonomische Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft in den 90er Jahren; in: Cattero, Bruno (Hrsg.): a.a.O., S. 33.

46 Vgl. Lane, Christel: Globalization and the German Model of capitalism - erosion or survival?; in: British Journal of Economics and Political Science, No. 2, London, 2000, S. 224.

47 Vgl. Schroeder, Klaus: a.a.O., S. 132.

48 Jürgens, Ulrich/Rupp, Joachim/Vitols, Katrin: Corporate Governance and Shareholder Value in Deutschland, Berlin, 2000, S. 1 ff.

49 Vgl. Lane, Christel: a.a.O., S. 211.

50 Vgl. Nunnenkamp, Peter: The German Model of Corporate Governance, Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel, Kiel Working Paper No. 655, Kiel, 1995, S. 21.

51 Vgl. Nunnenkamp, Peter: a.a.O., S. 16.

52 Vgl. Schroeder, Klaus: a.a.O., S. 130.

Details

Seiten
32
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638230964
ISBN (Buch)
9783640868575
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18837
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Politische Wissenschaft
Note
1,1
Schlagworte
Wirtschaftssystem Einführung Politische Wissenschaft

Autor

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Titel: Das Wirtschaftssystem der BRD