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Islands Kaupthing Bank in der Finanzkrise

Eine Analyse der Einlagensicherung und Liquiditätsvorsorge aus Sicht des deutschen Anlegers

Seminararbeit 2011 30 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Die Entwicklung des isländischen Bankensektors

2 Einlagensicherung in Deutschland
2.1 Der Einlagensicherungsfonds
2.2 Der Basel-II-Mechanismus

3 Die Einlagensicherung bei der Kaupthing Edge
3.1 Die isländische Einlagensicherung
3.2 Besonderheiten bei Niederlassungen in Deutschland

4 Der Basel-III-Mechanismus
4.1 Die „Liquidity Coverage Ratio“
4.1.1 Ziel
4.1.2 Berechnung
4.2 Die „Net Stable Funding Ratio“
4.2.1 Ziel
4.2.2 Berechnung

5 Hypothetische Implementierung von Basel-III
5.1 Der Status Quo
5.2 Anwendung der neuen Mechanismen
5.3 Analyse
5.4 Vergleich mit der aktuellen Situation

6 Sicherungsmöglichkeiten bei Niederlassungen

7 Kritische Würdigung und Ausblick

Annex

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Motivation

Die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise beschäftigt die Literatur nahezu seit ihrem Auslöser - dem Crash der Lehman Brothers im Jahre 2007. In Folge dieser weltweiten Krise haben neben den Regierungen und großen sowie kleinen Unternehmen auch private Haushalte mit den Folgen zu kämpfen. Besonderen Wert wird in dieser Seminararbeit dabei auf den Schutz des privaten Anlegers gelegt. Die Wissenschaft beschäftigte sich mit diesem jedoch bisher nur am Rande. Auch die mediale Präsenz der Finanzkrise zeichnete sich durch eine sehr einseitige Berichterstattung mit dem Fokus auf systemrelevante Banken aus. Wohingegen zum Ende des HRE-Skandals wohl jeder Deutsche gewusst haben musste, was hinter den drei Buchstaben steht, wurde die Situation um die isländische Kaupthing Bank eher stiefmütterlich beleuchtet. Die breite Berichterstattung in Funk und TV beschränkte sich lediglich auf eine Randnotiz. Die Einlagen bei dieser Bank seien nicht mehr sicher und die Bankenaufsicht sperrt die Konten gegen Auszahlungen.1 Dann wurde wichtigeren - weil systemrelevanten - Themen, wie dem der HRE wieder die volle Aufmerksamkeit geschenkt. In Folge wurde seitens der Medien nur noch „Wasserstandsmeldungen“ zum Thema der eingefrorenen Guthaben deutscher Anleger bei der Kaupthing gegeben. Ihre Relevanz erhält dieses Thema jedoch aus der gesellschaftlichen und systemischen Sicht. Zum einen sollten Themen, die vorrangig einzelne Privathaushalte betreffen ähnlich betrachtet werden, wie solche die lediglich ein großes Unternehmen betreffen. Zum anderen wird die systemische Komponente der privaten Haushalte im Bankensektor in der Betrachtung meist außen vor gelassen, denn ein Großteil der Bankenbranche stützt sich gerade auf die Einlagen der Privaten.

Nach einem kurzen Einblick in die Entwicklung des isländischen Bankensektors vor der Krise 2008 und der deutschen Einlagensicherung schließt sich die nähere Betrachtung der Kaupthing Edge an. Folgend werden zwei Aspekte des Basel-III-Mechanismus‘ detailliert vorgestellt, hypothetisch implementiert und analysiert. Abschließend werden zusätzliche Sicherungsmöglichkeiten diskutiert und die Ergebnisse zusammengefasst.

1.2 Die Entwicklung des isländischen Bankensektors

Der private isländische Bankensektor kann, im Gegensatz zu den meisten westeuropäischen Staaten, nur auf eine sehr kurze Tradition zurückblicken. Dies ist vor allem in der bewegten Geschichte des Landes begründet. Island erklärte sich erst 1944 zu einem souveränen Staat und versuchte durch die strikte Regulierung in den Augen vieler Kritiker „eine dysfunktionale sozialistische Ökonomie“ aufzubauen.2 Bis zum Ausklingen des letzten Jahrtausends waren weite Teile der Wirtschaft sowie der Bankensektor in Staatshänden. Der Privatisierungsprozess wurde durch den damaligen Premierminister David Oddsson3 angestoßen und gleichzeitig eine umfassende Deregulierung vorangetrieben. Die Privatisierung der großen kommerziellen Banken Glitnir, Kaupthing und Landsbanki vollzog sich Ende der 1990er bis zum Anfang der 2000er Jahre. Im gleichen Zeitraum wurde Islands Zentralbank (CBI) privatisiert. Eigentümer der neuen Privatbanken wurden zumeist den Regierungsparteien nahestehende Personen, die nicht unbedingt Know-How im modernen Banking vorweisen konnten.4 Aufgrund der nur geringen Zeitspanne - die spätere Kaupthing Bank wurde 2003 privatisiert5 - und den wenig erfahrenen Eigentümern gepaart mit dem großen isländischen Stolz ihrer Unabhängigkeit kam es in den darauffolgenden Jahren zu grundlegenden Fehlern, die in dem Beinahe-Staatsbankrott endeten. Durch die massive Deregulierung des Finanzsektors kam es zu einem Bankenboom in dem der Anteil der Finanzinstitute am BIP von 17% in 1998 auf 26% in 2006 anstieg.6 Im nahezu gleichen Zeitraum stiegen die Aktiva der drei großen Privatbanken von 96% auf rund 900% des BIP Islands.7,8 Das Wachstum wurde dabei zum größten Teil aus Fremdkapital - zumeist in Fremdwährungen - finanziert, welches in liquiden Märkten mit guten Ratings9 leicht zu beschaffen war. Außerdem versuchten vor allem Landsbanki und Kaupthing mit aggressiven Strategien europäische Kleinanleger mit Zinssätzen, die zum Teil weit über dem marktüblichen Niveau lagen, zu gewinnen. Diesem rasanten Wachstum war die CBI allerdings kaum gewachsen und Portes et al. erkannten bereits 2007, dass sie wahrscheinlich nicht in der Lage sein würde die großen Banken als Kreditgeber letzter Instanz zu retten. Sie beschrieben die Banken sehr treffend mit: „…the banks are just too big to fail, but also too big to rescue.“10

2 Einlagensicherung in Deutschland

Die Einlagensicherung hat in Deutschland seit jeher einen hohen Stellenwert inne, vor allem um das Vertrauen der Anleger in den sehr intransparenten Bankenapparat zu stärken. Dabei fußt es auf mehreren Säulen und ist im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern sehr differenziert. Grundlage hierfür ist der historisch bedingte dreigliedrige Aufbau des Bankensystems mit Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Alle drei Säulen haben dabei eine gemeinsame, vom Gesetz vorgeschriebene, Einlagensicherung, die sich im Wesentlichen an den Vorschriften der Europäischen Union orientiert. Außerdem hat jeder Sektor zusätzliche Sicherungsmechanismen in Form von Einlagensicherungsfonds. Festzuhalten ist hierbei die strikte Trennung der Sicherungen. Zusätzlich hat Kanzlerin Angela Merkel mit dem Fortschreiten der Finanzkrise die so genannte Staatsgarantie, nach der alle Sparguthaben deutscher Sparer sicher sind, proklamiert. Es ist jedoch anzumerken, dass die Staatsgarantie nur für Bankguthaben bei Banken gilt, die dem Einlagensicherungsfonds angehören.11 Im Folgenden wird die Einlagensicherung bei den Privatbanken näher beleuchtet.

2.1 Der Einlagensicherungsfonds

Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Einlagensicherung besteht in Deutschland der sogenannte Einlagensicherungsfonds als zusätzliche freiwillige Sicherung des privaten Bankensektors. Dieser wird vom Bundesverband deutscher Banken e.V.12 getragen und dient im Wesentlichen der zusätzlichen Absicherung von Kundeneinlagen. Im Falle einer drohenden oder bestehenden finanziellen Schwierigkeit der Bank kann der Einlagensicherungsfonds dem angeschlagenen Institut mit finanziellen Hilfen zur Seite stehen.13 Ein Anspruch hierauf besteht gemäß § 10 des Statuts des Einlagensicherungsfonds allerdings nicht. Besichert werden bis auf einige Ausnahmen alle Anlagen, die im Passivposten „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“ zusammengefasst werden. Insbesondere zählen hierzu Sicht-, Spar- und Termineinlagen sowie auf den Namen ausgestellte Sparbriefe. In dieser Position werden alle genannten Einlagetypen von Nicht-Banken erfasst. Somit sind Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Stellen nicht jedoch Kreditinstitute im Falle einer Zahlungsunfähigkeit der Bank zu einer Leistung aus dem Fonds berechtigt.14

Kreditinstitute müssen bestimmte Anforderungen erfüllen, um in den Bankenverband und somit in den Einlagensicherungsfonds aufgenommen zu werden. Die einzelnen Voraussetzungen sollen hier nicht weiter diskutiert werden. Es sei nur darauf hingewiesen, dass jährliche Ratings der Mitgliedsbanken durchgeführt werden und diese dabei eine Mindestnote erreichen müssen. Sind die Banken im Fonds aufgenommen, so sind sie verpflichtet 0,6‰ der oben genannten Bilanzposition ihres letztjährigen Abschlusses per 30. Juni eines jeden Jahres an den Fonds abzuführen.15 Bei Banken mit niedrigerem Ranking kann sich die Umlage auf bis zu 250% des Normalsatzes erhöhen.16 Im Haftungsfall ist jeder Gläubiger einer angeschlagenen Bank mit bis zu 30% des haftenden Eigenkapitals der Bank abgesichert.17 Voraussetzung hierfür ist eine ausreichende Kapitalverfügbarkeit des Fonds.

Neben der beschriebenen deutschen Einlagensicherung, die zusätzlich zu den europäischen Vorgaben existiert, wurde 2006 der Basel-II-Mechanismus vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht verabschiedet. Dieser soll im Folgenden näher betrachtet werden, da er den Grundpfeiler für die europäische Einlagensicherung darstellt.

2.2 Der Basel-II-Mechanismus

Der Basel-II-Mechanismus ist ein wichtiger Bestandteil zur Sicherung des Finanzsektors und damit auch der Einlagensicherung. Sein Hauptziel ist die Förderung von Stabilität und marktgerechtem Umgang mit Risiken. 2006 in Kraft getreten, löste er den bis dahin geltenden Basel-I-Codex ab. Er setzt Vorgaben für die Eigenkapitalanforderungen fest und verknüpft diese mit dem jeweiligen Risikoprofil der Banken. Gleichzeitig soll eine Anpassung an die Entwicklung auf den Finanzmärkten einkalkuliert und im Risikomanagement berücksichtigt werden.18 Diese Anforderungen stellen die erste Säule des dreigliedrigen Systems dar. Komplettiert wird es durch den bankenaufsichtsrechtlichen Überprüfungsprozess (2. Säule) und den erweiterten Offenlegungspflichten (3. Säule). Umgesetzt wurden die Vorschläge des Ausschuss‘ auf europäischer Ebene durch die Bankenrichtlinie (2006/48/EG) und auf deutscher Ebene im Wesentlichen durch die Solvabilitätsverordnung.19

Speziell zur Liquiditätsvorsorge enthalten die Basel-II-Bestimmungen keine Vorschriften. Allerdings werden in der ersten Säule die Behandlung des Marktpreisrisikos, Kreditausfallrisikos und operationellen Risikos mit Regelungen normiert. Alle drei Risikoarten können direkten Einfluss auf die Ausstattung mit Liquidität haben. So können beim Kreditausfallrisiko die ausbleibenden Raten der Darlehensnehmer zu Liquiditätsengpässen führen. Ähnlich verhält es sich beim Marktpreisrisiko, welches vor allem bei den sogenannten Leerverkäufen einen erheblichen Einfluss auf die liquiden Mittel haben kann. Im Zuge der Finanzkrise ist das operationelle Risiko in den Mittelpunkt für viele Banken getreten, da bankexterne Ereignisse, wie zum Beispiel der Kollaps einer anderen Bank, die eigene Finanzstruktur stark in Mitleidenschaft ziehen kann. Allen Risiken wurde vor allem durch die Einführung von Mindestkapitalanforderungen begegnet. So müssen dem Kreditrisiko sowie Markt- und operationellem Risiko angemessene Eigenmittel entgegenstehen. Angemessenheit wird in diesem Fall mit Hilfe der Berechnung der folgenden Formel20 gewährleistet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit dieser Berechnung wird sichergestellt, dass das Wachstum von Banken nicht ausschließlich auf Fremdkapitalbasis geschieht, sondern eine adäquate Eigenkapitalunterlegung herrscht. Gleichzeitig wirkt diese Unterlegung als vertrauensaufbauende Maßnahme und in Krisenzeiten als zusätzliche Stütze.

3 Die Einlagensicherung bei der Kaupthing Edge

Die Kaupthing Bank schuf im Zuge ihrer Geschäftserweiterung die Online-Tochter Kaupthing Edge, um vor allem europäische Kunden als neue Liquiditätsquelle zu gewinnen. In Deutschland warb sie mit dem Versprechen hoher Zinsen von bis zu 6,1% für 12 Monate, was zwei Prozentpunkte über dem damaligen Marktdurchschnitt lag21, sowie einer umfassenden Besicherung. Erst in den Geschäftsbedingungen wurde deutlich, dass lediglich die isländische Einlagensicherung greift.22 Dem durchschnittlichen deutschen Privatanleger dürfte diese Regelung jedoch wahrscheinlich eher unbekannt gewesen sein, da, von den hohen Renditeerwartungen geblendet, die Risiken eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben dürften. Hier zeigt sich ein hoher Grad an Informationsasymmetrie zwischen den Kreditinstituten und ihren Kunden, die im Schadensfall zu großen Ausfällen bei den Kleinanlegern führen kann.

3.1 Die isländische Einlagensicherung

Als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EEA) folgt Island in Sachen der Einlagensicherung den geltenden EU-Richtlinien. Einschlägig ist dabei die für die Besicherung von Bank- und Spareinlagen verabschiedete Richtlinie über Einlagensicherungssysteme (94/19/EC). In dieser wird festgehalten, dass alle Kreditinstitute der Mitgliedsländer mindestens 20.000 EUR pro Einleger23 besichern müssen. In Island wird diese Regelung mit Hilfe des „Depositors’ and Investors’ Guarantee Fund“ umgesetzt. Im Dezember 1999 ins Leben gerufen, garantiert er für alle isländischen Banken und deren Niederlassungen die oben genannte Regelung.24 Gemäß der Bestimmung des Handelsministeriums aus dem Februar 2000 erhöht sich die genannte Grenze geringfügig auf 20.887 EUR.25 Darüber hinaus bestehende Einlagen werden, soweit die Mittel des Fonds ausreichen, anteilig entschädigt. Der Fonds sollte entsprechend isländischem Gesetz immer mindestens 1% der aggregierten Einlagen der versicherten Banken des Vorjahrs vorhalten, um bei Notfällen die Einleger entschädigen zu können. Wie dem Jahresbericht 2007 zu entnehmen ist, konnte dieses Ziel wiederholt nicht erreicht werden.26 Schon im Vorjahr wurde dieses Ziel nicht erreicht27, wodurch die Funktionsfähigkeit des Fonds in Frage gestellt werden kann.

Darüberhinausgehende Einlagensicherungsmaßnahmen liegen in Island nicht vor, wodurch ein Vergleich mit der Tragfähigkeit der Sicherung in Deutschland eher negativ ausfallen wird.

3.2 Besonderheiten bei Niederlassungen in Deutschland

Die Kaupthing Bank hat ihre Geschäftstätigkeit in Deutschland nicht durch ein eigenständiges Tochterunternehmen, sondern mittels einer Zweigniederlassung28 - der Kaupthing Edge - durchgeführt. Diese Rechtsformwahl führt zu einem Wahlrecht des Mutterkonzerns bezüglich der Einlagensicherung. Gemäß § 2a des Statuts des Einlagensicherungsfonds ist es auf Antrag gestattet Zweigniederlassungen von ausländischen Banken von der Mitwirkung am deutschen Fonds zu befreien.29 Zusätzlich zu dieser Befreiungsmöglichkeit greift überdies hinaus nur die gesetzliche Einlagensicherung des Landes, in dem das Stammhaus sitzt. Im Fall der Kaupthing Edge waren die Einlagen der deutschen Anleger bei der deutschen Zweigniederlassung somit weder durch die freiwillige noch durch die gesetzliche Einlagensicherung Deutschlands abgesichert.

4 Der Basel-III-Mechanismus

Die Entwicklung des Basel-III-Mechanismus‘ erfolgte aufgrund der weltweiten Finanzkrise. Basel-III ist eine Überarbeitung und Verbesserung des schon bestehenden Basel-II-Mechanismus‘ mit dem Ziel der Förderung der Widerstandsfähigkeit des Bankensektors gegenüber externen Schocks. Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass Stresssituationen im Finanzsektor nicht auf die Realwirtschaft durchschlagen und somit weitreichendere wirtschaftliche Depressionen vorgebeugt werden können.30 Der folgende Abschnitt diskutiert insbesondere zwei neue Standards, die der Liquiditätssteuerung dienen. Es soll sichergestellt werden, dass zum einen kurzfristige Stresssituationen überstanden werden können und langfristig eine solide Refinanzierung etabliert wird. Der Basler Ausschuss schlägt die vorliegenden Regeln als Mindestanforderungen vor, wobei nationale Instanzen diese durchaus erhöhen können. Gleichzeitig verfolgt das Gremium das Ziel diese global anzuwenden, um somit weltweit die Stabilität des Finanzsektors zu fördern.31 Neben den hier näher diskutierten Liquidity Coverage Ratio (LCR) und Net Stable Funding Ratio (NSFR) schlägt der Ausschuss zusätzliche Beobachtungskennzahlen32 vor, auf die im Weiteren allerdings nicht eingegangen wird.

4.1 Die Liquidity Coverage Ratio

4.1.1 Ziel

Das Ziel der LCR ist, der Bank zu ermöglichen in einem fest definierten 30-tägigen Liquiditäts- Stressszenario ihr Überleben zu sichern. Dadurch soll ihr genug Zeit verschafft werden geeignete Mittel zu finden, um die akuten Probleme zu überwinden oder geordnet in die Insolvenz zu gehen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, soll ein „angemessener Bestand an lastenfreien, erstklassigen liquiden Aktiva“ vorgehalten werden, der in einer Zwangslage problemlos in Barmittel umgewandelt werden kann.33 Die LCR fokussiert sich dabei ausschließlich auf die kurzfristige Refinanzierung.

4.1.2 Berechnung

Die Mindestliquiditätsquote wird mittels der unten stehenden Formel34 berechnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu beachten sind hierbei die vom Basler Ausschuss vorgeschlagenen Definitionen für erstklassige liquide Aktiva und den gesamten Nettoabfluss von Barmitteln in den nächsten 30 Kalendertagen.

Bestand an erstklassigen liquiden Aktiva

Der Bestand an erstklassigen liquiden Aktiva soll sich aus Vermögenswerten zusammensetzen, die auch in Zeiten illiquider Märkte umgehend und möglichst abschlagsfrei in Barreserven umgewandelt werden können. Zusätzlich sollten sie zentralbankfähig35 sein und nicht bereits zur Transaktionssicherung gehalten werden.36 Der Basler Ausschuss legt weiterhin grundlegende Merkmale für solche Vermögensgegenstände fest: geringes Kredit- und Marktrisiko, Leichtigkeit und Sicherheit der Bewertung, geringe Korrelation mit risikobehafteten Aktiva sowie die Notation an einer entwickelten und anerkannten Börse.37 Besonders hinzuweisen ist neben dem Kredit- und Marktrisiko auf die Leichtigkeit und Sicherheit der Bewertung. Hier spricht der Ausschuss davon, dass die Preisfindungsformel leicht zu berechnen sein muss, auf wenigen Annahmen beruhen muss und die Faktoren der Formel öffentlich zugänglich sein müssen. Speziell der letzte Punkt schließt somit strukturierte und exotische Wertpapiere aus.38 Neben den grundlegenden werden auch marktbezogene Merkmale durch den Ausschuss angeführt. Dabei soll der Markt aktiv und bedeutend sowie diversifiziert sein und engagierte Marktmacher vorweisen können. Außerdem soll der Markt historisch gesehen in Krisenzeiten zu dieser Art von Vermögensgegenständen tendieren.39 Die Aktiva müssen als Mindestvoraussetzung lastenfrei sein und die Bank ist angehalten in regelmäßigen Abständen den Marktzugang durch Liquidierung zu testen. Außerdem soll diese Praxis in Ernstfällen zusätzliche Verunsicherung durch den Verkauf eingrenzen.40 Der Ausschuss nimmt eine Unterteilung der infrage kommenden Aktiva in zwei Stufen vor. Die Aktiva der Stufe 141 dürfen demnach unbegrenzt dem Bestand zugeordnet werden und sind überwiegend abschlagsfrei zu bilanzieren. Darüber hinaus dürfen Aktiva der Stufe 242 zu maximal 40% im Bestand vorhanden sein. Aktiva dieser Stufe sollten gut diversifiziert sein und werden mit einem Abschlag von mindestens 15 % verbucht.

[...]


1 vgl. Focus Money Online (2008) „Finanzpolizei sperrt Konten von Island-Bank“

2 vgl. Wade (2009), S. 9

3 David Oddsson, der wenig bzw. keinen wirtschaftlichen Hintergrund besitzt, war von 1991 bis 2004 Premierminister Islands und wurde danach zum Vorsitzenden der Zentralbank ernannt. (Wade 2009, S. 23)

4 vgl. Wade (2009), S. 10

5 vgl. Centonze (2011), S. 134

6 vgl. Portes, Baldursson und Olafsson (2007), S. 7

7 vgl. Ibison, Osman (2008) „Finanzkrise gefährdet ganz Island“

8 Vergleichendes Beispiel nach Wade (2009), S. 15: Schweiz 1994-2007: Aktiva/BIP-Quote von 3,5 auf 9 (Steigerung um 157%); Island: 1994-2007 Aktiva/BIP-Quote von 0,3 auf 9 (Steigerung um 2900%).

9 Landsbanki, Kaupthing und Glitnir wiesen bis weit ins Jahr 2007 sehr gute Ratings vor: Moody’s jeweils Aa3, Fitch jeweils A. (Portes, Baldursson und Olafsson 2007 , S. 12)

10 vgl. Portes, Baldursson und Olafsson (2007), S. 40

11 vgl. Handelsblatt (2008) „Kaupthing: Sparern droht Millionenschaden“

12 Mitglieder im Bundesverband deutscher Banken e.V. sind alle namhaften privaten Kreditinstitute Deutschlands; Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben ihre eigenen Sicherungsinstrumente.

13 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 3

14 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 11

15 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 7

16 ebd.

17 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 11

18 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2004), S. 1 ff.

19 Bundesbank (2011a)

20 Bundesbank (2011b)

21 vgl. Siemens (2008)

22 vgl. Dönch (2008)

23 Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass von der Europäischen Kommission explizit festgelegt wurde, dass diese Grenze für das aggregierte Einlagenvolumen des Sparers gilt, nicht pro Einlage. (vgl. Europäisches Parlament und Europäischer Rat 1994 )

24 vgl. TIF (2011)

25 Der Betrag ergibt sich aus dem Artikel 6 der Bestimmungen i. H. v. 1,7 Mio. ISK in Verbindung mit dem dazugehörigen Umrechnungskurs vom 05. Januar 1999. (Ministry of Commerce 2000 , S. 3)

26 Das Defizit belief sich auf 2.537 Mio. ISK. (TIF2008 , S. 3)

27 vgl. TIF (2007), S. 3

28 Die Voraussetzungen zur Begründung einer Zweigniederlassung sind im HGB §§ 13 ff. festgehalten; für Kapitalgesellschaften mit Sitz im Ausland sind die §§ 13d-13g HGB von besonderer Bedeutung.

29 vgl. Bundesverband Deutscher Banken e.V., S. 3

30 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2010a), S. 1

31 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2010a), S. 2/3

32 Vertragliche Laufzeitinkongruenz, Konzentration der Refinanzierung, etc. (Deloitte 2011, S. 3)

33 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2010a), S. 4

34 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2010a), S. 4

35 Zentralbankfähigkeit liegt vor, wenn die EZB den Vermögensgegenstand als Besicherung für eine Geldleihe zulässt. Die Zentralbankfähigkeit bedingt nicht automatisch die Einordnung zu den erstklassigen Aktiva.

36 vgl. Deloitte (2011), S. 4

37 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2010a), S. 6

38 ebd.

39 ebd.

40 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2010a), S. 8

41 Hierzu zählen u.a. Barmittel, Zentralbankguthaben und marktgängige Wepa, die Forderungen an öffentliche Stellen (Risikogewicht nach Basel II = 0%) verbriefen. (Basler Ausschuss für Bankenaufsicht [2010a], S. 9 f.)

42 Hierzu zählen marktgängige Wertpapiere, die Forderungen an öffentliche Stellen verbriefen, Unternehmensanleihen und gedeckte Schuldverschreibungen (Risikogewicht nach Basel II = 20%). (Basler Ausschuss für Bankenaufsicht [2010a], S. 10 f.)

Details

Seiten
30
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656117582
ISBN (Buch)
9783656118121
Dateigröße
692 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188153
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,0
Schlagworte
Finanzkrise Island Kaupthing Einlagensicherung LCR NSFR

Autor

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Titel: Islands Kaupthing Bank in der Finanzkrise