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Auseinandersetzung mit den 'Qualitativen Forschungsmethoden' der Kultur- und Sozialanthropologie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 49 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhalt

1. Verfassung eines Kommentars
1.1 Flick, Uwe 2004: 5 Punkte die mir für die qualitative Forschung besonders wichtig erscheinen
1.2 Merkens, Hans 2004: „Fallauswahl“, „Sampling“ , „Fallkonstruktion“ – Charakterisierung der drei beschriebenen Ebenen

2. Ausarbeitung der Thematik Recherchemethoden (Referat am 29.3.2007)

3. Durchführung einer Teilnehmenden Beobachtung – Erinnerungsprotokoll
3.1. Kritische Auseinandersetzung: Was waren meine Probleme und Erkenntnisse
3.2. Reflexion zur Teilnehmenden Beobachtung – was sollte das nächste Mal besser gemacht werden

4. Durchführung und Transkription eines Interviews

5. Reflexion des Interviews anhand einiger Fragen

6. Transkription des vorhergegangenen Interviews auf zwei verschiedene Arten
6.1 Transkription eines kurzen Ausschnitts in Literarischer Umschrift unter Berücksichtigung von parasprachlichen Merkmalen
6.2 Transkription in Standardorthographie
6.3 Anwendung der Transkription: Einige Fragen dazu
6.4 6 Interviewformen – eine kurze Auseinandersetzung. Wichtige Punkte um qualitativ gut vorzugehen
6.4.1. Narrativ-biografisches Interview
6.4.2. ExpertInneninterview
6.4.3. Leitfadeninterview
6.4.4. Problemzentriertes Interview
6.4.5. Tiefen- oder Intensivinterview
6.4.6. Rezeptives Interview

7. Reflexion zu der Thematik „Das qualitative Arbeiten im Feld“ bzw. „Ethnographie“

8. Kommentar zur Lektüre: Silverman, David. 2001 [1993] Chapter 10: “The Potential of Qualitative Research Research: Eight Reminders

Bibliografie

Anhang

1. Verfassung eines Kommentars

1.1 Flick, Uwe 2004: 5 Punkte die mir für die qualitative Forschung besonders wichtig erscheinen

a) Die konkrete Fragestellung

Sie ist eine der entscheidenden Faktoren für den Erfolg oder das Scheitern einer qualitativen Untersuchung. Ein Problem kann es darstellen, wenn sie zu weit gefasst ist. Es ist wichtig, sie so früh und so eindeutig und klar wie möglich zu formulieren. Dennoch ist es durchaus möglich die Fragestellung während eines Projekts ein wenig umzuformulieren (in Form von konkretisieren, fokussieren, weiter eingrenzen oder falls notwendig zu revidieren).

b) Die Zielsetzung (der Studie)

Es gibt unterschiedliche Typen von Zielsetzungen für qualitative Studien: Beschreibung, Hypothesenprüfung und Theorienbildung. Darüber hinaus ist es auch relevant zwischen Studien mit primär persönlichen Zielen und Studien mit praktischen Zielen sowie Forschungsziele zu unterscheiden. Außerdem stell sich noch die Frage, wofür das empirische material die Grundlage bilden soll (als Grundlage für ein Essay, oder erhält sie eher ein illustrative Funktion,...)

c) Die methodische(n) Herangehensweise(n)

Welche Methode man/frau wählt ist äußert wichtig, weil man je nach dem unterschiedliche Vorbereitungen zu treffen hat: sei es nun die Entscheidung für Gruppendiskussionen als Methode der Datenerhebung, für eine Teilnehmende Beobachtung oder für das Führen von Interviews. Bei Interviews stellen sich dann z.B. weitere Fragen, wie: einzeln oder zu zweit, wo, wann, mit wem,?

Um die theoretische Generalisierbarkeit zu erhöhen ist es oftmals auch erforderlich mehrere Methoden anzuwenden (Methoden - Triangulation) um ein Phänomen zu untersuchen.

d) Die Auswahl ( des empirischen „Materials“: Situationen, Fälle, Personen,...)

Eine sinnvolle Auswahl zu treffen kann mit unter eine sehr schwierige Entscheidung sein. Man muss sie treffen in Bezug auf Personen oder Situationen, an denen Daten erhoben werden – hier ist die Vergleichsgruppenbildung von Bedeutung - sowie in Bezug auf das erhobene Material selbst, an dem dann anschließend weiterführende Interpretationen durchgeführt werden müssen. Hier ist das Ziel immer auch für die Auswahl ausschlaggebend: Wenn es z.B. in der Theoriebildung liegt, gilt das Theoretische Sampling als der Königsweg.

e) Eine realistische Zeitkalkulation (für die Durchführung, für Unvorhergesehenes: z.B.: Ressourcen-> zeitlich, personell, materiell... stehen sie zur Verfügung?)

Nachdem man/frau als Kultur- und Sozialanthropologe die genannten Punkte im Zuge des Studiums eigentlich beherrschen müsste, komme ich zu dem meiner Meinung nach schwierigsten Punkt: das realistische Kalkulieren der notwenigen Zeit, um das Projekt erfolgreich durchführen zu können. Es ist das Um und Auf in der qualitativen Forschung.

Wenn man dies nicht gewissenhaft macht, kann so mancher Forschungsauftrag sich in Luft auflösen. Besonders oft, als wichtiger Faktor, werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen unterschätzt, oder man plant zu knapp und hat, falls „Katastrophen“ auftreten sollten, keinen Spielraum.

1.2 Merkens, Hans 2004: „Fallauswahl“, „Sampling“ , „Fallkonstruktion“ – Charakterisierung der drei beschriebenen Ebenen

Die Auswahlentscheidungen werden auf drei Ebenen gefällt:

a) Fallauswahl

Fallauswahl stellt die erste der Ebenen dar und bezieht sich auf die Erhebung von Daten.

Das erste Problem betrifft das Auswahlverfahren. Da die klassische qualitative Untersuchung das Besondere zum Thema hat, wurde dem weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Dennoch ist eine zumeist zu Beginn gestellte (konkrete) Fragestellung von großer Bedeutung. Dies impliziert eine gewisse Vorkonstruktion des Falls.

Das zweite Problem betrifft die Zugänglichkeit (zum Feld, zu den Personen,...). Ist diese nicht gewährleistet in gewissen Fällen, ist es dennoch von Bedeutung zu erörtert warum dies so war, ansonsten läuft man Gefahr, das Ergebnis zu verfälschen. Gatekeepers spielen, sofern die Zugänglichkeit gewährleistet ist eine wichtige Rolle. Um die erreichten Ergebnissen und die Übertragbarkeit einschätzen zu können, ist es notwendig Informationen zu ihrem/seinen Personenkreis zu gewinnen (häufig sind mit dem Entgegenkommen Eigeninteressen verbunden). Weiters wird unterteilt in primäre – wenn Personen, Ereignisse, Aktivitäten bewusst in die Stichprobe aufgenommen werden - und sekundäre Zugänglichkeit – wenn Teilnehmende sich selbst aktivieren müssen. Das Problem mit dem man sich in der qualitativen Forschung auseinandersetzen muss, betrifft den Anspruch auf Authentizität. Man darf hierbei nicht übersehen, dass eine Auswahl getroffen werden muss. Ein weiterer Punkt betrifft die Frage: Treffe ich die Auswahl der Gruppe auf Grund der Zugänglichkeit? Die kann natürlich die Arbeit erleichtern, dennoch muss man sich bewusst sein, dass die Untersuchung somit innerhalb der so gesetzten Grenzen.

Das dritte Problem innerhalb der Fallauswahl betrifft die Notwendigkeit Fallgruppen zu bilden. Dies kann aus zwei Gründen geschehen: 1. Auf Grund von Ergänzung oder Vervollständigung, oder 2. wenn man eine Replikation anstrebt. Die Auswahl hier erfolgt der Annahme über die Ähnlichkeit der untersuchten Fälle.

b) Sampling

Sampling stellt die zweite Ebene dar. Es betrifft die Interpretation mittels Auswahl des Materials und Auswahl im Material.

Das erste Problem betrifft die Fragestellung nach den Stichprobentechniken. Zwei Vorraussetzungen müssen gegeben sein: 1. eine Vorstellung über den Fall 2. Dokumentation von nachvollziehbaren Techniken bei der Ziehung von Stichproben. Da häufig eine Generalisierbarkeit der Ergebnisse angestrebt wird, ist es notwenig, dass die Stichprobe den Fall inhaltlich repräsentiert. Allgemein sollte auf eine maximale Variation geachtet werden. Es gibt zwei Vorgehensweisen: das ziehen einer Stichprobe, nachdem bereits bestimmte Merkmale festgelegt worden sind, oder man bedient sich des theoret. Samplings (das Erweitern und Ergänzen der Stichprobe auf Basis des jeweiligen Erkenntnisstands). Weiters ist zu empfehlen, eine Kombination aus Ereignisstichprobe (TB) und Personenstichprobe (Befragung) anzustreben. Auch gibt es Kriterien, die das Ziehen einer Stichprobe leiten können und ihre Qualität inhaltlich beschreiben (z.B. Schneeballmethode, „bottom up“ oder „top down“). Schließlich spielt die Qualität der Informantin/ des Informanten eine wichtige Rolle. Die abschließende Frage „wann die Stichprobe groß genug sei“ erfordert die Antwort: Sobald sich bei neuen Interviewpartnern keine neuen Informationen mehr ergeben.

Das zweite Problem betrifft die Definition/Kennzeichen des Einzelfalls. Ein Einzelfall kann sowohl eine Person, eine Gruppe oder auch eine Organisation sein. Hier ist zu begründen, warum der Fall gewählt worden ist. Allgemein soll das Typische einer Situation, einer Lebenslage... festgehalten werden. Außerdem muss ein Kriterienraster für die Auswahl der Ereignisse entwickelt werden. Die Auswahl von Ereignissen geschieht auf Grund eines Vorwissens, um danach den Fall zu rekonstruieren.

Theoretical Sampling beschreibt den dritten Punkt. Hier erfolgt eine Unterscheidung nach den Phasen der Inspektion und der Exploration. Bei der Inspektion ist es bereits möglich eine gewisse Konstruktion zu Beginn vorzunehmen, auf Grund eines Vorwissens. Bei der Exploration ist der Fall noch nicht bekannt, er wird erst während der Untersuchung konstruiert. Das Sammeln von Daten spielt im Zuge dessen eine wichtige Rolle.

Beim Theoretical Sampling wird schrittweise entschieden, wer oder was als Nächstes in die Untersuchung aufgenommen werden muss.

c) Fallkonstruktion

Die Fall Konstruktion stellt die dritte Ebene dar. Entweder werden Fälle gefunden, als besondere empirische Einheit, oder werden als Objekte angesehen, entdeckt in der Literatur. Die dritte Variante beschreibt Fälle als Konstruktionen, man erstellt sie auf Basis der Fälle, die vierte als Konventionen, indem man allgemeine Annahmen konstruiert. Zu allen, bis auf den zu Beginn genannten Punkt, gibt es allgemeine Regeln: 1. Vorannahmen formulieren 2. Selektion der Stichwahl primär oder sekundär 3. einschätzen der Rolle des Gatekeepers 4. Beschreibung der Qualität der Stichprobe

Danach erfolgt eine Beschreibung der Stadien, in denen der Fall jeweils Kontur annahm und in Verbindung damit der Umgang mit den Methoden des Samplings. Abschließend müssen die verwendeten Daten beschrieben und gezeigt werden, und ihre Relation zu den Ergebnissen.

Somit sollte die Nachprüfbarkeit gewährleistet sein, womit auch die Generalisierbarkeit – jedoch nur innerhalb des jeweiligen Kontextes – der Ergebnisse gesichert wird.

2. Ausarbeitung der Thematik Recherchemethoden (Referat am 29.3.2007)

Mit dieser Thematik habe ich mich sowie drei weiteren Kolleginnen befasst. Unsere ausgearbeiteten Punkte, die wir als Power-Point Präsentation zusammenstellten, befinden sich im Anhang (inklusive einer Literaturliste mit Werken die wir dafür verwendeten).

Unser Konzept umfasste folgende Fragestellungen:

- Definition des Wortes „Recherche“
- Was kann alles recherchiert werden?
- Welche Schritte des Forschungsprozesses können von Recherchearbeiten betroffen sein? Was bedeutet „Recherchieren“ in der wissenschaftlichen Praxis?
- Was könnte „qualitative Recherche“ bedeuten? Kriterien um zu beurteilen, ob jemand „qualitativ gut“ recherchiert hat?
- Was muss beim Recherchieren beachtet werden?

Die Bearbeitung der Fragestellungen ist im Anhang nachzulesen.

3. Durchführung einer Teilnehmenden Beobachtung – Erinnerungsprotokoll

Wann: Karfreitag, 6.April 2007, zwischen 19.40 und 21.40

Was: Grillfeier zum Abschluss der Fastenzeit, ungefähr 15 Personen

Wo: bei einem guten Freund in Eisenstadt, Privatgrundstück.

Vorwissen besteht bezüglich des Orts, außerdem kenne ich sowie die meisten anderen einen Großteil der Menschen, die wir dort antreffen werden

19.40 Ankunft mit einer Freundin (Kerstin). Wir treffen zwei Personen auf den Stufen vor dem Haus sitzend. Das Mädchen ist die kleine Schwester von Günther, dem Gastgeber, der Bursch ist der Cousin. Wir begrüßen uns alle gegenseitig mit einem „Hallo“. Der Bursch deutet mit seiner rechten hand in Richtung Tür:„Ihr wissts eh wo ihr hin müssts, einfach nach hinten!“ Das Mädchen ist gleich darauf wieder vertieft in ihr Handy, das sie in ihrer rechten Hand hält. Wir gehen vorbei.

Nachdem wir uns durch das Niederdrücken der Klinke Zutritt ins Haus verschafft haben, blicken wir uns erst einmal orientierend um. Wir folgen der Weg weisenden Türe rechts. Der Raum dahinter, die Küche, ist hell erleuchtet. In ihm befinden sich fünf Personen: die Mutter des Gastgebers, zwei jüngere (Bursch und Mädchen, 20 Jahre alt)Personen und eine ältere (etwa 30 Jahre alt), alles langjährige Freunde der gesamten Familie, sowie der jüngere Bruder des Gastgebers und dessen Freundin. Wieder begrüßen wir uns gegenseitig: ein freundliches, fröhliches Lächeln an alle, Blickkontakt, Hände reichen oder Umarmung und ein freundschaftlicher Kuss links – rechts auf die Wangen.

Aber bereits mit den Worten: „Wir schaun amal weiter!“, verlassen wir die Küche schon wieder durch die zweite Türe, und gelangen ins Wohnzimmer. Von dort geht es gleich weiter in den Wintergarten, in dem sich ein riesiger, dunkelbrauner Holztisch befindet und betreten schließlich den Vorgarten des Hauses.

Abermaliges Begrüßen wie zuvor. Der Gastgeber, Günther, steht bereits schwitzend vor dem Steinernen Griller und versucht schön langsam eine gute Glut zu bekommen.

Wir setzen uns an den links davor stehenden Tisch zu ein paar Freunden und unterhalten uns. Die ersten Getränke – alkoholischer Natur – werden konsumiert.

Die Gruppe der „Computerfreaks“ – das sind etwa fünf äußerst passionierte Computerspieler, ausschließlich männlich, die den Großteil ihrer Freizeit...Computer spielen. Klar. – Sie stehen extra in einem Kreis und unterhalten sich.

Jede(r) scheint intuitiv zu wissen, welcher „Gruppierung“ er/sie angehört. Insgesamt gibt es drei. Bloß die Freundin eines „Computerfreaks“ – auch der einzige der einen hat - sowie unser Günther befinden sich etwas abseits, vor dem Griller.

1. Die Gruppe in der Küche: die Mutter, langjährige Freunde der Familie sowie andere Familienmitglieder (z. B. der Cousin, die Schwester, der jüngere Bruder mit Freundin).
2. Die „Computerfreaks“ mit ihren ganz spezifischen Interessen und Themengebieten, bei dem sich ein Außenstehender/ eine Außenstehende so wie ich schwer tut.
3. Wir: Wir sind alle schon seit Jahren befreundet, kennen uns vorrangig aus der Schulzeit oder vom Fortgehen.

Wir: Beim Anstoßen wird allgemein auf Augenkontakt Wert gelegt. Es herrscht eine fröhliche, lockere Stimmung. Die meisten haben sich – trotz Freundschaft – schon länger nicht mehr gesehen (Aufteilung auf drei Bundesländer: Bgld, Wien und Steiermark). Es wird erzählt von Neuigkeiten, witzigen Erlebnissen, dem Studium oder dem Beruf usw.

Ein Hund läuft herum und zieht immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Es ist 20.30

Etwa 30 min danach (ca.21.00 Uhr):

Es ist dunkel und kälter geworden. Die Gruppe aus der Küche befindet sich immer noch dort. Wir – jetzt bestehend aus vier Personen (Kerstin, Anna Ali und ich) haben uns hinein begeben in den Wintergarten, an den riesigen Holztisch und uns wärmend ins Eck zusammengedrängt.

Das Wohnzimmer scheint als Pufferzone zu fungieren zum inneren, intimeren, privateren Bereich. Die „Computerfreaks“ haben um den Tisch draußen, wo wir zuvor waren, Platz genommen.

Allgemein herrscht jedoch jetzt eine unruhigere Stimmung: man(n) kann endlich grillen. Nachdem die meisten Burschen ihr mitgebrachtes Fleisch geholt haben, übernimmt jedoch der Gastgeber wieder die meiste Arbeit. Aber er macht sie gerne. In seinem verschwitzten Gesicht leuchten seine Augen jedes Mal, wenn er triumphierend ein Stück leicht angebräuntes Fleisch präsentiert und zum Verzehr frei gibt. Er legt höchsten Wert darauf, dass es maximal Medium oder sogar noch blutig ist: „Man muss das Fleisch noch schmecken!“ sagt er immer. (Anm. meinerseits: Günther verzichtete gänzlich, während der gesamten Fastenzeit auf Fleisch, welches er jedoch allg. zu seinem Grundnahrungsmittel erklärt hat. Das könnte tw. seine überdimensionale Euphorie und Leidenschaft erklären.)

Alex, der Freund meiner Freundin Ali, macht das Fleisch für unsere Runde. Er ist sichtlich stolz und grinst wenn v.a. seine Freundin ihm zu verstehen gibt, dass er gute Arbeit geleistet hat und vor seinen Augen ein Stück Fleisch genüsslich isst. Auch sie mag das Fleisch gern medium bis blutig. Nicht so unsere liebe Freundin Anna: Sie lässt das gute Stück zurückgehen. Alex lässt sich nicht beirren und verspricht, es für sie perfekt zu machen. Dass er jedoch nicht selbst am Griller gestanden ist, wird etwa 10 min später, nach zweimaliger Retournierung deutlich, als unser lieber Gastgeber mit hochrotem Kopf durch die Türe stapft. Wild mit dem Fleisch in der Zange gestikulierend ruft er: „So, und wenn noch jemand sein Fleisch ganz durch haben will, dann fang ich an zu weinen!“ Mit diesen Worten lässt er das dampfende, leicht angeschwärzte Stück auf ihren Pappteller fallen, dreht sich um und geht. Anna is(s)t endlich glücklich und sägt bedächtig ein kleines Stück ab, um es anschließend komplett im Ketchup einzutauchen. „Siehst du, jetzt isses wieder rot!“ ruft sie und lacht. Alex hat inzwischen gegenüber Platz genommen und macht sich gierig aber dennoch ehrfürchtig über sein noch äußerst saftiges Fleisch her. Er schüttelt seinen Kopf, als er Anna ansieht und sich brüskiert: „Wie kann man so was nur essen?“

Aber sie hört ihn schon lange nicht mehr.

„Und ihr?“, fragend richtet sich Alex` Blick an Kerstin und mich. „Wollts ihr nix essen?“

Ich verneine dankend, während ich in Gedanken vermerke: wenn es ums Grillen geht – nie mehr wieder teilnehmende Beobachtung! Besonders gegen Ende war mir bei dieser genauen und aufmerksamen Beobachtung ein wenig schlecht geworden. Mich erinnerte das ganze Verhalten irgendwie an ein Ritual, bei dem ich im Nachhinein nicht wusste wo ich mich befand (Liminalität), oder einen Fetisch.

Und Kerstin? Sie ist Vegetarierin und hat bereits mehr oder weniger erfolgreich begonnen, ihren Ekel im Alkohol zu ertränken. Ich nehme ihr die Kartoffel, der sie ein Gesicht aufgemalt und Hubert nennt aus der Hand und reiche ihr stattdessen ihr Glas. Dann stoßen wir an.

3.1 Kritische Auseinandersetzung: Was waren meine Probleme und Erkenntnisse

Probleme:

1. Aufmerksamkeit: wem bzw. was soll ich sie schenken? Was ist DAS WICHTIGE, das man festhalten muss? Es kommt nach einer Phase der Überforderung im Nachhinein zu einer automatischen Selektion
2. Vorsicht durch wertende Begriffe (z.B. „Computerfreaks“), sollte nicht vorkommen. Ist in meinen Augen die Benennung der Gruppe
3. Wie greife ich verändernd und steuernd in das Geschehen ein? War für mich schwierig zu sehen, zu reflektieren. Hab mich „so natürlich wie möglich“ zu verhalten versucht.

Erkenntnisse:

1. Zu Beginn wusste ich nicht, woraus sich meine Aufmerksamkeit richten sollte. Kristallisierte sich im Nachhinein, durch das Erinnerungsprotokoll erst heraus. (Gleich mitzuschreiben muss beinahe ein Ding der Unmöglichkeit sein!)
2. Es ist wichtig, wenn möglich im Vorhinein einen kleineren Bereich bei der TB abzustecken, der beobachtet werden soll (bei mir z.B. 1. Gruppierung,... 2. Das Grillen,...)
3. Ich und die anderen, wir und die anderen. Beim „Reinschreiben“ das Ausdrücken von Unterschieden. Weshalb? War für mich interessant zu bemerken wann das wichtig und wodurch das deutlich wird
4. Die Gruppen waren egal, selbst, wenn sie noch getrennt saßen, als es ums Essen, ums Grillen ging. Etwas Größeres fasst kleinere Unterschiede zusammen und lässt sei verschwinden und/oder es zeigen sich neue Divergenzen wie geschlechtlicher Natur. Z.B. Männer haben gegrillt oder zumindest das Fleisch hingetragen und zum Großteil dann zugesehen und dirigiert. Frauen hatten weniger Interesse an dem „Akt“ an sich, als am Resultat. (Ausdruck durch Lob oder Kritik)

3.2 Reflexion zur Teilnehmenden Beobachtung – was sollte das nächste Mal besser gemacht werden

- Da ich im Moment Nigel Barley verfallen bin („Traumatische Tropen“ und „Tanz ums Grab“) denke ich, dass ich mich bei der Verschriftlichung zu sehr auf die witzigen Aspekte konzentriert habe und in Folge dessen zu wenig sachlich und objektiv geblieben bin. Wenn gleich es auch wirklich amüsant war. Verschiedene, wahrscheinlich wichtige Kleinigkeiten habe ich höchstens unbewusst wahrgenommen.
- Da ich erst am Abend des nächsten Tages mein Erinnerungsprotokoll verfasst habe, wurde sicher auch einiges bereits ausgefiltert. Das nächste Mal habe ich nicht vor solange zu warten.
- Ich war zunächst unsicher was alles ich beobachten sollte. Danach habe ich selektiv einige Dinge bewusster verfolgt und ebenso selektiv niedergeschrieben. Ob das richtig war, weiß ich nicht.
- Ich war die gesamte Zeit in das Geschehen integriert. Ich denke, es wäre sicherlich auch interessant gewesen die Situation von „außen“ zu beobachten. Möglicherweise hätte aber mein ungewohntes Verhalten dann die Beobachtung verzerrt.

4. Durchführung und Transkription eines Interviews

Thema bzw. Fragestellung: Wie rezipieren Menschen Kunst beziehungsweise wie ist das Verhalten von verschiedenen Menschengruppen beim Besuch von Ausstellungen, Museen und dergleichen?

Datum : 22.2.2007, Uhrzeit: etwa 15 Uhr

Ort : Eisenstadt. Das Interview wurde im Schlosspark der Stadt durchgeführt.

Zur Vorbereitung: Die grobe Thematik war schnell klar. Ich habe mir eine Fragestellung überlegt und dann dazu einige Fragen. Das Thema beschäftigt sich mit Kunst, da ich nebenbei Kunstgeschichte studiere und ein Teil der Bekannten meiner Familie entweder künstlerisch tätig oder zumindest interessiert sind. Zwecks Aufzeichnung werde ich ein kleines Aufnahmegerät verwenden.

Zur interviewten Person: Bekannte meiner Familie. Teilzeitkünstlerin: „ Besuche in meiner Freizeit gerne Ausstellungen. Beschäftige mich mit zeitgenössischer Kunst. Kenne sehr viele Künstler persönlich. Teil meiner aktiven Freizeitgestaltung.“

Alter: 48

Beruf: Lehrerin

Geschlecht: weiblich

Wohnort: 7062 St. Margarethen

Interviewer A

Interviewte Person B

A: Zu Beginn möchte ich nochmals kurz bemerken, dass dieses Gespräch vertraulich behandelt wird. Weiters wird es nicht ohne Ihr Wissen weiter veröffentlicht und Ihr Name wird nirgendwo erwähnte werden, es sei denn, es ist Ihr ausdrücklicher Wunsch.

B: Ja, das weiß ich.

A: Ich habe mir die Frage gestellt: Wie rezipieren Menschen Kunst beziehungsweise wie ist das Verhalten von verschiedenen Menschengruppen beim Besuch von Ausstellungen, Museen und dergleichen? Warum haben Sie sich bereiterklärt, mir als Interviewpartner zur Verfügung zu stehen?

[...]

Details

Seiten
49
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656110385
ISBN (Buch)
9783656110682
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187115
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien
Note
1,0
Schlagworte
Verfassung eines Kommentars Recherchemethoden Teilnehmende Beobachtung Interviews-Durchführung und Transkription Ethnographie Flick Uwe Merkens Hans Silverman David

Autor

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Titel: Auseinandersetzung  mit den 'Qualitativen Forschungsmethoden' der Kultur- und Sozialanthropologie