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Das Reformpapsttum im 11. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Pontifikats Gregors VII.

Seminararbeit 2011 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Reformpapsttum vor Gregor VII

3. Das Pontifikat Gregors VII

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mitte des 11. Jahrhundert gingen vom apostolischen Stuhl in Rom entscheidende Reformen aus, die das Verhältnis zwischen Königtum und Papsttum nachhaltig veränderten. Der Papst in Rom sah sich als Nachfolger des heiligen Petrus nicht mehr nur als Bischof von Rom, dem zwar eine besondere Stellung innerhalb der Kirche zugestanden wurde[1] - dessen Machtkompetenzen aber nicht weit über Rom hinaus gingen- sondern als jemand, der an der Spitze der gesamten christlichen Kirche stand, ja sogar das Haupt der gesamten christlichen Welt war.[2] Eine besondere Entwicklung stellt dabei die Änderung in der Beziehung zwischen dem deutschen König und dem Papst dar, welche schließlich im Investiturstreit endete. Aber wie kam es überhaupt zu einem solchen Wandel innerhalb des päpstlichen Denkens? Was waren die Motive und Ziele, aus denen die sogenannten Reformpäpste heraus handelten? Besonders während des Pontifikats Gregors VII., in der Regierungszeit Heinrichs IV., kam es zu einer Reihe von Konflikten, die das Verhältnis zwischen Königtum und Papsttum wie kein anderes Ereignis seiner Zeit belastete und zu bedeutenden Veränderungen im Machtverhältnis dieser beiden Institutionen führte. Zu Beginn dieser Seminararbeit soll ein kurzer Einblick in die Anfänge des Reformpapsttums gegeben werden. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Pontifikat Gregors VII., auf seinen Reformplänen und dem Konflikt mit dem deutschen König und dem Reichepiskopat, der schließlich zur Entfremdung zwischen Königtum und Papsttum führte.

2. Das Reformpapsttum vor Gregor VII.

Seine Anfänge hatte das Reformpapsttum mit dem Pontifikat Leos IX im Jahr 1049. Zwar saßen ab 1046 schon zwei Männer auf dem Papststuhl, die von Kaiser Heinrich III. beauftragt wurden die Kirche zu reformieren, aber ihre Amtsdauer war viel zu kurz um entscheidende Änderungen herbeizuführen. Wie seine beiden Vorgänger, wurde auch Leo IX. auf Betreiben des römisch-deutschen Kaisers eingesetzt und mit der Neuordnung der gesamten lateinischen Kirche beauftragt.[3] Leo IX. sah eine besondere Stellung der römischen Kirche und eine damit einhergehende Verantwortung für das Wohl aller Kirchen.[4] Das veränderte Amtsverständnis des Papstes kam schon alleine durch die Reisetätigkeit Leos IX. zum Ausdruck, der einen Großteil seiner Amtszeit außerhalb von Rom verbrachte.[5] Im Einvernehmen mit dem Kaiser sollte besonders gegen Simonie, dem Ankauf und Verkauf geistlicher Ämter, sowie Nikolaitismus, in ehelicher Verbindung oder im Konkubinat lebende Kleriker, vorgegangen werden. Welche Gefahr diese beiden Sünden für das Heil der menschlichen Seele darstellten, tritt bei Humbert von Silva Candida und Petrus Damiani deutlich zutage: Humbert ist der Auffassung, dass durch Simonie dem Gläubigen der Zugang zum ewigen Leben verwehrt bleibe.[6] Für Damiani ist sie die Erste aller Häresien[7] und bei der Einhaltung des Zölibats betont er, dass heilige Sakramente nur mit keuschen Händen berührt werden dürfen und verweist auf die Jungfräulichkeit Marias.[8] Anders als seine Vorgänger griff Leo IX. auch jurisdiktionell und kirchenpolitisch in Länder und Landeskirchen ein.[9] Dies tat er verstärkt durch die Aussendung von Legaten, dessen Urteilsspruch sich auch Personen höheren Weihegrades unterstellen sollten.[10] Dass Leo IX. bei seiner päpstlichen Reformpolitik Heinrich III. auf seiner Seite wusste, muss dabei von wesentlicher Bedeutung gewesen sein, denn ohne die Unterstützung des römisch-deutschen Kaisers wäre ein solches Eingreifen des Bischofs von Rom in die Diözese eines anderen Bischofs von dem Betroffenen sicherlich nicht ohne Weiteres hingenommen worden, wie sich im weiteren Verlauf der Arbeit noch herausstellen wird, wenn das Pontifikat Gregors VII. in den Mittelpunkt rückt. Als Leo IX. 1054 starb, folgte ihm Viktor II., ebenfalls auf Betreiben Heinrichs eingesetzt, auf dem Papststuhl. Er folgte dem Kurs seines Vorgängers, doch als Heinrich III. 1056 überraschend starb, übernahm Viktor II. vorerst einen Teil der Reichsgeschäfte für den noch unmündigen König Heinrich IV., was seine Reformtätigkeit einschränkte. Mit dem Tod Viktors II im Jahr 1057 scheint das Zusammenspiel zwischen regnum und sacerdotium beendet zu sein. Mit Stephan IX. (1057- 1058) folgte ein Papst, der wieder einmal vom römischen Stadtadel eingesetzt wurde[11], was natürlich daran lag, dass dem Königtum ein mündiger Herrscher fehlte. Stephan IX. knüpfte zwar an den Kampf gegen Simonie und Nikolaitismus an, aber seine Zeit als Papst war viel zu kurz um entscheidende Veränderungen herbeizuführen. Nikolaus II. wurde im Dezember 1058 zwar mit deutscher Zustimmung zum Papst erhoben, aber schon 1059 wurde ohne deutsche Beteiligung eine Synode abgehalten, in der beschlossen wurde, dass die Wahl des Papstes zukünftig in den Händen der Kardinalbischöfe lag, um die Wahl von Gegenpäpsten zu verhindern. Dem Kaiser wurde lediglich ein Bestätigungsrecht eingeräumt[12]. Im weiteren Sinne kann dies schon als ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Simonie angesehen werden. Ebenfalls betonte man erneut den Missstand der Simonie sowie der Laieninvestitur und ordnete an, dass Gläubige in Zukunft nicht mehr an Messen verheirateter oder konkubinarischer Priester teilnehmen durften.[13] Damit trieb Nikolaus II. die Reformgedanken Leos IX. nicht nur voran, sondern brachte sie auch einen Schritt weiter. Auch sein Nachfolger, Alexander II., Papst von 1061- 1073, setzte diesen Kurs fort und seine Anerkennung als Papst durch den Reichsepiskopat im Jahr 1064 bedeutet noch einmal ein weiteren Sieg für das Reformpapsttum und somit die Stärkung eines vom deutschen Königtum unabhängigen Stuhls Petri. Durch das Fehlen eines starken Herrschers schwand der Einfluss des Königtums auf das Papsttum, welches dadurch selbstbewusster und unabhängiger wurde. Der zunehmende Einfluss des Papsttums tritt auch dadurch zutage, dass sich streitende Parteien nun immer seltener an den Königshof wandten, sondern sich beim Papst Hilfe bei der Lösung des Konflikts versprachen.[14]

[...]


[1] Blumenthal, Uta-Renate: Gregor VII. Papst zwischen Canossa und Kirchenreform, Darmstadt 2001, S.220.

[2] Tellenbach, Gerd: Die westliche Kirche vom 10. bis zum frühen 12. Jahrhundert, (Die Kirche in ihrer Geschichte, Bd. 2). Göttingen 1988, S.153.

[3] Schieffer, Rudolf: Das Reformpapsttum seit 1046, in: Canossa 1077 – Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik, Band 1: Essays, hg. v. Ch. Stiegemann/M. Wemhoff, München 2006, S.99.

[4] Wühr, Dr. Wilhelm: Studien zu Gregor VII.. Kirchenreform und Weltpolitik, München 1930, S.29.

[5] vgl. Schieffer, Rudolf: Das Reformpapsttum seit 1046, S.103.

[6] Laudage, Johannes: Priesterbild und Reformpapsttum im 11. Jahrhundert, Köln 1984, S.175.

[7] ebd., S.197.

[8] ebd., S.199.

[9] Tellenbach, Gerd: Libertas: Kirche und Weltordnung im Zeitalter des Investiturstreits. Stuttgart 21996, S.165.

[10] vgl. Schieffer, Rudolf: Das Reformpapsttum seit 1046, S.104.

[11] vgl. Schieffer, Rudolf: Das Reformpapsttum seit 1046, S.105.

[12] Denzler, Georg: Die Kanonikerbewegung und die gregorianische Reform im 11. Jahrhundert, in: Studi Gregoriani IX, 1972, S.227.

[13] ebd., S.227.

[14] vgl. Schieffer, Rudolf: Das Reformpapsttum seit 1046, S.107.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656117674
ISBN (Buch)
9783656118183
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188130
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,0
Schlagworte
reformpapstum jahrhundert berücksichtigung pontifikats gregors heinrich canossa investitur Investiturstreit

Autor

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Titel: Das Reformpapsttum im 11. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Pontifikats Gregors VII.