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Globalisierung und der „flexible Mensch“ in Bezug auf Richard Sennett

Wissenschaftlicher Aufsatz 2012 13 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Globalisierung und der „flexible Mensch“

in Bezug auf Richard Sennett

Wir befinden uns in der sich globalisierenden Welt und Globalisierung ist nicht nur ein wirtschaftliches oder politisches Thema, sondern wird zur ganz privaten Angelegenheit. Welche Rolle spielen aber intime soziale Beziehungen in Zeiten der sich globalisierenden Welt und welchen Belastungen müssen diese Beziehungen standhalten? Wie haben sich Beziehungen verändert und welche Auswirkungen hat Globalisierung damit auf die individuelle Lebensgestaltung und die Biographie? Diesen Fragen widmet sich dieser Aufsatz, indem unter anderem Bezug auf Richard Sennetts (1998) „flexiblen Menschen“ genommen wird.

Hinführung zum Thema

Das 20. Jahrhundert war voll von grundlegenden Veränderungen. Die Menschen der großen Wirtschafts- und Industrienationen waren genötigt, sich von zahllosen traditionellen Errungenschaften zu verabschieden. Auch in der Industrie, die über Jahrzehnte hinweg als Garant für Wachstum und Vollbeschäftigung galt, mussten neuen Produktionsmethoden und Vertriebswegen den klassischen Vorgehensweisen weichen.

Die zentralen Forderungen der Arbeitswelt an den einzelnen Arbeitnehmer lauten jetzt Flexibilität, Mobilität, Stressresistenz usw. Das wird bereits bei Stellenausschreibungen deutlich: „Sind Sie jung, dynamisch, flexibel und mobil? Dann sind Sie genau richtig bei uns! Heute in Hamburg, morgen in Los Angeles, übermorgen in Kapstadt. Sie sollten zahlreiche Fremdsprachen fließend beherrschen und bereits mehrere möglichst langjährige Auslandsaufenthalte vorweisen können…[1] “ sind typische An- bzw. Aufforderungen, die von Unternehmen an den potenziellen Bewerber gestellt werden. Das ist Globallife!

Mit Flexibilität werden bislang starre Strukturen durchbrochen. Es entstehen neue Möglichkeiten für den einzelnen und der gesellschaftliche Prozess erfährt eine ganz neue eigene Dynamik. Andererseits kann Flexibilität auch eine Überforderung des einzelnen darstellen (vgl. Englisch 2001). Bislang wurden die sog. Yetties als Prototyp des flexiblen Menschen betrachtet, doch die Reise im Zeitalter der Globalisierung geht hin zu einer allumfassenden Flexibilisierung nahezu jedes Individuums.

Die Basis dieses Aufsatzes bildet der „flexible Mensch“ von Sennett (1998). Auf sonstige - vielfältig vorhandene - Literatur zu diesem Thema wird nicht explizit eingegangen, da sich die Betrachtungen auf die Ansätze Sennetts konzentrieren. Diese werden einer Analyse unterzogen. Diverse Ansichten anderer Autoren können maximal in Ansätzen Eingang in die Ausführungen finden, sofern sie als Abgrenzung hilfreich, wichtig oder gar notwendig erscheinen. Sennetts Abhandlungen sollen nicht chronologisch wiedergegeben werden, sondern vielmehr wurde versucht, die wichtigsten Ansätze und Theorien hinsichtlich biographischer An- und Herausforderungen des Einzelnen in der sich globalisierenden Welt herauszuarbeiten. Dabei ist eine Beschränkung auf die zentralen Punkte unabdingbar. Das Hauptaugenmerk richtet sich vor allem auf die Herausforderungen des Einzelnen hinsichtlich sozialer Beziehungen, insbesondere werden Paar- bzw. Liebesbeziehungen fokussiert betrachtet. Analog zu Sennett soll sich der Blick nicht auf die Betrachtung der Entwicklungs- und Schwellenländer beschränken, sondern die Ausführungen beziehen sich – sofern nicht anders hervorgehoben – auf die großen Wirtschafts- und Industrienationen.

Zum Begriff der Globalisierung

Mit Globalisierung wird die stetige Zunahme internationaler Verflechtungen der Volkswirtschaften durch grenzüberschreitenden Handel mit Gütern, Kapital, Dienstleistungen und technischem Wissen bezeichnet. Konkret gemeint sind damit in erster Linie die Ausweitung des Welthandels und die Entwicklung der Auslandsinvestitionen.

Die treibenden Kräfte der Globalisierung sind neue Kommunikations- und Informationsmedien sowie neue Organisationsformen der betrieblichen Produktion. Der Erdball ist nahezu komplett elektronisch miteinander verbunden, weite Wege werden durch elektronische Kommunikation verkürzt, die Märkte verschmelzen durch computergestützte oder -gesteuerte Logistik und hochmoderne Transportmethoden. Dadurch ergeben sich zahlreiche Optionen für Unternehmen hinsichtlich Produktionsstandorte oder Absatzmärkte.

Zu den Hauptakteuren der Globalisierung zählen große multinationale Unternehmen. Durch deren Investitions-, Markt- und Produktionsstrategien wird der Charakter des internationalen Handels bestimmt. Globalisierung basiert auf dem Abbau von Handelshemmnissen und Aushandlung neuer Handelsstrategien (WTO). Seit Mitte des 20. Jahrhunderts finden fundamentale Veränderungen der Austauschbeziehungen der Industriestaaten untereinander und zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern statt.

Globalisierung beinhaltet Chancen und Probleme gleichzeitig, denn der Wachstum des Welthandels bringt einerseits Wohlstand dort, wo Güter produziert, Dienstleistungen erbracht und Produkte verkauft werden können. Voraussetzung dafür ist ein günstiges Preis-Kosten-Verhältnis. Auf der anderen Seite gibt es Unstimmigkeiten bzgl. der Gewinnverteilung vor allem zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern. Ein weiters Problem der Globalisierung ist die Beeinträchtigung insbesondere kleinerer Volkswirtschaften hinsichtlich wirtschafts-, umwelt- genauso wie sozialpolitischer Gestaltungsfreiheit.

Ferner beeinträchtigt Globalisierung soziale Beziehungen, denn das Individuum muss sich neuen Herausforderungen stellen.

[...]


[1] Dies sind Auszüge einer fiktiven Stellenannonce eines möglicherweise weltweit agierenden Großunternehmens, wie sie in jeder aktuellen Tageszeitung zu finden sein könnte.

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656118831
ISBN (Buch)
9783656118510
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188224
Note
Schlagworte
globalisierung mensch bezug richard sennett

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