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Nachhaltige Entwicklung auch nach dem Abpfiff? Auswirkungen der Fußball Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika auf Wirtschaft und Gesellschaft

Ausarbeitung 2011 12 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auswirkungen der Fußballweltmeisterschaft der Herren auf Wirtschaft und Gesellschaft
2.1. Auswirkungen der WM auf die Gesellschaft am Beispiel von Straßenhändlern
2.2. Auswirkungen der WM auf die Gesellschaft am Beispiel des „N2-Gateway-Projekts“ in Kapstadt

3. Fazit

4. Literatur

1. Einleitung

„ The 2010 Soccer World Cup will make an important contribution to our effort to accelerate our progress towards the achievement of the goal of a better life for our people ” ( Thabo Mbeki).1

Führende Politiker in Südafrika haben große Hoffnungen bei der Bevölkerung geschürt, was die langfristigen Auswirkungen der Fußballweltmeisterschaft der Herren 2010 (WM) in Südafrika für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes betrifft. Denn gerade der Verweis vieler Funktionäre auf die positiven wirtschaftlichen Effekte sicherte die Unterstützung durch die lokale Bevölkerung und die Wirtschaft, denn diese ist Voraussetzung für den Erfolg der Weltmeisterschaft -im kommerziellen Sinne für die FIFA und im politischen Sinne für Südafrika (vgl. Haferbug/Steinbrink 2010: 18).

Die WM in Südafrika sollte aber nicht nur das Wirtschaftswachstum fördern und Arbeitsplätze schaffen, sondern zudem die Gesellschaft, die auch nach der Apartheid noch tief gespalten ist, vereinen. Nach wie vor steht das Nation Building in Südafrika ganz oben auf der politischen Agenda. Gerade während der Apartheid manifestierte sich anhand des Sports die gesellschaftliche Spaltung in „Weiße“ und „Nicht-Weiße“. Mit der Ausrichtung der WM sollte das integrative Potenzial von Sport-Großereignissen für die politischen Ziele der Post-Apartheids-Gesellschaft erneuert und in wesentlich größerem Maßstab genutzt werden (vgl. Haferburg/Steinbrink 2010: 14). „Dies hängt jedoch davon ab (…), ob die Menschen in Südafrika das Gefühl haben werden, dass das Turnier ihnen echte materielle Vorteile gebracht hat“ (Cornelissen 2010: 12). In einer Umfrage von HSRC gaben 2007 die Hälfte der Südafrikaner an, dass sie sich von der WM vor allem zwei Dinge erhoffen: wirtschaftliches Wachstum und mehr Jobs. Ein Drittel der Befragten glaubten, dass sie persönlich von der WM profitieren würden, und fünfzig Prozent erwarteten, dass der wirtschaftliche Nutzen anhaltend sein werde.2 Daraus ergibt sich die Frage: Konnte die Fußballweltmeisterschaft einen Anstoß für nachhaltige Entwicklung insbesondere in der Wirtschaft und der Gesellschaft geben, so wie es sich viele Südafrikaner erhofft haben? Im nachfolgenden Aufsatz soll auf diese Frage eine Antwort gegeben werden. Zunächst werden die Auswirkungen der WM auf die Wirtschaft beschrieben. Eng damit verbunden, sind auch die Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung, wie bspw. Arbeitsplätze. Dies soll am Beispiel von Straßenhändlern und des „N2-Gateway-Projekts“ geschehen. Der Aufsatz schließt mit einer Bilanz der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika hinsichtlich Wirtschaft und Gesellschaft.

2. Auswirkungen der Fußballweltmeisterschaft der Herren auf Wirtschaft und Gesellschaft

Im Mai 2004 erhielt Südafrika den Zuschlag für die Ausrichtung der 19. WM-Endrunde der FIFA (Federation de Football Association). Mit dieser Entscheidung verbanden sich in Südafrika Hoffnungen, dass die WM einen kräftigen Anstoß für die Entwicklung des Landes geben würde. Doch bevor solche positiven Effekte überhaupt möglich sind, muss das Gastgeberland zuerst einmal enorme Investitionskosten stemmen. Dies nehmen die Gastgeberländer in Kauf, da die nationalen Erwartungen, die mit einer erfolgreichen WMAustragung verbunden werden, so groß sind. Zu den Kosten zählen Aufwendungen für die Transport- und Kommunikationsinfrastruktur, Sicherheit, sanitäre Installationen und die Durchsetzung der Interessen und Rechte der FIFA und deren Partner.

Bestimmungen und den Bedingungen der FIFA sind beispielsweise: Die FIFA fordert vom Gastgeberland eine Mindestanzahl von acht bis zehn „WM-tauglichen“ Stadien (vgl. Brenke/Wagner 2007: 17).

Um die Rechte zur Austragung von Sport-Großanlässen wie der WM gibt es einen großen Konkurrenzkampf. Hinter der Bewerbung von Südafrika standen, wie dies durchaus üblich ist, multinationale Unternehmen (Anglo American, Avis, BMW, Adidas usw.) Bei seiner Bewerbung gab Südafrika eine Budgetplanung bei der renommierten Unternehmensberaterfirma Grant Thornton in Auftrag.3 Das Unternehmen erwartete einen „signifikanten direkten und indirekten volkswirtschaftlichen Nutzen mit minimalen materiellen und immatriellen Kosten“. In dieser Planung ging man von Ausgaben in Höhe von 2,3 Milliarden Rand (das entspricht rund 234 Mio.) aus. Diese Kosten sollten größtenteils für den Ausbau von drei und den Neubau von einem Flughafen sowie den Aus- und Umbau von jeweils fünf Stadien aufgewendet werden. Weiteres Geld sollte u.a. in den Ausbau der Infrastruktur sowie in den Sicherheitssektor fließen (Brenke/Wagner (2007: 9). „Hinsichtlich der volkswirtschaftlichen Effekte gingen Grant Thornton von 56 Milliarden Rand (etwa 5,1 Milliarden Euro), die durch die WM ins Land fließen würden aus. Knapp 60 Prozent sollten sich aus Direktinvestitionen in Stadien und Infrastruktur herleiten, während sich der Rest aus Einnahmen aus dem Kartenverkauf, Zuschauerumsätzen, Tourismus und Sponsorenschaften zusammensetzt. Ferner wird prognostiziert, dass die Veranstaltung der Regierung 1,7 Milliarden Euro an Steuereinnahmen einbringen und bis zu 415 000 neue Arbeitsplätze schaffen wird (Cornelissen 2010: 14).“ Auch einen imatriellen Nutzen kalkulierte Grant Thornton mit ein: Gesteigerte Wahrnehmung von Südafrika in der Welt, ein wachsender Tourismussektor und der Stolz der Südafrikaner auf ihr Land (vgl. Cottle 2009: 4). In der Hoffnung, dass diese positiven Effekte einsetzen würden, kündigte die südafrikanische Regierung an, rund 400 Milliarden Rand (ca. 36 Milliarden Euro) in die Vorbereitungen zu investieren (vgl. Cornelissen 2010: 15).

In Relation zu diesen enormen Investitionszusagen sind die wirtschaftlichen Kennzahlen zu sehen: 2007 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 286.050 Millionen US-Dollar. Das BIP pro Kopf lag bei 5.978 US-Dollar. Die reale Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahre betrug 5,5 Prozent. Der Staatshaushalt (Saldo) wies einen Betrag von 2055 Millionen US-Dollar auf -das entspricht 0,7 Prozent des BIP. In diesem Jahr lag die Arbeitslosenquote bei 22,3 Prozent.4 Die Zahlen sind jedoch insofern mit Vorsicht zu genießen, da anzunehmen ist, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung in der Schattenwirtschaft arbeitet (z.B. Straßenhändler). Und: Das Pro-Kopf-Einkommen spiegelt weder das verfügbare Einkommen der Mehrheit wider noch die großen Unterschiede in der Einkommensverteilung: 40 Prozent der schwarzen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, d.h. ihnen stehen weniger als 5.000 Rand (rund 507 Euro) pro Monat zur Verfügung.5

Und vor allem diese Bevölkerungsgruppe verband persönliche und wirtschaftliche Hoffnungen mit der WM. Gerade ihnen wurde von Thabo Mbeki soziale Entwicklung und Teilhabe am Wirtschaftswachstum versprochen (vgl. Ley 2010: 208). Viele Angehörige der schwarzen Bevölkerung sind im informellen Wirtschaftssektor tätig (bspw. als informal traders) und wohnen meistens auch an den Stadträndern in bescheidenen Verhältnissen.

[...]


1 Thoba Mbeki war von 1999 bis 2008 Staatspräsident von Südafrika. Unter seiner Führung bewarb sich Südafrika um die Austragung der WM 2010.

2 Human Science Research Coucil (HRSC)

3 Grant Thornton South Africa zählt zu den weltweit größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen. 4

4 http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~ED3445FC9BCB64A798F9DB6B6B6B86 EB2~ATpl~Ecommon~SMed.html

5 http://www.suedafrika.net/suedafrika/suedafrika-wirtschaft.html

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656117759
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188110
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
Schlagworte
nachhaltige entwicklung abpfiff auswirkungen fußball weltmeisterschaft südafrika wirtschaft gesellschaft

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