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Interpunktion - Ihre Funktion und Anwendung

Mit einer Analyse der Interpunktion in Schülertexten

Hausarbeit 2010 22 Seiten

Didaktik - Deutsch - Grammatik, Stil, Arbeitstechnik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interpunktion
2.1. Geschichte der Interpunktion
2.2. Interpunktion und ihre Funktion
2.2.1. Satzschlusszeichen
2.2.2. Satzmittezeichen
2.2.3 Paarige Satzzeichen

3. Strukturierung durch Interpunktion
3.1. Strukturierung durch Interpunktion am Beispiel von Schülertexten
3.2. Zusammenfassung

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

„Komm wir essen Opa! - Satzzeichen retten leben“ titelt eine Gruppe auf der Internetplattform StudiVZ. Sicher würde es dem Opa besser ergehen, wenn da diese beiden kleinen Strichelchen wären. „Komm, wir essen, Opa!“ würde dem alten Mann gewiss entgegenkommen. Auch der Satz „Frauen denken, Männer sind ohne sie nichts.“ erhält mit einer anderen Wahl der Interpunktion die genau umgekehrte Bedeutung: „Frauen, denken Männer, sind ohne sie nichts.“

Doch nicht nur Kommas sind für das Satz- und Textverständnis von großer Bedeutung: Ob ein Punkt, ein Ausrufezeichen oder ein Fragezeichen am Ende eines Satzes steht, trägt erheblich zu seiner Bedeutung bei. Daher ist es wichtig die Zeichensetzung gut zu beherrschen, um eigene Texte verständlich zu machen und sie für den Lesenden gut zu gliedern.

Dennoch tun sich Schüler/innen wie auch Erwachsene beim richtigen Einsatz der Satzzeichen immer noch schwer. Zwölf Satzzeichen besitzt die deutsche Schriftsprache, welche jeweils einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad vorweisen. Das Komma ist dabei der Vorreiter. Herrmann und Schreinert stellten bei einer Studie von 1974 fest, dass 47,8 % der Fehler von Schülern/innen der Klasse 10 Interpunktionsfehler sind.[1]

Diese Hausarbeit soll einen Überblick über die Interpunktion und ihre Funktion geben. Die zwölf Satzzeichen werden beschrieben und ihre Funktion erläutert. Hierbei werden sie in die Kategorien Satzschlusszeichen, Satzmittezeichen und paarige Satzzeichen unterteilt.

Zuvor steht jedoch ein Einblick in die Geschichte der deutschen Interpunktion. Ein Auge soll hierbei auf die Änderung der Funktion der Interpunktion geworfen und der Frage nachgegangen werden, ob die Interpunktion von Anbeginn die gleiche Aufgabe verfolgte. In welcher Form Festsetzungen über Interpunktionsregeln existierten, wird in diesem Kapitel benannt.

Am Ende dieser Hausarbeit wird eine kleine Untersuchung stehen. Stichprobenartig

werden Texte von Schülern und Schülerinnen im Alter von 14-15 Jahren auf ihre Strukturierung durch Interpunktion analysiert.[2]

Abschließen wird diese Arbeit mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse in Hinblick auf die Verwendung der Interpunktion.

2. Interpunktion

2.1. Geschichte der Interpunktion

Die Gliederung von Texten geschieht heutzutage - neben Paragraphen und Spatien etc. - größtenteils durch die Satzzeichensetzung, welche auch unter dem Begriff der Interpunktion bekannt ist. Unter Interpunktion versteht man aber nicht nur die „Lehre vom Gebrauch der Satzzeichen“[3], sondern auch die Gesamtheit der Satzzeichen. Zudem macht sie eine Teildisziplin der Sprachwissenschaft aus. Die Satzzeichensetzung folgt genauso wie die Rechtschreibung einem verbindlichen Regelapparat, der an Umfang und Kompliziertheit zugenommen hat. Satzzeichen beziehen sich im Gegensatz zum Apostroph und ähnlichen Zeichen nicht auf das Wort, sondern auf den gesamten Satz.[4]

Wie Dieter Nerius feststellt, entwickelte sich die Interpunktion von einem intonatorischen zu einem syntaktischen Prinzip. Die Anwendung der Interpunktion veränderte sich mit den Bedürfnissen der Sprachgemeinschaft. So benötigte man Satzzeichen zunächst, um die gesprochene Sprache zu notieren. Wichtig waren hierbei die Elemente der Lautung; hierzu zählen unter anderen die Sprechmelodie, der Rhythmus, Pausen etc. Satzzeichen hatten somit die Aufgabe von Ton- und Pausenzeichen.[5] Die Schriften wurden zu jener Zeit hauptsächlich dazu verwendet, einem Sprecher das Vortragen zu erleichtern. Die Interpunktion half ihm dabei den Überblick über den Vortrag zu behalten und diesen rhythmisch vorzubringen.[6] Ein Beispiel hierfür ist Hartmann von Aues Iwein[7] (Ende des 13. Jahrhunderts/Anfang des 14. Jahrhunderts). Die Punkte, die im Original zu sehen sind, stehen hier für ein Versende und unterstützen den Sprecher beim Vortragen.[8]

Mit dem Buchdruck erlebt die Interpunktion einen starken Wandel, denn von nun an übernimmt die Zeichensetzung die Kennzeichnung der Satzstruktur im Schriftbild, die das leise Lesen vereinfacht, da der Text klar und überschaubar wird. Anschaulich wird dies durch den Vergleich von einer Textstelle aus der lutherischen Übersetzung der Bibel. Betrachtet wird hier eine Textstelle aus dem Matthäus Evangelium[9]. Der Bibelauszug von 1522 weist nur einen Punkt am Ende des Absatzes auf; die Virgel - in ihrer Funktion dem

Komma gleichzusetzen - beherrscht den Text und beruht immer noch auf dem intonatorischen Prinzip. Der Auszug von 1545 weist eine regelmäßige Verwendung des Punktes auf, der die Funktion der Abgrenzung von Ganzsätzen besitzt und so dem syntaktischen Prinzip folgt. Jedoch wird hier die Virgel noch zum Unterteilen des natürlichen Sprechrhythmus verwendet.[10]

Feste Regeln der Zeichensetzung stellte erstmals Niclas von Wyle 1462 auf, welche jedoch noch nicht allgemein bindend waren. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Zeichensetzung zum festen Bestandteil der Satzlehre und fand 1905 durch einen kleinen Abschnitt Einzug in die erste Auflage des Buchdruckerdudens; 1915 wurde sie schließlich in den Duden eingearbeitet.[11]

Heute ist die Zeichensetzung von grundlegender Bedeutung und ist in den Amtlichen Regelungen[12] mit dem Kapitel E das umfangreichste. Es umfasst fünf Unterkapitel, welche in 15 Teile unterteilt sind. Insgesamt befassen sich 39 Paragraphen mit der Zeichensetzung.[13]

2.2. Interpunktion und ihre Funktion

Um syntaktisch-semantische Einheiten voneinander abzugrenzen, werden in der geschriebenen Sprache unterschiedliche graphische Mittel verwendet: Das sind zum einen die Großschreibung am Satzanfang, Spatien und vor allem Satzzeichen (auch Interpunkteme).[14] Interpunktion dient in erster Linie der Übersichtlichkeit und der Verständlichkeit. Sie steht dadurch im Interesse des Lesers, der so den Text besser erfassen und verstehen kann.[15] Neben der Grenz- und Gliederungsfunktion besitzen einige Satzzeichen die Fähigkeit, die Aussageabsicht des Schreibenden zum Ausdruck zu bringen. Erst ein Satzschlusszeichen wie der Punkt, das Fragezeichen und das Ausrufezeichen machen die kommunikative Funktion des Satzes deutlich. In dem Satz Du musst gehen wird die Aussageabsicht erst mit dem Satzschlusszeichen klar.[16]

Interpunkteme können zudem auch die Einstellung des Schreibenden wiedergeben. So ist ein Ausdruck, der einem Doppelpunkt folgt oder in Anführungszeichen steht, mit stärkerem Nachdruck zu versehen bzw. der Schreibende distanziert sich von dem

Ausdruck, je nach der Situation, in der diese Satzzeichen verwendet werden. Hinzu kommen auch die stilistischen Wirkungsweisen der einzelnen Satzzeichen, die häufig nach dem Empfinden und der Absicht des Schreibenden variiert werden können.[17]

Im Folgenden sollen nun die zwölf Interpunkteme des Deutschen in Hinblick auf ihre Anwendung und Funktion dargestellt werden. Am Anfang stehen die Satzschlusszeichen Punkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen, welche gefolgt werden von den Satzmittezeichen Semikolon, Doppelpunkt, Komma sowie Gedankenstrich. Abschließen wird das Kapitel mit den paarigen Satzzeichen: Paariges Komma, paariger Gedankenstrich, Klammern und Anführungszeichen.

2.2.1. Satzschlusszeichen

Das am häufigsten verwendete Satzschlusszeichen ist der Punkt. Er dient der Kennzeichnung von Aussagesätzen, welche folglich eine oder mehrere Informationen übermitteln. Dies steht im Gegensatz zu Frage-, Aufforderungs- und Ausrufesätzen, die im Regelfall eine Reaktion beim Adressaten auslösen wollen. Der Aussagesatz wird somit durch den Punkt als „kommunikativ ,neutral’“[18] gekennzeichnet.[19]

In bestimmten Kontexten kann der Punkt entfallen. Nach § 68 des amtlichen Regelwerks wird kein Punkt bei frei stehenden Zeilen gesetzt. Auch bei Parenthesen wie im folgenden Beispiel entfällt der Punkt: Mein Mann - er ist Ingenieur - arbeitet zur Zeit in Skandinavien. Diese Regelung findet man in § 84 (1). Steht eine angeführte wörtliche Rede am Anfang oder in der Mitte eines Ganzsatzes, so setzt man laut § 92 nach diesem Einschub keinen Punkt: „Heute wartet die Sonne auf uns “, sagte die Wetterfrau.[20]

Ob ein Punkt oder doch ein Frage- oder Ausrufezeichen richtig ist, entscheidet in den meisten Fällen nicht die syntaktische Struktur des Satzes, sondern der Inhalt und die Aussageabsicht. Der Punkt hat jedoch auch noch weitere Funktionen neben der Kennzeichnung des Aussagesatzes. Abkürzungspunkte und Punkte bei der Ziffernschreibung gehören jedoch nicht zu den klassischen Satzzeichen. Auslassungspunkte können an allen Stellen eines Satzes oder Textes auftreten, da sie jede lexikalische und syntaktische Einheit vertreten können.[21]

In § 70 lautet es „Mit dem Fragezeichen kennzeichnet man den Ganzsatz als Frage“. Nerius aber definiert die Funktion des Fragezeichens prägnanter mit: „Die Hauptfunktion des Fragezeichens ist die Kennzeichnung des Abschlusses eines Fragesatzes“[22]. Prägnanter darum, weil seine Definition auch verkürzte Fragesätze mit einschließt. Die Fragen Tatsächlich? oder Heute Abend? können nicht als Ganzsatz mit Subjekt-Prädikat­Beziehung angesehen werden, dennoch sind diese Phrasen mit einem Fragezeichen zu kennzeichnen.[23]

Das dritte Satzschlusszeichen ist das Ausrufezeichen. Seine Funktion liegt darin, der Aussage, dem Ausruf, der Aufforderung oder der Frage eine „besondere Eindringlichkeit und Expressivität“[24] zu verleihen. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird so auf diesen Satz ggf. Begriff gelenkt.

Im Regelfall schließen Ausrufesätze und Aufforderungssätze mit dem Ausrufezeichen ab, außer wenn sie von einem Aussagesatz abhängig sind und nicht mit besonderen Nachdruck verstanden werden sollen: Er forderte, dass schnell eine Entscheidung getroffen wird. Doch macht Christa Dürscheid deutlich, dass auch andere Satzarten mit einem Ausrufezeichen enden können, wenn man ihnen besonderen Nachdruck verleihen möchte. Dies gilt z.B. bei einem Fragesatz wie folgt: Wie konntest du mir das antun![25] Wenn man weder dem Frage- noch dem Ausrufezeichen den Vorrang geben möchte, gibt es noch die Möglichkeit, beide Satzzeichen zu kombinieren.[26] [27]

2.2.2. Satzmittezeichen

Die Satzmittezeichen haben alle die Funktion der satzinternen Gliederung gemein. Zu ihnen zählen das Semikolon, der Doppelpunkt, das Komma und der Gedankenstrich. Das Komma und der Gedankenstrich können auch in paariger Konstellation auftreten, welche im Kapitel 2.2.3. erläutert werden soll. Satzmittezeichen grenzen somit Teilsätze innerhalb von größeren Satzkonstruktionen voneinander ab; aber auch Wortgruppen und einzelne Wörter werden durch sie vom Rest des Satzes abgegrenzt oder auch hervorgehoben.

[...]


[1] Vgl. Dieter Nerius: Deutsche Orthographie. Hildesheim, 2007. S. 258.

[2] Die verwendeten Schülertexte befinden sich im Anhang. Das Ergebnis dieser Untersuchung kann aber keinesfalls repräsentativ sein, da es sich nur um eine Stichprobe von drei Schülertexten handelt. Es ist sehr schwierig, an solche Texte zu gelangen und das Einverständnis der Schüler/innen zu bekommen.

[3] Nerius 2007. S. 236.

[4] Vgl. Ebd. S. 236-237.

[5] Vgl. Ebd. S. 236.

[6] Vgl. http://www.uni-

bielefeld.de/lili/personen/useelbach/STUD/Beschorner/interpunktion.htm?_ xsl=/lih/lili_print.xsl (03.08.10).

[7] Hartmann von Aue: Iwein, Hs A. Heidelberg, Cod. Pal. germ. 397.

Ein Auszug befindet sich im Anhang Abb. 1.

[8] Vgl. http://www.uni-bielefeld.de/lili/personen/useelbach/STUD/Beschorner/iwein1.htm (03.08.10).

[9] Matth. 27, 27 - 30.

Die Textstelle befindet sich im Anhang: Abb.2 und Abb. 3.

[10] Vgl. http://www.uni-bielefeld.de/lili/personen/useelbach/STUD/Beschorner/bibel.htm (03.08.10).

[11] Vgl. Nerius 2007. S. 237.

[12] Ich beziehe mich hier auf die Empfehlung des Rats für deutsche Rechtschreibung von 2006. Online unter: http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf (27.07.10).

[13] Vgl. Christa Dürscheid: Einführung in die Schriftlinguistik. Wiesbaden, 2002. S. 207.

[14] Vgl. Nerius 2007. S. 235.

[15] Vgl. Ebd. S. 237.

[16] Vgl. Ebd. S. 239-240.

[17] Vgl. Ebd. S. 240.

[18] Ebd. S. 242.

[19] Vgl. Ebd. S. 242.

[20] Vgl. Christa Dürscheid 2002. S. 169.

[21] Vgl. Nerius 2007. S. 243.

[22] Ebd.

[23] Vgl. Ebd.

[24] Ebd.

[25] Vgl. Christa Dürscheid 2002. S. 170.

[26] Vgl. Nerius 2007. S. 244.

[27] Wann ein Satzschlusszeichen aufgrund von Zusammentreffen mit anderen Satzzeichen wegfällt, wird aus Platzgründen nicht weiter nachgegangen.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656114635
ISBN (Buch)
9783656114413
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187756
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Deutsches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Zeichensetzung Komma Punkt Schüler Schule Analyse

Autor

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