Lade Inhalt...

Die extensive ganzjährige Weidewirtschaft als eine Chance zur Erhaltung der Artenvielfalt auf den Weiden

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Rind
2.1 Allgemeines
2.2 Merkmale
2.2.1 Das Wiederkäuen
2.3 Rinderrassen

3 Landwirtschaft
3.1 Die extensive Weidewirtschaft
3.1.1 Die Definition extensiver Landschaftsnutzung
3.1.2 Die Merkmale extensiver Landschaftsnutzung

4 Die Agrar GmbH Crawinkel
4.1 Die Arbeit der Agrar GmbH Crawinkel
4.2 Zwei ausgewählte Beispiele
4.2.1 Was bewirken die Weidetiere in Ihrem Lebensraum?
4.2.2 Anhänglichkeit als Überlebensstrategie

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Welche Chance zur Erhaltung der Artenvielfalt bietet die extensive ganzjährige Weidehaltung im Gegensatz zu modernen Landwirtschaftsformen wie die stallgebundene Massentierhaltung? Diese Leitfrage möchte ich versuchen im Verlauf meiner Arbeit zu beantworten. Seit vielen Jahren stehen bei der Tierhaltung einzig und allein Ertrag und Gewinn im Vordergrund. Die Verbraucher möchten Erzeugnisse möglichst günstig erwerben, und die Verkäufer möglichst viel gewinnen. Um dies zu gewährleisten setzen immer mehr Unternehmen auf Massentierhaltung, bei welcher die Tiere unter katastrophalen Lebensbedingungen aufgezogen, gezüchtet, gemästet und letztendlich geschlachtet werden. Gerade das Rind als Nutztierart, welche neben Fleisch, Milch und Leder auch Gülle oder Jauche und Mist liefert, ist aufgrund seiner Nutzungsvielfältigkeit besonders bedroht. Zu Beginn meiner Arbeit werde ich deshalb das Rind in Bezug auf seine Verbreitung, seine Geschichte, seine Merkmale und seine Rassen näher beleuchten. Anschließend werde ich den Begriff der extensiven Weidewirtschaft, als Gegenpart zur stallgebundenen Massentierhaltung, näher beschreiben. Letztendlich habe ich es mir zu Aufgabe gemacht, ein Unternehmen, welches extensive ganzjährige Weidehaltung betreibt und damit sehr erfolgreich ist, zu untersuchen und einige Bemerkungen über deren Umgang mit Arten- und Naturschutz zu machen, um eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage zu erhalten.

2 Das Rind

Da Fleisch als Nahrungsmittel für den Menschen eine große Bedeutung hat, wurde das Rind wegen seines Fleisches, und später auch aufgrund seiner Milch und Leistung als Zugtier domestiziert.[1] Eine Kuh in Deutschland gibt ungefähr 18,5 Liter Milch pro Tag. Für eine riesige Produktpalette wie Joghurt, Quark, Käse oder Sahne ist die Milch der Kühe ein wichtiges Ausgangsprodukt. Außerdem liefern Rinder natürliche Düngemittel wie Gülle oder Jauche, welche sehr geschätzt sind und tagtäglich Verwendung finden.[2] In Verbindung mit der extensiven Weidewirtschaft, auf welche ich im Verlauf meiner Ausführungen noch genauer eingehen werde, spielt das Rind als Nutztier eine entscheidende Rolle. Um eine Verbindung zur extensiven Weidewirtschaft herzustellen ist es wichtig, einen kurzen Blick auf den Vorfahren des Rindes zu werfen, einige bedeutende Merkmale kennen zu lernen sowie wichtige Informationen über die Rinderrassen zu geben.

2.1 Allgemeines

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Rinder umfasste Afrika, Eurasien und Nordamerika. Heutzutage ist das Hausrind jedoch weltweit verbreitet, in Zahlen ausgedrückt leben etwa 1,5 Milliarden Rinder auf der Erde. Davon ist Indien das Land, in dem die meisten Rinder beheimatet sind (226 Mio.), gefolgt von China (108 Mio.), der USA (96 Mio.) und Deutschland (14 Mio.).[3] Bereits 8000 v. Chr. wurden die ersten Rinder gezüchtet. Das heutige europäische Hausrind stammt vom Ur- bzw. Auerochsen ab, dieser war ein mächtiges Wildrind mit einer Schulterhöhe von bis 1,80m und tauchte nach wissenschaftlichen Erkenntnissen etwa vor 250000 Jahren in Mitteleuropa das erste Mal auf.[4] Der Auerochse ist eine ausgestorbene Art der Rinder, war mit einem Gewicht von 1 Tonne eines der mächtigsten Landtiere Europas und diente lange Zeit hauptsächlich als Fleischlieferant. Erst lange Zeit nach der Domestikation, welche vor dem 9. Jahrtausend vor Christus erfolgte, wurde die Milcherzeugung primäres Ziel.[5]

2.2 Merkmale

Rinder, dessen natürliche Lebenserwartung etwa 20 Jahre beträgt, gehören der Ordnung der Paarhufer[6], der Unterordnung der Wiederkäuer und der Familie der Hornträger an. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 1,60 bis 3,5 Metern, wozu noch ein bis zu 1 Meter langer Schwanz kommt. Ein durchschnittliches Rind erreicht eine Schulterhöhe von 0,7 bis 2 Metern und ein Gewicht von 150 bis 1000 Kilogramm, wobei die weiblichen Rinder, als Kühe bezeichnet, etwa ein Gewicht von 500 – 800kg erreichen, und das Gewicht der männlichen Rinder, welche als Bullen bezeichnet werden, zwischen 1000 und 1200kg beträgt. Typisch für Rinder ist, dass das Fell meist in Grau-, Braun-, oder Schwarztönen gefärbt ist und beide Geschlechter Hörner tragen, allerdings sind die der Weibchen kleiner und dünner.[7] Ein weibliches Rind trägt seinen Nachwuchs 9 Monate und 9 Tage aus. Damit der Milchfluss nicht stoppt, bringt eine Kuh jährlich ein weiteres Kalb zur Welt.[8] Wie bereits erwähnt, gehören Rinder den Wiederkäuern an. Die Eigenschaft des Wiederkäuens unterscheidet sie deutlich von vielen anderen Haustieren und macht sie deshalb so besonders. Auch in Bezug auf die extensive Weidehaltung, spielt das Wiederkäuen eine gewichtige Rolle, weshalb es wichtig ist, diesen Vorgang kurz zu erläutern.

2.2.1 Das Wiederkäuen

Neben dem Rind gehören Schafe, Ziegen, Hirsche, Antilopen, Gazellen und Giraffen zur Gruppe der Wiederkäuer. Diese Tiere besitzen ein besonderes Verdauungssystem, welches ihrer Pflanzennahrung angepasst ist. Neben dem normalen Magen, bezeichnet als Labmagen, besitzen sie noch mehrere Vormägen (Pansen, Netzmagen, Blättermagen). Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von sehr nährstoffarmem Gras, das aber viel unverdauliche Zellulose enthält. Um diese aufgenommenen Inhalte chemisch aufzuschließen, beherbergen sie in ihrem größten Magen, dem Pansen (bis zu 180 Liter Inhalt), eine Fülle an Mikroorganismen. Zunächst wandert der grob zerkaute Grasbrei mit viel Speichel (eine Kuh produziert am Tag bis zu 150l Speichel[9] ) in diesen, sowie in den Netzmagen.[10]

Nach einiger Zeit würgen sie den Panseninhalt nochmals portionsweise ins Maul, zerkauen ihn gründlich und schlucken ihn wieder herunter. Die Mikroorganismen zerlegen ihn währenddessen, setzen Nährstoffe frei und dienen zudem ihrerseits als eiweißreiche Nahrung.[11]

Die großen Vorteile dieses Vorganges sind, dass die Tiere auch minderwertiges Futter, wie es auf extensiven Weideflächen vorzufinden ist, verwerten können. Außerdem können sie ihre Nahrung in kurzer Zeit abrupfen und hinunterschlucken, um es dann unauffällig und geschützt aufzubereiten und zu verdauen.

2.3 Rinderrassen

Auf der ganzen Welt gibt es eine große Anzahl Rinderrassen, die für verschiedene Ansprüche gezüchtet werden. Durch verschiedene Züchtungen gibt es heutzutage über 500 weltweit existierende Rinderrassen, wovon die Meisten jedoch nur eine lokale bzw. regionale Bedeutung besitzen.[12] Generell wird in zwei Rassengruppen unterschieden: Europäische Rinderrassen (Bos taurus), welche überwiegend in den gemäßigten Zonen von Eurasien, Australien sowie Nord- und Südamerika vorkommen. Die zweite Rassengruppe ist unterteilt in Zebus und Indische Buckelrinder (Bos indicus), welche ursprünglich aus Indien, Südostasien und äquatorialen Afrika stammen, inzwischen aber auch in Amerika gehalten werden. Wie bereits bekannt, ist der Auerochse der Vorfahre unseres heutigen Hausrindes. Vor vielen Jahrhunderten verbreitete er sich aus dem indischen Raum über Kleinasien in Afrika und Europa, wo sich im Laufe der Zeit unterschiedlichste Landrassen entwickelten. Mit Einsetzen der Industrialisierung und der damit zusammenhängenden Nachfrage nach Rindertalg, Fleisch und Butter, begann schließlich eine verstärkte Rassenbildung durch systematische Auswahl von Rindern nach Form und Leistung.[13] Schließlich wichen die Landrassen den Hochleistungsrassen im Zuge der modernen Landwirtschaft. Aufgrund dieser Tatsache sind die Rinderrassen wie Murnau-Werdenfelser, Glanvieh, Limpurger, Vogtländisches Rotvieh oder das Ansbach Triesdorfer Rind bis auf Einzelbestände fast völlig verschwunden. Entsprechend ihrer Nutzungsrichtung, werden Rinder in Einnutzungs-, Zweinutzungs-, und Robustrassen unterteilt. Einnutzungsrassen werden demzufolge eingeteilt nach ihrer dominierenden Nutzungsrichtung, Zweinutzungsrassen werden gleichzeitig auf Milch- und Fleischproduktion gezüchtet.

[...]


[1] Domestizierung: „Domestizierung oder Domestikation ist ein innerartlicher Veränderungsprozess von Wildtieren oder -pflanzen, bei dem diese durch den Menschen über Generationen hinweg von der Wildform genetisch isoliert gehalten werden. Damit wird ein Zusammenleben mit dem Menschen oder Nutzung durch diesen, anschaulich in dessen Haus (lat. domus), ermöglicht.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Domestizierung)

[2] Vgl.: http://www.ima-agrar.de/fileadmin/redaktion/download/pdf/materialien/Rind_gesamt.pdf

[3] Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Hausrind

[4] Vgl.: http://www.ima-agrar.de/fileadmin/redaktion/download/pdf/materialien/Rind_gesamt.pdf

[5] Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Auerochse

[6] Paarhufer: „Alle Paarhufer sind grundsätzlich in Wiederkäuer + Nichtwiederkäuer unterteilt. Zu den Nichtwiederkäuern bei den Paarhufern zählt in Mitteleuropa nur das Schwarzwild (Wildschwein). Die Wiederkäuer werden u.a. in die Familien der Cerviden (Geweihträger) wie z.B. Elchwild, Rotwild, Rehwild, Damwild, Sikawild, und Boviden (Hornträger) wie z.B. Muffelwild, Steinwild, Gamswild usw. gegliedert.“ (http://www.tiefo.de/t751/welche-tiere-sind-wiederkaeuer)

[7] Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Rinder

[8] Vgl.: http://www.agrilexikon.de/index.php?id=rind

[9] Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Rinder

[10] Vgl.: http://www.agrilexikon.de/index.php?id=wiederkaeuer

[11] Vgl.: http://www.bauernhof.net/lexikon/lex_uvwxyz/wiederkauer.htm

[12] Vgl.: http://www.kuhparadies.de/kuh/geschichte.php

[13] Vgl.: http://www.proplanta.de/Rind/themen.php?Fu1=1211558448&Fu1Ba=1207849772

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656105060
ISBN (Buch)
9783656105732
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187161
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
weidewirtschaft chance erhaltung artenvielfalt weiden

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die extensive ganzjährige Weidewirtschaft als eine Chance zur Erhaltung der Artenvielfalt auf den Weiden