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Globalisierung und die Auswirkungen auf die Asset Allocation

Studienarbeit 2010 57 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Management Summary

1. Einleitung

2. Globalisierung
2.1. Definition
2.2. Historischer Hintergrund
2.3. Dimensionen
2.4. Wirtschaftliche Globalisierung
2.5. Technologischer Fortschritt
2.6. Kapital- und Warenverkehr
2.7. Komparative Kostenvorteile und internationale Arbeitsteilung
2.8. Kritik

3. Schwellenländer – Aufstrebende Wirtschaftsräume
3.1. Bedingungen für Wachstum
3.2. Chancen und Risiken
3.3. Aufstieg der Schwellenländer
3.3.1. Brasilien
3.3.2. Russland
3.3.3. Indien
3.3.4. China

4. Auswirkungen der Globalisierung auf Investitionsmöglichkeiten und Anlageklassen-Allokation
4.1. Globalisierung der Finanzmärkte
4.2. Chancen und Risiken bei Investitionen in Schwellenländer
4.2.1. Rendite- und Risikoeigenschaften
4.2.2. Währungsrisiko
4.2.3. Liquiditätsrisiko
4.2.4. Politisches Risiko

5. Möglichkeiten der Diversifikation
5.1. Moderne Portfolio-Theorie
5.2. Schwellenländer in Anlageklassen-Allokation
5.3. Möglichkeiten der Diversifikation
5.4. Länder- oder Branchenansatz?

6. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das Atlantische Dreieck

Abb. 2: Dimensionen der Globalisierung

Abb. 3: Welteinkommenstrends im 20. Jahrhundert

Abb. 4: Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels

Abb. 5: Renditen Länderindizes 2000-2010

Abb. 6: Renditeschwankungen von Länder-/Regionenindizes

Abb. 7: Risiko eines Portfolios

Abb. 8: Effizientes Portfolio

Abb. 9: Portfoliozusammensetzung MSCI World – MSCI Emerging Markets

Abb. 10: Kategorien Branchen

Abb. 11: Renditen Branchen

Tabellenverzeichnis

Tab. 1.-3: Korrelationsmatrizen auf Basis wöchentlicher Berechnungen

Tab. 4: Korrelationen verschiedener Indizes gegenüber MSCI World

Anhangsverzeichnis

Anh. 1: Rendite-/Risikokombinationen Länder und Branchen vs. MSCI World

Anh. 2: Marktkapitalisation Regionen

Anh. 3: Korrelationen Europa vs. Regionenindizes

Anh. 4: Renditen ausgewählter Sektorenindizes relativ zum MSCI World

Management Summary

Die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung und die Intensivierung der globalen Beziehungen haben zu einer Integration der Volkswirtschaften geführt. Im Zuge der Globalisierung ist die Wirtschaftsleistung vieler Schwellenländer in den letzen Jahren deutlich angestiegen und für Investitionen interessant. Verantwortlich dafür war die Einleitung eines Liberalisierungsprozesses an den Kapitalmärkten. Der Autor untersucht die Auswirkungen der wirtschaftlichen Verflechtung und Integration der Finanzmärkte auf Investitionen in Schwellenländer sowie der Einfluss der zunehmenden Konvergenz auf die Anlageklassen-Allokation.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Globalisierung und die Auswirkungen auf die globalen Volkswirtschaften und Investitionen. Dabei werden die Bedingungen für wirtschaftliches Wachstum behandelt sowie über eine Reihe von Chancen und Möglichkeiten, aber auch Gefahren aufstrebender Volkswirtschaften untersucht. Die wachsende Bedeutung der Schwellenländer für Investitionen ist auf die umfassenden Reformen und die Reduktion von Anlagerestriktionen zurückzuführen. Darauf aufbauend wird auf die spezifischen Risiken von Schwellenländerinvestitionen und die Rendite-/Risikoeigenschaften eingegangen sowie die Renditeentwicklung der Weltmärkte und deren Verlauf analysiert. Dabei wird festgestellt, dass die Korrelationen gestiegen sind und zu einer Konvergenz der Märkte führen. Während sich durch die Liberalisierung der Aktienmärkte in Schwellenländer für Investoren die Möglichkeit bietet, umfangreiche Diversifikationseffekte zu realisieren, verlieren solche Diversifikationsstrategien mit dem Integrationsprozess an Bedeutung. Die Untersuchung der Korrelationsstrukturen von Länderindizes ergibt, dass die Renditegleichläufe gestiegen sind und die Diversifikation mit dem Länderansatz im Modell der modernen Portfolio-Theorie an Einfluss verliert. Aufgrund länderspezifischen Ereignisse und unterschiedlicher sektoraler Strukturen der einzelnen Aktienmärkte bestehen jedoch zum Teil niedrige Korrelationen der Länderindizes. Die Analyse der verschiedenen Branchenindizes ergibt, dass Branchen im Vergleich zu Ländern unterschiedlichen Konjunkturzyklen unterworfen sind. Daher sollte eine rein auf Länderauswahl basierende Anlageklasse-Allokation mit einer strategischen Ausrichtung ergänzt werden, bei der das weltweite Aktienuniversum als einzige Aktienanlageklasse betrachtet wird. Mit dieser Strategie kann die volle Dynamik der Aktienmärkte flexibel berücksichtigt und das Rendite-/Risikoprofil ständig optimiert werden.

1. Einleitung

Der Prozess der Globalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Die Intensivierung und die Vernetzung der weltweiten Beziehungen vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen. Ungeachtet der Risiken in ökonomischer, politischer und sozialer Hinsicht haben es einige Schwellenländer verstanden, ihr Potential zu nutzen. Sie spielen heute eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft. Die Wachstumsperspektiven in diesen Ländern sind enorm. Deshalb hat das Anlegerinteresse an diesen Ländern stark zugenommen. Aufgrund der zunehmenden Grösse und Reife der Aktienmärkte in den Schwellenländern spielen für Investoren die Schwellenländer eine immer grössere Rolle. Die Märkte der Schwellenländer unterscheiden sich nicht nur in der Höhe von Rendite und der Grösse des Risikos von denjenigen der entwickelten Märkte, sondern haben auch aufgrund ihrer Korrelationsstrukturen einen wichtigen Einfluss auf die Anlageklassen-Allokation. Die Globalisierung der Finanzmärkte haben dazu geführt, dass der Zusammenhang zwischen den Ländern zunehmend enger wird. Die Konvergenz der Konjunkturzyklen und die Deregulierung der Märkte haben dazu geführt, dass der Gleichlauf der Aktienmärkte zugenommen hat. Mit diesem Integrationsprozess und dem Einfluss auf das Rendite-/Risikoprofil steigt die Notwendigkeit, eine rein auf Länderauswahl basierende Anlageklassen-Allokation mit einer gezielten Titel- und Branchenauswahl zu ergänzen.

2. Globalisierung

Das Schlagwort "Globalisierung" gehört inzwischen zum allgemein verbreiteten Wortschatz. Politiker verzichten kaum darauf, auf Globalisierungstendenzen hinzuweisen, um ökonomische Zusammenhänge erklären zu wollen. Mit dem Verweis auf "Globalisierung" wird von Wirtschaftsfachleuten vieles gerechtfertigt: Von der Vernichtung von Arbeitsplätzen (angesichts globaler Konkurrenz), über Lohnabbau bis hin zur Drohung an den Staat - wenn Firmen mit dem Verweis auf Globalisierung vom Staat günstigere Steuermodelle verlangen, damit sie nicht in andere Weltregionen abwandern. Von "Globalisierung" reden auch diejenigen, die das Internet als Möglichkeit der globalen Kommunikation, über alle Grenzen hinweg, bis in alle Winkel der Erde anpreisen.[1]

2.1. Definition

In den letzten 30 Jahren haben sich rasante und erhebliche technologische Innovationen im Bereich der Kommunikations- und Informationstechnologie vollzogen, die tiefe Auswirkungen für die Gesellschaften und Volkswirtschaften hatten. Beispielsweise hat die Verbreitung von Kommunikationssatelliten, Faxgeräten und Computern in den letzten 20 Jahren dazu beigetragen, den Informationsaustausch zwischen Personen, Firmen und Regierungen enorm zu erhöhen. Dank diesen technologischen Entwicklungen sind nicht nur die Kosten der Kommunikation stark gesunken, sondern auch die Qualität und die Geschwindigkeit der Datenübertragung haben sich wesentlich verbessert.

Unter dem Schlagwort Globalisierung werden oft die sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Konsequenzen dieser technologischen Veränderungen zusammengefasst, welche das Zusammenrücken der Welt und die Überwindung von Distanzen zur Folge haben. Sowohl in akademischen Kreisen als auch in der breiten Öffentlichkeit, wird heutzutage nicht nur die Globalisierung der ökonomischen Aktivitäten diskutiert, sondern auch die Globalisierung von Lebensformen, des Konsumverhaltens, des kulturellen Lebens, der Technologie und des Wissens.

2.2. Historischer Hintergrund

Der Begriff Globalisierung wurde zunächst in den Sozialwissenschaften geprägt. Globalisierung tauchte gemäss Recherchen erstmals 1961 in einem englischsprachigen Lexikon auf und kommt von global, was "weltumspannend" bedeutet. Der Duden führte den Begriff jedoch erst mit dem Erscheinen der 22. Auflage im Jahr 2000 ein. Damit scheint Globalisierung nicht nur ein Phänomen jüngsten Datums zu sein, sondern die verstärkte Aufmerksamkeit für globale Interaktionen lässt auch einen ursächlichen Zusammenhang mit Entwicklungen der letzten Jahre erahnen. Wie alt Globalisierung ist, hängt primär davon ab, was man unter Globalisierung versteht. In der Forschung findet man dazu unterschiedliche Antworten. Einzelne Autoren interpretieren Globalisierung als Phänomen, dessen Geschichte mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt. Damit verbunden ist ein Fokus auf globale Institutionen wie jenen des Systems von Bretton Woods oder die Uno 1944. Ebenso die Bedrohung nuklearer Waffen der Supermächte oder die Zunahme des Welthandels und verdichteten Kommunikationsbeziehungen. Andere Autoren hingegen sehen bereits in den menschlichen Wanderungsbewegungen vor zehntausenden von Jahren den Kern zunehmend globaler Interaktionen. Ein hinreichendes Verständnis für Globalisierung mit dem Aufbau und der Verdichtung von weltweiter Vernetzung wurde mit den europäischen Expansion im 16. Jahrhundert geschaffen. Massgeblicher Motor dafür war die europäische Nachfrage nach asiatischen Gewürzen, Textilien, Porzellan und Tee. Die Ausdehnung des osmanischen Reichs erschwerte jedoch den Handel über die traditionellen Routen und liess europäische Mächte nach Möglichkeiten eines direkten Zugangs zu den asiatischen Gütern suchen, was einerseits zur Entdeckung Amerikas und anderseits zur Erschliessung eines Seewegs über die westafrikanische Küste führte. Portugiesische, spanische, niederländische, französische und englische Kaufleute versuchten, in die asiatischen Handelsnetze einzudringen. Dabei kamen ihren Ambitionen zwei Umstände zugute: einerseits war es im Gegensatz zum asiatischen Handel üblich, mit Waffengewalt gute Handelspositionen anzustreben, was den Europäern mittelfristig die Seeherrschaft garantierte. Zum zweiten verfügten Sie über eine gut organisierte Handelspräsenz. Die Handelskompanien waren Frühformen moderner Aktiengesellschaften und damit private Unternehmungen, die aber mit staatlichen Rückendeckungen agierten. Abgesehen von der Ware im innerasiatischen Zwischenhandel, konnten die Europäer nur Silber anbieten. Dieses vom chinesischen Reich sehr gefragte Gut wurde in Lateinamerika gewonnen und über Umschlagsplätze in Europa oder über Manila nach Asien verschifft. Dies erlaubte den Europäern, die begehrten asiatischen Waren zu erwerben und mit hohen Gewinnen weiter zu veräussern. Während in Asien der Platz im Handel erkämpft werden musste, war das Auftreten in Lateinamerika praktisch gleichbedeutend mit Kolonialisierung. Abgesehen von der Gewinnung von Edelmetall war Amerika insbesondere als Anbaugebiet für exportfähige Rohstoffe wie Zuckerrohr, Tabak, Kaffee oder Kakao von Interesse. Dabei setzten die Portugiesen und Spanier ein exportorientiertes System auf, welches erstmals einem vernetzen Handelssystem glich. Dazu setzten sie die seit langem praktizierte Form der Sklaverei als Arbeitsorganisation um, die in Amerika sukzessive ausgebaut wurde. Sie erhielten entlang der westafrikanischen Küste Zugang zu bestehenden arabisch-afrikanischen Handelsverbindungen und damit zu den zentralen Anbietern von Sklaven. Bis zum 19. Jahrhundert wurden so Millionen Afrikaner zu Amerikanern. Somit wurde das atlantische Dreieck konstruiert, das zu den Schrittmachern frühmoderner Globalisierung zählte.

Abb. 1: Das Atlantische Dreieck

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantischer_Dreieckshandel)

Zucker und andere Produkte wurden aus Amerika nach Europa verschifft. Diese wurden verarbeitet und die Fertigprodukte als Tauschware für Sklaven nach Afrika versendet, die wiederum von Händlern nach Amerika gebracht wurden. Wesentlich an diesem System war, dass die Gewinne daraus hauptsächlich die Europäer verzeichneten. Diese erste Phase von globaler Verdichtung veränderte viele Regionen in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht. So veränderten sich zum Beispiel die Ernährungsgewohnheiten in Europa oder Asien durch die Zulieferung von Übersee. Unverkennbar war, dass ab Mitte des 18. Jahrhunderts zahlreiche Impulse globaler Vernetzung verstärkt von Europa und Grossbritannien ausgingen.

Die Periode ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird als Phase der ersten tatsächlichen Globalisierung verstanden, die Parallelen zu aktuellen Prozessen aufweist. Grossbritannien war im Zentrum der Weltwirtschaft, aber auch Deutschland und die USA gewannen an Bedeutung. Die asiatischen Regionen konnten ihre starken Positionen von früherer Zeiten nicht mehr halten und verloren immer mehr an Terrain. Für die Europäer wurde jedoch Japan zu einem immer ernstzunehmenden Macht. Die Japaner verstanden es, europäische Elemente in ihre Traditionen zu integrieren, was ihre Position stärkte.

Der Ausbau der Eisenbahnverbindungen ab 1840 beschleunigte und verbilligte interregionale Verbindungen. Mit der Eröffnungen des Suezkanals 1869 und des Panamakanals 1914 sowie der Ausbreitung der Dampfschifffahrt wurden die Distanzen zwischen den Zentren der Wirtschaft und anderen Regionen der Welt deutlich rascher und billiger überbrückt. Die Telegraphie beschleunigte die Kommunikation. Ebenso sollte der von Grossbritannien übernommene Goldstandard die Währungskonvertibilität gewährleisten und den internationalen Kapitaltransfer erleichtern. Internationale Regulierungen wurden von verschiedenen Staaten vorangetrieben, um den globalen Handel zu fördern. Die europäischen Staaten wurden in dieser Periode als Akteure immer wichtiger und Europa entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen Bestandteil der Globalisierung. Die Staaten wurden mehr und mehr als legitimer Akteur zur Durchsetzung von Prozessen wahrgenommen. Ein Bewusstsein für globale Dimensionen wurde für immer mehr Menschen relevant, als die Expansion von Tageszeitungen gefördert wurde. Aktuelle Meldungen aus aller Welt wurden von internationalen Nachrichtenagenturen wie der 1851 von Julius Reuter gegründeten, geliefert.

Die Globalisierungsprozesse dieser Periode waren regional unterschiedlich und entwickelten sich entlang jener hierarchischen Strukturen, die bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts erkennbar waren. Die Zentren der Weltwirtschaft, allen voran Grossbritannien, waren an einem möglichst barrierefreien Welthandel interessiert, was aufgrund der Dominanz in Handel und Industrie bereits bestehende Abhängigkeiten festigte. Diese äusserten sich, indem den Kolonien, über die Westeuropa informelle Herrschaft ausübte, die Rolle als Rohstoff- und Nahrungsmittelexporteure beziehungsweise Absatzmärkte europäischer Erzeugnisse zugedacht war. Diese Rollenverteilung wurde durch neue Institutionen und Infrastrukturen verstärkt: Koloniale Eisenbahnnetze waren deutlich weniger dicht als jene in den Zentren der Weltwirtschaft. Sie dienten in vielen Fällen dazu, den Transport von Exportgütern in die Häfen zu erleichtern. Der Goldstandart sowie das Pfund Sterling als Leitwährung für die globale Wirtschaft festigte die zentrale Rolle der Bank of London. Zahlreiche Regionen ausserhalb der ökonomischen Zentren begannen sich zusehends in eine Abhängigkeit zu verwickeln, welche teilweise auch heute noch vorhanden ist. Lateinamerika zum Beispiel hatte aus der kolonialen Periode eine ökonomische Struktur geerbt, die eine hohe Exportabhängigkeit im Rahmen eines kleinen Güterspektrums beinhaltete. Die gestiegene Nachfrage nach Rohstoffen und Nahrungsmitteln für die industriellen Zentren der Weltwirtschaft verlängerte diese Abhängigkeit, bot aber eine der wenigen Möglichkeiten, Devisen zu erwirtschaften. Dabei waren Sie aber immer vom Weltmarkt und dessen schwankenden Preisen abhängig. Kraftanstrengungen, welche die Staaten unternahmen, um eine eigene konkurrenzfähige Industrie aufzubauen und ihr militärisches Arsenal zu stärken, führten im Falle Japans zum Erfolg, trieben aber Regionen wie Ägypten in eine Schuldenfalle, die europäische Interventionen nach sich zogen. Manche Völker waren nur dann in der Lage, den Weg zur unabhängigen Volkswirtschaft zu finden, wenn sie dem europäischen Pfad der Entwicklung folgten.

Der allmähliche Wandel der ökonomischen Grundlage zahlreicher Gesellschaften vom Sklavenhandel zum Anbau beziehungsweise zur Gewinnung exportorientierter Güter stellten in Afrika vielfach traditionelle Strukturen in Frage. Dies erleichterte es den Europäern Einfluss zu erringen. Bei der Errichtung kolonialer Herrschaft war jedoch die Anknüpfung an lokale Gegebenheiten und Erwartungshaltungen wesentlich. Bei der Ausgestaltung kolonialer Herrschaft in den folgenden Jahrzehnten, waren Europäer aufgrund ihrer geringen Präsenz bis zum Zweiten Weltkrieg, auf die Kooperation lokaler Akteure angewiesen. Praktiken kolonialer Herrschaft, im Bereich der Administration, stellten häufig ein Modell dar, das sukzessive in den Kolonialstaaten übernommen wurde. In dieser Phase der Globalisierung war der Kolonialismus ein wesentlicher Prozess, welcher keine Einbahnstrasse darstellte sondern mehr eine gegenseitige Beeinflussung.

Die globalisierte Wirtschaft verhinderte den 1. Weltkrieg bekanntlich nicht, der im Kern ein europäischer war. Er reflektierte die intensiven internationalen Verbindungen. Augenscheinliches Beispiel dafür waren die zahlreichen Soldaten aus den Kolonien, die in Europa kämpften. Alleine in der französischen Armee waren nahezu eine halbe Million Soldaten aus den Kolonien eingereiht. Es waren nicht zuletzt die besser gestalteten Möglichkeiten Grossbritanniens und Frankreichs, globale Ressourcen zu mobilisieren, die für den Ausgang des Krieges verantwortlich waren. Der Krieg veränderte die bisher vorherrschenden Verhältnisse. Der Goldstandard verlor nach dem Krieg an Bedeutung. Dies waren Symbole für den relativen Bedeutungsverlust Grossbritanniens gegenüber den USA, die sich endgültig zum ökonomischen Zentrum der Welt aufschwangen, ohne damit zunächst eine politische Führungsrolle zu übernehmen. Hatte Europa also von der Globalisierung des 19. Jahrhunderts profitiert und hatte sie selbst vorangetrieben, so wurde ihm nunmehr verstärkt die Rolle zugewiesen, negative Globalisierungseffekte abzuwehren. Dazu zählte der 1. Weltkrieg oder auch die Spanische Grippe welche insgesamt 25 bis 50 Millionen Menschenleben forderte. Auch trotz der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren, ist die Periode nach dem Krieg nicht als Ende der globalen Integration zu verstehen. Zwar erreichten die Exportquoten der europäischen Staaten einige Jahrzehnte nicht mehr das Niveau von 1913, dennoch war die weltweite Vernetzung nach wie vor sehr dicht. Nach dem Krieg wurde mit dem Völkerbund, der heutigen UNO, erstmals eine weltweite politische Dachorganisation geschaffen, welche die internationale Kooperation fördern und bei Konfliktfällen vermitteln sollte. Ebenfalls wurden kommerzielle Flugverbindungen eingerichtet und nach dem Telefon fand auch das Radio als Kommunikationsmedium Verbreitung. Es war unverkennbar, dass die Fäden der Welt in vielen Bereichen nicht mehr in erster Linie in Westeuropa zusammenliefen. Die militärischen und ökonomischen Ambitionen Japans wurden immer deutlicher erkennbar und auch die neu entstandene Sowjetunion wurde stärker. Von der europäischen Selbstzerstörung des 1. Weltkrieges haben vor allem die USA profitiert. Nachdem sich das Land bereits 1914 zum grössten industriellen Produzenten entwickelt hatte, wurde es nach dem Krieg zum Zentrum der Weltwirtschaft. Die Vereinigten Staaten lieferten auch kulturelle Impulse, wie die Filmproduktion, die auch jenseits der Grenzen des Landes an Attraktivität gewannen. Erste Warnungen von einer "Amerikanisierung" kamen auf. Der europäische Wiederaufbau wurde wesentlich mit Kapital aus den USA finanziert. Die USA exportierte nicht nur Kapital sondern auch Industrie- und Agrargüter. Zugleich schützten sie sich durch hohe Zölle vor Importen. Dadurch konnte Europa seine Schulden kaum durch Exporte in die USA ausgleichen, was die europäische Wirtschaft von amerikanischen Krediten abhängig machte. Dies bedeutete, dass die europäische Entwicklung stark von jener der USA abhängig war. Viele sahen daher die nationale Abschottung als einzige Möglichkeit, sich vor weiteren negativen Entwicklungen zu schützen. Die Bemühungen zahlreicher Staaten im Windschatten der kriegsbedingt geschwächten europäischen Konkurrenz eigene Industrien aufzubauen, wurden grösstenteils durch den Protektionismus der Industrieländer zunichte gemacht. Der Rückgang des Welthandels bedeutete aber nicht zwangsläufig eine Lockerung der Interaktionen zwischen Zentrum und der rohstoffliefernden Peripherien. Die Kolonien wurden stärker denn je auf die Erfordernisse der Kolonialmächte ausgerichtet. Vielfach wurden die Kosten der ökonomischen Depression auf die Kolonien abgewälzt, was deren ökonomische Lage noch mehr in die Krise trieb. Dabei lies sich erkennen, dass der Kolonialismus während dieser Periode elementare Grundlagen seiner prekären Legitimation verspielte.

In der Folge des 2. Weltkrieges wurden zur Verhinderung ähnlicher Krisen mit globaler Reichweite neue Systeme und Institutionen geschaffen. Die Einführung des Bretton Woods Systems sollte die globalen Interaktionen erleichtern. Grössere Stabilität sollte gewährleistet werden und auch Mechanismen beinhalten, die eine Verbreitung regionaler Krisen auf die Weltwirtschaft erschweren sollten. Ebenso neu geschaffene Institutionen wie GATT (General Agreement on Tariffs and Trade, heute WTO), der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds schienen dazu besonders geeignet, weil bei ihnen auch wirtschafts- und finanzpolitische Rahmenbedingungen starke Berücksichtigung fanden. Der Nachfolgeorganisation des Völkerbundes, der neugegründeten UNO standen grössere Möglichkeiten offen, wie zum Beispiel verbindliche Standards zu den Menschrechten. Durch die Stärkung solcher Organisationen wurden allerdings die ungleichen Verbindungen zwischen Zentren und Peripherien der Weltwirtschaft relativiert. Dabei schienen zunächst durchaus entsprechende Ansätze erkennbar zu sein. Das europäische Machtvakuum nach dem Zweiten Weltkrieg wurde rasch von den USA und der UdSSR gefüllt, und wurde durch den Aufbau der nuklearen Waffenarsenale verstärkt. Die beiden Mächte beriefen sich auf eine antikoloniale Grundhaltung, die sich aber in erster Linie auf die zerfallenden Imperien der "alten" europäischen Kolonialmächte bezog. Bis in die 1970er Jahre wurde nicht zuletzt auf Kosten der Kolonialmächte ein Grossteil der kolonisierten Regionen in die staatliche Unabhängigkeit entlassen. Die UNO bot vielen dieser Länder ein Forum für antikoloniale Forderungen, die dadurch und aufgrund von Ölfunden einen ökonomischen Aufholprozess erlebten. Die 1970er Jahre waren aber für viele dieser Peripherien das Ende des zaghaften Aufholprozesses. Sie konnten die günstige Lage der vorangegangenen Jahre nicht nutzen, sich ökonomisch zu diversifizieren. Die Tauschverhältnisse für die angebotene Ware verschlechterten sich, was zu einem nachhaltigen Steigen der Verschuldung führte, die durch die Ölkrise 1973 noch verschärft wurde. Einen nachhaltigen Aufstieg erlebten in dieser Periode im wesentlichen nur asiatische Staaten wie Japan, das sich endgültig zu einer ökonomischen Macht entwickelte, sowie Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur. Die Verschuldungen v.a. in Lateinamerika und Afrika stiegen jedoch in einem Ausmass, dass westliche Banken durch Zahlungsunfähigkeit gefährdet waren. Die internationalen Institutionen waren dadurch gezwungen Strukturanpassungsprogramme zu starten, die jedoch kaum positive Ergebnisse brachten. Die USA hatten ihre dominante Rolle durch den Zweiten Weltkrieg noch weiter ausbauen können und beanspruchten nun auch einen antikommunistisch fundierten und damit grundsätzlich globalen Führungsanspruch – zumindest für die nicht direkt sowjetisch dominierten Regionen der Welt. Internationale Organisationen wurden immer mehr als Arenen politischer und ökonomischer Machtausübung ausgenützt, wie das Beispiel des Bretton Woods Systems zeigt, welches den US Dollar zu einer mehr oder weniger expliziten Leitwährung machte, von welchem die Stabilität und das funktionieren der Märkte abhing. Durch den Abbau von Zöllen, Abgaben und anderen Hemmnissen im internationalen Handel stieg der Dollar wieder auf ein Niveau, das 1913 geherrscht hatte, dem Höhepunkt der ersten Globalisierung. Diese Liberalisierung war vor allem auf die Interessen der westlichen Zentren zugeschnitten. Der europäische Agrarsektor war und ist immer noch durch hohe Zölle von Importen aus den Peripherien geschützt.

Dem kommunistischen Wirtschaftsraum, welcher nicht Teil des Systems von Bretton Woods war, gelang es nicht im gleichen Ausmass erfolgreiche Strukturen aufzubauen und die nötigen Ressourcen zu mobilisieren, was ein wesentlicher Grund für den späteren Zerfall war.

Um 1980 setzte eine Globalisierungswelle ein, die durch liberalisierte Finanzmärkte und internationaler Arbeitsteilung charakterisiert wird und bis heute bestand hat. Sie beruht in einem hohen Mass auf dem Bewusstsein der Entwicklungsländer, sich gegen aussen zu öffnen. Die Öffnung für Aussenhandel und Investitionen in Verbindung mit ergänzenden Reformen, hat das Wachstum in den Entwicklungsländern beschleunigt und zu mehr Wohlstand geführt.[2]

2.3. Dimensionen

Globalisierung ist heute ein weitverbreiteter Begriff und wird in vielen Bereichen angewandt. Wirtschaftliche Globalisierung ist ein historischer Begriff und das Ergebnis aus menschlicher Innovation und technologischem Fortschritt, wobei in der Zeit des Imperialismus das erstgenannte ausschlaggebend für den Beginn der Globalisierung war. Obwohl viele Bereiche von diesem Phänomen betroffen sind, bezieht man sich bei diesem Begriff auf die steigende Integration der Volkswirtschaften auf der ganzen Welt, insbesondere durch Handel und Finanzströme. Der Ausdruck bezieht sich aber auch auf die Bewegung von Menschen (Arbeitskräften) und Wissen (Technologie) über internationale Grenzen hinweg. Es gibt auch breitere kulturelle, politische und ökologische Dimensionen der Globalisierung , die hier nicht näher erfasst werden, welche jedoch mit der wirtschaftlichen Dimension verbunden sind. So ist die wirtschaftliche Globalisierung stark von derjenigen der Politik abhängig, die durch die Liberalisierung des Freihandels oder durch die Schaffung internationaler Institutionen die Rahmenbedingungen dafür geschaffen hat.[3]

Abb. 2: Dimensionen der Globalisierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: online-dissertation.de

(http://www.online-dissertation.de/globalisierung/problem/komplexitaet.htm)

In dieser Arbeit beschränkt sich der Autor auf die wirtschaftlichen Dimensionen. Bei näherer Betrachtung sind die verschiedenen Bereiche eng vernetzt oder sogar stark voneinander abhängig.

2.4. Wirtschaftliche Globalisierung

Wie im vorangehenden Teil erklärt, ist Globalisierung kein neues Phänomen, sondern wurde bereits vor hunderten von Jahren umgesetzt. Heute jedoch sind Handel und Finanzdienstleistungen weiter entwickelt und besser in die Volkswirtschaft eingebunden als damals. Der auffälligste Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Integration der Finanzmärkte, die durch moderne Telekommunikation ermöglicht wurde. Die Märkte stärken die Effizienz durch Wettbewerb und Arbeitsteilung. Die Spezialisierung, die es Menschen und Volkswirtschaften erlaubt, sich darauf zu konzentrieren, was sie am besten können, steigert die Effizienz. Die Vernetzung bietet den Menschen und Firmen grössere Möglichkeiten, mehr und grössere Märkte auf der ganzen Welt zu nutzen. Die Märkte stellen nicht automatisch sicher, dass alle an den Vorteilen einer steigenden Effizienz teilhaben, was Gegner der Globalisierung auf den Plan ruft. Die Länder müssen dazu bereit sein, die erforderliche Politik zu verfolgen und die ärmsten Länder benötigen Unterstützung von internationalen Organisationen bei solchen Bemühungen.

Das 20. Jahrhundert weist ein bemerkenswertes Wachstum des Durchschnitts-einkommens auf. Dieses Wachstum war jedoch nicht beständig, sondern erlebte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen enormen Schub. Verantwortlich dafür war die rasche Zunahme des Handels und der damit verbundenen Liberalisierung.[4]

Abb. 3: Welteinkommenstrends im 20. Jahrhundert

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Internationaler Währungsfonds

Die Grafik zeigt, dass sich zwischen den Kriegen die Welt vom Globalisierungsprozess ablöste und sich die Länder in geschlossene Volkswirtschaften zurückzogen. Dieses Phänomen zum Schutz der eigenen Volkswirtschaft war auch während der Finanzkrise 2008/2009 ein weitverbreitetes und viel diskutiertes Thema. Der Protektionismus war auch ein wichtiger Faktor für die vernichtende Bilanz in diesem Zeitraum, als das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens auf unter 2 Prozent sank. In den übrigen Zeiträumen lag dieses Wachstum trotz schnellem Anstieg der Bevölkerung überwiegend bei über 2 Prozent, wobei die stärkste Steigerung während des Nachkriegsbooms in den Industriestaaten zu verzeichnen war.[5]

Moderne Industriezweige benötigen heute für ihre spezialisierten und qualitativ hochwertigen Waren Märkte, die die Nachfrage ihrer heimischen Volkswirtschaft übertreffen. Diese Märkte finden sie zu einem Grossteil in anderen Industrieländern, zum Teil auch in Entwicklungsländern. Daher treten Industriestaaten in der Regel für die Öffnung von Märkten gerade für hochwertige Industrieerzeugnisse ein. Die Staaten bemühen sich als Industriestandort attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen um internationale Unternehmen anzuziehen.

Im Zuge der Globalisierung üben insbesondere die Schwellenländer einen hohen wirtschaftlichen Druck auf die Industrieländer aus, denn die Herstellung von technisch einfachen Produkten kann in Schwellenländern durch niedrige Löhne und verhältnismässig niedrige Lohnnebenkosten kostengünstig erfolgen. Daher verlagern Firmen aus Industrienationen ihre Produktionsstandorte ins Ausland um dort Kosten einzusparen und dem internationalen Wettbewerb standzuhalten. Gemäss der Theorie der komparativen Vorteile werden Güter in denjenigen Staaten produziert, die ein Gut zu den geringsten Alternativkosten herstellen können. Diese Arbeitsteilung hat jedoch einige gravierende Folgen für die Industriestaaten, denn einerseits büssen sie durch Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland einen hohen Anteil ihrer Kaufkraft ein, andererseits entwickeln sich Schwellenländer technologisch weiter und können Produkte aus Industrieländern ebenfalls herstellen. Die enormen wirtschaftlichen Chancen der Schwellenländer drücken sich momentan durch eine gestiegene Kaufkraft aus, dies hat zur Folge, dass die internationale Marktwirtschaft angekurbelt wird und der Lebensstandard von Schwellenländern steigt.[6]

2.5. Technologischer Fortschritt

Durch die Nutzung von technologischen Erfindungen und deren Weiterentwicklungen für industrielle Zwecke entstanden grundlegend neue Möglichkeiten des Wachstums und der Effizienz. Klassische Beispiele hierfür sind die Nutzung von der Elektrizität als Kraftquelle, die industrielle Nutzung chemischer Verfahren oder die Mikroelektronik. Mit der Industrialisierung, kombiniert mit Elektrizität, der Erfindung von Maschinen sowie der manufakturellen Arbeitsteilung löste sich der Herstellungsvorgang von Gütern von den begrenzten physischen Fähigkeiten des menschlichen Körpers ab. Diese neue Technik führte dazu, dass bekannte Waren wie Textilien in wesentlich grösseren Stückzahlen und auch wesentlich billiger hergestellt werden konnten. Die weitere Industrialisierung eröffnete die Produktion neuer Produkte, die neue Märkte und damit zusätzliche Wertschöpfung hervorbrachten. Diese Entwicklung führte dazu, dass die Industriestaaten sich relativ rasch von Agrar- zu Industriegesellschaften entwickelten. Diese neuen industriellen Bedingungen änderten die Beziehungen zu den nicht entwickelten Ländern nicht. Die Handelsbeziehungen beruhten auf der Versorgung der Zentrumsstaaten mit Rohstoffen und günstigen Lebensmittel, um dort die Möglichkeiten industrieller Produktion zur Entfaltung zu bringen.[7]

Die engen Verflechtungen, wie wir sie heute erleben, wurden durch die technologischen Innovationen möglich gemacht. Die Automatisierung des Nachrichtenaustausches durch Informationstechnologie spielt eine wichtige Rolle und machte es möglich, im internationalen Finanzwesen globale Güter- und Finanzströme entstehen zu lassen. Wir sind uns heute ein dichtes Informations- und Nachrichtennetz gewöhnt. Per Radio, TV und Internet erhalten wir ohne Zeitverzögerung die neusten Meldungen aus der ganzen Welt. Diese beeinflussen unsere Meinungen und Einstellungen, aber auch unsere Kaufentscheidungen. Die Märkte reagieren sensibel auf neue Nachrichten und ein Vorsprung an Informationen lässt sich in Geld wandeln, wenn man die Reaktion der Märkte vorhersehen kann. Über die moderne IT werden die Preise der Weltmärkte gebildet und Wertschriften können mittlerweile von den abgelegensten Orten dieser Welt gehandelt werden.

Unternehmen beschaffen sich Informationen über Konkurrenten, Partner und Kunden aus dem Internet. Die Nutzung schneller Übertragungsvarianten wie E-mail und die Möglichkeit, grosse Datenmengen in kurzer Zeit weltweit zur Verfügung zu haben, ist mittlerweile sehr wichtig geworden.[8]

2.6. Kapital- und Warenverkehr

Der freie Austausch von Gütern, Waren und Produkten bedeutet Globalisierung. Bekanntestes Beispiel hierfür ist Coca Cola, aber auch Autos, Kaugummi und unzählige andere Produkte sind mittlerweile global zu kaufen. Durch die Informationstechnologie gehört auch die Finanzbranche mit den Börsen und den global tätigen Banken zu den starken Pfeilern der Globalisierung. Investitionen kann man global tätigen - ob Goldminen in Südafrika, eine Spielzeugfabrik in China oder ein Devisengeschäft mit dem brasilianischen Real – praktisch jedes Geschäft kann heute getätigt werden. Die Geschäftspartner kennen sich in den meisten Fällen nicht und leben vielleicht nicht einmal auf dem gleichen Kontinent. Die grössten monetären Bewegungen geschehen weltweit auf den Kapitalmärkten. Dazu gehören unter anderem Immobilieninvestitionen, Wertpapier, Kontokorrent- und Termingeschäfte, Darlehen und Finanzkredite. Dieser Grundgedanke der Kapitalverkehrsfreiheit - welcher beispielsweise 1988 im Europäischen Wirtschaftsraum in einer Richtlinie festgehalten wurde - ist, dass Kapital ungehindert dorthin fliessen soll, wo es am effizientesten eingesetzt werden kann.[9]

Kaum etwas veranschaulicht den Prozess Globalisierung so deutlich wie die steigende wirtschaftliche Bedeutung des Aussenhandels. Seit 1950 nahm der globale Warenexport mit dem Faktor 29 und die Weltwarenproduktion mit dem Faktor 9 zu.[10]

Abb. 4: Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

(http://www.bpb.de/wissen/CCDNXF,0,Entwicklung_des_grenz%FCberschreitenden_Warenhandels.html)

2.7. Komparative Kostenvorteile und internationale Arbeitsteilung

Kern der Globalisierung ist die Ausweitung der internationalen Arbeitsteilung. Sie ist die Grundlage des modernen Wirtschaftens und führt zum Tausch oder Handel. Der heutige Handel ist daher Ausdruck der hoch entwickelten Arbeitsteilung. Dabei bringt internationale Arbeitsteilung insgesamt bessere Ergebnisse hervor als eine Arbeitsteilung, die nur im nationalen Rahmen stattfindet. Nach diesem Konzept spezialisiert sich nämlich diejenige Wirtschaftskraft auf die Produktion eines Gutes oder einer Dienstleistung, die dies aus ökonomischer Sicht am besten kann, das heisst konkret zu den geringsten Produktionskosten. Daraus entstehen Märkte, auf denen Waren und Dienstleistungen gehandelt, Investitionen getätigt, Technologien übertragen und Informationen ausgetauscht werden. Internationale Arbeitsteilung ermöglicht es den einzelnen Ländern, ihre unterschiedlichen Stärken auszuspielen und dadurch Einkommensgewinne zu erzielen.[11] Anhand eines Beispiels geht man davon aus, dass die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital unterschiedlich reichlich vorhanden sind und unterschiedlich teuer sind. Angenommen es existieren nur die Länder Schweiz und China und es werden nur zwei Güter – Textilien und Automobile – in gleicher Qualität hergestellt. Die Textilindustrie ist arbeitsintensiv, eine Arbeitskraft reicht jedoch, um die Nähmaschine zu bedienen. Die Autoproduktion erfordert dagegen grosse Maschinen und Anlagen und ist kapitalintensiv. Findet unter diesen Bedingungen ein Handel statt, würde sich China demzufolge auf die Produktion von Kleidung spezialisieren, da Arbeit in China billig ist. China hat dabei einen komparativen Kostenvorteil. Der komparative Vorteil der Schweiz würde in der Produktion von Autos liegen. Durch die Spezialisierung steigt insgesamt die produzierte Gütermenge. Das Modell ist sehr vereinfacht. Die Realität ist in vieler Hinsicht komplizierter, da sich Volkswirtschaften verändern und zusätzliche Fähigkeiten entwickeln können.[12]

[...]


[1] Vgl. Schreckgespenst Globalisierung (2010)

[2] Vgl. Buchner (2007), S. 1-18

[3] Vgl. Wikipedia

[4] Vgl. IWF Stab (2000)

[5] Vgl. IWF-Stab (2010)

[6] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2007)

[7] Vgl. Brock (2008), S. 7-16

[8] Vgl. Fuchs (2005)

[9] Vgl. Fuchs (2005)

[10] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2007)

[11] Vgl. Fuchs (2005)

[12] Vgl. Bechmann (2008) S. 382-384

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57
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656112938
ISBN (Buch)
9783656113355
Dateigröße
841 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187718
Institution / Hochschule
AKAD Höhere Fachschule Banking und Finance AG
Note
Schlagworte
globalisierung auswirkungen asset allocation

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Titel: Globalisierung und die Auswirkungen auf die Asset Allocation