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Entwicklungshilfe als ideologisches Instrument des Kalten Krieges. Die beiden deutschen Staaten und Ostafrika/Tansania in den 1960er Jahren

Bachelorarbeit 2010 49 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Europa ab kaltem Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der historische Kontext
1.1.1 Der Kalte Krieg und die deutsche Zweistaatlichkeit
1.1.2 Die afrikanische Unabhängigkeit
1.1.3 Die kapitalistisch orientierte Bewegung in Afrika
1.1.4 Die sozialistisch orientierte Bewegung in Afrika

2. Die Geschichte Tansania seit dem Ende der Kolonialzeit
2.1 Kurze Darstellung der Geschichte Sansibars
2.2 Kurze Darstellung der Geschichte Tanganjikas

3. Die Außenpolitik der beiden deutschen Staaten in den 1960er Jahren
3.1. Die Entwicklungshilfe als Teil der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland
3.1.1 Die außenpolitische Grundsätze
3.1.2 Das außenpolitische Verhältnis zu Afrika
3.2 Die Wirtschaftshilfe als Teil der Außenpolitik der DDR
3.2.1 Die außenpolitische Grundsätze
3.2.2 Das außenpolitische Verhältnis zu Afrika

4. Die beiden deutschen Staaten und Tansania
4.1 Die westdeutsche Entwicklungshilfe in Tansania
4.2 Die Wirtschaftshilfe der DDR in Tansania
4.3 Die Bedeutung der Entwicklungshilfe im gesamtpolitischen Kontext

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturangaben

Einleitung

In der vorliegenden Abschlussarbeit wird die Frage nach der ideologischen Instrumentalisierung der Entwicklungshilfe1 durch die beiden deutschen Staaten, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen des Kalten Krieges2 (1945-1989) schwerpunktmäßig in den 1960er Jahren thematisiert. Die Fragestellung soll an dem Fallbeispiel des ostafrikanischen Staates Tansania3, welcher der erste Staat neben der Sowjetunion war, in dem sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR vertreten waren, analysiert werden.4 Hierbei soll vor allem untersucht werden, welche Art und in welchem Umfang Entwicklungshilfe geleistet wurde. Zu berücksichtigen wird dabei der ideologische Aspekt der beiden deutschen Staaten sein, die in die Blockbildung des Kalten Krieges vollends einbezogen waren.

Obwohl formal während des Kalten Krieges Frieden herrschte, waren die Großmächte, die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion und ihre jeweiligen Verbündeten, zumindest dem Anspruch nach stets kriegsbereit. Aufgrund dieser Konkurrenzsituation fand ein Rüstungswettlauf zu Land, zu Wasser, in der Luft und auch im Weltall statt. Auch die Medien, die Wissenschaft und die Kultur wurden im Verständnis der eigenen Ideologie mobilisiert und dienten dazu, das andere Lager als „ideologischen Feind“ zu degradieren und zumindest phasenweise Tätigkeiten, die nicht der eigenen Ideologie und deren Umsetzung entsprachen, in Kategorien wie Hoch- und Landesverrat zu interpretieren5. Der größte Teil der Bevölkerung in der nördlichen Hemisphäre lebte theoretisch ein friedliches Leben. Zu drohenden Auseinandersetzungen kam es vor allem in Übersee, in der Dritten Welt.6 Denn dadurch, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Ideale von Souveränität und Selbstständigkeit aller Völker in Form der Atlantik-Charta7 deklariert wurden, begannen die Staaten, die noch immer unter Fremdherrschaft standen, eigene Perspektiven für ihre politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung aufzubauen bzw. weiterzuentwickeln. Auf dem afrikanischen Kontinent, der für meine Arbeit eine herausragende Bedeutung spielt, wurden die meisten Kolonien im Laufe der 1960er Jahre unabhängig. Damit wurde das internationale Gleichgewicht verändert und aufgrund der bipolaren Weltordnung entstand in Afrika - aus Sicht der Großmächte - ein politisches Machtvakuum.8 Das bedeutete, dass die ehemaligen Kolonialmächte, aber vor allem die USA und die Sowjetunion, Befürchtungen bezüglich des eigenen Machteinflusses hatten.9 Die beiden Großmächte versprachen sich mit den „neuen“ Staaten strategische Möglichkeiten, um ihren Einfluss regional weiter auszubauen. Dabei spielten der Aufbau von Wirtschaftsbeziehungen, die Verfügung über Rohstoffe und Absatzmärkte sowie die Sicherung von Stabilität in diesen Regionen eine wichtige Rolle. Beide Seiten lieferten Waffen, entsandten Militärberater und Ausbilder und führten sogenannte Stellvertreterkriege. Hinter diesen Vorgehensweisen stand die Überzeugung, dass der Verlust eines überseeischen Territoriums als Gewinn für den Kommunismus verstanden wurde. Wohingegen der Kommunismus das „Prinzip der antiimperialistischen Solidarität“ aufbaute, um gegenüber dem System des Kapitalismus eine attraktive Alternative darstellen zu können.

Für die Unabhängigkeitsbewegungen und deren Akteure ging es vornehmlich, um die Aneignung von Machtmitteln, Schlüsselstellungen und um die Ausschaltung der politischen Gegner. Diese Bestrebungen spielten jedoch nicht ausschließlich auf nationaler Ebene eine Rolle, sondern waren auch entscheidend für die internationalen Beziehungen. Vor dem Hintergrund der Ost-West-Auseinandersetzungen konnten die ehemaligen Kolonien Druck auf das eine Lager ausüben, indem sie mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem anderen Lager drohten. Dies sprach ihnen ein gewisses Machtpotenzial zu, sodass unter anderem eine Erhöhung der Entwicklungshilfegeldern durchgesetzt werden konnte. Das heißt, sie hatten ein wirksames Mittel in der Hand, um den Großmächten Zugeständnisse abringen zu können.10 Diese Konfliktsituation fand in den 1960er Jahren auf Sansibar und in Tanganjika, dem späteren Tansania, zwischen den beiden deutschen Staaten als Vertreter der kapitalistischen bzw. der kommunistischen Weltanschauung statt. Zum einen erhofften sich beide deutsche Staaten durch diplomatische Beziehungen, durch Errichtung von Botschaften und durch den Abschluss von Handelsabkommen den ostafrikanischen Staat zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen und somit dem Einfluss des anderen Staates zu entziehen.

Auf der anderen Seite wird an dem Beispiel des ostafrikanischen Staates deutlich, wie viel Druck die afrikanischen Regierungen vor dem Hintergrund der ideologischen Auseinandersetzungen zwischen Kommunismus und Kapitalismus ausüben konnten, um bestimmte Forderungen bei den deutschen Staaten stellen zu können. Dies wird besonders im Jahr 1965 deutlich. Denn die Regierung der Bundesrepublik drohte im Frühjahr 1965 mit der Einstellung der gesamten westdeutschen Entwicklungshilfe, da laut einem Zeitungsbericht des „The Nationalist“ die Regierung Tansanias sich weigere, die Last der deutschen Teilung zu tragen und dass keine der beiden Regierungen, die nur ihre eigenen ideologischen Interessen verfolgen, wohl das bekommen werde, was sie wünschte.11 Vorausgegangen waren dieser Äußerung Streitigkeiten bezüglich der völkerrechtlichen Anerkennung der DDR durch Tansania. Als Tansania jedoch einen Monat später umfassendere Gespräche mit der DDR aufnimmt und die Bundesregierung eine mögliche Anerkennung der DDR befürchtet, wird die westdeutsche Entwicklungshilfe mit Einverständnis der tansanischen Regierung wieder erteilt.12

Das zu bearbeitende Thema ist insofern äußerst spannend, da es zum einen eine Herausforderung darstellte, ausreichend wissenschaftliche Literatur zu recherchieren. Denn dadurch, dass bislang vor allem die Außenpolitik der DDR im Bezug auf die Entwicklungsländer wenig Beachtung fand, gibt es wenig aktuelle Literatur, sodass man auf Werke zurückgreifen muss, die zum größten Teil noch während der deutschen Zweistaatlichkeit verfasst wurden. Hierbei ist zu beachten, dass die Literatur entweder antikapitalistisch und prokommunistisch - und zum Teil auch prosowjetisch - oder westlich und antikommunistisch, also auf beiden Seiten propagandistisch und vorurteilsbehaftet, gefärbt ist. Dies erschwert die wissenschaftliche Arbeit extrem, da es häufig ausschließlich um die Diffamierung des „ideologischen Feindes“ ging und nur schwer feststellbar ist, welche Äußerungen der Wahrheit entsprechen und welche nicht.

Eine weitere Herausforderung, die vor allem auf persönlichem Interesse beruht, ist die Fragestellung an sich. Entwicklungshilfe als ideologisches Instrument ist - meiner Meinung nach - kein Aspekt, den man ausschließlich in die Ära des Kalten Krieges verorten kann. Denn auch wenn es die für den Kalten Krieg so typische Blockbildung nicht mehr gibt und auch „den kommunistischen Feind“ nicht mehr in der Form existiert, wird auch heute noch Entwicklungshilfe von vielen Staaten benutzt, um die eigenen - vor allem wirtschaftlichen - Interessen durchzusetzen. Daher fände ich es wissenschaftlich spannend, wenn ich mich in Zukunft weiterhin mit der Entwicklungshilfe und deren Umsetzung auseinandersetzen könnte.

Um die Thematik nach der ideologischen Instrumentalisierung der Entwicklungshilfe durch die beiden deutschen Staaten hinreichend zu erklären und zu analysieren, wird zunächst der historische Kontext dargelegt. Das heißt, der Kalte Krieg und die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe sollen erklärt werden. Damit die politische Situation Tansanias und die Beziehungen zur Bundesrepublik und zur DDR während der 1960er Jahren deutlich werden, werden die Unabhängigkeitsbewegungen auf Sansibar und in Tanganjika und deren Ziele erläutert. Anschließend soll jeweils die Außenpolitik der Bundesrepublik und der DDR dargestellt werden. Hierbei werden die an der Außenpolitik und der Entwicklungshilfe beteiligten Institutionen, die Methoden, die Prinzipien und die Ziele erklärt. Anschließend wird auf die Entwicklungshilfe der Bundesrepublik und auf die Wirtschaftshilfe der DDR exemplarisch für Tansania eingegangen. Die Auseinandersetzungen, die in Tansania entstehen, werden vor dem Hintergrund der Ausgangsfrage, wie Entwicklungshilfe als ideologisches Instrument verwendet wurde, analysiert. Zum Abschluss der Arbeit soll ein Fazit gezogen werden, bei dem neben einer Bewertung der Situation in den 1960er Jahren auch ein Bezug zur aktuellen Entwicklungshilfe13 und Diskussionen über diese hergestellt werden soll.

Besonders wichtige Literaturtitel sind die aktuellen Forschungen von dem Afrika- und Kolonialhistoriker Ulrich van der Heyden, der verschiedene Bücher und Sammelbände zu diesem Themengebiet veröffentlich hat. Ebenfalls von Bedeutung sind die Werke, die - ideologisch geprägt - die Außenpolitik bzw. die Entwicklungshilfe der beiden deutschen Staaten beschreiben. Diese Titel sind zwar mit dem wissenschaftlich gebotenen Abstand zu analysieren, allerdings spielen sie für die Eigenwahrnehmung der jeweiligen Staaten eine wichtige Rolle.

1. Der historische Kontext

1.1 Der Kalte Krieg und die deutsche Zweistaatlichkeit

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, den die Alliierten - namentlich Josef Stalin, Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill - für sich entscheiden konnten, begannen, die unterschiedlichen Gesellschafts-, Wirtschafts- und Politikmodelle der alliierten Partner offen zu Tage zu treten.14 Diese unterschiedlichen Auffassungen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stellten die Grundlage des die nächsten 45 Jahre bestimmenden Konflikts dar.15 Man beschuldigte sich gegenseitig, Konflikte und militärische Auseinandersetzungen zu verursachen. Die westlichen Mächte sahen die Schuld im sowjetischen Regime unter Josef Stalin mit der sowjetisch-kommunistischen Gesellschafts- und Herrschaftsstruktur und Ideologie, die nur darauf angelegt sei, expansionistische und diktatorische Züge zu entwickeln, denen sich die USA in verteidigender Weise gegenüberstellen müssten. Auf der anderen Seite sahen die kommunistischen Staaten die expansive Politik vor allem der USA als Ursache des Konfliktes. Diese Auseinandersetzung sei ein internationaler Klassenkampf, an dessen Ende die Bildung kommunistischer Staaten stehe.16 Beide Arten der Beschuldigung gingen von einem Aggressor aus, dem ein reagierender Verteidiger gegenüberstand.

Beide Großmächte und ihre Verbündeten versuchten die eigenen Prinzipien und Gesellschaftsvorstellungen mit politischen, ökonomischen und auch militärischen Mitteln durchzusetzen, sodass es zu zahlreichen Stellvertreterkriegen kam. In diesen Kriegen wurden Gruppierungen in dem betroffenen Staat oder einer Region durch jeweils eine Großmacht in Form von Waffen- und Geldlieferungen unterstützt. Dies sollte dazu dienen, der jeweils unterstützten Gruppe an die Macht zu verhelfen und diese dann zu stabilisieren.

In den ersten Nachkriegsjahren (1945-1947) wurden die ideologischen Unterschiede durch Konferenzen und politische Zielsetzungen immer deutlicher. Zu den wichtigsten Etappen zum Beginn der sogenannten Ära des Kalten Krieges ist zum einen die Jalta-Konferenz (4. - 11.2.1945) zu nennen, auf der erstmals die unterschiedlichen Interessen der Alliierten deutlich wurden, die vor allem die strategischen Interessen in Europa betrafen. Auch konnten sich die Siegermächte auf den Außenministerkonferenzen in Moskau und London im Jahr 1947 nicht mehr auf eine gemeinsame Deutschlandpolitik einigen.

Ebenfalls wichtig für die Entstehung des Kalten Krieges war die Truman-Doktrin, die am 12. März 1947 von dem US-Präsidenten Harry S. Truman verkündet wurde und eine sogenannte Politik der Eindämmung gegenüber der Sowjetunion und des Kommunismus einleitete. Aufgrund dieser und weiterer Auseinandersetzungen kam es unter anderem zur deutschen Teilung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland unter den Alliierten in vier Besatzungszonen aufgeteilt, von denen sich die westlichen Zonen, die US-amerikanische, die britische und die französische, zueinander orientierten, während die sowjetische Besatzungszone durch die Errichtung von Zentralverwaltungen und die Vereinheitlichung der Polizei sich von diesen abzutrennen begann. Ein Beispiel für die allmähliche Trennung war die 1947 errichtete Bizone, der Zusammenschluss der amerikanischen und der britischen Besatzungszonen, die eine gemeinsame Verwaltung von Ämtern für Post, Verkehr, Finanzen, Arbeit, Ernährung und Landwirtschaft festlegte. Ein Jahr später trat Frankreich der Bizone bei, die damit zur Trizone wurde. Im Frühjahr 1948 wurde auf der Londoner Sechsmächtekonferenz der Anstoß gegeben, dass aus dem Zusammenschluss der drei Westzonen ein westdeutscher Teilstaat werden sollte, was zunächst von den Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder abgelehnt wurde. Am 23. Mai 1949 wurde schließlich das Grundgesetz, das vom Parlamentarischen Rat erarbeitet worden war, verkündet und trat einen Tag später in Kraft. Damit war aus den Westzonen eine parlamentarische Demokratie geworden - die Bundesrepublik Deutschland.17

Eine von den westlichen Besatzungszonen abgekoppelte Entwicklung nahm die sowjetische Besatzungszone: Am 7. Oktober 1949 wurde der Deutsche Volksrat als Provisorische Volkskammer konstituiert und eine Verfassung angenommen. Durch die in der Verfassung verankerte Abkehr vom Prinzip der Gewaltenteilung war Ostdeutschland nun zu einer Einparteienherrschaft geworden, in der die gesamte Entscheidungsgewalt in den Händen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) lag.18

Das Grundmuster, das den weltpolitischen Konflikt fortwährend bestimmte, war die sogenannte Polarisierung oder Blockbildung. Das heißt, die Großmächte, die USA und die Sowjetunion, waren bemüht, den Beziehungsgrad zu anderen Staaten auszubauen, um somit als Führungsmacht einen Orientierungspol für diese Staaten zu bieten. Damit sollte ermöglicht werden, dass die eigene Hegemonie und der Herrschaftsbereich ausgedehnt werden konnten. Die beiden Blöcke waren durch Allianzen jeweils untereinander verbunden, sodass Politik nur in Form von enger Abstimmung mit der jeweiligen Großmacht möglich war.19 Die Allianzstrukturen wurden durch ein engmaschiges Netz bilateraler Verträge und durch wirtschaftliche und militärische Hilfsabkommen gebildet. Beispiele dafür waren neben der NATO20 und dem Warschauer Vertrag21 unter anderem die Freundschaftsverträge zwischen der Sowjetunion und der Tschechoslowakei (1943) und mit Jugoslawien (1945), der Interamerikanische Vertrag (1947) und Verträge zwischen den USA und Israel (1952).22

Hinter diesen Verträgen standen die Prinzipien, den Feind zu schwächen, die Verbündeten zu stärken und - was besonders bedeutend für den Umgang mit den in den 1960er Jahren unabhängig werdenden afrikanischen Kolonien war - die nach Eigenbezeichnung neutralen und blockfreien23 Staaten zu unterstützen und in positiver Weise für die eigene Ideologie zu bestärken.24

Manfred Görtemaker, Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von der Gründung bis zur Gegenwart, Frankfurt/M. 2004.

1.2 Die afrikanische Unabhängigkeit

Der Prozess der Dekolonisation kann als Emanzipation und rechtliche Gleichstellung des Individuums und - wenn man von einer Gemeinschaft ausgeht - als Erlangung der eigenstaatlichen Unabhängigkeit und nationalen Souveränität bezeichnet werden. Die Tendenz der Dekolonisation geriet jedoch zwischen die Fronten der ideologischen und ökonomischen Systemkonkurrenz des Kalten Krieges und führte nicht auf dem direkten Weg in die angestrebte Unabhängigkeit. Es herrschte auf Seiten der Großmächte die Auffassung, dass die beiden Weltkriege gezeigt hatten, dass es schnell zu einer Globalisierung des Krieges führen kann, sodass jeder Staat, eben auch die Kolonien bzw. ehemaligen Kolonien, in die Weltpolitik miteinbezogen werden müssten.25

Die Unabhängigkeitsbestrebungen in den Kolonien waren keineswegs ein Phänomen der Nachkriegszeit bzw. der 1960er Jahre. Die ersten Bestrebungen für Eigenständigkeit und gegen die kolonialen Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen, die meistens von der neu entstandenen Elite getragen wurden, kamen in den Kolonien bereits nach dem Ersten Weltkrieg auf. Im Zuge des sogenannten Wilson Plans, der das Selbstbestimmungsrecht der Völker, den Verzicht auf Annexionen und die Errichtung eines Völkerbundes als internationale Organisation auch im Bezug auf die kolonialen Gebiete vorsah, kam es in vielen Kolonien verstärkt zur Bildung von verschiedenen Gruppen, die durch unterschiedliche Gesellschafts- und Politikmodelle ihre Unabhängigkeit von der Kolonialmacht forderten. Auch Lenin forderte vor dem Hintergrund der Russischen Revolution das Selbstbestimmungsrecht der Völker und sprach sich gegen den „Kolonialimperialismus“ aus. Der Widerstand in den Kolonien wurde jedoch kaum beachtet, da der europäische Machtanspruch als „Herrscher der Rassen“ weit verbreitet war und die Kolonialvölker als „niedere Rassen“ gesehen wurden.26

Die Tendenz des Widerstandes zog sich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fort und die Bestrebungen nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit wurden öffentlich gefordert.27 Jedoch gab es bis zum Beginn der Befreiungskämpfe nach dem Zweiten Weltkrieg keinen gewaltsamen Widerstand mehr, sodass die Widerstandsbewegungen kaum noch Beachtung in der europäischen Politik fanden.28 Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es neben den eigenen Idealen und Prinzipien eine zentrale Deklaration, auf die sich die Unabhängigkeitsbewegungen berufen konnten. Die Atlantik-Charta forderte unter anderem das Selbstbestimmungsrecht aller Völker. Die Nationale Befreiungsfront Algeriens machte den Anfang und kämpfte in den Jahren 1954 bis 1962 gegen Frankreich für die eigene Unabhängigkeit. In Namibia kämpfte die SWAPO (South-West Africa People`s Organisation) für die Unabhängigkeit. In einigen Staaten konkurrierten zwei oder mehr Unabhängigkeitsbewegungen miteinander. So war es in Simbabwe zwischen der ZANU (Zimbabwe African National Union) und der ZAPU (Zimbabwe African Peoples Union).29 Im Zuge der Unabhängigkeitsbewegungen wurde im Jahr 1945 von Seiten der Kolonialmächte ein Mandatssystem für alle Kolonien gefordert, das mit Hilfe einer Untersuchungskommission auf die Selbstregierung vorbereiten sollte und gleichzeitig die Kolonialfrage aus der entstehenden Rivalität der Großmächte heraushalten sollte.30 Diese Rivalität war zunächst kaum ausgeprägt, da Stalin wenig Interesse an den afrikanischen Staaten zeigte und seinen Fokus vermehrt auf die industrielle Entwicklung der Sowjetunion und auf die Politik mit asiatischen Staaten legte. Erst mit dem Machtwechsel zu Nikita Sergejewitsch Chruschtschow wurde Afrika im Rahmen der sogenannten Drei-Welten- Vorstellung als neuer Block gesehen, der zur neutralen Friedenszone avancieren sollte. Die Sowjetunion erkannte nationalbürgerliche, afrikanische Regierungen an und unterstützte diese mit Geldern aus der Wirtschaftshilfe. Außerdem wurden Handelsabkommen abgeschlossen und weitere politische und wirtschaftliche Übereinkünfte auf Konferenzen getroffen.31

Auch die westlichen Staaten entwickelten in den folgenden Jahren Konzepte, um die ehemaligen Kolonien in ihr System miteinzubeziehen. Der US-Präsident Truman stellte zum Beispiel ein Programm auf, um die sogenannten unterentwickelten Weltgegenden durch die US-amerikanische Wirtschaft und Technik zu erschließen. Der britische Schatzkanzler Stafford Cripps hatte die Vorstellung eines europäisch-afrikanischen Blocks. Dabei galt Afrika als die Hinterhand Europas und sollte durch ein umfassendes Industrieprogramm westlich geprägt werden. Ein Programm sah die Umwandlung der Sahara in landwirtschaftlich nutzbares Land vor.32 Mit dem Einsetzen des Wettlaufs um die weltweiten Rohstoffe Anfang der 1950er Jahre spielte Afrika mit den großen Lagerstätten an Bodenschätzen, wie zum Beispiel Erdöl und Diamanten, ebenfalls eine wichtige Rolle. Durch den Straßburg-Plan (26.9.1952) wurde diesbezüglich die Gründung einer Europäischen Bank zur Finanzierung des Rohstoffabbaus beschlossen. Auch deutsche und italienische Unternehmen sollten beteiligt werden. Es kam aufgrund dieser industriellen Interessen zum Abschluss zahlreicher weiterer Abkommen und Verträge, so zum Beispiel zur Gründung des Entwicklungsfonds im Jahr 1958, in dessen Rahmen die Bundesrepublik Deutschland 200 Millionen DM investierte.33

Ende der 1950er Jahre lag der weltweite Fokus, wenn es um die Gewinnung von neuen Lebensräumen ging, jedoch nicht mehr auf den afrikanischen Rohstoffen, sondern auf der Kontrolle des Weltraums und des Meeres. Es gab jedoch weiterhin ein großes Interesse an afrikanischen Staaten, da sich beide Großmächte und ihre jeweiligen Verbündeten eine Vergrößerung des eigenen Machteinflusses versprachen.34

Doch auch in den afrikanischen Staaten wollte man eine Beteiligung an den ideologischen Konflikten verhindern. Daher wurde im Jahr 1961 gemeinsam mit asiatischen und lateinamerikanischen Staaten die sogenannte Blockfreienbewegung gegründet, die sich dadurch auszeichnete, dass diese Staaten sich an keinem Militärbündnis im Kontext der Konflikte der Großmächte beteiligten. Die Staaten Afrikas verpflichteten sich zusätzlich in der Charta der 1963 gegründeten Organisation der Afrikanischen Einheit35, die als Zusammenschluss den Entwicklungsländern36 auf internationalen Konferenzen mehr Gewicht sichern sollte, auf die Prinzipien der Blockfreiheit.37

1.2.1 Die kapitalistisch orientierte Bewegung in Afrika

Während der Phase der Unabhängigkeit in Afrika gab es mehrere Tendenzen und Bestrebungen, wie ein zukünftiger souveräner Staat auszusehen habe.38 Es existierten selbstverständlich regional stark unterschiedliche Interpretationen des Sozialismus bzw. des Kommunismus und auch des Kapitalismus. Denn in vielen Staaten wurden Kombinationen dieser Modelle mit dem traditionellen Politikverständnis und den spezifisch afrikanischen Bedingungen angedacht.39 Die im Folgenden kurz dargestellten Ideen sind nur Ideale und können nur als Basis aller Überlegungen auf dem afrikanischen Kontinent gelten.

In vielen Unabhängigkeitsbewegungen wurde ein kapitalistisch orientierter Weg diskutiert bzw. vertreten. Dieser Weg stellte wohl, was den Aufbau von politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen betraf, die am schnellsten durchsetzbare Möglichkeit dar. Denn während der Kolonialzeit wurden westliche Staatsmodelle auf die Kolonien oktroyiert, die sich von diesem Zeitpunkt an mit dem neuen System arrangieren mussten. Die politischen Strukturen wurden in Verfassungen festgehalten. Die Folge waren ökonomische Veränderungen, wie die Einführung der Geldwirtschaft und die (Welt-) Marktproduktion, die sozialen Veränderungen wie die Individualisierung der Gesellschaft und die kulturellen Veränderungen wie die Veränderungen durch die Arbeit der Missionare und das Entstehen neuer Eliten.40 Diese neuen Eliten, die zahlenmäßig sehr klein waren, stellten neben den politisch Einflussreichsten auch die Gruppe der Besitzenden dar, sodass sich eine mögliche Opposition auf keine wirtschaftliche Basis als Machtmittel stützen konnte.41

Länder, die sich in den 1970er Jahren ausdrücklich als kapitalistisch bezeichneten, waren Kamerun, Nigeria, die Elfenbeinküste, der Senegal und Sambia.42

1.2.2 Die sozialistisch orientierte Bewegung in Afrika

43 Neben dem kapitalistisch orientierten Weg wurde auch eine sozialistisch geprägte Entwicklung diskutiert. Der Sozialismus spielte in den ersten zwei Jahrzehnten der nachkolonialen Entwicklung eine wichtige Rolle in Afrika, die jedoch nach dem Ende des Kalten Krieges abnehmen sollte.44 In vielen Staaten wurde der Kampf um die eigene Unabhängigkeit als Kampf gegen die bisherige koloniale Ausbeutung interpretiert. Die Ausbeutung und die Unterdrückung durch die Kolonialmächte wurden mit dem System des Kapitalismus gleichgesetzt und daher zunächst strikt abgelehnt. Aus diesem Grund wurde der Sowjetunion ein breites Feld geebnet, um die Unabhängigkeitsbewegungen antikapitalistisch zu gestalten.

[...]


1 Der Begriff kam 1961 das erste Mal auf, als am 30.9.1961 die „Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ gegründet wurde. Deren Aufgabe war die internationale Koordinierung der Entwicklungshilfe. Der Begriff „Entwicklungshilfe“ wurde von der DDR nicht verwendet. Es gab auch keine zentrale Stelle für deren Koordination. Stattdessen wurde der Terminus „Wirtschaftshilfe“ benutzt. Ich werde den Begriff der Entwicklungshilfe jedoch der einfachhaltshalber auch für die Darstellung der DDR verwenden.

2 Der Begriff „Kalter Krieg“ wurde von Herbert B. Swope geprägt. Dieser war Mitarbeiter des Finanzfachmanns Bernard Baruch, einem Berater der US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman. Der Begriff beschreibt die Auseinandersetzungen zwischen den USA und der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Begrifflichkeit „Ost-West-Konflikt“ hingegen beschreibt die ideologischen Gegensätze seit dem Jahr 1917, dem Jahr der Russischen Revolution. (Quelle: http://www.britannica.com/EBchecked/topic/125110/Cold-War)

3 Sansibar wurde am 8.3.1964 unabhängig, Tanganjika erklärte seine Unabhängigkeit am 9.12.1961, am 26.4.1964 fusionierten Tanganjika und Sansibar zu einer Union und nannten sich „Vereinigte Republik von Tanganjika und Sansibar“, spätere Namensänderung zu Tansania. Ich werde im Laufe der Arbeit von der heutigen Bezeichnung Tansania (als Zusammenfassung von Tanganjika und Sansibar) sprechen, auch wenn es zu dem Zeitpunkt, an dem ich meine Analyse beginne, diese Bezeichnung noch nicht gab.

4 Hans-Adolf Jacobsen, Gert Leptin, Ulrich Scheuner, Eberhard Schulz (Hrsg.), Drei Jahrzehnte Außenpolitik der DDR. Bestimmungsfaktoren, Instrumente, Aktionsfelder, München 1979, S. 660.

5 Bernd Greiner, Christina Th. Müller, Dierk Walter, Heiße Kriege im Kalten Krieg, in: Greiner, Müller, Walter (Hrsg.): Heiße Kriege im Kalten Krieg, Hamburg 2006, in: historicum.net, http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/4021/ (15.März 2010, 13:20 Uhr), S. 1.

6 Der Begriff „Dritte Welt“ wurde im Jahr 1952 nach Eric Hobsbawn zuerst von einem Demographen, Alfred Sauvy, und einem Anthropologen, Georges Balandier, verwendet. Der Begriff spielt auf die im Zuge des Kalten Krieges entstehende Blockbildung - blockfreien Staaten als Dritter Block - an und erinnert an den Dritten Stand (Dirk van Laak, Imperiale Infrastruktur. Deutsche Planungen für eine Erschließung Afrikas 1880-1960, Habilitationsschrift, S. 23). Dritte Welt ist gleichbedeutend mit „Süden“ oder „Peripherien“ des kapitalistischen Weltsystems. Heute wird vermehrt der Begriff Nord-Süd-Konflikt verwendet, um auf die Probleme der Entwicklungsländer hinzuweisen (Samir Amin, Art. „Dritte Welt“, in: Jacob E. Mabe (Hrsg.), Das kleine Afrika- Lexikon. Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Stuttgart 2002, S. 40f.). Die DDR lehnte den Begriff der „Dritten Welt“ ab, da die Einteilung der Welt in arme und reiche Länder nicht real existiere, sondern ein kapitalistisches Konzept sei (Ulrich Post, Frank Sandvoss, Die Afrikapolitik der DDR, Hamburg 1982, S. 14).

7 Unterschiedliche Definitionen, was genau mit Souveränität gemeint war. Roosevelt meinte, dass das Selbstbestimmungsrecht auf alle Staaten der Welt zutreffen solle, wohingegen Churchill nur die von den Achsenmächten befreiten Staaten Europas darunter fasste (Adolf von Albertini, Dekolonisation. Die Diskussion über Verwaltung und Zukunft der Kolonien 1919-1960, Köln 1966, S. 36).

8 Eberhard Stahn, Der Kommunismus in Afrika, Schriftenreihe der Niedersächsischen Bundeszentrale für Politische Bildung, Weltkommunismus Heft 2, Bonn 1965, S. 5.

9 John J. Vianny, Politische Perspektiven Afrikas, Bonn 1972, S. 413. 3

10 Walter Greiner, Heiße Kriege im Kalten Krieg, S. 4.

11 Heinz Schneppen, Eine Insel und zwei deutsche Staaten. Sansibar und die Hallstein-Doktrin 1964-1966, in: Ulrich van der Heyden, Franziska Benger (Hrsg.), Kalter Krieg in Afrika. Die Beziehungen der DDR zu Sansibar und Tansania, Berlin 2009, S. 122.

12 Ebd., S. 127.

13 Seit den 1990er Jahren wird anstelle des Begriffes „Entwicklungshilfe“ der Terminus „Entwicklungszusammenarbeit“ verwendet, um die partnerschaftliche Gleichberechtigung zu betonen.

14 Literatur zum Kalten Krieg siehe: John Lukacs, Konflikte der Weltpolitik nach 1945. Der Kalte Krieg, dtvWeltgeschichte des 20. Jahrhunderts Bd. 12, München 1970; Werner Link, Der Ost-West-Konflikt. Die Organisation der internationalen Beziehungen im 20. Jahrhundert, Köln 1980; Wilfried Loth, Der Krieg, der nicht stattfand. Ursprünge und Überwindung des Kalten Krieges, in: Bernd Wegner (Hrsg.), Wie Kriege entstehen. Zum historischen Hintergrund von Staatenkonflikten, Paderborn 2000, S. 286-298.

15 Kommunismus nach Enzyklopädia Britannica: The political and economic doctrine that aims to replace private property and a profit-based economy with public ownership and communal control of at least the major means of production (e.g., mines, mills, and factories) and the natural resources of a society. Communism is thus a form of socialism—a higher and more advanced form, according to its advocates. http://www.britannica.com/EBchecked/topic/129104/communism. Kapitalismus nach Enzyklopädia Britannica: economic system, dominant in the Western world since the breakup of feudalism, in which most of the means of production are privately owned and production is guided and income distributed largely through the operation of markets. http://www.britannica.com/EBchecked/topic/93927/capitalism.

16 Werner Link, Der Ost-West-Konflikt, S. 55f.

17 Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte, Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, S. 327f.; Literatur zur Geschichte der Bundesrepublik siehe:

18 Literatur zur Geschichte der DDR siehe: Hermann Weber, Die DDR 1945-1990, Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 20, München 1993; Ulrich Mählert, Geschichte der DDR, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2005.

19 Werner Link, Der Ost-West-Konflikt, S. 120.

20 NATO: North Atlantic Treaty Organization ist ein militärisches Bündnis zwischen europäischen und nordamerikanischer Staaten.

21 Die kommunistischen Staaten nannten das Abkommen „Warschauer Vertrag“, wohingegen die westlichen Staaten die Begrifflichkeit „Warschauer Pakt“ verwendeten.

22 Werner Link, Der Ost-West-Konflikt, S. 147f.

23 Blockfreiheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Staat zu beiden Seiten Kontakte pflegen durfte und nicht durch Blockbindung in Abhängigkeit geraten sollte (Franz Ansprenger, Politische Geschichte Afrikas im 20. Jahrhundert, 2. Auflage München 1997, S. 115.).

24 Anita M. Mallinckrodt, Die Selbstdarstellung der beiden deutschen Staaten im Ausland. Image-Bildung als Instrument der Außenpolitik, Köln 1980, S. 48.

25 Dirk van Laak, Imperiale Infrastruktur, S. 393f.

26 Adolf von Albertini, Dekolonisation, S. 13f.

27 Ebd., S. 36.

28 Leonhard Harding, Geschichte Afrikas im 19. und 20. Jahrhundert, Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 1. Auflage München 1999, S. 27.

29 Peter Meyns, Art. „Rebellenbewegung“, in: Jacob E. Mabe (Hrsg.), Das kleine Afrika-Lexikon, S. 160.

30 Adolf von Albertini, Dekolonisation, S. 37.

31 Ebd., S. 40f.

32 Dirk van Laak, Imperiale Infrastruktur, S. 398f.

33 Dirk van Laak, Imperiale Infrastruktur, S. 410.

34 Ebd., S. 418.

35 Organization of African Unity wurde 1963 gegründet und ist die „Regionale Abmachung“ der Staaten Afrikas. Die Organisation ging aus dem Panafrikanismus hervor, einer Bewegung von Intellektuellen, die nach dem Zweiten Weltkrieg für Afrika Autonomie und Unabhängigkeit forderten. (Peter Meyns, Art. „OAU“, in: Jacob E. Mabe (Hrsg.), Das kleine Afrika-Lexikon, S. 146-148.)

36 Der Begriff „Entwicklungsländer“ ist sprachlich problematisch. Kritiker weisen daraufhin, dass dieser Begriff in unangemessener optimistischer Weise unterstelle, dass sich diese Länder tatsächlich entwickeln. Ich werde diesen in der heutigen Zeit bekannten und verbreiteten Begriff verwenden.

37 Samir Amin, Art. „Blockfreienbewegung“, in: Jacob E. Mabe, Das kleine Afrika-Lexikon, S. 25f.

38 Hier ist mit kapitalistisch nicht nur das Wirtschaftsmodell gemeint, sondern das gesamte Wertesystem, wofür der Westen nach Eigenverständnis im Gegensatz zum Kommunismus während des Kalten Krieges unter anderem einstand: Demokratie, Rechtssicherheit, Wahrung der Menschenrechte, Souveränität.

39 Eberhard Stahn, Der Kommunismus in Afrika, S. 38.

40 Leonhard Harding, Geschichte Afrikas im 19. und 20. Jahrhundert, S. 34ff.

41 Ebd., S. 85f.

42 Jakob Goldberg, Günter Judick, Fritz Rische, Afrika im Wandel. Zu einigen Problemen des nationalen Befreiungskampfes und der Bonner Afrikapolitik, Frankfurt/M. 1979, S. 45.

43 Sozialismus ist eine politische Weltanschauung, die darauf abzielt, eine solidarische Gesellschaft zu schaffen, in der die Grundwerte Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Veränderung der privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung ein, die nach sozialistischem Verständnis soziale und ökonomische Abhängigkeit begründet und der persönlichen und gesellschaftlichen Emanzipation entgegensteht. (Klaus Schubert, Martina Klein, Das Politiklexikon, 4. Auflage Bonn 2006).

44 Peter Meyns, Art. „Sozialismus“, in: Jacob E. Mabe (Hrsg.), Das kleine Afrika-Lexikon, S. 177. 12

Details

Seiten
49
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668368125
ISBN (Buch)
9783668368132
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187131
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
Schlagworte
entwicklungshilfe instrument kalten krieges staaten ostafrika/tansania jahren

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Titel: Entwicklungshilfe als ideologisches Instrument des Kalten Krieges. Die beiden deutschen Staaten und Ostafrika/Tansania in den 1960er Jahren