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“El Cine Documental en Argentina”: Theorie des Dokumentarfilms und filmische Erzählstrategien

Analyse des Dokumentarfilms “Deuda: ¿Quién le debe a quien?” (2004) von Jorge Lanata

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 15 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Historischer Hintergrund

2. Klassifikation

3. Filmische Narration
3.1 Struktur
3.1.1 Vorspann und Abspann
3.1.2 Handlungsbeginn und Vorstellung der Protagonistin
3.2 Erzähler
3.2.1 Erzählperspektive - Jorge Lanatas Führung durch den Film
3.2.2 Darbietungsform d. Erzählens - Erzählerrede

Bibliografie

Anhang

Sequenzprotokoll

Einstellungsprotokoll

1. Historischer Hintergrund

Die argentinische Wirtschaft ist traditionell durch die Landwirtschaft geprägt. Bis in die 1950er Jahre wurden fast ausschließlich Agrargüter exportiert. Danach setze die Industrialisierung in großem Umfang ein. (vgl. Boris/Tittor 2006: 10ff)

Die 1976 unter der Politik der Militärdiktatur eingeleitete massive Staatsverschuldung fügte der heimischen Wirtschaft schweren Schaden zu. Die Auslandsverschuldung in dieser Zeit von ca. 7 Milliarden Dollar auf über 45 Milliarden Dollar. (vgl. Boris/Tittor 2006: 19)

Die Wahl des Kandidaten der UCR, Raúl Alfonsín im Jahr 1983 markierte das Ende der Militärdiktatur. Versuche wurden gestartet die Schuldenlast zu verringern, dennoch kam es in den 1980er Jahren zu einem raschen und unkontrollierten Verarmungsprozess breiter Bevölkerungsteile. (vgl. Boris/Tittor 2006: 19)

Der 1989 gewählte Präsident, Carlos Menem, vollführte einen Kurswechsel hin zu einer neoliberalen Wirtschaftspolitik. Zunächst erfolgte die 1:1-Bindung des Argentinischen Peso an den US-Dollar, was die Inflation fast schlagartig zu einem Ende und dem Land einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung brachte. Auf längere Sicht hatte sie aber zur Folge, dass argentinische Produkte auf dem Weltmarkt teurer und Importware im Inland billiger wurden. Zahlreiche argentinische Produktionsbetriebe mussten schließen. Kapitalflucht setzte ein, und das ohnehin hoch verschuldete Land musste immer neue Kredite im Ausland aufnehmen, um alte Verbindlichkeiten bezahlen und Devisen für dringende Importe bereitstellen zu können. Anfangs wurde dies noch durch privates Kapital ausländischer Anleger überlagert, die sich in argentinische Unternehmen einkauften. Das war möglich durch die von Carlos Menem eingeleiteten Privatisierung von Staatsbetrieben. (vgl. Boris/Tittor 2006: 25f)

Ende 2001, unter Präsident Fernando de la Rúa, hatte die Verschuldung schließlich soweit zugenommen und die Wirtschaftsleistung soweit abgenommen, dass dieser, zusammen mit Wirtschaftsminister Cavallo, nach schweren Unruhen auf Grund seiner die Situation verharmlosenden Ansprache am 19.Dezember und des erlassenen Corralito (Kontensperrung), zurücktrat. Die folgende Regierung gab den Staatsbankrott bekannt. (vgl. Boris/Tittor 2006: 40)

Erst im Dezember des Jahres 2002 bzw. im Januar 2003 kam es zu einem „vorläufigen Abkommen“ mit dem IWF. Die fälligen Schuldendienstzahlungen konnten damit für acht Monate aufgeschoben werden, was zu einer leichten Erholung der Wirtschaftlichen Lage führte. (Boris/Tittor 2006: 49f)

Für große Teile der Bevölkerung hatte sich die Situation jedoch bereits dramatisch verschlechtert. Zwischen Oktober 2001 und Juni 2002, stieg die Armutsrate auf über 50 %. Besonders die nördlichen Provinzen - Tucumán, Chaco, Formosa und Santiago del Estero – waren am stärksten von Armut und Unterernährung betroffen. Ab 2003 normalisierten sich die Werte langsam wieder, allerdings bleibt die Armutsrate mit über 20 % deutlich über den Werten der 1990er Jahre. (Boris/Tittor 2006: 49f)

2. Klassifikation

„The documentary, he said, is not a mirror but a hammer.“ (John Grierson zitiert von Barbash und Taylor 1997: 18)

Jorge Lanatas Dokumentarfilm „Deuda: ¿Quién le debe a quien?” aus dem Jahr 2004, weißt nach Llisa Barbash und Lucien Taylor (vgl. 1997: 17ff) sowie Bill Nichols (vgl. 2001: 68ff) typische Charakterzüge eines „Expository Modes“ auf, wobei sich erstere auf Grund ihres Kultur- und Sozialanthropologischen Hintergrunds dieser Film-Machart kritischer gegenüber stellen, als zweiterer. Abgesehen von der Wertung lassen sich Grundelemente eines „Expository“-Dokumentarfilms in beider Literatur finden.

Prinzipiell lässt sich festhalten, dass der Zuseher direkt adressiert wird, entweder durch einen On-Screen Kommentator oder ein Voice-Over. (vgl. Barbash/Taylor 1997: 17) In dem einen wie in dem anderen Fall besteht eine gewisse Distanz zu dem restlichen Film, sie erscheinen eher kommentierend bezüglich Handlungen und Szenen, als selbst tatsächlich Teil davon zu sein. Der Kommentator bemüht sich so um Glaubhaftigkeit durch seine distanzierte, (scheinbar) neutrale, selbstlose und allwissende Position (vgl. Barbash/Taylor 1997: 17; Nichols 2001: 107)

In Jorge Lanatas Dokumentarfilm lassen sich sowohl On-Screen Kommentator als auch Voice-Over finden, beide „verkörpert“ durch Lanata selbst. Lanata befindet sich als On-Screen Kommentator stets räumlich distanziert in einem Hotelzimmer, als Voice-Over findet man ihn beispielsweise bei 00:41:20, während des schnellen häufigen Wechsels zwischen ihm als On-Screen Kommentator und als Begleiter des Presidenten des "Auditorio General de la Nación" im „Ministerio de Economía“.

Bedeutung und Standpunkt, konstatieren Barbash und Taylor (vgl. 1997: 17f) wie auch Bill Nichols (vgl. 2001: 107), würden eher konstruiert durch die Tonspur oder das gesprochene Wort als durch die Bilder, welche in „Expository“ Dokumentationen dem Zweck des Komplementierens oder Kontrastierens als Gegenstück des im On-Screen Kommentator oder ein Voice-Over gesagten dienen. (vgl. Barbash/Taylor 1997: 17f)

Da das Hauptaugenmerk in dieser Art Film auf der Kontinuität des gesprochenen Wortes bzw. der Argumentation liegt, verwendet Nichols den Begriff des „Evidentary Editings“ für die Reihung und Anordnung von Bildern als Untermalung und Beweisführung des Gesagten. (vgl. Nichols 2001: 107)

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Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656103455
ISBN (Buch)
9783656103165
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187109
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Schlagworte
Medienwissenschaften Dokumentarfilm Argentinien Jorge Lananta

Autor

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Titel: “El Cine Documental en Argentina”: Theorie des Dokumentarfilms und filmische Erzählstrategien