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Wer sind die Innovatoren:Entrepreneure oder große Unternehmen?

Seminararbeit 2011 18 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Problemstellung

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung
2.1 Innovation
2.2 Kleine und mittelständische Unternehmen
2.3 Entrepreneure
2.4 Zwischenfazit

3. Innovationsvorteile und Innovationshemmnisse
3.1 Innovationsvorteile großer Unternehmen
3.2 Innovationsvorteile kleiner Unternehmen
3.3 Innovationshemmnisse von KMU
3.4 Intrapreneurship

4. Fazit

Literatur- und Quellennachweise

Einleitung

Durch den fortschreitenden Globalisierungsprozess und dem daraus verstärkten internationalen Wettbewerbsdruck sind Unternehmen und Volkswirtschaften heute mehr den je auf die Entwicklung, Verwertung und Implementierung von Innovationen angewiesen. Für die exportorientierten Industrieländer bedeutet dies, den Zwang möglichst früh an der Innovation eines Produktes zu partizipieren, da sie über die mittlere Frist ihren Vorsprung gegenüber ihren Wettbewerbern verlieren werden.[1] Dies gilt im besonderen Maße für die forschungs- und entwicklungsintensiven (FuE) Güter und Dienstleistungen. In der Konsequenz können die einzelnen Unternehmen in der Dynamik des Welthandels bei fortschreitender internationaler Arbeitsteilung nur über die effiziente Allokation ihrer Faktorausstattung und somit einer stetigen Aufwertung ihrer Produktpalette bestehen.[2] Dabei sind die gehandelten Güter und Dienstleistungen als sichtbarer Output nur ein Indikator für die Innovationsfähigkeit einer Volkswirtschaft.

Die stetige Optimierung und Umstrukturierung bereits etablierter interner Unternehmensprozesse, Wertschöpfungsketten und dem Ressourceneinsatz spielen im Innovationsprozess eine ebenso wichtige Rolle. [3] Dazu gehört zusätzlich die Flexibilität eines Unternehmens, auf veränderte Umwelt­bedingungen schnell und lösungsorientiert reagieren zu können. Innovationen führen also nicht zwangsläufig nur zu neuen oder besseren Produkten. Sie stellen gemäß ihrem etymologischen Ursprung vom lateinischen innovatio allgemein Neuerungen oder etwas Neues dar.[4] Gleichzeitig beeinflussen sie die etablierten gleichgewichtigen Marktstrukturen und Prozesse durch den von Joseph Schumpeter geprägten process of creative destruction, indem sie diese zerstören und wieder neu ordnen.[5]

Als besonders innovativ gelten hierbei kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Von wirtschaftspolitischen Instrumenten, die auf ihre Förderung abzielen, werden sich besonders positive Ausstrahlungseffekte auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung versprochen.[6] Diese Ansicht folgt den Erkenntnissen aus frühen Studien Schumpeters (1909), während dieser in späteren Arbeiten ausführte, dass Innovationen maßgeblich von großen Firmen in etablierten Märkten vorangetrieben werden (1943).

Verschiedene empirische Untersuchungen zeigten wiederum, dass kleine Firmen mehr Innovationen in Relation zu den Ausgaben für FuE generieren als große Firmen. Aus dieser vermeintlich höheren Innovationseffizienz könnte für wirtschaftspolitische Maßnahmen abgeleitet werden, dass die staatliche Förderung von FuE in großen Unternehmen eine vergleichsweise schlechte Investition darstellt. Allerdings lässt sich dieses Ergebnis auch dahingehend interpretieren, dass sich die Ausgaben für FuE in großen Unternehmen leichter messen lassen als in vergleichsweise kleinen Unternehmen und somit die Ergebnisse verzerrt werden. Zudem kommt der Innovationsbericht der Deutschen Wirtschaft für das Jahr 2009 zu dem Ergebnis, dass kleine Unternehmen weniger innovieren als große Unternehmen.[7] Dies ist jedoch vor dem Hintergrund der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise kritisch zu betrachten. Da kleine Unternehmen weniger über Eigenkapitalreserven verfügen und der Bankensektor bei der Vergabe von Krediten zwischen 2008 und 2009 eher restriktiv war, darf dieser Aspekt bei der Interpretation des Ergebnisses nicht vernachlässigt werden.

1 Problemstellung

Die einleitend umrissenen Erkenntnisse aus der Vielzahl von modell­theoretischen und empirischen Studien erscheinen so widersprüchlich wie sie auch tatsächlich sind.[8]

Vor diesem Hintergrund die Frage abschließend klären zu wollen, ob Entrepreneure oder große Firmen die Innovatoren sind, kann daher als nicht zweckmäßig angesehen werden. Daher sollen im Weiteren zunächst die Termini Entrepreneur und große Unternehmen definiert und voneinander abgegrenzt werden, um anschließend mithilfe der jeweiligen Vor- und Nachteile Aussagen darüber treffen zu können, welche jeweiligen strukturellen Unterschiede und Bedingungen Innovationen fördern bzw. hemmen können. Unter Unternehmensstruktur werden hier die organisationalen Zusammenhänge, Prozesse und Routinen verstanden.[9] Mit diesen Erkenntnissen wird versucht eine Tendenz festzustellen, um der Antwort auf die Frage näher zu kommen: Wer sind die Innovatoren: Entrepreneure oder große Unternehmen?

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung

Zunächst soll für das formale Verständnis der Begriff der Innovation an sich definiert werden. Da in der Literatur die Termini kleine und mittelständische Unternehmen wie auch Entrepreneure gebräuchlich sind, um häufig ein und dasselbe zu beschreiben, diese sich jedoch semantisch unterscheiden, soll dieser für die weiteren Betrachtungen relevante Unterschied herausgestellt und die beiden Begriffe definiert und voneinander abgegrenzt werden. Für den anschließenden Vergleich mit großen Unternehmen ist des Weiteren eine Operationalisierung beider Begriffe notwendig.

2.1 Innovation

Während einleitend nur auf die Eigenschaft des Neuen im Zusammenhang mit der etymologischen Herkunft des Wortes Innovation gebraucht wurde, erscheint eine ausführlichere Beschreibung bzw. Definition dieses Kernbegriffes angemessen. So werden Innovationen in der Literatur als Prozesse der Wissensgenerierung und der Reallokation von Wissen, der daraus resultierenden Entwicklung eines neuen Produktes, Prozesses oder einer Dienstleistung und deren Implementierung in das Unternehmen bzw. des Marktes verstanden.[10]

Der Antrieb dieses Prozesses ist dabei die abschließende kommerzielle Nutzung der Innovation im Sinne des Organisationszweckes. Zusammenfassend können fünf Typen von Innovationen unterschieden werden:

- Die Entwicklung eines gänzlich neuen Produktes im Sinne einer Produktinnovation.
- Die Entwicklung eines neuen Prozesses im Sinne einer Prozessinnovation.
- Entwicklungen im Bereich der inter- und intraorganisationalen Beziehungen, wie z.B. Fusionen oder der Neuausrichtung von Managementpraktiken im Sinne einer organisationalen Innovation.
- Entwicklungen zur Erschließung neuer Märkte oder Marktnischen in Wechselwirkung mit den o.g. Innovationstypen.
- Technische Weiterentwicklungen im Bereich des Ressourceneinsatzes und der Ressourcenallokation.[11]

2.2 Kleine und mittelständische Unternehmen

Mit einem Anteil von 99 Prozent stellen KMU in der Europäischen Union die überwältigende Mehrheit im gesamten Unternehmensbestand dar.[12] Von allen Aufwendungen für FuE bringen KMU ungefähr ein Drittel auf.[13] Juristisch betrachtet, ist jede juristische Person, unabhängig von ihrer Rechtsform, die wirtschaftlichen Tätigkeiten nachgeht, ein Unternehmen. Folgt man der Definition der Europäischen Kommission, sind KMU solche Unternehmen, die weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder eine Jahresbilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro aufweisen. Dabei können weiter Kleinstunternehmen von kleinen und mittleren Unternehmen insofern abgegrenzt werden, dass sie weniger als 10 Mitarbeiter und einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanzsumme von maximal 2 Millionen Euro aufweisen.[14]

Im Umkehrschluss wären somit alle Unternehmen die gemäß der Definition von KMU größere Werte für die Erhebungsvariablen aufweisen, als große Unternehmen zu betrachten. Neben dieser rein statistischen Definition, muss angemerkt werden, dass auch große Unternehmen die Vorteile kleiner relativ unabhängiger und dezentralisierter Geschäftseinheiten erkannt haben und in ihre Unternehmens-struktur berücksichtigen. Daher trifft die o.g. statistische Definition, abhängig vom Grade der Selbstständigkeit auch auf Unternehmen zu, die zwar abhängig von großen Unternehmen sind, aber an sich eigenständige KMU darstellen. Ebenfalls trifft diese Definition auf relativ selbstständige Unternehmenseinheiten großer Unternehmen zu.[15]

2.3 Entrepreneure

In Abgrenzung zur Unternehmensgröße beschreiben Entrepreneure keine Unternehmensform, sondern vielmehr eine unternehmerische Einstellung. Diese Einstellung kann, sozialkonstruktivistisch betrachtet, als Ergebnis spezifischen sozialen (unternehmerischen) Handelns verstanden werden. Heruntergebrochen auf den jeweiligen Entscheidungsträger bedeutet das, dass es losgelöst von statistischen Messgrößen wie Unternehmensform und -größe individuelle Persönlichkeitsmerkmale gibt, die den Begriff des Entrepreneurs als schöpferischen Unternehmer über das Handeln prägen.[16]

Schumpeter betont in seiner Definition des Entrepreneurs, dass dieser nicht zwingend etwas Neues erschafft, sondern auch bereits vorhandenes Wissen, Güter und Verfahren in anderer Zusammensetzung rekombiniert. Ist er hierbei den etablierten Strukturen überlegen, werden diese in der mittleren Frist durch die Innovation verdrängt. Damit wirkt der Entrepreneur wie ein Antrieb für die stetige Verbesserung im marktwirtschaftlich organisierten System. Wie einleitend bereits erwähnt, bezeichnet Schumpeter diese Abfolge von Strukturetablierungen und ihrer Ablösung durch Innovationen als Prozess der kreativen Zerstörung.[17]

[...]


[1] Vgl. Siebert, H. (1985): Wirtschaftliche Zwänge für offene Volkswirtschaften. S. 613 und OECD (2009) The Impact of the Global Crisis on SME and Entrepreneurship.

[2] NIW (2007): Bilanz der forschungs- und wissensintensiven Wirtschaftszweige. S. 24.

[3] Vgl. RKW (2009): Innovationsstrategien von kleinen und mittleren Unternehmen. S. 5.

[4] Vgl. Burmester/Vahs (2002): Innovationsmanagement. S. 45.

[5] Vgl. Scherer, F.M. (1992): Schumpeter and Plausible Capitalism. S. 1418.

[6] Vgl. Berthold, N. et al. (2007): Wie motiviert man Unternehmertum in Deutschland? S. 318.

[7] ebd. S. 13.

[8] Vgl. Schumpeter 1912, 1939 in Abgrenzung dazu 1942; darauf bezugnehmend Scherer 1992; Nooteboom 1994 etc.

[9] Vgl. Nooteboom, B. (1994): Innovation and Diffusion in Small Firms. S. 333.

[10] Vgl. Acs/Audretsch, D. B. (1990): Innovation and Small Firms und Olsen et al. (2006).

[11] Vgl. Olsen et al. (2006): Innovation in Small and Medium-Sized Enterprises. S. 3.

[12] Vgl. EU (2006): Die neue KMU-Definition - Benutzerhandbuch und Mustererklärung. S. 12.

[13] Vgl. KfW (2009): Innovationshemmnisse bei kleinen und mittleren Unternehmen. S. 58.

[14] Amtsblatt der Europäischen Union Nr. L 124 vom 20. Mai 2003. S. 36.

[15] Vgl. Nooteboom, B. (1994): Innovation and Diffusion in Small Firms. S. 328.

[16] Vgl. Kritikos/Caliendo (2007): Is Entrepreneurship Success Predictable?

[17] OECD (2009) The Impact of the Global Crisis on SME and Entrepreneurship. S. 32.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656116332
ISBN (Buch)
9783656116844
Dateigröße
747 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187815
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Innovation Entrepreneurship Innovationsvorteile Innovationshemmnisse KMU

Autor

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