Lade Inhalt...

Heterotopien der Großstadt: Joseph Roths Feuilleton-Reportagen und die Asyle Berlins in den 1920er-Jahren

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 21 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Konzept der Heterotopie bei Michel Foucault und Henri Lefèbvre

III. Berliner Heterotopien
1. Unterkünfte
a) Das Obdachlosenheim
b) Das Kunstasyl
c) Das Dampfbad
2. Cafés, Kneipen, Lokale
a) Kaschemmennächte
b) Flüchtlingscafés

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis
1. Werke
2. Forschungsliteratur
3. Internetquellen

I. Einleitung

Joseph Roth zieht im Juni 1920 von Wien nach Berlin, das spätestens seit den 1870er Jahren von seinen Bewohnern als „Weltstadt“ bezeichnet wird.[1] Dort möchte er seine journalistische Karriere, die noch in den Anfängen steht, weiter ausbauen und schreibt zu diesem Zweck für das Feuilleton verschiedener Zeitungen.[2] Roth erlebt die Stadt in einer historischen Umbruchphase: Die Folgen des Ersten Weltkriegs, der im Vertrag von Versailles festgelegten Reparationszahlungen und des nur langsam voranschreitenden Abbaus von Lebensmittelrationen machen sich vor allem in der Hauptstadt der Weimarer Republik bemerkbar. Armut und soziales Elend kennzeichnen den Alltag vieler Menschen in Berlin[3], das im Oktober desselben Jahres aufgrund des Beschlusses zur Schaffung von Groß-Berlin auf vier Millionen Einwohner anwächst.[4] Roth widmet sich in seinen Reportagen vermehrt denjenigen, denen diese „Krisenjahre zu Beginn der 1920er Jahre“[5] am meisten geschadet haben. Dafür sucht er die abgelegenen und teilweise versteckten Orte auf, an denen sich die Menschen aufhalten, die weder Arbeit noch eine Wohnung haben, ihr Leben durch illegale Tätigkeiten finanzieren oder aus politischen und sozialen Gründen nach Berlin geflüchtet sind. Seine Art der feuilletonistischen Kulturberichterstattung gleicht somit einer Sozialreportage.[6] Das Aufsuchen von oftmals übersehenen Orten und die detaillierte Erfassung ihrer Besonderheiten führt dazu, dass sich Roth mit der Zeit „ein eigenes Stadtbild“[7] von Berlin schafft.

In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, diese Orte in ihrem Wesen und ihrer Funktion für die Großstadt Berlin und ihre Bewohner näher zu beschreiben. Anhand der Theorien von Michel Foucault und Henri Lefèbvre soll nachgewiesen werden, dass es sich bei den von Joseph Roth besuchten Asylorten um so genannte „Heterotopien“ bzw. „Hetero-Topien“ handelt, die zur Heterogenität und Diversität Berlins beitragen und bestimmten sozialen Gruppen zugeordnet werden können. Zu diesem Zweck wird zunächst unter Berücksichtigung der Denkansätze von Foucault und Lefèbvre das Konzept der Heterotopie erläutert. In einem zweiten Schritt sollen Joseph Roths Reportagen in Hinblick auf diese Theorien untersucht werden, um zu verdeutlichen, dass die Großstadt Berlin ein zutiefst heterogenes Areal ist, in dem unterschiedliche Räume in Kontrast zueinander treten, sich überlagern oder parallel existieren. Dabei soll der Fokus nicht darauf gelegt werden, wie Roth die sozialen Missstände, deren Zeuge er wird, bewertet, sondern vielmehr, wie er die aufgesuchten Räume beschreibt und wahrnimmt.

II. Das Konzept der Heterotopie bei Michel Foucault und Henri Lefèbvre

In seinem Vortrag „Von anderen Räumen“ aus dem Jahr 1967 bezeichnet Michel Foucault das 20. Jahrhundert als ein „Zeitalter des Raumes“[8], in dem die Lage eines jeden Ortes nur anhand von Nachbarschaftsrelationen zu anderen Orten und Räumen erschließbar wird.[9] Foucault interessiert sich dabei insbesondere für die Utopien und Heterotopien, die beide zwar eine Beziehung mit allen übrigen Räumen eingehen, diese jedoch im selben Moment aufheben oder kontrastieren.[10] Während es sich bei Utopien um irreale Wunschräume handelt, definiert Foucault Heterotopien als

reale, wirkliche, zum institutionellen Bereich der Gesellschaft gehörige Orte, die gleichsam Gegenorte darstellen, tatsächlich verwirklichte Utopien, in denen die realen Orte, all die anderen realen Orte, die man in der Kultur finden kann, zugleich repräsentiert, in Frage gestellt und ins Gegenteil verkehrt werden. Es sind gleichsam Orte, die außerhalb aller Orte liegen, obwohl sie sich durchaus lokalisieren lassen.[11]

Diese Gleichzeitigkeit von engem Bezug und Kontrast zu den übrigen Räumen sucht Foucault durch eine Analyse der verschiedenen Eigenschaften von Heterotopien näher zu erläutern.

Heterotopien sind ein Kulturen übergreifendes Phänomen. Ihre jeweiligen Erscheinungsbilder und Funktionsweisen unterliegen dabei dem Wandel der Zeit. Foucault stellt zwei Haupttypen heraus: die Krisen- und die Abweichungsheterotopien. Erstere bezeichnen besondere Aufenthaltsorte von Menschen in einer temporären, meist biologisch bedingten Krisensituation[12], die sie von ihrem sozialen Umfeld abgrenzt. Sie kommen jedoch hauptsächlich in „‚primitiven‘ Gesellschaften“[13] vor und werden im 20. Jahrhundert laut Foucault durch die Abweichungsheterotopien ersetzt. Diese Orte sind für Menschen vorgesehen, die durch ihr Verhalten dauerhaft von der gesellschaftlichen Norm abweichen.[14] In heterotopischen Räumen können verschiedene, sonst nicht miteinander in Einklang zu bringende Räume zugleich bestehen, wie z. B. im traditionellen persischen Garten, der eine Abbildung der Welt im Kleinen darstellt. Dieses Merkmal macht die Verknüpfung der Heterotopie mit allen anderen Orten deutlich. Oft geht sie mit einer Heterochronie einher: Innerhalb der Heterotopie herrscht ein bestimmtes Zeitverständnis, das mit demjenigen im übrigen Raum nicht konvergiert.[15] So ist es z. B. in Museen, die der Akkumulation von Gegenständen aus den unterschiedlichsten Epochen dienen, oder auf Jahrmärkten, die „Orte einer geradezu festlich begangenen flüchtigen Zeit“[16] sind. Auch Heterotopien, die mit „dem Übergang, der Verwandlung, den Mühen der Fortpflanzung“[17] verbunden sind, zählen dazu. All diesen Räumen ist gemeinsam, dass sie einen Eintritts- und Ausschlussmechanismus besitzen, der den Zugang zur Heterotopie sowie ihre Abgrenzung von den übrigen Räumen gewährleistet. Der Zutritt wird nur denjenigen ermöglicht, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen und Regeln beachten.[18]

Diese Merkmale, die Foucault als ‚Grundsätze‘ bezeichnet, verweisen vor allem auf die Beschaffenheit von Heterotopien. Foucault befasst sich jedoch auch mit ihrer Funktionsweise. Sie können einerseits einen „paradiesischen“[19] Illusionsraum darstellen, der von den Menschen jedoch nicht als solcher durchschaut wird. Im Gegenteil: Der alltägliche Raum wird nun als noch größere Illusion angesehen. Heterotopien können jedoch auch der Kompensation dienen. Einen solchen Ort suchen die Menschen bewusst auf, da an ihm, im Gegensatz zum übrigen Raum, eine perfekte Ordnung herrscht.[20]

Henri Lefèbvre überträgt das Konzept der Anderen Räume auf die Beschreibung von Großstadtstrukturen. Die Existenz von „Hetero-Topien“[21] hängt bei ihm eng mit der „Ära der Verstädterung“[22] zusammen. Laut Lefèbvre bewirkt das Städtewachstum während der Industrialisierung, dass die Stadt nicht mehr als ein Ganzes angesehen wird, so wie es im 16. und 17. Jahrhundert die neu erfundenen Stadtpläne suggerierten.[23] Die Industriestadt wird aufgrund des ökonomischen Prinzips der Arbeitsteilung in kleinste Teilgebiete zergliedert, denen jeweils bestimmte Tätigkeiten, Situationen und Menschen zugeordnet sind. Diese heterogene Raum-Zeit-Struktur wird nach Lefèbvre durch die Logik des Warenverkehrs zwanghaft zusammengehalten.[24] Erst in der darauf folgenden Ära der Verstädterung ändert sich dieses Streben nach Homogenität zugunsten einer differenzierteren Sicht auf das Stadtgefüge: Es wird als Netz von gegensätzlichen Orten und Augenblicken angesehen, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen, wobei sie aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit auch einzeln hervorgehoben werden können.[25] Um die Struktur des urbanen Raumes besser beschreiben zu können, bedient sich Lefèbvre u. a. dem Konzept der Heterotopie:

Es gibt aber neben „dem Ort an sich“ [d. i. die Iso-Topie] noch einen weiteren, den anderen Ort. Was macht ihn zum anderen Ort? Ein Unterschied, der ihn bezeichnet, indem er ihm (sich) in bezug [!] auf den ursprünglich untersuchten Ort einen Platz anweist. Das ist die Hetero-Topie.[26]

Demnach konstituiert sich auch bei Lefèbvre die Hetero-Topie über ihren Kontrast zu den übrigen Orten. Erst in dem Prozess der Gegenüberstellung von Iso-Topie und Hetero-Topie wird letztere lokalisierbar. Der Grad der Unterschiedlichkeit von den übrigen Räumen hängt dabei auch von den Menschen ab, die sich an diesem Anderen Ort befinden.[27]

Das städtische Areal ist für Lefèbvre „konkreter Widerspruch“ und „eine Konzentration von allem, was es auf der Welt gibt“.[28] Aufgrund dessen kann jeder Ort in der Stadt zum urbanen Mittelpunkt werden. Eine konstante Eigenschaft des Großstadtraumes ist für Lefèbvre daher sein poly- bzw. multizentrischer Aufbau. Dies scheint die Existenz von Hetero-Topien stark zu beeinflussen: Im Spannungsfeld unterschiedlicher kultureller, architektonischer, wirtschaftlicher und sprachlicher Einflüsse, die in der Großstadt nebeneinander existieren, ist das Vorhandensein von Hetero-Topien gleichzeitig eine logische Konsequenz und eine Möglichkeit, der Flut unterschiedlicher Eindrücke an einem abgeschlossenen Raum zu entkommen.

III. Berliner Heterotopien

1. Unterkünfte

a) Das Obdachlosenheim

Für seine Reportage „Bei den Heimatlosen“ hat Joseph Roth das Obdachlosenheim in der Fröbelstraße besucht. Das Gebäude wirkt auf ihn „wie gewaltsam in die Natur hineingestellt“[29], zugleich fügt es sich jedoch aufgrund seiner Ziegelstein-Fassade in die Umgebung ein, in der generell eine „ziegelrote Atmosphäre herrscht“.[30] Dieses Wechselspiel architektonischer Anpassung und Unterschiedlichkeit verbindet die Heterotopie mit ihrer Umgebung, isoliert sie jedoch zugleich von ihr. Zudem befindet sich eine Polizeikontrolle am Eingang, sodass der Innenraum des Asyls vom Außenbereich deutlich abgegrenzt wird. Der Innenbereich erinnert in seiner Sterilität an ein Krankenhaus oder Gefängnis: Kahle Gänge führen in einen langen, schmalen Saal, der zu beiden Seiten von „Büßerbetten aus Drahtnetzen“[31] gesäumt wird. Auf ihnen schlafen die von Roth betitelten „Heimatlosen“ und „groteske[n] Gestalten“.[32] Sie büßen für ihre Obdach- und Arbeitslosigkeit – zwei Zustände, die in der „von emsiger Tätigkeit“[33] geprägten Hauptstadt Berlin mit Widerwillen betrachtet werden. Roth erinnern die Obdachlosen an „beinahe unwirklich[e]“ Figuren aus „Armen- und Abenteuerromanen“.[34] Ihre scheinbare Irrealität verdeutlicht den Grad ihrer Ausgeschlossenheit von der übrigen Bevölkerung. Zudem sind viele der Obdachlosen krank, die Hälfte von ihnen geschlechtskrank.[35] Mangelnde Hygiene und dadurch bedingte konstante Krankheit tragen zu ihrer Abweichung von der arbeitenden Berliner Bevölkerung zusätzlich bei.

Schon die Polizeikontrolle am Eingang weist darauf hin, dass der Zugang zum Obdachlosenheim nicht uneingeschränkt gewährt wird. Allen, die sie zu umgehen suchen, „grüßt Polizei freundliches Willkommen“.[36] So wird das spontane Betreten des Heims unmöglich gemacht. Es bietet den Asylsuchenden nur dann eine Unterkunft, wenn sie gewisse Regeln befolgen. Roth zitiert zu Beginn seiner Reportage einen Revers, den alle Obdachlosen unterzeichnen müssen, bevor sie in das Heim aufgenommen werden. Durch ihre Unterschrift verpflichten sie sich dazu, innerhalb von fünf Tagen eine neue Bleibe zu finden, ansonsten werden sie in ein Gefängnis oder Arbeitshaus überwiesen.[37] Es gibt zudem beschränkte Aufnahmezeiten: Nur zwischen 16 und 21 Uhr öffnen sich die Türen des Heims.[38] Dieses „System der Öffnung und Abschließung“[39] soll den Aufenthalt von Beginn an zeitlich strukturieren und begrenzen. Joseph Roth weist jedoch auf die wachsende Zahl asylsuchenden Männer und Frauen aller Altersklassen[40] und die Existenz von „Stammobdachlose[n]“[41] hin. Immer mehr Menschen sind auf einen Platz im Asyl angewiesen, viele von ihnen schaffen zudem den Sprung in die Welt der Erwerbstätigen nicht und kehren regelmäßig in das Heim zurück. Ihr Lebensraum erstreckt sich zwischen Obdachlosenheim, Gefängnis, Arbeitshaus und Straße. Das Asyl ist folglich in ein System aus Abweichungsheterotopien eingegliedert, in dem es zunächst die Aufgabe hat, den Obdachlosen für eine bestimmte Zeit eine Unterkunft zu bieten. Das Unterschreiben des Revers ermöglicht jedoch gleichzeitig eine Übermittlung an eine weitere Abweichungsheterotopie. Dadurch werden diese Menschen immer mehr von der Gesellschaft isoliert, bis „das Vorläufige […] ihnen unveränderte Lebensform geworden [ist]“.[42]

Der Alltag im Heim ist durch eine bestimmte Ordnung gekennzeichnet. Jeder Obdachlose erhält die gleiche Bettdecke, eine Schüssel Suppe und die Möglichkeit sich jeden Morgen ärztlich untersuchen zu lassen. Familien und Flüchtlinge wohnen in möblierten Holzverschlägen, sodass sie sich gegenseitig besuchen können. Darüber hinaus kann gekocht und gewaschen werden.[43] Diese Maßnahmen garantieren eine gerechte Behandlung aller Obdachlosen und stellen die Grundlage für ein gemeinschaftliches Leben im Heim dar. Dies spielt auch für die Flüchtlinge eine wichtige Rolle. Am Beispiel eines ehemaligen russischen Oberstleutnants demonstriert Roth die Problematik der Orientierungslosigkeit in einer sich verändernden Gesellschaft. Dem vor der Russischen Revolution geflüchteten Offizier erscheint die Welt „schief geworden“ zu sein; seine Frage „Wo ist Russland?“[44] verweist darauf, dass die ihm bekannte Heimat nicht mehr existiert. Die Revolution stellt einen zeitlichen Bruch dar, der ihn zur Flucht und zum Aufenthalt im Obdachlosenheim gezwungen hat. Der ehemalige Oberstleutnant und auch die anderen Flüchtlinge des Heims befinden sich somit in einer Phase des Übergangs bzw. der Verwandlung, in der sie von heimatlich gebundenen zu heimatlosen oder politisch verfolgten Personen werden und auf den Eintritt in eine neue Lebensphase in einer anderen Region oder einem anderen Land hinarbeiten.

Die Beamten des Asyls versuchen das fehlende Zuhause der Obdachlosen und Geflüchteten zumindest für eine kurze Zeit zu kompensieren, indem sie sie in eine etablierte Struktur hineinführen und ihnen mit Freundlichkeit und Hilfe entgegentreten. Die große Anzahl an Hilfesuchenden, die täglich in das Heim einquartiert werden, bezeugt das Bedürfnis nach dieser Unterkunft. Insofern hat das Heim für seine Bewohner die Funktion einer kompensatorischen Heterotopie, die aufgrund ihrer Ordnung und der Möglichkeiten, die sie den Obdachlosen bietet, bewusst aufgesucht wird. Gleichzeitig stellt das Heim einen Entlastungsraum für die übrige Gesellschaft dar, denn es nimmt sich derjenigen Menschen an, die aufgrund von Heimatlosigkeit und Krankheit nicht in das durchschnittliche soziale Gefüge integrierbar sind.[45]

[...]


[1] Vgl. Mann, Golo: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 1992, S. 399. Auf den Text wird im Folgenden mit dem Kürzel „Mann, Deutsche Geschichte“ Bezug genommen.

[2] Vgl. Prümm, Karl: Die Stadt der Reporter und Kinogänger bei Roth, Brentano und Kracauer. Das Berlin der zwanziger Jahre im Feuilleton der ‚Frankfurter Zeitung‘, in: Die Unwirklichkeit der Städte. Großstadtdarstellungen zwischen Moderne und Postmoderne, hg. v. Klaus R. Scherpe, Hamburg 1998, S. 80-105, hier: S. 83. Auf den Aufsatz wird im Folgenden mit dem Kürzel „Prümm, Stadt der Reporter“ Bezug genommen.

[3] Vgl. „1918-1933. Hunger und soziales Elend “ unter: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/kunst/hunger/ index.html [26.08.2010].

[4] Vgl. Becker, Sabina: Urbanität und Moderne. Studien zur Großstadtwahrnehmung in der deutschen Literatur 1900-1930, St. Ingbert 1993 (Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft, Band 39), S. 27. Auf den Text wird im Folgenden mit dem Kürzel „Becker, Urbanität“ Bezug genommen.

[5] Scharnowski, Susanne: „Berlin ist schön, Berlin ist groß“. Feuilletonistische Blicke auf Berlin: Alfred Kerr, Robert Walser, Joseph Roth und Bernard von Brentano, in: „Weltfabrik Berlin“. Eine Metropole als Sujet der Literatur. Studien zu Literatur und Landeskunde, hg. v. Matthias Harder und Almut Hille, Würzburg 2006, S. 67-82, hier: S. 69.

[6] Vgl. Prümm, Stadt der Reporter, S. 81.

[7] Ebd., S. 82.

[8] Foucault, Michel: Von anderen Räumen, in: ders.: Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits, hg. v. Daniel Defert und François Ewald, Bd. IV: 1980-1988, Frankfurt a. M. 2005, S. 931-942, hier: S. 931. Auf den Aufsatz wird im Folgenden mit dem Kürzel „Foucault, Räume“ Bezug genommen.

[9] Vgl. ebd., S. 932.

[10] Vgl. ebd., S. 934f.

[11] Ebd., S. 935. Ursprünglich handelt es sich bei der Heterotopie um ein Phänomen aus der Medizin: Es bezeichnet einen „ an unüblicher Stelle des Körpers od. von Organen ablaufende[n] Vorgang “ bzw. die „ Bildung von Gewebe od. Körperteilen an atypischer Stelle “ (Duden Deutsches Universalwörterbuch, hg. v. der Dudenredaktion 6., überarb. u. erw. Aufl., Mannheim 2007, S. 810, Artikel „Heterotopie“). Foucault überträgt den Begriff in die Literatur- und Kulturwissenschaft, weitet jedoch seine Bedeutung aus: Nicht mehr nur im Körper können sich atypische Elemente befinden, sondern im Raum generell.

[12] Vgl. Foucault, Michel: Die Heterotopien, in: ders.: Die Heterotopien. Les hétérotopies. Der utopische Körper. Le corps utopique. Zwei Radiovorträge, Frankfurt a. M. 2005, S. 7-22, hier: S. 12. Der Aufsatz erschien erstmals im Dezember 1966 und diente Foucaults Vortrag von 1967 als Vorlage. Auf den Aufsatz wird im Folgenden mit dem Kürzel „Foucault, Heterotopien“ Bezug genommen.

[13] Foucault, Räume, S. 936. Beispiele für Krisenheterotopien sind das Verlegen menstruierender oder gebärender Frauen in andere Räume. Der Begriff ‚primitiv‘ ist jedoch irreführend, denn auch ein moderner Kreißsaal muss nach Foucaults Kriterien in diese Kategorie eingeordnet werden.

[14] Vgl. ebd., S. 936f. Als Beispiele nennt Foucault u. a. Gefängnisse und Psychiatrien.

[15] Vgl. Hasse, Jürgen: Übersehene Räume. Zur Kulturgeschichte und Heterotopologie des Parkhauses, Bielefeld 2007, S. 78. Auf den Text wird im Folgenden mit dem Kürzel „Hasse, Übersehene Räume“ Bezug genommen.

[16] Warning, Rainer: Pariser Heterotopien. Der Zeitungsverkäufer am Luxembourg in Rilkes ‚Malte Laurids Brigge‘, München 2003 (Bayerische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte, Jahrgang 2003, Heft 1), S. 6. Auf den Text wird im Folgenden mit dem Kürzel „Warning, Pariser Heterotopien“ Bezug genommen.

[17] Foucault, Heterotopien, S. 17.

[18] Vgl. Foucault, Räume, S. 938-940. Bei diesem Grundsatz ist dem Übersetzer Michael Bischoff ein Fehler unterlaufen: Anstatt das Substantiv „hétérotopies“ in dem Satz „Il y a même d'ailleurs des hétérotopies qui sont entièrement consacrées à ces activités de purification […].“ (Foucault, Michel: Des espaces autres, in: ders.: Dits et ecrits, hg. v. Daniel Defert, Bd. IV: 1980-1988, Paris 1994, S. 752-762, hier: S. 760) mit „Heterotopien“ zu übersetzen, heißt der Satz bei Bischoff: „Anderswo gibt es sogar Heteronomien [Hervorhebung von J. A.], die ganz der Reinigung dienen […].“ (Foucault, Räume, S. 940) In der entsprechenden Passage von Foucaults Radiovortrag aus dem Jahre 1966 übersetzt Bischoff jedoch korrekt: „Es gibt sogar Heterotopien [Hervorhebung von J. A.], die ganz der Reinigung dienen […].“ (Foucault, Heterotopien, S. 18)

[19] Hasse, Übersehene Räume, S. 79.

[20] Vgl. Foucault, Räume, S. 941 und Warning, Pariser Heterotopien, S. 6.

[21] Vgl. Lefèbvre, Henri: Die Revolution der Städte, München 1972, S. 45. Auf den Text wird im Folgenden mit dem Kürzel „Lefèbvre, Revolution“ Bezug genommen.

[22] Ebd., S. 42.

[23] Vgl. Lefèbvre, Revolution, S. 18-20.

[24] Vgl. ebd., S. 40f.

[25] Vgl. ebd., S. 43f.

[26] Ebd., S. 45.

[27] Vgl. ebd., S. 44f.

[28] Ebd., S. 46.

[29] Roth, Joseph: Bei den Heimatlosen, in: ders.: Werke, hg. v. Klaus Westermann, Bd. I: Das journalistische Werk. 1915-1923, Köln 1989, S. 373-377, hier: S. 374, erstmals erschienen am 23.09.1920 in der Neuen Berliner Zeitung (12-Uhr-Blatt). Auf den Text wird im Folgenden mit dem Kürzel „Roth, Bei den Heimatlosen, JRW I, S. 373-377“ Bezug genommen.

[30] Ebd.

[31] Ebd., S. 375.

[32] Ebd.

[33] Vgl. Mann, Deutsche Geschichte, S. 684.

[34] Roth, Bei den Heimatlosen, JRW I, S. 373-377, hier: S. 375.

[35] Vgl. ebd.

[36] Ebd., S. 374.

[37] Vgl. Roth, Bei den Heimatlosen, JRW I, S. 373-377, hier: S. 373.

[38] Vgl. ebd., S. 375.

[39] Foucault, Räume, S. 940.

[40] Vgl. Roth, Bei den Heimatlosen, JRW I, S. 373-377, hier: S. 375.

[41] Ebd., S. 377.

[42] Ebd.

[43] Vgl. ebd., S. 375.

[44] Ebd., S. 376.

[45] Vgl. Niefanger, Dirk: Orte im Abseits. Heterotopien im Großstadt-Feuilleton Siegfried Kracauers (und der “Klassischen Moderne“), in: „Unvollständig, krank und halb?“ Zur Archäologie moderner Identität, hg. v. Christoph Brecht und Wolfgang Fink, Bielefeld 1996, S. 175-193, hier: S. 178. Auf den Aufsatz wird im Folgenden mit dem Kürzel „Niefanger, Abseits“ Bezug genommen.

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656112730
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187888
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Joseph Roth; Berlin; 1920; Heterotopien; Foucault; Anderer Ort

Autor

Zurück

Titel: Heterotopien der Großstadt: Joseph Roths Feuilleton-Reportagen und die Asyle Berlins in den 1920er-Jahren