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Rezension zu dem Künstlerfilm "The Universe of Keith Haring"

Rezension / Literaturbericht 2011 6 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

"Art is for everyone!" lautete Keith Härings Leitspruch über die Bedeutung seiner künstlerischen Werke für die Gesellschaft. Haring sah sich als Künstler der Öffentlichkeit, der Kunst für jedermann zugänglich machen wollte. Er war ein Verfechter alternativer Möglichkeiten der künstlerischen Kommunikation, die er im öffentlichen Raum - außerhalb der elitären Künstlerkreise - auf den Straßen der Welt erprobte. Trotz seiner vergleichsweise kurzen Schaffensphase sind seine Arbeiten auch heute noch allgegenwärtig. Keith Haring war einer der bedeutendsten Vertreter der Pop-Art der 1980er Jahre und zählt zu den populärsten und angesehensten Künstlern des späten zwanzigsten Jahrhunderts.

The Universe of Keith Haring ist eine 2008 veröffentlichte Dokumentation über den Maler, Graffitikünstler und Designer Haring, der 1990 im Alter von 31 Jahren den Folgen seiner Aids Erkrankung zum Opfer fiel. Die italienische Regisseurin Christina Clausen zeichnet in nahezu chronologischer Abfolge die Stationen seines kurzen Lebens nach und gibt durch präzises und gewissenhaftes Durchleuchten der Karriere und des Hintergrunds einen tiefen Einblick in die Arbeit und die Persönlichkeit des Ausnahmekünstlers. Der Film zeigt sowohl die Anfänge des jungen Keith mit seiner Geburt, der Kindheit und Jugend im beschaulichen Kutztown und beschreibt die frühe Entdeckung seiner künstlerischen Fähigkeiten, sowie sein permanentes Streben nach Freiheit und künstlerischer Entfaltung. Der Zuschauer begleitet Haring auf dem Höhepunkt seiner Karriere als einen der einflussreichsten Vertreter der New Yorker Pop-Art Szene und als weltweit renommierten Künstler, der bis zu seinem Tod in seinem Schaffen nicht zu bändigen schien.

Das gesamte Universum dieses Genies eröffnet sich dem Zuschauer aus einer Zusammenstellung zahlreicher filmischer und fotografischer Archivaufnahmen, Befragungen von Freunden, Familienmitgliedern und Weggefährten, wie Harings langjährigem Künstlerfreund Kenny Scharf, oder dem bekannten Galeristen Tony Shafrazi. Dazu kommen Originalausschnitte eines Interviews Harings mit dem Journalisten John Gruen, welches nur kurze Zeit vor seinem Lebensende stattfand. Die einzelnen Beiträge wurden auf dynamische Weise miteinander verknüpft, sie sind dicht gepackt und bieten so eine Fülle an visuellen und akustischen Eindrücken, die jedoch nicht überfordern, sondern eher vermögen, das Lebensgefühl und die Kunst Harings widerzuspiegeln. Dabei versteht es die Regisseurin Clausen, die biografischen und künstlerischen Anteile in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen, sodass keines offensichtlich vordergründig erscheint und somit ein universales Ganzes geschaffen werden kann. In einzelnen originalen, filmischen Ausschnitten kann Harings Schaffensprozess - welcher oftmals musikalisch unterlegt wird - hautnah mitverfolgt werden. Die lebendige Musik fungiert hierbei als Träger seines spontanen und überaus aktiven Malens.

In ähnlicher Weise werden andere Szenen der Dokumentation von zeitgenössischer Musik der 70er und 80er Jahre untermalt. Dabei dient insbesondere die Hip-Hop Musik als Ausdruck des Lebensstils und der revolutionären Denkweise damaliger Künstler. Einzig Harings Lebenskrise überführt den dynamischen Schnitt sowie die energische Musik in melancholische Klänge und weitgehend verlangsamte Bewegungsabläufe mit Überblendungen. Dies wird jedoch im Abspann des Films abrupt wieder aufgelöst, was symbolisch für die endlos optimistische Person Keith Haring steht und dessen Lebensgefühl übermitteln soll. Im gesamten Verlauf der Dokumentation erhält das Verfahren des Zoom-In besondere Aufmerksamkeit. Neue Interviewpartner werden aus der halbnahen beziehungsweise amerikanischen Einstellung - welche die Darstellung vom Kopf bis zur Hüfte oder dem Knie beschreibt - rasant in die Detailaufnahme geholt. Dabei wird das Auge zum Zielobjekt, was eine intensive Bildwirkung zur Folge hat, die Intimität vermittelt. Der Zuschauer wird mehr oder minder in das Innere der Befragten hinein katapultiert, er erfährt so in einer Art Seeleninterview von Gefühlen und Ansichten derjenigen, die mit dem Künstler Keith in enger Verbindung standen. Getreu dem Motto "Das Besondere liegt im Detail" präsentieren sich dem Publikum Einzelheiten aus Harings Leben, die nicht nur den Künstler und dessen Werke, sondern auch den Menschen hinter den Bildern in den Fokus rücken.

Der Dokumentarfilm The Universe of Keith Haring ist somit als eine Lebens- und Werk­Retrospektive zu verstehen, die es dem geneigten Betrachter - einem Museumsbesuch ähnlich - ermöglicht, die Entwicklung des künstlerischen Schaffens in all ihren Facetten zu verfolgen. Die Entwicklung der Arbeiten Keith Harings verdeutlicht dabei, dass Kunst womöglich nie gänzlich frei von äußeren Einflüssen entstehen kann und sie immer ein Ausdruck von Lebenserfahrungen ist. Die Regisseurin Clausen versteht es diesbezüglich, die Verknüpfungen der persönlichen, gesellschaftlichen sowie politischen (u.a.) Ereignisse im Leben Harings mit seiner Kunst explizit zu machen und somit den künstlerischen Prozess für den Zuschauer fassbar und nachvollziehbar erscheinen zu lassen. So offenbart der Film, dass sich Haring bereits im Alter von vier Jahren - als er über den Vater an die Kunst herangeführt wurde - an der Comic-Kunst orientierte. Dieser Stil war zeitlebens charakteristisch für ihn. Jedoch wird anhand der Dokumentation mehrfach ersichtlich, dass auch diese Formen im Wandel der Zeit stehen und den jeweiligen Einflüssen entsprechend, variieren können. So äußert sich Keith beispielsweise in einem Interview:

"Interessant war, dass ich tagsüber in der Schule das verarbeitete, was jeweils nachts abging. Das inspirierte mich für meine Zeichnungen. Ich zeichnete immer noch diese abstrakten Figuren und wurde mit der Zeit richtig besessen von phallischen Formen. Meine Handschrift, meine Zeichnungen wurden total phallisch. Ich wollte damit meine Sexualität zum Ausdruck bringen, die Leute zwingen, sich damit auseinanderzusetzen."

[...]

Details

Seiten
6
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656111252
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187525
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für deutsche Literatur
Note
1,0
Schlagworte
rezension künstlerfilm universe keith haring

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Titel: Rezension zu dem Künstlerfilm "The Universe of Keith Haring"