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Unterrichtsplanung zu Schillers "Maria Stuart"

Unterrichtsentwurf 2011 21 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literaturdidaktische Konzeption

3. Literaturwissenschaftliche Analyse

4. Unterrichtsplanung
4.1 Verortung im hessischen Lehrplan
4.2 Lerngruppenanalyse
4.3 Lernvoraussetzungen
4.4 Lernziele
4.5 Methodische Planung und Phasierung

5. Reflexion

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Wie in unserer wirklichen Welt, so geht es auch bei Schillers „Maria Stuart" um das „Gegeneinander und das problematische Miteinander, im [...] Gefüge [...] von Leib und Seele, Stoff und Geist, Erde und Himmel, Diesseits und Jenseits, Zwang und Freiheit, Welt und Ewigkeit"[1].

Das Drama bietet für Lernende und Leser vielerlei (moralische) Anknüp­fungspunkte und Denkanstöße. Gerade das Handeln der zwiespältigen und gemischt dargestellten Königin Elisabeth kann aus verschiedenen Stand­punkten und anhand verschiedener Parameter beurteilt werden. Zur Bewer­tung menschlichen Handelns können nämlich entweder situative Faktoren oder innere persönliche Dispositionen herangezogen werden. So könnte man sagen, Elisabeth hat einen schlechten Charakter und ist an und für sich eine gemeine und böse Persönlichkeit oder man berücksichtigt die situativen Zwänge, denen die Königin unterliegt. Sie obliegt starkem Druck seitens der Bevölkerung und teils seitens ihrer Berater. Dementsprechend befindet sie sich in einer realen und psychischen Zwangslage, da sie selbst Maria fürch­tet und nur glaubt, durch ihren Tod wieder frei zu sein. Diese spannende Verhältnis von Fremdzwang, Selbstzwang, moralischen und politischen Wer­ten zeigt sich speziell im Monolog Elisabeths (Szene 10, Akt 4), der deshalb hier zum Unterrichtsthema gemacht werden soll. Um ein umfassenderes Verständnis und eine stärkere kognitive Aktivierung zu erzielen, wird darüber hinaus der philosophische Essay „Über das Erhabene" behandelt. Anhand dieser Schrift, lernen die Jugendlichen zuvor das Konstrukt des freien Willens bei Schiller kennen.

Zunächst soll nun die literaturdidaktische Grundkonzeption des Stundenent­wurfs erläutert werden, um dann in einer literaturwissenschaftlichen Analyse das Thema der Stunde zu reflektieren. Anschließend folgt die konkrete Pla­nung des Unterrichts, mit einer Betrachtung der Lernvoraussetzungen und der Lernergruppe, sowie einer Formulierung der Lernziele und der methodi­schen Planung. Bei der zu planenden Stunde wird von einer Doppelstunde ausgegangen (90 Minuten).

2. Literaturdidaktische Konzeption

Bei der Unterrichtsplanung zu Schillers „Maria Stuart" werden verschiedene literaturdidaktische Ansätze berücksichtigt. Es wird zunächst eine Kompe­tenzorientierung angestrebt. Zwar können sich nicht alle Ziele des Literatur­unterrichts als Kompetenzen formulieren lassen und das Konzept der Bil­dungsstandards sollte durchaus auch kritisch beleuchtet werden, da es zu der Annahme verleiten kann, „dass der Unterricht zukünftig nur auf (abprüf­bare) Kompetenzen hin angelegt werden solle"[2], aber die Orientierung an Kompetenzen hält viele Chancen für den Literaturunterricht bereit. So wer­den beispielsweise die Fähigkeiten und die Selbstständigkeit der Schülerin­nen und Schüler[3] mehr in den Fokus gerückt und den Lehrern wird ein grö­ßerer Spielraum bei der Themenwahl eröffnet.

Im vorliegenden Entwurf sollen unter anderem die überfachlichen Kompeten­zen und auch die drei Kompetenzbereiche „Lesen und Rezipieren", „Spre­chen und Zuhören" und „Schreiben"[4] bei der Zielsetzung und Planung be­rücksichtigt und gefördert werden. Zu diesen überfachlichen Kompetenzen zählen die personale Kompetenz, die Sprachkompetenz, die Lernkompetenz und die Sozialkompetenz[5]. Es werden dazu entsprechende Teillernziele for­muliert. Weiterhin sollen gerade vom methodischen Standpunkt aus hand- lungs- und produktionsorientierte Ansätze berücksichtiget werden. Hier liegt jedoch der Schwerpunkt auf der Produktionsorientierung, da in der geplanten Stunde selbstständig mit Texten gearbeitet wird.

Der Aspekt der Handlungsorientierung bietet sich selbstverständlich auch bei der Arbeit mit Dramen an. Es wäre beispielsweise möglich in vorhergehen­den Stunden szenisch die Begegnung der beiden Königinnen spielen zu las­sen, um so auch theaterpädagogische Ansätze zu berücksichtigen. Gerade Dramen sind untrennbar mit der theatralischen Realisierung verknüpft und so sollten in der Schule szenische Verfahren bei der Dramenbehandlung unbe­dingt Anwendung finden. In diesem Sinne kann in der vorliegende Stunde je nach Kenntnisstand der SuS und Offenheit der Lernergruppe auch ein soge­nanntes Standbild die Stunde abschließen. Dies ist ein handlungsorientiertes Verfahren, mit dessen Hilfe Gefühle einer Figur ausgedrückt werden kön­nen[6]. Das Verfahren bietet die Möglichkeit der Selbsterfahrung, setzt aller­dings die Bereitschaft der SuS für ein Einfühlen in die Dramenfigur und das szenische Spielen vor der Klasse im Allgemeinen voraus. Dieses szenische Arbeiten sollte jedoch gefördert und angeregt werden, denn gerade jüngste Ansätze der Dramendidaktik gehen davon aus, dass „Dramentexte [...] über­haupt erst verstanden werden, wenn sie auf der Bühne oder im Klassenraum in Szene gesetzt werden"[7].

3. Literaturwissenschaftliche Analyse

„Maria Stuart" von Friedrich Schiller wurde am 14. Juni 1800 in Weimar ur- aufgeführt und zählt neben „Wallenstein", „Die Jungfrau von Orleans" und „Wilhelm Tell" zu den bekannten klassischen Dramen Schillers. Das Beson­dere an „Maria Stuart" ist unter anderem, dass sie von allen Dramen Schillers „am strengsten gebaut [und] am weitesten von jeder subjektiven Anteilnahme des Herzens entfernt"[8] ist. Die strenge Bauweise des Dramas zeigt sich vor­nehmlich in der „Symmetrie der tragischen Handlungsabläufe"[9]. So dominiert Maria den ersten Akt. Elisabeth wird als englische Herrscherin im zweiten Akt vorgestellt, dann treffen sich beide Königinnen im dritten Akt. Der vierte Auf­zug zeigt das Zögern und Zweifeln der Elisabeth bis hin zur Unterzeichung des Todesurteils. Und der letzte Akt zeigt den moralischen Sieg und die „Wandlung" Marias. So enden die symmetrischen Abläufe mit der Inversion des Dramenbeginns. Maria ist es am Ende, die im Bewusstsein eines morali­schen Sieges, geläutert und erhaben, dem physischen Tod entgegen tritt, während Elisabeth allein und verlassen steht[10].

Weitere charakteristische Merkmale sind einerseits der historische Stoff, der häufig zur Annahme verleitet „Maria Stuart" sei ein Geschichtsdrama, ande­rerseits die Spannung, die durch die tragische Ironie erzeugt wird. Zu Erste- rem muss deutlich gemacht werden, dass „Maria Stuart" kein Geschichts- drama ist, da sich der Dichter hier nur des historischen Stoffs bedient, „um grundlegende menschliche und politische Konflikte zu exponieren"[11]. Des Weiteren wird die oben erwähnte Spannung, trotz des nahenden sicheren Todes, durch die tragische Ironie im Drama aufrechterhalten. Das heißt, dass alle retardierenden Momente bei denen Hoffung auf Rettung aufkeimt, am Ende ironischerweise genau zur Beschleunigung der Handlung beitragen[12]. Auf diese Art kann auch die Begegnungsszene, in der Maria zu Beginn die Erwartung auf Freispruch und Gnade hegt und sich am Ende selbst den Ret­tungsweg zerstört, gedeutet werden.

Doch nicht nur die strenge Architektonik oder die gattungsspezifische Ein­ordnung sollen hier im Mittelpunkt stehen. Vielmehr sollen die Figur der Eli­sabeth und ihr Handeln, insbesondere die Szene 10 des vierten Aktes, be­trachtet werden und Parallelen zum Begriff der Freiheit und des freien Wil­lens gezogen werden. Elisabeth wird durchaus zwiespältig beurteilt, je nach­dem, ob man eher situative Faktoren oder innere persönliche Dispositionen als Parameter für die Bewertung ihres Verhaltens präferiert. Sie ist am Ende mehr als nur ein gemeiner und böser Charakter, sondern vielmehr „Opfer ihrer Stellung, und zwar einer betont männlich konzipierten Stellung, in einem patriarchalisch geprägten, historisch vorgegebenen Gesellschaftssystem"[13]. Die Frage ist jedoch, ob sie frei handelt oder ob sie ihre politische Macht für persönliche Zwecke missbraucht.

Das dem so ist, wird deutlich bei genauer Betrachtung des Monologs in Sze­ne 10 des vierten Aktes. Nachdem Elisabeth knapp einem Anschlag entgan­gen ist und nach einem Gespräch mit Shrewsbury und Burleigh, entschließt sie sich letztendlich Marias Todesurteil zu unterzeichnen. Doch vorher steht ein letztes deutliches Moment der Reflexion und des Zweifels, bei dem er­kennbar wird, wie Elisabeth in ihrer Heteronomie gefangen ist und welch utili­taristisches Verständnis sie von Gerechtigkeit und Freiheit bekommen hat[14]. So fühlt sich Elisabeth unfrei und als müsse sie nur der Meinung des Volkes schmeicheln (vgl. V. 3190 - 3196)[15]. Sie erkennt, dass nur der noch König ist, „der bei seinem Tun/ Nach keines Menschen Beifall braucht zu fragen" (V. 3198 - 3199) und sieht sich somit selbst nicht als Königin. Sie entdeckt je­doch nicht nur den „innenpolitischen" Druck, der auf ihr lastet, sondern sieht sich auch außenpolitisch von Feinden umringt (vgl. V. 3214 - 3219). Elisa­beth erklärt, dass diese allgemeine Notwendigkeit sogar den (freien) Willen der Könige bezwingen kann (V. 3209 - 3211 ).

Diese politische Handlungsebene wird aber mehr und mehr mit einer persön­lichen, „affektiv basierten Ebene einer narzisstischen Kränkung[16] vermischt und damit funktionalisiert Elisabeth ihre politische Macht. Sie beklagt als „wehrlos Weib" (V. 3221) gegen die ganze Welt zu kämpfen und sieht sich persönlich immer wieder Angriffen ausgesetzt. Sie begründet diese durch den Flecken ihrer fürstlichen Geburt (vgl. V. 3223). Diese Zweifel ihrer Her­kunft bleiben jedoch nur bestehen, solange Maria noch lebt, das „ewig dro­hende Gespenst" (V. 3227) für Elisabeth. So entschließt sie sich bewusst dazu, ihre Furcht zu beenden und entscheidet: „Ihr Haupt soll fallen. Ich will Frieden haben" (V. 3229). Hier muss deutlich werden, dass Elisabeths Hand­lungsmotive politischen und privaten Interessen entspringen und die getrof­fene Entscheidung stark affektgesteuert ist. So warnt in der vorhergehende Szene Shrewsbury: „Du selbst bist außer dir, bist schwer gereizt, / Du bist ein Mensch und jetzt kannst du nicht richten" (V. 3089-3090). Er ist es auch, der Elisabeth daran erinnert, dass sie die Herrscherin ist und frei entscheiden kann. Sie muss sich von niemandem drängen oder gar zu etwas zwingen lassen (vgl. V. 3083). Doch Elisabeth ist ihrer Ansicht nach nicht frei, obwohl sie es ist.

An ihrem Verhalten wird eine „Utopie humanen Handelns"[17] exemplifiziert. Da Elisabeth ihre Weiblichkeit verleugnet und ihre (erzwungene) Jungfräu­lichkeit zum höchsten Gut erhebt, verleugnet sie auch ihre Humanität[18]. Sie verliert ihre Handlungsautonomie, doch gerade diese „Freiheit des Handelns ist das Zeichen jeglicher Humanität"[19]

Dieser freie Wille als Zeichen der Menschlichkeit hat bereits im „Wallenstein" eine übergeordnete Rolle gespielt. Schiller hat sich aber auch über die dra- matischen Werke hinaus mit dem Thema Freiheit und freier Willen in einer Reihe von philosophischen Schriften befasst. Zu nennen, sind hier unter anderem die Essays „Vom Erhabenen“, „Über das Pathetische“ und „Über das Erhabene“.

[...]


[1] Guthke: Maria Stuart, S. 415

[2]

Leubner, Saupe, Richter: Literaturdidaktik, S. 44

[3] Im Folgenden mit SuS abgekürzt.

[4] Vgl. Hessisches Kultusministerium: Bildungsstandards, S.13

[5] Vgl. Hessisches Kultusministerium: Bildungsstandards, S.8

[6] Vgl. Leubner, Saupe, Richter: Literaturdidaktik, S.133

[7] Lange, Petzoldt: Textarten - didaktisch, S. 55

[8] Wiese: Friedrich Schiller, S. 713

[9] Luserke-Jaqui: Friedrich Schiller, S.299

[10] Vgl. Luserke-Jaqui: Friedrich Schiller, S. 299

[11] Luserke-Jaqui: Friedrich Schiller, S. 298

[12] Vgl. Wiese: Friedrich Schiller, S. 713

[13] Guthke: Maria Stuart, S.423

[14] Vgl. Leipert: Maria Stuart, S. 80 ff.

[15] zitiert wird nach dem Wortlaut der Frankfurter Ausgabe Bd. 5 (im Folgenden mit FA abge­kürzt)

[16] Luserke-Jaqui: Friedrich Schiller, S. 308

[17] Leipert: Maria Stuart, S.79

[18] Vgl. ebd., S.79

[19] Ebd., S. 79

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656125396
ISBN (Buch)
9783656130987
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187873
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Sprach- und Literaturwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Schiller Maria Stuart Unterricht Schule Dramen

Autor

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