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Besonderheiten der gemeingermanischen Sprachform

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Indogermanische Sprachfamilie

2. Das Indogermanische
2.1. Lexikalische Gemeinsamkeiten
2.2. Morphologische Gemeinsamkeiten
2.2.1. Nominalformen
2.2.1.1. Vokalische Klassen
2.2.1.2. Konsonantische Klassen
2.2.2. Verbalfomen
2.3. Ablaut
2.4. Wortakzent

3. Germanisch
3.1. Lautbestand
3.1.1. Germanische Lautverschiebung
3.1.2. Das Vernersche Gesetz und der Grammatische Wechsel
3.1.3. Vokalische Veränderungen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Die Indogermanische Sprachfamilie

Mit Ausnahme des Finnischen, des Ungarischen, Baskischen und des Türkischen sind alle heute noch lebenden europäischen Sprachen indogermanischen Ursprungs, das heißt sie gehen alle auf dieselben sprachlichen Wurzeln zurück. Darüber hinaus gehören außerhalb Europas die Hauptsprachen des indischen Subkontinents, Hindi und Urdu, sowie das Armenische und das Persische der indogermanischen Sprachenfamilie an. (Schmidt, W. (1996). Geschichte der deutschen Sprache, S.32) Wenn eine die verschiedenen Kulturen verbindende indogermanische Sprache angenommen wird, aus der Sicht, die heute erkennbaren Sprachfamilien entwickelt haben, so ist natürlich auch ein ursprüngliches Volk anzunehmen, das diese Sprache gesprochen haben muss. Für ein solches einheitliches Volk der Indogermanen gibt es weder archäologische, noch biologische, erst recht keine schriftlichen Beweise. Dennoch werden wissenschaftliche Theorien aufgestellt um das Leben und die Sprache der Indogermanen zu rekonstruieren. Der Wellentheorie von Johannes Schmidt zufolge waren die Indogermanen ursprünglich in Mittel- oder Südasien beheimatet, von wo aus sie zwischen 4000 und 1000 v.Chr. in mehreren, zeitlich weit auseinander liegenden Wellen nach Europa und Asien einwanderten. Die zeitliche Abstufung erklärt, wie aus einer gemeinsamen Ausgangssprache die späteren, deutlich unterscheidbaren Sprachfamilien entstehen. (Schmidt, W. (1996), S.37) Alle diese modernen Sprachen haben untereinander Strukturen mit dem Sanskrit - das vor immerhin 2300 Jahren ausstarb -, mit dem Altgriechischen und sogar dem Hethitischen (um 1200 v. Chr. untergegangen) gemeinsam. Manche Wörter, die in mehreren indogermanischen Sprachen vorkommen, sind heute frappierend ähnlich, und wie nahe sich die deutsche und die indische Grammatik sind, wird deutlich, wenn man sie mit der japanischen, einer indianischen oder afrikanischen Sprache vergleicht.

Kategorien wie Kasus, Tempus oder Modus sind allen europäischen Sprachen vertraut - in außereuropäischen Sprachsystemen treten Aktionsarten oder Tonfärbungen an ihre Stelle. Die Besonderheiten der ersten Entwicklungsstufe vom Indogermanischen zum Deutschen hin zu verdeutlichen, macht sich diese Arbeit zur Aufgabe. Dabei werden zunächst die Charakteristika der rekonstruierten indogermanische Sprache anhand ihrer Tochtersprachen illustriert, um von ihr aus die Entwicklung zur ersten deutschen Sprachstufe, dem Germanischen, zu beschreiben.

2. Das Indogermanische

2.1. Lexikalische Gemeinsamkeiten

Beim Vergleich vieler äquivalenter indogermanischer Wörter fallt die Ähnlichkeit der Lautgestalt auf, z.B.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Solche Ähnlichkeiten, von zum Grundwortschatz gehörenden Wörtern, können nicht auf Entlehnungen beruhen. Es ist von daher anzunehmen, dass sie miteinander verwandt sind. Von der historisch - vergleichenden Sprachwissenschaft wird die angenommene indogermanische Form erschlossen, in diesem konkreten Fall als: *mäter, *trejes, *neu-jo. Die Ähnlichkeiten der Wörter werden noch klarer, wenn sie mit den entsprechenden Bezeichnungen aus anderen Sprachfamilien verglichen werden. Die Bezeichnungen für „drei“ lauten z.B. „hiru“ (baskisch), „heurom“ (ungarisch), „kolme“ (finnisch“). Dies erklärt sich daraus, dass diese Sprachen nicht zur indogermanischen Gruppe gehören. (Schmidt, W. (1996), S.34)

2.2. Morphologische Gemeinsamkeiten

Auch grammatisch lässt sich die Zusammengehörigkeit der indogermanischen Sprachen zeigen, solche morphologischen Übereinstimmungen sind noch überzeugendere Beweise für die genealogische Zusammengehörigkeit der unterschiedlichen indogermanischen Sprachen. (Schmidt, W. (1996), S.35)

2.2.1. Nominalformen

Das Nomen hat die Kategorie des Numerus mit dem Verb gemeinsam, neben dem Singular und dem Plural konnte hierbei ein Dual (Paarzahl) gebildet werden. Ebenfalls komplexer als z.B. das des heutigen Deutsch war das Kasussystem. Dadurch lassen sich (aus lt. Equus, ai.

Açvas) für das indogermanische Substantiv „Pferd“ im Singular folgende 8 Kasusformen erschließen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Unterscheidung der drei Genera ersetzt eine ältere belebt - unbelebt Opposition (wie sie noch heute resthaft erkennbar ist in wer/was). Eine übergeordnete Rolle als das Genus ist bei den Substantivenjedoch die Stammbildungsklasse, d.h. die Beschaffenheit des Wortstammes, an den die Deklinationsendung angehängt wird. Dieser wird in den meistens Fällen durch Suffixe gebildet, von diesen lassen sich zwei Gruppen unterscheiden, je nachdem ob dieses Suffix vokalisch oder konsonantisch auslautete. (Schmidt, W. (1996), S.42)

2.2.1.1. Vokalische Klassen

- o-stämme: (mask. und neutrum), wie gr. Lyko-s (“Wolf’);
- ä -Stämme: (fem.), wie altlat. Aquai („Wasser“)
- iä - Stämme: (fem.), wie gr. Pat-nil („Herrin“)
- i-Stämme (alle Genera), wie lat. Hosti-s („Feind“)
- u-Stämme: (alle Genera), wie lat. Früctu-s („Frucht“)

2.2.1.2. Konsonantische Klassen

- n-Stämme (alle Genera), wie lat. Homin ((nom. Homo) „Mensch“)
- r-Stämme (mask. und fem.) wie lat. Fräter ((Stamm frätr-) „Bruder“)
- s-Stämme: (neutr. und mask.), wie lat. Genus („Art, Geschlecht •nt - Stämme: (Partizipial Stämme, alle Genera), wie lat. Sontis („Schuldig“)

Der Stamm ist bei den sog. Wurzelnomina (alle drei Genera) mit der auf einem Verschlusslaut endenden Wurzel identisch und die Deklinationsendung tritt (ohne Stammsuffix) direkt an diese, wie in lat. Noct-is (Nom. Nox “Nacht”) oder lat. Ped-is (Nom. pes “Fuß). (Schmidt, W. (1996), S.41)

2.2.2. Verbalfomen

Über die nominalen und infiniten Formen (Infinitive, Partizipien) hinaus, hat das Indogermanische auch synthetisch gebildete finite Formen, und zwar folgende: (Schmidt, W. (1996), S.42)

- Personalformen (je drei im Sg., Pl. Dual; entstanden aus Pronominalenklise)
- Genusformen (außer dem Aktiv ein Medium, das zum Passiv werden konnte)
- Modale Formen (in Opposition zum Indikativ ein suffixloser Imperativ, ein Optativ und ein Konjunktiv, der futuristische Funktion übernehmen konnte)
- Temporale Formen (Präsens, Imperativ, Aorist, Perfekt), die allerdings ursprünglich eher Aktionsarten (wie Handlung und Zustand) bezeichnet haben, charakteristisch sind bei der Perfektbildung der Ablaut und die Reduplikation. Häufig wurden auch etymologisch unverwandte Stämme zur Tempusbildung verwendet (wie im engl. go - went).

2.3. Ablaut

Der Ablaut, welche den regelmäßigen Vokalwechsel bezeichnet tritt auch schon im Indogermanischen bei der Bildung von Verbal- und Nominalformen sowie bei der Wortbildung auf. Dabei erscheint der Nominalstufen - Vokal e (auch „Grund“ oder 1. Vollstufe genannt) entweder qualitativ abgetönt (zur 2. Vollstufe) oder quantitativ abgestuft (gelängt zur Dehnstufe e, gekürzt zur Schwundstufe 0). Die gedehnte 2. Hochstufe ö entsteht durch kombinierte Abstufung und Abtönung ergibt). Der Ablaut ermöglicht einem Morphem die Bildung mehrer Allomorph:

Etwa zu *bher - „tragen“, lat. Ferre (1. Vollstufe), gr. Phorein (2.Vollstufe) „trage“, lat. Fors (Geschick, eigentlich Schwundstufe mit sek. Vokal), gr. Phör (Dieb, gedehnte 2. Vollstufe= oder zum Affix *-ter (im gr. Wort für „Vater“) eben diese 1. Vollstufe -ter im Akk. Sg. patura, die Dehnstufe -ter im Nom. Sg. Pater und die Schwundstufe im Gen. Sg. patros. Über den Ablaut sind Wörter und Wortformen aufeinander beziehbar: (Schmidt, W. (1996), S.42)

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656117513
ISBN (Buch)
9783656117773
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188175
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,3
Schlagworte
besonderheiten sprachform

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