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Der Krimkrieg von 1853 und seine Bedeutung für die europäischen Mächte

Seminararbeit 2003 26 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A] Einleitung

B] Ausarbeitung
I.) Ursachen
1. Die orientalische Frage
2. Mönchsgezänk
II.) Der Weg in den Krieg
1. Die Sendung des Fürsten Menschikow
2. Die Wiener Note: Ein letzter Schlichtungsversuch
III.) Kriegsverlauf bis zur Landung auf der Krim
1. Erste Gefechte auf dem Balkan und im Kaukasus
2. Sinope
3. Kriegsvorbereitungen
4. England und Frankreich treten in den Krieg ein
5. Odessa, Ostsee, Balkan
IV.) Die Krim
1. Landung in Eupatoria
2. Die Schlacht an der Alma
3. Balaklava und der Angriff der Leichten Brigade
4. Inkerman
V.) Sewastopol
1. Winter auf der Krim
2. Ein neuer Verbündeter
3. Das zweite Kriegsjahr
4. Sewastopol fällt
VI.) Frieden
VII.) Fazit

C] Nachwort

D] Bibliographie

A] Einleitung

Vor 150 Jahren, im Jahre 1853, begann der Krimkrieg. In dieser Hausarbeit möchte ich nun speziell auf den Krieg und seine Entstehung, sowie auf die Folgen, die er in den europäischen Staaten verursachte, eingehen; entsprechend der Aufgabenstellung „Der Krimkrieg von 1853 und seine Bedeutung für die europäischen Mächte“.

Im Besonderen möchte ich hierbei die religiösen und politischen Gründe für diesen Krieg und die diplomatisch verwirrende Situation im Vorfeld erörtern. Des Weiteren werde ich natürlich den eigentlichen Kriegsverlauf und die an der Front herrschenden Umstände erläutern, sowie die logistischen Probleme, die während der kriegerischen Handlungen auftraten. Außerdem werde ich noch darauf eingehen, worin sich dieser Krieg von den Vorangegangenen unterschied, besonders was die technischen Neuerungen und die hier zutage gekommene neue Art der Kriegsführung betrifft. Die Schlachten selbst werde ich nicht in jedem Detail beleuchten, da ich die genauen Truppenbewegungen, Entscheidungen etc. für diese Themenstellung als nicht relevant erachte. Ebenso die Gefechte im Kaukasus, da sie strategisch wenig Bedeutung hatten und den Kriegsverlauf nur geringfügig beeinflußten. Ausnahme hierbei wird die Belagerung Sewastopols bilden, die ich doch etwas intensiver behandeln werde, da sie das Kernstück dieses Krieges bildete, sowohl militärisch als auch ideologisch.

Als Primärliteratur ziehe ich die Berichte von César de Bazancourt „Der Feldzug in der Krim bis zur Einnahme von Sebastopol“ (Band 1 und 2) und Winfried Baumgart „Akten zur Geschichte des Krimkrieges“ heran. Die benutzte Sekundärliteratur ist von Trevor Royle „Crimea“, German Werth „Der Krimkrieg“ und Hermann Wentker „Zerstörung der Großmacht Rußland?“.

Ich werde so weit wie möglich chronologisch vorgehen, also nacheinander Ursachen, Verlauf und Friedensschluß beschreiben.

B] Ausarbeitung

I) Ursachen

1. Die orientalische Frage

„Die Dardanellenfrage ist nur ein Symptom der orientalischen Frage selbst, der türkischen Erbschaftsfrage, des Grundübels, woran wir siechen, des Krankheitsstoffes, der im europäischen Staatskörper gärt und der leider nur gewaltsam ausgeschieden werden kann.“ (Heinrich Heine, 1841)[1]

Der allmähliche Verfall des osmanischen Reiches warf seit Ende des 18. Jahrhunderts die orientalische Frage auf.

Durch die Schwächung der Osmanen sah das russische Kaiserreich seine Chance gekommen, seinen Einfluß auf dem Balkan zu vergrößern. Dabei hatte es speziell die türkischen Meerengen Bosporus und die Dardanellen im Auge, deren Besitz Rußlands Einfluß auf dem Mittelmeer ungleich vergrößern würde. Denn bis dato war Rußlands Schwarzmeerflotte das, was ihr Name suggeriert, nämlich auf das Schwarze Meer beschränkt. Dieser Interessenkonflikt und die Schwäche des kranken Mannes am Bosporus – wie das osmanische Reich zu dieser Zeit genannt wurde – führten zu zahlreichen Kriegen; der Krimkrieg ist einer von ihnen.

Die Westmächte, also Großbritannien und Frankreich, sahen die Expansionsabsichten der Zaren als ein Eindringen in ihre Interessenssphären im östlichen Mittelmeer und im Orient. Des Weiteren war Österreich mit dem wachsenden Einfluß Rußlands auf dem Balkan unzufrieden.[2]

Die orientalische Frage war einer der Gründe für den Ausbruch des Krimkrieges, der eigentliche Anlaß war aber ein Religionsstreit.

2. Mönchsgezänk

Das so genannte „Mönchsgezänk" begann Anfang der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Dabei ging es um die religiösen Stätten in Palästina, welches damals zum osmanischen Reich gehörte. Streitende Parteien waren die katholischen und orthodoxen Christen. Einer der großen Streitpunkte lag in der Renovierung der Kuppel der Grabeskirche in Jerusalem. Das Problem hierbei war, daß die Grabeskirche unter den beiden Gruppen aufgeteilt war. Bis dato war es üblich, daß derjenige, der einen Teil der Kirche renovierte, auch diesen zur Benutzung zugesprochen bekam.

Rußland sah sich zu dieser Zeit als Beschützer der orthodoxen Christen. Dies wurde mit diesem martialischen Ausspruch des Zaren, der in Europa die Runde machte, verdeutlicht. „Die furchtbare Faust Rußlands wird die Feinde zu Boden werfen und von Nikolaus aufgepflanzt wird das Heilige Kreuz leuchten über dem byzantinischen Lande."[3] Dieser Umstand führte zu einem diplomatischen Konflikt mit Frankreich, da dieses die Interessen der Katholiken im Heiligen Land durch die Osmanen beschnitten sah. Aus diesem Grunde sandte Zar Nikolaus eine Delegation nach Konstantinopel, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Diese waren, zum einen die Wahrung der Rechte der orthodoxen Christen im osmanischen Reich und zum anderen ein Vertrag, der die Orthodoxen unter die Schutzherrschaft des russischen Reiches stellen sollte. Zuerst schien eine Einigung möglich, zu mindest in Bezug auf die erste Forderung, die Türken lehnten die zweite Forderung jedoch auf Anraten des britischen Botschafters Lord Stratford de Redcliff ab, da diese die osmanische Souveränität beschneiden würde. So kam es schließlich zu keiner Einigung.

II) Der Weg in den Krieg

1. Die Sendung des Fürsten Menschikow

Der russische Zar schickte nun den Fürsten Menschikow nach Konstantinopel - ungeschickter Weise reiste dieser mit einem Kriegsschiff an - um die Verhandlungen mit dem osmanischen Reich zu führen. Im Gepäck hatte er eine Vielzahl von Forderungen – wichtige, aber auch Bagatellforderungen – womit die religiösen Konflikte im Orient gelöst werden sollten.[4] England war jedoch der Meinung, daß Menschikow mehr erreichen wollte als nur die Schutzherrschaft über die orthodoxen Christen und die Beilegung des religiösen Konflikts. Vielmehr wurde davon ausgegangen Rußland will seine diplomatische Position bei der Pforte stärken. Zudem war bekannt, daß russische Truppen bereits an den Grenzen der Donaufürstentümer standen. Daraufhin forderte der Vertreter des britischen Konsulats in Konstantinopel Teile der englischen und Mittelmeerflotte in Richtung der Dardanellen zu senden. Die englische Regierung sah von diesem Schritt zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ab um die sowieso gespannte Lage nicht noch zu verschlimmern.[5]

Ein Grund für das Engagement Englands war, daß es eine Bedrohung für seine Handelswege im östlichen Mittelmeer und den Meerengen sah.

England war bemüht, der Türkei diplomatisch den Rücken zu stärken und so den kranken Mann am Bosporus weiter am Leben zu halten. Dies geschah mit der Absicht, eine Ausweitung der russischen Einflußsphäre zu unterbinden und das Mächtegleichgewicht auf dem Balkan und im Orient aufrecht zu erhalten. Leider wirkte ein in der englischen Zeitung The Times erschienener Artikel diesen Bemühungen entgegen. In diesem Bericht, der auch in der Türkei veröffentlicht wurde, schrieb die Times vom angeblichen Verfall des osmanischen Reiches und den dort vorherrschenden Zuständen. Bei der türkischen Bevölkerung sowie deren Regierung rief der Artikel Empörung hervor. Die britische Regierung ermahnte den Verleger der Zeitung zu mehr Besonnenheit. Dieser jedoch verwies auf die Freiheit der Presse und hielt an seiner offenen Berichterstattung fest.

In London war man sich über das weitere Vorgehen nicht ganz im klaren, Krieg war aber für die Mehrheit die allerletzte Lösung. Eine Beteiligung Englands würde in jedem Fall aus eigenen Interessen resultieren und nicht aus Nächstenliebe. Diese Interessen bestanden zum einen im Handel mit dem osmanischen Reich selbst, wo englische Investoren allein in eine Bank drei Millionen Pfund investiert hatten und 1852 über 1700 englische Handelsschiffe die türkischen Meerengen nutzten.[6] Zum anderen lagen sie im Handel mit dem nahen Osten im Allgemeinen und mit der wohl wichtigsten britischen Kolonie Indien im Besonderen. Da zu diesem Zeitpunkt der Suez-Kanal noch nicht gebaut war, wurde vieles noch über den Landweg von Indien bis an die Häfen des östlichen Mittelmeeres transportiert. Ein Zerfall der Türkei hätte ernorme wirtschaftliche Auswirkungen auf den britischen Handel mit sich gebracht und den Großraum Naher Osten in eine politisch instabile Masse verwandelt. Das bemerkte auch der in Konstantinopel wirkende englische Diplomat Rose in der Mitte des Jahres 1853: „Der Niedergang der Türkei wäre ein Anlaß für offenen Krieg und Verwirrung, den Triumph von Sozialismus und Anarchie, und der Ruin für den britischen Handel und britische Interessen.“[7]

Als die Verhandlungen des Fürsten Menschikows scheiterten, da das osmanische Reich – bestärkt durch England - nicht bereit war, die Schutzherrschaft über die orthodoxen Christen vertraglich an Rußland zu übertragen, weil dies eine Beschneidung der türkischen Souveränität bedeutete, reiste dieser zurück nach Rußland. Am 31. Mai 1853 wurde ein Bote nach Konstantinopel gesandt, der den Türken ein Ultimatum von acht Tagen stellte, um den russischen Forderungen nachzukommen. Andernfalls wäre der Zar gezwungen seine Truppen in die Donaufürstentümer einmarschieren zu lassen.[8]

Angesichts dieser akuten Bedrohung entschied sich die Englische Regierung schließlich doch, Teile ihrer Mittelmeerflotte in die Besika Bucht südlich der Dardanellen zu schicken. Auch Napoleon III. entsandte ein Flottenkontingent in diese Region. Die englische Zivilbevölkerung war im Sommer des Jahres 1853 in einem regelrechten Kriegsfieber, welches durch die Londoner Presse entfacht und gesteigert wurde.[9]

Nachdem die Türkei nicht auf das Ultimatum reagierte, setzte Nikolaus I. seine Drohung in die Tat um ließ seine Truppen am 1. Juli 1853 den Grenzfluß Pruth überschreiten und die Donaufürstentümer Moldawien und Walachei besetzen. In England war man immer noch davon überzeugt einen Krieg abwenden zu können, die Presse jedoch heizte nach diesem Zug des Zaren die Kriegsstimmung weiter an.[10]

2. Die Wiener Note: Ein letzter Schlichtungsversuch

Österreich saß nun zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite sah es sich dem Zaren verpflichtet, da dieser 1849 bei der Niederschlagung eines Aufstandes militärische Hilfe geleistet hatte, auf der anderen Seite übten England und Frankreich Druck auf Österreich aus sich in dem Konflikt zu beteiligen. Der Zar rechnete mit der Neutralität Österreich-Ungarns und im Notfall sogar mit dessen militärischer Unterstützung. Österreich jedoch mißfiel die Besetzung der Donaufürstentümer, da sie den Schiffsverkehr auf der Donau beeinflußte und das strategische Gleichgewicht auf dem Balkan verschob. Außerdem wollte man eine weitere Annäherung an Rußland vermeiden, die durch die Unterstützung mit einhergehen würde. Fürst Buol-Schauenstein veranlaßte nun eine Konferenz in Wien um das Problem auf dem Balkan und die religiösen Streitigkeiten zu lösen.[11] Ergebnis dieser Konferenz war die Wiener Note. Mit ihr, so schien es, könnte das Problem gelöst werden. Nikolaus I. war bereit diese zu unterzeichnen, denn sie kam seinen Forderungen bezüglich der Schutzherrschaft über die orthodoxen Christen nach. Für die Katholiken war Frankreich zuständig. Jetzt hing alles von der Entscheidung der Hohen Pforte[12] ab. Diese ließ jedoch auf sich warten. Zwei Wochen war nichts aus Konstantinopel zu hören, bis dann am 14. August ein klares Nein der türkischen Regierung eintraf. Dieses wurde damit begründet, daß die westlichen Mächte unter Ausschluß des betroffenen Landes über dessen Kopf hinweg eine Note ausgearbeitet hätten, die nach türkischem Dafürhalten einige Ungenauigkeiten in ihrer Formulierung barg, und dennoch ohne Änderungen unterzeichnet werden sollte. Zudem wollte sich die Pforte in nicht allzu große Abhängigkeit von den westlichen Mächten begeben.[13] Andererseits verließ sich der Sultan auf die Unterstützung von England und Frankreich für den Fall, daß es zur kriegerischen Auseinandersetzung mit dem russischen Reich käme.

[...]


[1] Werth, German: Der Krimkrieg, Geburtsstunde der Großmacht Rußland, Erlangen, Bonn, Wien 1989, S. 47

[2] Microsoft Encarta Professional 2003: Krimkrieg

[3] Werth, German: Der Krimkrieg, S. 48

[4] ibid. S. 57

[5] Royle, Trevor: Crimea, The great Crimean war, 1854-1856, London 2000, S. 41-43

[6] Royle, Trevor: Crimea, S.45

[7] ibid. S. 45

[8] „Der Kaiser, […], hat mir angezeigt, daß der Fürst Menczikoff genöthigt gewesen sei, Konstantinopel zu verlassen, ohne die Garantien, die er zur Wahrung der Rechte und Privilegien der griechischen Kirche verlangte, erwirkt zu haben. Der Kaiser betrachtet die Weigerung der Pforte als eine große Rücksichtslosigkeit, als eine seiner Person widerfahrene Beleidigung. […] In seiner Sorge um die Erhaltung des ottomanischen Reiches fordert er die Pforte auf, die verderblichen Folgen ihrer Weigerung, […], noch einmal in Erwägung zu ziehen; er bewilligt ihr noch eine Frist von acht Tagen. Nach Ablauf dieser Frist werden die russischen Truppen die Grenze überschreiten, nicht um Krieg zu führen, sondern um vom Sultan die Zugeständnisse zu erlangen, die er auf dem Wege freundschaftlichen Einverständnisses verweigert hat.“

Bazancourt, César de: Der Feldzug in der Krim bis zur Einnahme von Sebastopol. Eine aus authentischen Quellen geschöpfte Darstellung des orientalischen Krieges, Wien 1856, Bd. I, S. XXI – XXII

[9] Royle,Trevor: Crimea. S. 59

[10] ibid. S. 61

[11] ibid. S. 65-66

[12] Anmerkung: Synonym für die Regierung des osmanischen Reiches

[13] Royle, Trevor: Crimea, S. 68

Details

Seiten
26
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638230513
ISBN (Buch)
9783656069157
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18783
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2 -
Schlagworte
Krimkrieg Bedeutung Mächte Proseminar

Autor

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