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Sozialisation über die Lebensspanne

Faktoren für die Wahl des Bildungswegs mit Schwerpunkt "Finanzielle Situation"

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition von Bildung

3. Aktuelle Situation

4. Familie und Bildung
4.1. Faktoren
4.1.1. Soziale Selektion
4.1.2. Die finanzielle Situation
4.1.3. Familienkonstellation

5. Maßnahmen, Hilfe und Unterstützung für den Faktor Finanzierung

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Erklärung

1. Einleitung

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.“ Abgesehen vom Bedeutungsinhalt hat John F. Kennedy in diesem Satz zwei Wörter miteinander kombiniert, die in der heutigen Zeit leider immer Hand in Hand gehen – die Worte Bildung und teuer. Insbesondere ein Hochschulstudium hat inzwischen den Wert eines Neuwagens erreicht. Wenn man eine Regelstudienzeit von sechs Semestern (z. B. ein BWL- oder KuWi – Studium) nimmt und diese mit den Lebenshaltungskosten in dieser Zeit multipliziert und die Studiengebühren addiert, kommt man auf ca. 30.000 €[1]. Soviel kostet auch ein neuer VW Golf mit Vollausstattung. Zu beachten ist, dass diese Summe, wegen eventuell längerer Studiendauer, Auslandsaufenthalte, unterschiedlichhoher Mieten und Lebenshaltungskosten, nach oben hin offen ist. So kann aus einem VW Golf auch schnell ein fünfer BWM werden.

Doch ist der finanzielle Hintergrund alleine dafür verantwortlich, dass sich Eltern bewusst dazu entscheiden, ihre Kinder nicht auf einen Weg der weiterführenden Bildung (Gymnasium/Uni oder Realschule/FH/Hochschule, etc.) zu schicken, oder spielen auch andere Faktoren eine entscheidende Rolle?

2. Definition von Bildung

„Bildung (von althochdeutsch bildunga, ‚Schöpfung, Bildnis, Gestalt‘) bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“[2]. Das impliziert, dass der Prozess der Bildung nie abgeschlossen ist. Bildung wird inzwischen auch teilweise als Kulturgut angesehen. Dass Bildung allen Menschen zugänglich gemacht werden soll, ist letztlich Alexander von Humboldt zu verdanken, da dieser ein mehrgliedriges Schulsystem eingeführt hat. Dabei ging es jedoch weniger um faktische Wissensvermittlung, sondern „um die Ausbildung/Vervollkommnung der Persönlichkeit und das Erlangen von Individualität“[3].

Eine einzige, treffende Definition von Bildung ist jedoch nicht möglich, da jeder eine andere Auffassung davon hat. So ist Bildung für den Einen das Wissen um mathematische Zusammenhänge, für den Anderen ist es das richtige Benehmen beim Essen.

Wenn es um die Schülerbildung geht, so hat der Freistaat Bayern im Artikel 131 der bayerischen Verfassung folgende Regelungen für die Bildung der Kinder erlassen:

(1) Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.
(2) Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewußtsein für Natur und Umwelt.
(3) Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.
(4) Die Mädchen und Buben sind außerdem in der Säuglingspflege, Kindererziehung und Hauswirtschaft besonders zu unterweisen.[4]

Hier sieht man deutlich, dass Bildung nicht primär die bloße Vermittlung von Wissen darstellt, sondern allen voran die Formung des Charakters.

§ 128 Absatz 1 besagt zudem, dass „ [jeder] Bewohner Bayerns Anspruch darauf [hat], eine seinen erkennbaren Fähigkeiten und seiner inneren Berufung entsprechende Ausbildung zu erhalten“[5]. In der Theorie ist diese Regelung zutreffend und zufrieden stellend, doch sieht die Praxis anders aus: Verschiedene Faktoren machen es teilweise nicht möglich, jedem Bürger die Ausbildung zugänglich zu machen, die er sich wünscht. Nach einem kurzen Einblick in die aktuelle Situation in Deutschland hinsichtlich Schulübertritte soll im Anschluss auf einige dieser Faktoren genauer eingegangen werden.

3. Aktuelle Situation

Ein Bericht der Zeit berichtet 2009 erstmals von einem Anstieg der Zahlen deutscher Arbeiterkinder an Universitäten seit 1982. Laut einer Sozialerhebung waren in diesem Jahr rund 59% der Studenten aus „gehobenen oder besonders begüterten Schichten“[6].

Beim Übertritt von der Grundschule auf ein Gymnasium sind bereits gravierende Unterschiede zwischen Akademiker- und Arbeiterkindern zu erkennen. Bundesweit haben erstgenannte eine 2,72 Mal bessere Gymnasialchancen als Letztere[7], in Bayern sind die Chancen sogar 6.65 Mal so groß[8]. Diese Ungleichheit spiegelt sich auch im so genannten Bildungstrichter wider: Dieser Ausdruck steht für eine Form der Datenauswertung bei der Sozialerhebung, eingeteilt nach Bildungsschwellen. So erreichen, laut der 19. Sozialerhebung aus dem Jahre 2009, 81 von 100 Kindern aus Akademikerfamilien die Schwelle zur Sekundarstufe I, während es bei den Arbeiterfamilien gerade einmal 45 aus 100 sind. Bei der Schwelle zum Hochschulzugang sind es bei den Akademikerkindern immer noch 71 Kinder, was einer Quote von 88% entspricht. Im Vergleich erreichen bei den Kindern aus Nicht-Akademikerfamilien gerade einmal 24 Kinder den Zugang zur Hochschule (Dies entspricht 53%)[9].

Anzumerken ist, dass diese Zahlen auch gelten, wenn die Kinder über die gleiche Intelligenz und das gleiche Lesevermögen verfügen[10], wobei der Wissensvorsprung bei 15-Jährigen aus der Oberschicht in Mathematik und Naturwissenschaften durchschnittlich 100 PISA-Punkte höher liegt, „was einem Lernfortschritt von deutlich mehr als zwei Schuljahren entspricht“[11]. Diese Ergebnisse deuten auf einen großen Mangel bei der Förderung von Kindern aus Arbeiter- oder Migrantenfamilien hin; und dieser Mangel ist in Deutschland, im Vergleich zu anderen Ländern, am höchsten.

4. Familie und Bildung

4.1. Faktoren

4.1.1. Soziale Selektion

In Deutschland wird an verschiedenen Stellen der Schullaufbahn von Kindern soziale Selektion vorgenommen; diese beginnt bereits vor der regulären Einschulung mit dem sechsten Lebensjahr. Eine Zurückstellung vom Schuleintritt wird dann vollzogen, „wenn zu erwarten ist, dass eine Förderung im schu­lischen Rahmen keine für die Entwicklung des Kindes günstigeren Voraussetzungen schafft“[12]. Das letzte Wort bei der Entscheidung auf Zurückstellung hat die Schulleitung. Hier liegt bereits die erste Hürde, da natürlich Kinder, deren Eltern bereits eine bessere Ausbildung genießen konnten, sozusagen prädestiniert für diesen Weg sind und dementsprechend gefördert werden müssen. Daher ist es auch kaum verwunderlich, dass die Chance auf eine Zurückstellung von Kindern aus Nicht-Akademikerfamilien, laut diversen Studien, doppelt so hoch als bei Kinder aus bildungsnäheren Schichten ist.

[...]


[1] Bei monatlichen Ausgaben von ca. 750€ und halbjährlich anfallenden Semestergebühren von 500€ (http://www.bachelor-studium.net/studiengebuehren-kosten.html)

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung

[4] §131 BayVerf

[5] http://by.juris.de/by/gesamt/Verf_BY_1998.htm

[6] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-04/hochschule-deutschland-arbeiterkind

[7] Vgl. http://www.welt.de/die-welt/debatte/article7512153/Der-gerade-Weg-zur-Bildung.html

[8] Vgl. http://www.faz.net/artikel/C30919/pisa-laendervergleich-chancenungleichheit-in-schulen-waechst-30109315.html

[9] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2009), S. 11

[10] Vgl. http://www.welt.de/politik/bildung/article7258676/Herkunft-entscheidet-wer-auf-das-Gymnasium-geht.html

[11] http://www.faz.net/artikel/C30919/pisa-laendervergleich-chancenungleichheit-in-schulen-waechst-30109315.html

[12] http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1997/1997_10_24-Empfehlung-Schulanfang_01.pdf , S. 2

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656120469
ISBN (Buch)
9783656120483
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188346
Institution / Hochschule
Universität Passau – Lehrstuhl für allgemeine Pädagogik
Note
1,3
Schlagworte
sozialisation lebensspanne faktoren wahl bildungswegs schwerpunkt finanzielle situation

Autor

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Titel: Sozialisation über die Lebensspanne