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Schönheit und soziale Ordnung: Ich bin schön, also bin ich?

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Schönheit von Frauen und Männern
2.1. Das schöne Geschlecht: Frauen
2.2. Männer

3. Zur Statusrelevanz von Attraktivität und Schönheit
3.1. Inkorporierte Attraktivität und Rollenkompetenzen
3.2. Schönheit und soziale Positionierung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Schönheit ist überall ein gar willkommener Gast“ – so sinnierte einst Johann Wolfgang von Goethe. Heute wird intensiver denn je über Schönheit gesprochen und vor allem: intensiver denn ja an dieser gearbeitet. Schönheit begegnet uns jeden Tag: in Zeitschriften, auf Plakaten, im Fernsehen – überall werden uns schöne Menschen präsentiert.

Eine hohe Attraktivität ist für ein erfolgreiches Bestehen in der heutigen Gesellschaft enorm wichtig und so wird unser Körper zur Dauerbaustelle. Jeder möchte möglichst einzigartig in dieser unserer individualisierten Welt sein. Doch gelingt uns das wirklich? Hängt unser sozialer und beruflicher Status wirklich von unserem Aussehen ab?

Im Rahmen dieser Hausarbeit des Seminars „Kultur, Lebenswelt und sozialer Wandel“ will ich versuchen, diese und andere Fragen zu klären. Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick soll es darum gehen, inwieweit wir selbst unser Leben mit Schönheitskulten beeinflussen und ob uns Schönheit zum Idealsein verhilft: Ich bin schön, also bin ich?

2. Die Schönheit von Frauen und Männern

Frauen gelten in der heutigen Gesellschaft als das schöne Geschlecht. Doch geht man in der Historie zurück, so erkennt man, dass dieser Mythos nicht natürlich oder biologisch zu begreifen ist. Den Werdegang der weiblichen Schönheit beschreibt Waltraud Posch in ihrem Buch „Körper machen Leute“. Sie beschreibt die Geschichte von der griechischen Antike angefangen über die Französische Revolution und den Einfluss von Dichtern und Denkern. Auf ihre Aussagen stütze ich mich in diesem Abschnitt, auch wenn die Historie auf Grund des Umfangs stark abgekürzt werden muss.

„Von Natur aus sind Frauen nicht das schönere Geschlecht.“[1] Erst ab den 1870er Jahren wird Schönheit zu einem weiblichen Charaktermerkmal. Zuvor galt das Avancieren des eigenen Körpers als Frauen- und Männersache. Jedem Leser dürfte das Bild von einem edlen Mann mit Perücke, Strümpfen und hochhackigen Schuhen zu Zeiten des Barocks bekannt sein. Sein endgültiges Geburtsdatum fand das „schöne Geschlecht“ aber erst in den Tagen der französischen Revolution. Durch die sozialen und politischen Verschiebungen veränderte sich auch das Geschlechterbild. Die Gesellschaft zweifelte an der Königsherrschaft und das Bürgertum erstarkte. Mit Einsetzen der industriellen Revolution ging der Mann nun ins Büro oder in die Fabrik zum Arbeiten. Für den Familienunterhalt war fortan er allein zuständig und überließ es so ab nun seiner Frau, sich und ihren Körper aufwendig zu schmücken. Sie verkörperte die schöne, heile Welt – bis heute. Denn um Ansehen, Einfluss und Erfolg haben zu können, muss das weibliche Geschlecht auf die Akzeptanz der Männer hoffen. Um aufzufallen und in der Männerwelt wahrgenommen zu werden, ist ein repräsentativer Körper natürlich von Vorteil. Obwohl auch Männer heutzutage viel Zeit auf ihr äußeres Erscheinungsbild verwenden, so ist Schönheit bei ihnen immer noch Nebensache. Auf den nächsten Seiten sollen Frauen und Männer im Hinblick auf Schönheit und Attraktivität näher betrachtet werden.

2.1. Das schöne Geschlecht: Frauen

„Während Männer nach Profil streben, streben Frauen nach Linie. Während Männer Karriere machen, machen Frauen Diäten. Während Männer das Leben genießen, zählen Frauen die Kalorien. Kurzum, Frauen sollen sich einfach dünne machen, in jeder Beziehung.“[2]

Frauen gelten in jedem Lebensalter heutzutage als das schönere Geschlecht. Ihre körperliche Attraktivität rückt vielmehr in den Fokus der Beurteilungen als das Aussehen der Männer. Auch die Folgen dieser ständigen Kritik an Frauen sind im Unterschied zu männlichen äußerlichen Unvollkommenheiten gravierender: „Sie werden stärker bestätigt und belohnt, wenn sie schön sind und heftiger zurückgewiesen und mit Nachteilen bedacht, wenn sie den Normen nicht entsprechen.“[3] Für eine erfolgreiche Lebensweise der Frauen bedeutet das, dass sie unter einem ständigen Handlungsdruck stehen, um mit ihrem Aussehen die Kritiker zufriedenstellen zu können. Eine neue Frisur, eine Radikaldiät oder sogar ein Face-Lifting: für sein Aussehen unternimmt das weibliche Geschlecht insgesamt eindeutig mehr Maßnahmen als das männliche. Doch nicht nur für eine perfekte äußerliche Erscheinung geschieht das, auch für ein positives Selbstwertgefühl arbeiten die meisten Frauen ständig an ihrem Körper.[4] Ihre Schönheit korreliert mit sehr privaten Bereichen wie Sexualität und Begierde. So waren 1999 in einer Studie[5] 65% der Befragten der Meinung, ihr Körper sei eine wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Sexualleben, rund 83% wollten für den Partner an ihrer Attraktivität arbeiten. Vor allem der Anstieg der Zahl der Brustvergrößerungen in den letzten Jahren ist ein Indiz für den Zusammenhang von Schönheit und Sexualität.[6] Doch die Wirkung von Aussehen ist oftmals mit Missverständnissen zwischen Frauen und Männern versehen: Frauen arbeiten daran, schlanker zu sein und größere Brüste zu haben, obwohl es von den Männern gar nicht so gewollt wird.[7]

Im Gegensatz zu Männern müssen Frauen neben Talenten, Fähigkeiten und Reichtum zusätzlich ein gewisses Maß an Schönheit besitzen, um an Macht zu kommen.[8] Einst weibliche Charaktereigenschaften wie Sanftheit, Zurückhaltung, Schwäche und Abhängigkeit rücken immer mehr in den Hintergrund und so kann sich die Frau von heute nur über körperliche Attraktivität profilieren. Barbara Sichtermann drückt das so aus:

„Der Zusammenhang ist im Grunde einfach: In einer Gesellschaft wie der unsrigen, in der die Schlüsselpositionen gesellschaftlicher Macht und Geltung in den Händen von Männern liegen, hängen Prestige, Erfolg und Einfluß, den Frauen erringen können, nicht unwesentlich davon ab, daß sie von Männern akzeptiert werden. Und dieses Akzeptiertwerden schließt […] immer das Geschlechtliche ein. […] Den Frauen bleibt eigentlich nur eine >ureigene< Sphäre: die des Geschlechtlichen selbst.“[9]

2.2. Männer

Vor gut 20 Jahren schrieb Jörg Nimmergut in einem seiner Bücher, dass „ein entblößter Mann, ein Mann in Pose“ nur „bedingt interessant“ und „assoziationsschwach“ sei und wenig „Anregungen für das eigene und das andere Geschlecht im Sinne einer positiven Produktionsbeeinflussung“ biete.[10] Doch heute hat sich das Blatt gewendet. Im Gegensatz zu früher stellt der Mann heute ein perfektes Werbemittel dar. Auch wenn er es in weit geringerem Ausmaß tut, so nimmt er dennoch an der „Konsumkultur ,Schönheit‘“[11] teil. Männerschönheit ist eine neue Sparte auf dem weltweiten Markt für gutes Aussehen. Immer mehr Kosmetikmarken bringen Linien eigens für die männliche Kundschaft heraus. Laut einer Studie[12] wurden für diese männlichen Artikel im Jahr 2003 rund 10% des Gesamtumsatzes verwendet. Doch im Gegensatz zu Frauen geht es Männern nicht um Schönheit: Eher stehen Gesundheit, Fitness und Vitalität im Vordergrund.[13] Die Gründe für ein kräftig und lebendig wirkendes Aussehen sind wohl in der Geschichte zu suchen: Ein Mann muss seine Familie ernähren können, wofür er körperlich fit sein muss. Für die Jagd nach Mammuts bzw. - auf die letzten Jahrhunderte bezogen - für die Arbeit im Büro oder in der Fabrik stellt ein schönes, attraktives Aussehen keine Notwendigkeit dar. Männlichkeit definiert sich nach wie vor über Macht, Leistung und Geld. Wer zusätzlich noch schön aussieht, kann gesellschaftlich schnell aufsteigen.[14] Das propagieren auch Männerzeitschriften wie GQ oder Men’s Health: Habe einen stählernen Körper, dann klappt‘s erstens mit den Frauen und zweitens mit dem Beruf! Sieht man sich in der Wirtschaft und Politik um, so haben heute wohl gut aussehende Männer bessere Berufschancen. Marwick’s Untersuchungen zu den Karrieren von Politikern hat gezeigt, dass vor allem die großen und attraktiven Kandidaten erfolgreich sind.[15] Philipp Rösler zum Beispiel wirkt fit und gesund und bekleidet seit Mai 2011 das Amt des Vizekanzlers. Auch einen FDP-Generalsekretär stellt man sich in ersten Gedanken wohl nicht wie einen Christian Lindner vor. Hätte Helmut Kohl mit seinem Aussehen auch heute noch die Chance auf das Kanzleramt? Männlichkeitsideale ziehen für die Alltagswelt reale Konsequenzen mit sich: Sei schön und du wirst erfolgreich sein!

[...]


[1] Posch, Waltraud: Körper machen Leute – Der Kult um die Schönheit, 1999, S.17

[2] Schwarzer, Alice: Der große Unterschied, 2000, S.234f, zit. nach: Posch, Waltraud: Projekt Körper – Wie der Kult um die Schönheit unser Leben prägt, 2009, S.155

[3] Vgl. Anm. 1: S.16

[4] Umfrage New Woman, zit. nach: ebd., S.17

[5] Kluge, Norbert/ Hippchen, Gisela/ Fischinger, Elisabeth: Körper und Schönheit als soziale Leitbilder, 1999, S.52, zit. nach: Vgl. Anm. 2, S.155f

[6] http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_kosmetische-aesthetische-korrekturen_63.html

[7] Vgl. Anm. 5, S.156

[8] Vgl. Anm. 1, S.22

[9] Sichtermann, Barbara: Über die Schönheit, die Demokratie und den Tod, 1981, S.22, in: Akashe-Böhme, Farideh (Hg.): Reflexionen vor dem Spiegel, 1992, zit. nach: List, Elisabeth: Die Präsenz des Anderen – Theorie und Geschlechterpolitik, 1993, S.135f

[10] Jorg Nimmergut, Werben mit Sex, 1981, zit. nach: Posch, Waltraud: Projekt Körper, S.157 und Posch, Waltraud: Körper machen Leute, S.194

[11] Posch, Waltraud: Projekt Körper – Wie der Kult um die Schönheit unser Leben prägt, 2009, S.157

[12] BBE, 1.4.2003, zit. nach: Ebd., S.159

[13] Vgl. Anm. 11, S.159

[14] Vgl. ebd., S.160

[15] Koppetsch, Cornelia: Die Verkörperung des schönen Selbst – Zur Statusrelevanz von Attraktivität, in: ders. (Hg.): Körper und Status – Zur Soziologie der Attraktivität, 2000, S.99

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656109440
ISBN (Buch)
9783656109693
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187547
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,00
Schlagworte
Soziale ordnung

Autor

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