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Die Schule als Ort des Zusammenwirkens von Architektur und Lernen

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DER LERNORT SCHULE
2.1. Architekturwahrnehmung am Beispiel von Schulbauten
2.2. Rittelmeyers Qualitätskriterien

3. DIE GESTALTUNG DES LERNORTES SCHULE
3.1. Der Zusammenhang von Lernen und Architektur
3.1.1. Lernen in Architektur
3.1.2. Lernen durch Architektur
3.1.3. Lernen über Architektur
3.2. Der Stellenwert der Gestaltung des Lernortes für den Unterricht
3.3. Schulen der Zukunft

4. FAZIT

5. LITERATURVERZEICHNIS

6. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

7. ANHANG

1. EINLEITUNG

Ein Raum ist nicht einfach ein Raum!

Zunächst mag es sein, dass mit einem Raum ein viereckiges Gebilde mit Türen und Fenstern assoziiert wird. Doch was sich wirklich dahinter verbirgt, wurde durch die heutige Raumforschung bereits mehrfach untersucht. „Raum bzw. Räumlichkeit wird generiert je nach der Weise der Nutzung, der Machtkonstellation und der Zeitbezüge. Es gibt so gesehen keinen neutralen Raum.“ (Westphal 2007, S. 7). Wir bleiben also von den Räumen, in denen wir uns bewegen, nicht unbeeinflusst. Wir leben in ihnen und schreiben ihnen daher bewusste Funktionen zu. Betrachtet werden kann als alltägliches Beispiel das Bad: In aller Regel findet man hier eine Toilette, eine Dusche oder Badewanne, ein Waschbecken und einen Spiegel. All diese Dinge beschreiben den Raum und seine Funktion. Wozu fordert der Raum uns auf? Da es ein für unsere Kultur typischer Raum ist, weiß jeder sofort, wofür dieser Ort gedacht ist und genutzt wird.

Wird dies auf den Raum Schule übertragen, denken wir zunächst an eine Tafel, an die in ihre Richtung ausgerichteten Tischreihen und die mit bunten Bildern verzierten Wände. Doch trifft dies immer zu oder ist diese Vorstellung längst überholt?

Anhand verschiedener Artikel soll der Fokus im Folgenden auf dem Lernraum Schule liegen. Zunächst wird untersucht wie wir Architektur wahrnehmen und wie uns verschiedene Lernorte und deren Gestaltung beeinflussen können, um daraufhin einen Einblick in die heutige Schulbauarchitektur und den Zusammenhang von Architektur und Lernen zu geben. Hieraus wird letztendlich abgeleitet, was die architektonischen Merkmale der Schulen der Zukunft sind und worauf schon heute beim Bau von neuen Schulgebäuden geachtet werden sollte, um den Lehrenden und Lernenden eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

2. DER LERNORT SCHULE

Wie alle anderen Räume haben auch Lernräume eine bestimmte Funktion und einen bestimmten Sinn. Verglichen mit anderen Räumen definieren sie sich anhand ihres Arrangements und der Positionen der Menschen, die sich darin befinden. Der Schulraum bestimmt, wer miteinander reden, wer was sehen und wer was hören kann. Allgemein gesagt enthält also jede Räumlichkeit eine „implizite Anthropologie“ (Bilstein 2007, S.95), ein darin wohnendes Menschenbild. Aus diesem Grund müssen bestimmte Faktoren erfüllt werden, damit sich der im Raum befindende Mensch wohlfühlen kann. Dies ist insbesondere bei Lernräumen von großer Bedeutung, da vom körperlichen Wohlbefinden nicht zuletzt der geistige Zustand abhängt. Schon die falsche Temperatur innerhalb eines Raumes kann zu schlechter Konzentration und Lernfähigkeit führen. Unwohlsein ist demzufolge ein Aspekt, der in Lernräumen dringendst vermieden werden sollte (vgl. Bilstein 2007, S. 96).

Nicht selten assoziieren wir Schulbauten im Nachhinein nicht nur mit positiven Faktoren: Oftmals erinnert man sich an alte Linoleumböden, dunkle Gänge und kahle Klassenzimmer. Doch gerade in der heutigen Zeit der zunehmenden Ganztagsschulen sollten diese dunklen Bilder verbannt werden, um Kindern die negativen Vorurteile gegenüber Lernräumen zu nehmen. Schule wird immerhin stetig ein Stück mehr zur Lebenswelt, in der auch Freizeitaktivitäten einen entscheidenden Platz einnehmen (vgl. Bilstein 2007, S. 97).

Folglich liegt jeder Raumgestaltung ein Menschenbild zugrunde und in Zusammenhang mit Lernräumen zusätzlich eine bestimmte Pädagogik und Didaktik. Je nachdem wie die raumgestaltende Person die Menschen sieht, die sich darin befinden, so wird sie den Raum wohl auch gestalten. Werden die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt, kann davon ausgegangen werden, dass helle, weite Räume erschaffen werden; sollen untertänige Schüler erzogen werden, erfüllen strikte, nach vorne ausgerichtete Bankreihen ihren Zweck. Letztendlich wird also deutlich, dass es nicht nur auf die äußere Architektur eines Raumes ankommt, sondern auch darauf, was die in ihm wohnenden Menschen aus ihm machen (vgl. Bilstein 2007, S. 115 f.).

Auf diesen Aspekt wird in Kapitel 3 zur Gestaltung des Lernortes Schule noch näher eingegangen, nachdem näher untersucht wurde, wie die Kinder selbst Architektur wahrnehmen.

2.1. Architekturwahrnehmung am Beispiel von Schulbauten

Zum Thema Architekturwahrnehmung hat Rittelmeyer ein Forschungsprojekt durchgeführt, bei dem mehrere hundert Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulstufen zur Wirkung von Schulbauten und Vorlieben beziehungsweise Abneigungen diesbezüglich befragt wurden (vgl. Rittelmeyer 2009, S. 59 ff.). Das Erleben von Schulbauten hat bemerkenswerte Auswirkungen auf beispielsweise Lernbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Personen. Aus den Ergebnissen des Projekts leitet Rittelmeyer verschiedene Arten der Wahrnehmung von Schularchitektur ab, die im Folgenden vorgestellt werden.

In mancherlei Hinsicht stellt Architektur eine Art „Interaktionspartner“ (Rittelmeyer 2009, S. 59) dar, der gebärdenhaft wahrgenommen wird und mit Adjektiven wie brutal, traurig, verspielt und lebendig beschrieben werden kann, was in der Regel unbewusst passiert. Dennoch entwickelt sich daraus eine entweder positive oder negative Grundeinstellung zur Schule. Neben dieser gebärdenhaften Wahrnehmung werden Räume anhand des Zusammenwirkens der verschiedenen Sinne wahrgenommen. So kann sich beispielsweise eine warme oder kalte Farbe auf die wirkliche Körpertemperatur einer Person auswirken. Letztendlich führt das Zusammenspiel aller Sinne „zu einer sympathischen oder antipathischen Einstufung der gesehenen Architektur“ (Rittelmeyer 2009, S. 60). Da oftmals blau als kalt und rot als warm empfunden wird, sollte die Farbgebung folglich mit einer mittleren Temperatur assoziiert werden. Dies kann durchaus auch durch das Abwechseln von kalten und warmen Farben geschehen, sodass ein mittelwarmer Gesamteindruck entsteht (vgl. Rittelmeyer 2009, S. 60).

Zusätzlich spielt auch die Geschichte des Raumes eine entscheidende Rolle. Ein Raum spiegelt immer die jeweilige Zeit seiner Entstehung und die damit verbundenen Trends wider. Besonders deutlich wird dies anhand der Betongebäude der 70er Jahre, die schon damals nicht den Bedürfnissen der Jugendlichen dieser Zeit entsprachen, da sie als ungemütlich und kalt angesehen wurden. Aus diesem Grund sollten beim Bau eines Schulgebäudes stets historische und kulturkritische Aspekte bedacht werden, um auch fortschrittliche Bauformen in Betracht zu ziehen (vgl. Rittelmeyer 2009, S. 61). Doch es geht nicht nur um die Geschichte eines Gebäudes, sondern ebenso um seine Lage: Ein Gebäude sollte immer in seine Umgebung passen. Dies kann sich einerseits auf die unmittelbare Landschaft beziehen, andererseits aber auch auf die regionale Kultur. So können letzten Endes Tradition und Moderne miteinander verbunden werden, indem traditionelle Architektur mithilfe moderner Elemente dem Zeitgeist angepasst wird (vgl. Rittelmeyer 2009, S.61).

Rittelmeyer betont zuletzt, dass diese verschiedenen Faktoren, die die Architektur- wahrnehmung beeinflussen, stets beachtet werden sollten. Zusätzlich erwähnt er drei schülerspezifische Bewertungskriterien, die im folgenden Kapitel vorgestellt werden, um zu erläutern, welche Faktoren sich Schülerinnen und Schüler in Hinblick auf den Lernort Schule wünschen.

2.2. Rittelmeyers Qualitätskriterien

Zusätzlich zu dem Forschungsprojekt, welches beschreibt unter welchen Aspekten Architektur wahrgenommen wird, hat Rittelmeyer Qualitätskriterien ermittelt, die schülergerechte Schulbauten aufweisen sollten (vgl. Rittelmeyer 2008). Hierzu hat er die internationale Schulbauforschung näher untersucht und Tests mit Schülerinnen und Schülern durchgeführt.

Seine Einstiegsthese ist die, dass die Funktion eines Gebäudes stets in der Gestaltung zum Vorschein kommen soll, wie bereits oben erwähnt. Es gilt, gegensätzliche Botschaften zu vermeiden und in Bezug auf Schulbauten die pädagogischen Grundsätze auch in der Architektur widerzuspiegeln. Dies geschieht jedoch scheinbar in den seltensten Fällen: Meist werden selbst die von Architekten als kindgerecht geplanten Schulbauten von Lehrkräften und der Schülerschaft im Endeffekt abgelehnt (vgl. Rittelmeyer 2008, S. 5). Dennoch kommt es selt]en zu Beschwerden, da sich jeder mit der Zeit an die „Fabrikschulen und Betonburgen“ (Rittelmeyer 2008, S. 9) gewöhnt, welche viele Architekten damals als Umsetzung pädagogischer Leitideen angesehen haben. Besonders hieraus wird deutlich, dass der Bau von Schulgebäuden meist ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Nutzer erfolgt.

Doch nach welchen Kriterien beurteilen die Nutzer die Schulbauten überhaupt? Um dies herauszufinden, wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Göttingen Schülerinnen und Schüler befragt und nach der Auswertung drei Hauptkriterien hervorgehoben, welche im Folgenden erläutert werden.

a) anregend und abwechslungsreich statt langweilig und monoton

Als langweilige, eintönige Gestaltungselemente werden beispielsweise serienhafte Fensterreihen und eine monotone Farbgebung bezeichnet, weswegen Kastenbauten (siehe Abbildung 1) grundsätzlich abgelehnt werden. Lebendige Gebäude, die die visuelle Erkundung fördern, werden bevorzugt. Wie bereits in Kapitel 2.1 beschrieben, kommt es jedoch auch immer auf die Situation an. So können strenge, lineare Formen in naturwissenschaftlichen Räumen durchaus ihren Zweck erfüllen, solange sie nicht trostlos wirken. Aus diesem Grund sollte ein Schulgebäude stets raumweise geplant werden und nicht nach einem einzigen Schema. So können zum Beispiel Lichtführung, Farbgebung und Dekorationen variiert werden (vgl. Rittelmeyer 2008, S. 11 f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Lehrgebäude der Universität Göttingen

b) freilassend und befreiend statt bedrängend oder beengend

Auch bei diesen Faktoren ist das gesunde Mittelmaß von großer Bedeutung. In Hinblick auf die Farbgebung können zu grelle Farben durchaus zu aggressiv wirken, dass sie nicht mehr freilassend sind, sondern eher bedrängen. Dies sollten insbesondere Kunstlehrer bedenken, wenn sie Schulwände gestalten möchten. Solch ein Projekt sollten sie vorher mit der Schülerschaft ausführlich besprechen, deren Wünsche und Vorlieben herausfinden und diese letzten Endes mit ihrem künstlicheren Hintergrundwissen über Farben und Formen in Einklang bringen. Dadurch kann verhindert werden, dass Motive wie solche von Abbildung 2 entstehen, die eher bedrohend und gefängnisartig wirken statt eine positive Atmosphäre zu schaffen. So widerspricht Rittelmeyer der weit verbreiteten These, dass Kinder ihre Schule selbst gestalten sollten zumindest teilweise (vgl. Rittelmeyer 2008, S. 12).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Wandmalereien um den Klassenraum-Eingang in einem Gymnasium

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Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656108856
ISBN (Buch)
9783656108283
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187504
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Schlagworte
Schulbauarchitektur Orte des Lernens

Autor

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Titel: Die Schule als Ort des Zusammenwirkens von Architektur und Lernen