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Die Bedeutung afroamerikanischer Sportler für die Emanzipation der Afroamerikaner im US-Sport und die Bürgerrechtsbewegung

Seminararbeit 2011 18 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einordnung - das Civil Rights Movement

3. Schwarze im US- Sport - Ein Ringen um Anerkennung

4. Große Sportler mit großer Bedeutung für die Integration der Schwarzen
a. Joe Louis
b. Jackie Robinson
c. Muhammad Ali

5. Fazit

6. Literaturangaben

1. Einleitung

Der Sport gilt als Verkörperung von Fairness und Gleichheit. In ihm soll jeder durch Leistung bestechen können und sich Erfolg erarbeiten können.

Dass diese Überzeugung ein utopisches Gebilde ist, haben einige Phasen unserer Geschichte gezeigt. Bewiesen wird dies durch zahlreiche Vorkommnisse, die entgegen jeder fairen Überzeugung stehen, wie zum Beispiel Bestechung oder auch Doping. Den Zenit der Unfairness bilden jedoch jegliche Formen von Diskriminierung aufgrund von geographischer Herkunft, religiöser Überzeugung oder der Rasse. Daher steht eines fest - Sport war oder ist sogar immer noch, alles andere als die Verkörperung von Fairness und Gleichheit. Insbesondere anhand der Geschichte der Afroamerikaner in den USA lässt sich erkennen, wie wenig der Grundsatz der Gleichheit im Sport realisiert wurde. Jahrhunderte lange Diskriminierung und Ungerechtigkeit verfolgten Afroamerikaner nicht nur im sozialen Leben, sondern auch in der Welt des Sports (in der sie zu den Besten gehörten) wurden sie wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Dabei diente der Sport nicht mehr nur als rein körperliche Veranstaltung, sondern er wurde immer mehr zum Schauplatz und Austragungsort sozialer Konflikte.

Im Rahmen dieser Arbeit soll die Frage beantwortet werden, welche Bedeutung afroamerikanische Sportler für die Emanzipation der Afroamerikaner im US-Sport und auch im Alltag gehabt haben. Darüber hinaus, welchen Beitrag sie zur Bürgerrechtsbewegung in den USA geleistet haben. Dazu soll zunächst die Geschichte der Schwarzen in den USA von den Anfängen bis heute umrissen werden. In einem weiteren Schritt werden das Schicksal und der Kampf um Anerkennung der Schwarzen und die Entwicklungen, bezogen auf den Sport, näher beleuchtet. Im dritten Abschnitt soll dann dargelegt werden, wie bedeutende Persönlichkeiten es geschafft haben, sich die Anerkennung im Spot zu verdienen und welchen Beitrag sie persönlich zum Emanzipationskampf der Afroamerikaner in den USA geleistet haben. Ein Fazit bringt zum Schluss alle Erkenntnisse konzentriert zusammen um in Hinblick auf die Fragestellung Antworten geben zu können.

2. Historische Einordnung - der Emanzipationskampf der Afro- Amerikaner

Um das Ringen der Afroamerikaner im Sport verstehen zu können, soll zunächst einmal ein Überblick über die gesamte Entwicklung der Afroamerikaner von der Zeit des Sklavenhandels bis heute skizziert werden.

Im Jahr 1916 erreichten die ersten afrikanischen Sklaven Jamestown in Virginia. Seit dieser Zeit herrschte die allgemeine Überzeugung der weißen Rasse als „überlegene“ Rasse, welche die „wilden“ Afrikaner zu zähmen hatten.[1] Schon zu dieser Zeit versuchten sich Schwarze gegen die Sklaverei und die Ungerechtigkeit zu wehren. Einer der bedeutendsten Vertreter im Kampf gegen die Sklaverei war Frederick Douglas. Dieser hatte mit seinem Buch „Narrative and Life of an American Slave“ und weiteren Schriften großen Einfluss.[2] Mit Abraham Lincoln, einem entscheidenen Gegner der Sklaverei, erreichte man unter Erlass dreier Zusatzartikeln zwar eine formale Emanzipation der Sklaven und die Abschaffung der Sklaverei, jedoch aber keine Gleichberechtigung.[3] Schon kurze Zeit später hielt man die Diskriminierung und Segregation von Schwarzen (vor allem in den Südstaaten) mit Hilfe der Jim Crow-Gesetzte in der Verfassung fest. Die verfassungsmäßige Stärkung der Segregation erhielt man mit dem Urteil des obersten Gerichts im Fall Plessy gegen Ferguson. Das oberste Gericht erklärte die Segregation für gesetzmäßig, so lang die öffentlichen Einrichtungen grundsätzlich „gleich“ seien.[4] Es folgte eine sechzig Jahre herrschende Doktrin mit dem Grundsatz „getrennt aber gleich“.[5]

Gerade im Süden war diese Doktrin Grundlage des alltäglichen Lebens der Afroamerikaner. Schon im frühen 20. Jahrhundert versuchten die Schwarzen im Süden jedoch, sich gegen die Ungleichheit aufzulehnen. Boykotte gegen Jim Crow fand man in fast allen Städten des Südens. Erfolge blieben jedoch eher weit entfernt.[6] Im Norden bildeten der 14. und 15. Zusatzartikel eine gute Grundlage für den Wunsch der Schwarzen nach gleichen Bürgerrechten. Hier formierten sich die ersten Organisationen um für die Rechte der Afroamerikaner zu kämpfen. Die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) war die erste nationale Protestorganisation die aktiv und weitläufig gegen das Jim Crow Regime vorging.[7]

In den 40er Jahren konnte man erste, wenn auch kleine Erfolge erzielen. Ein angedrohter Marsch nach Washington im Jahre 1941, setzte Präsident Roosevelt unter Druck und er erließ eine Verfügung, welche die Diskriminierung innerhalb der Verteidigungsindustrie verbot.[8]

In den 50er Jahren nahmen die Entwicklungen der Bürgerrechtsbewegung immer mehr Geschwindigkeit auf. Die Entscheidung des höchsten Gerichts im Fall Brown gegen den Bildungsausschuss von Topeka erschütterte die komplette rechtliche Grundlage des Jim Crow Regimes. Mit diesem Urteil wurde die Rassentrennung an Schulen verboten.[9] Diese Entscheidung entzündete endgültig den Kampf um die Rechte der Schwarzen.[10]

Eine emotionale Mobilisierung der Bürgerrechtsbewegung fand man durch den Mord an dem 14 jährigen Emmet Till 1955 in Mississippi. Dieser wurde von zwei Weißen ermordet, weil er einer weißen Frau hinterher pfiff. Die Geschworenen (alle weiß) befanden die Mörder jedoch für nicht schuldig. Diese Tatsache empörte viele Schwarze und erregte so noch mehr Aufmerksamkeit, nun auch auf nationaler Ebene, für die Interessen der schwarzen Bevölkerung.[11]

Mitte der 50er Jahre hatten sich die Machtverhältnisse verschoben - das Schicksal von Jim Crow lag nun in den Händen der schwarzen Bevölkerung. Die Erlangung von gleichen Bürgerrechten sollte nun mit Hilfe von gewaltfreiem Massenaktivismus herbeigeführt werden. Boykotte, Sit-ins, Freiheitsfahrten, Massenmärsche etc. sollten Druck auf das Land ausüben. Der bekannte Bus-Boykott von Montgomery (1955 - 56), eingeleitet von Rosa Parks, brachte den Anstoß für einen weiteren Schlag gegen die Segregationsgesetze und Martin Luther King als Figur der Bürgerrechtsbewegung hervor.[12] Der Oberste Gerichtshof bestätigte am 13. November 1956, dass die Rassentrennung verfassungswidrig sei und erklärte ab sofort die Segregation in Bussen als beendet.

Um den 100. Jahrestag von Lincolns Emanzipationserklärung zu feiern, versammelten sich am 28. August 1963 über 200.000 Demonstranten in Washington D.C. Hier hielt Martin Luther King Jr. seine bekannte „I have a Dream“ -Rede. Nach Kennedys Ermordung, setzte sein Nachfolger Lyndon B. Johnson das Bürgerrechtsgesetz von 1964 durch. Demnach war Segregation in öffentlichen Einrichtungen und Diskriminierung in Programmen der Regierung verboten. Damit sollten gleiche Voraussetzungen für alle Afroamerikaner geschaffen werden. Das Ende von Jim Crow war besiegelt, jedoch hatten Schwarze immer noch kein Wahlrecht. Das letzte große Ziel der Bürgerrechtsbewegung war also das Wahlrecht für Schwarze zu erlangen. Am 6. August 1967 unterschrieb Präsident Johnson das Wahlrechtsgesetz. Demnach wurden alle Maßnahmen zur Fernhaltung Schwarzer von den Wahlen aufgehoben und verboten. Binnen eines Jahres registrierten sich über 400.000 neue. afroamerikanische Wähler in elf der südlichen Staaten der USA und über 1500 afroamerikanische Beamte fanden ihren Weg in die Regierung.[13] Der Weg für ein schwarz-weißes Amerika war nun frei.

Auf den Weg in das „neue“ Amerika begab sich umgehend eine Vielzahl von Afroamerikanern die nun als Teile des amerikanischen Regierungsapparats fungierten und respektiert wurden. In den 1990er Jahren fand man in den größten Städten der USA wie Chicago, New York, Los Angeles etc. afroamerikanische Bürgermeister und weitere Afroamerikaner im Supreme Court und dem Kongress. Ein eindeutiger Beweis für eine voranschreitende Integration der Afroamerikaner in den USA ist die Präsidentschaftskandidatur von General Colin Powell, welcher jedoch dann zur „rechten Hand“ von Präsident George W. Bush, zu einem der mächtigsten Männer der Welt wurde.[14] Ein weiteres Zeichen, nicht nur für die Afroamerikaner, sondern auch für die Frauen, setzte Condoleezza Rice. Sie ist die erste Frau und Schwarze, welche als Mitglied des Standford Centre for International Security and Arms Control zugelassen wurde. Rice kann eine unglaublich zielstrebige politische Karriere vorweisen, in der sie nicht nur als Nationale Sicherheitsberaterin von Präsident George W. Bush fungierte sondert auch die USA als Außenministerin in der ganzen Welt repräsentierte. Sie war somit eine der mächtigsten, wenn nicht sogar die mächtigste Frau der ganzen Welt und für eine Zeit lang „das Hirn des Präsidenten“.[15] Wenn man von dem heutigen Stand der Integration von Afroamerikanern in den USA spricht, sollte man einen Mann nicht vergessen - Barack Obama, den 44. Präsidenten der USA. Dieser machte es sich zur Mission, die Menschen in Amerika zu vereinen.[16] Auch bei all den strahlenden afroamerikanischen Figuren und den großen Erfolgen für die Afroamerikaner in den USA, sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der Kampf um die vollkommene Emanzipation und Gleichheit immer noch nicht vollkommen beendet ist und auch heute noch viele Schwarze unter Diskrimierung und ungerechter Behandlung zu leiden haben. Vor allem aber leben viele Afroamerikaner in großer Armut und Arbeitslosigkeit und die Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß sind in den letzten Jahrzenten wieder größer geworden.[17]

[...]


[1] Nigel Ritchie: The Civil Rights Movement, London 2002 (Lives in Crisis), S. 9 - 11; [i.F.z.a. Ritchie: Civil Rights].

[2] Ritchie: Civil Rights, S. 60.

[3] Ritchie: Civil Rights, S. 11 - 12.

[4] Ronald L. F. Davis: Creating Jim Crow, <http://www.jimcrowhistory.org/history/creating2.htm>, (abgerufen am 3.08.2011).

[5] Ritchie: Civil Rights, S. 13.

[6] August Meier und Elliott Rudwick: The First Freedom Ride, in: Phylon 30 (1969), S.213 ; [i.F.z.a.: Meier und Rudwick: Freedom].

[7] Meier und Rudwick: Freedom, S. 213 - 214.

[8] Ritchie: Civil Rights, S. 16.

[9] Aldon Morris: A Retrospective on the Civil Rights Movement. Political and Intellectual Landmarks, in: Annual Review of Sociology 25 (1999), S. 521 -522; [i.F.z.a.: Morris: Retrospective].

[10] Ritchie: Civil Rights, S. 17.

[11] Morris: Retrospective, S. 522; Ritchie: Civil Rights, S. 17.

[12] Morris: Retrospective, S. 524 - 526.

[13] Morris: Retrospective, S. 526 - 528; Ritchie: Civil Rights, S. 26 - 36.

[14] Nigel: Struggle, S. 52-53.

[15] Annette Streck: Das Hirn des Präsidenten, < http://www.stern.de/politik/ausland/condoleezza-rice-das-hirn-des- praesidenten-515078.html>, (abgerufen am 1.8.2011).

[16] The White House: President Barack Obama, < http://www.whitehouse.gov/administration/president-obama>, (abgerufen am 7.9.2011).

[17] Dedrick Muhammad, Attieno Davis (u.a.): Zur Lage der Schwarzen in den USA (15.1.2004), <http://www.faireconomy.org/files/pdf/StateoftheDream2004.pdf>, (abgerufen am 31.8.2011).

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656115120
ISBN (Buch)
9783656115793
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187929
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Afroamerikaner Sport Emanzipation Muhammad Ali Joe Louis Jackie Robinson Bürgerrechtsbewegung Martin Luther King Civil Rights Movement Sport Baseball Boxen Association for the Advancement of Colored People (NAACP) Jim Crow Rosa Parks

Autor

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