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Bilanzpolitische Spielräume in den internationalen Rechnungslegungsstandards IAS / IFRS

Hausarbeit 2011 16 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Bilanzpolitische Instrumente im Jahresabschluss
nach IAS/IFRS
2.1. Sachverhaltsgestaltung (reale Bilanzpolitik)
2.2. Sachverhaltsabbildung (buchmäßige Bilanzpolitik)

3. Bilanzpolitische Spielräume in ausgewählten IAS/IFRS-Standards
3.1. Bilanzpolitischer Spielraum bei Fertigungsaufträgen (IAS 11)
3.2. Bilanzpolitischer Spielraum bei Wertminderung von Vermögenswerten (IAS 36)
3.3. Bilanzpolitischer Spielraum bei immateriellen Vermögenswerten (IAS 38)

4. Fazit und Ausblick

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Instrumente der Bilanzpolitik bei den IAS/IFRS

Abbildung 2: Vorgehensweise zur Feststellung einer Wertminderung nach IAS 36

1. Einführung

Die zunehmende Internationalisierung der Unternehmen in Europa mündete im Jahr 2005 in einer verpflichtenden Anwendung der International Accounting Standards / International Financial Reporting Standards (IAS/IFRS) für den Konzernabschluss von kapitalmarktorientierten Unternehmen (§ 315a Abs. 1 und 2 Handelsgesetzbuch (HGB)). Für nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen kann der Konzernabschluss (§ 315a Abs. 3 HGB) sowie der Einzelabschluss (§ 325 Abs. 2a HGB) wahlweise nach IAS/IFRS aufgestellt werden.

Der IAS/IFRS Jahresabschluss zielt auf eine Vermittlung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens ab, um dem Bilanzleser bzw. (potentiellen) Anleger entscheidungsrelevante Informationen bereitzustellen. Zudem soll durch ein einheitliches Regelungswerk die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse erleichtert werden.[1]

Da es sich bei den IAS/IFRS jedoch um prinzipienbasierte und allgemeine Regelungen handelt, stehen dem Bilanzersteller gewisse Darstellungsspielräume zur Verfügung, die er im Rahmen seiner Bilanzpolitik nutzen kann.[2]

Ziel dieser Seminararbeit ist die Vorstellung von bilanzpolitischen Spielräumen bei der Aufstellung eines Jahresabschlusses nach IAS/IFRS anhand ausgewählter Standards.[3]

Beginnend in Kapitel 2 mit einer Darstellung von bilanzpolitischen Instrumenten zur Gestaltung des Jahresabschlusses, werden im darauffolgenden Kapitel 3 die vorhandenen Gestaltungsspielräume an den ausgewählten Standards zur Bilanzierung und Bewertung von immateriellen Vermögenswerten nach IAS 11, 36 sowie 38 aufgezeigt.

Mit einem Fazit und Ausblick in Kapitel 4 schließt diese Seminararbeit.

2. Bilanzpolitische Instrumente im Jahresabschluss nach IAS/IFRS

In jedem Rechnungslegungssystem existieren bilanzpolitische Spielräume, die der Bilanzersteller zu seinen Gunsten nutzen kann. Dabei wird bei der so genannten Bilanzpolitik unter anderen unterschieden zwischen einer Sachverhaltsgestaltung und einer Sachverhaltsabbildung (wie in Abbildung 1 dargestellt).[4]

Die beiden Instrumente werden im Folgenden näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Instrumente der Bilanzpolitik bei den IAS/IFRS[5]

2.1. Sachverhaltsgestaltung (reale Bilanzpolitik)

Bei der sachverhaltsgestaltenden Bilanzpolitik werden bereits während der Berichtsperiode und noch vor dem Bilanzstichtag durch unternehmerisches Handeln oder durch die Ausgestaltung von Rechtsgeschäften reale Geschäftsvorfälle geschaffen oder verändert, so dass der entsprechende Ausweis in der Bilanz möglich ist oder vermieden werden kann.[6] Somit kann der Bilanzersteller gezielte Geschäftsvorfälle generieren, die zu einem erwünschten Bilanzausweis führen und damit die Größen des Jahresabschlusses (u.a. in Bilanz und Gewinn-und-Verlustrechnung (GuV)) beeinflussen.[7] Für eine Sachverhaltsgestaltung kann beispielhaft die zeitliche Verschiebung von Reparaturen genannt werden, um den Aufwand erst im nächsten Jahr verrechnen zu müssen, sowie die Rückzahlung eines Bankkredits kurz vor dem Bilanzstichtag, der jedoch kurz nach dem Bilanzstichtag wieder aufgenommen wird.[8]

Diese Art der Bilanzpolitik ist für den Bilanzleser schwer zu identifizieren, denn die Unterscheidung zwischen gezielt gestalteten und normalen Geschäftsvorfällen ist fast unmöglich.

2.2. Sachverhaltsabbildung (buchmäßige Bilanzpolitik)

Während die sachverhaltsgestaltenden Maßnahmen der Bilanzpolitik vor dem Bilanzstichtag umgesetzt werden, wird durch die Sachverhaltsabbildung bei der Erstellung des Jahresabschlusses im Nachhinein Einfluss auf die Abbildung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage genommen.[9]

Zu unterscheiden ist dabei zwischen der formellen und der materiellen Bilanzpolitik. Während sich die formelle Bilanzpolitik aus Ausweis-, Erläuterungs- und Gliederungswahlrechten bei der Jahresabschlusserstellung zusammensetzt und damit keinen Einfluss auf das Jahresergebnis hat, spielt die materielle Bilanzpolitik eine entscheidende Rolle bei der „Beeinflussung der Höhe der ausgewiesenen Abschlussdaten, insbesondere der Höhe des ausgewiesenen Ergebnisses“[10].

Weiterhin kann die materielle Sachverhaltsabbildung in Ansatz- und Bewertungswahlrechte differenziert werden, die dem Bilanzersteller einen gewissen Handlungsspielraum bei der Bilanzierung und Bewertung seiner Vermögensgegenstände gestattet. Unterschieden wird bei der Bilanzpolitik im engeren Sinne nochmals zwischen Wahlrechten[11] und Ermessensspielräumen, wobei dem Bilanzersteller z.B. bei der Vorratsbewertung nach IAS 2 die Wahl zwischen verschiedenen Verbrauchsfolgeverfahren, wie First-In-First-Out (FIFO) oder Durchschnittsmethode, gelassen wird.[12] Die Ermessens- oder Darstellungsspielräume resultieren zum einen u.a. aus unscharfen Regelungen oder Begriffen wie „wahrscheinlich“, „verlässlich“ oder „wesentlich“ sowie fehlenden Standards in den IAS/IFRS und zum anderen aus der Gegebenheit, dass dem Bilanzierenden „aufgrund seiner besseren Kenntnis des jeweiligen Sachverhalts die exakte Bestimmung eines Punktwerts aus einer Bandbreite möglicher Wertansätze“[13] (z.B. bei Schätzungen) bewusst überlassen wird.[14] Beispielhaft für Ermessensspielräume sind die Festlegung der Abschreibungen (Methode, Nutzungsdauer und Restwert) sowie die Schätzung der Auftragskosten und -erlöse von Fertigungsaufträgen nach IAS 11 anzuführen.[15]

Im Rahmen dieser Arbeit werden im Folgenden die Begriffe „Wahlrecht“, „Ermessensspielraum“ sowie „Gestaltungsspielraum“ synonym verwendet.

Die sachverhaltsabbildende Bilanzpolitik ist somit ein flexibles Instrument zur gezielten Gestaltung des Jahresabschlusses, weshalb der Fokus dieser Seminararbeit auf der Betrachtung der materiellen Bilanzpolitik liegt.

3. Bilanzpolitische Spielräume in ausgewählten IAS/IFRS‑Standards

In den IAS/IFRS sind zahlreiche Möglichkeiten zum Einsatz bilanzpolitischer Maßnahmen und Instrumente enthalten.[16] Dazu zählen auch Grauzonen oder nicht klar definierte Regelungen in den Standards, die einen Gestaltungsspielraum möglich machen. Dieses Kapitel dient der Darstellung dieser bilanzpolitischen Möglichkeiten und zeigt die Wahlrechte bzw. Ermessensspielräume (die der materiellen Bilanzpolitik zuzuordnen sind, wie in Kapitel 2 beschrieben) am Beispiel der Standards IAS 11, 36 und 38 auf.

3.1. Bilanzpolitischer Spielraum bei Fertigungsaufträgen (IAS 11)

Die Bilanzierung und Bewertung von Fertigungsaufträgen, zu denen u.a. Großprojekte wie Brückenbau, Schiffbau oder Spezial-Immobilien zählen, wird in IAS 11 festgelegt.[17] Die Voraussetzung für die Anwendung von IAS 11 ist das Vorliegen eines langfristigen und kundenspezifischen Fertigungsauftrages, der sich über eine Berichtsperiode hinaus erstreckt.[18] Nach IAS 11 ist eine Verteilung der Einnahmen und Ausgaben des Fertigungsauftrags auf die entsprechende Periode der Bearbeitung vorzunehmen. Dafür wird anhand der Percentage-of-Completion (PoC) Methode der Gewinn basierend auf dem Fertigstellungsgrad erfasst und in der Bilanz realisiert.[19] Voraussetzung hierfür ist nach IAS 11.22 eine verlässliche Schätzung des Fertigstellungsgrades, wodurch sich für den Bilanzersteller ein bilanzpolitischer Spielraum bei der Schätzung ergibt. Durch „bestimmte Vertragsgestaltungen und subjektive Annahmen ... über Eintrittswahrscheinlichkeiten [kann] gezielt Einfluss auf die Gewinnrealisierung langfristiger Fertigungsaufträge“[20] genommen werden. Dies wird besonders deutlich bei der Bestimmung des Fertigstellungsgrades, welcher u.a. entweder auf Basis der bereits anteilig angefallen Auftragskosten an den Gesamtkosten des Fertigungsauftrags oder anhand einer Begutachtung der erbrachten Leistung bestimmt werden kann.[21]

[...]


[1] Vgl. Buchholz (2009), S. 3f; Peemöller (2003), S. 295.

[2] Vgl. Schneider (2010), S. 9.

[3] Für eine Darstellung der Bilanzpolitik vor dem Hintergrund einer handelsrechtlichen Bilanzierung (nach HGB) sei auf die Literatur verwiesen, u.a. (Peemöller, 2003) und (Gräfer & Sorgenfrei, 2004).

[4] Vgl. Wagenhofer (2009), S. 564.

[5] Eigene Darstellung. In Anlehnung an Wagenhofer (2009), S. 564; Wohlgemuth (2007), S. 63.

[6] Vgl. Wohlgemuth (2007), S. 64.

[7] Vgl. Schneider (2010), S. 11.

[8] Vgl. Wohlgemuth (2007), S. 64f.

[9] Vgl. Tanski (2006), S. 34.

[10] Wohlgemuth (2007), S. 67.

[11] Auf eine Differenzierung zwischen expliziten (offenen) und faktischen (verdeckten) Wahlrechten wird im Rahmen dieser Arbeit verzichtet.

[12] Vgl. Wagenhofer (2009), S. 566.

[13] Wohlgemuth (2007), S. 69.

[14] Vgl. Tanski (2006), S. 34, 126ff.

[15] Vgl. Wagenhofer (2009), S. 569f.

[16] Vgl. Tanski (2006), S. 37.

[17] Vgl. Buchholz (2009), S. 157.

[18] Vgl. IAS 11.3.

[19] Vgl. Wagenhofer (2009), S. 287.

[20] Wohlgemuth (2007), S. 311.

[21] Vgl. IAS 11.30.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656116349
ISBN (Buch)
9783656116851
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187814
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
IAS IFRS Internationale Rechnungslegung Rechnungswesen Bilanzierung IAS 11 IAS 36 IAS 38 Fertigungsaufträge Immaterielle Vermögenswerte

Autor

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Titel: Bilanzpolitische Spielräume in den internationalen Rechnungslegungsstandards IAS / IFRS